Autoren: Mario Kablau / Sverre Petersen
Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir befinden uns im Jahr 2018. Dies sind die Abenteuer der Raumschiffs Equinox, das im weit entfernten Atlas System unterwegs ist, um das System vor der Legion und deren Anführer Grax zu befreien. Die Equinox dringt dabei zu Planeten vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
Chaos im Atlas-System
Mit dieser ikonischen Einleitung ist zur Geschichte eigentlich schon alles Wichtige gesagt, ich führe es aber dennoch ein wenig mehr aus, denn Starlink ist natürlich nicht mit Star Trek zu vergleichen. Also: Man begleitet die Crew der Equinox, die nach einem Angriff auf einem nicht erforschten Planeten abgestürzt ist und deren Captain entführt wurde. Zuerst verfolgen sie das Ziel, ihr Mutterschiff wieder flott zu machen und anschließend wollen sie schnellstmöglich ihren Captain retten. Dabei stellen sie aber schnell fest, dass etwas Großes im Gang ist. Der Anführer der Legion, Grax, möchte den Captain der Equinox nutzen, um bisher unerreichte Macht zu erhalten und damit die Herrschaft an sich zu reißen. Um dieses Vorhaben zu unterbinden braucht die Crew der Equinox Hilfe. Auf den sieben Planeten im Atlas-System sorgen sie daher nach und nach dafür, dass die Bewohner sich gegen Grax zur Wehr setzen und so auch ihre eigene Schlagkraft immer größer wird. Denn nur gemeinsam haben sie eine Chance gegen den übermächtigen Gegner.
Mittendrin ist exklusiv auf der Switch-Version auch noch das Team Star Fox. Fox und seine Teammitglieder treffen am Anfang eher zufällig auf die Equinox und schnell verbünden sich die Teams. Das hat auch Auswirkungen auf die Geschichte, denn zum einen sind die Arwings an den Missionen der Storyline beteiligt und zum anderen haben sie auch ihre eigenen Aufgaben zu erfüllen. Denn neben Grax heckt auch Wolf fiese Pläne aus, die es zu vereiteln gilt. Quasi parallel zur Geschichte des Hauptspiels kann man daher diese voll integrierte Nebenhandlung spielen und so ein sehr abwechslungsreiches Abenteuer erleben. Wirklich tiefgreifend ist die Geschichte jedoch nicht, sehr wohl aber spannend erzählt und von tollen Videosequenzen begleitet. Ein paar Wendungen sind dabei, so dass ich mich davon voll reinziehen lassen konnte.
Das bessere Star Fox?
Etwas Ähnliches kann ich auch über das Gameplay sagen: Spannend gestaltet, jedoch mit Schwächen. Das reine Grundgameplay ist in meinen Augen wirklich stark und braucht sich auf gar keinen Fall vor Größen wie eben Star Fox verstecken. Ganz im Gegenteil, für mich ist es gameplaytechnisch das Spiel, welches Star Fox Zero hätte werden sollen! Es spielt sich rasant, die Manöver fühlen sich gut an, das Trefferfeedback fällt gelungen aus und die Möglichkeiten im Kampf oder auch beim normalen Erkunden fallen vielfältig aus. Ja sogar die berühmt berüchtigte Barrel Roll ist mit von der Partie! Dazu kommt dann auch noch ein hoher Faktor an Individualität, denn ich habe die Möglichkeit mein Schiff je nach gegebener Situation anzupassen.
Doch was bedeutet das? Nunja: Die einzelnen Feinde im Spiel besitzen verschiedene Element-Schwächen sowie -Stärken und gegen diesen muss man schlichtweg mit den richtigen Waffen entgegenwirken. Jedoch findet dabei kein wirkliches Experimentieren statt, welche Waffe wann und wie effektiv ist, es wird mir stets vorgekaut und angezeigt, welche ich doch nun im besten Falle einsetzen sollte, was somit einen möglichen spannenden Aspekt komplett zunichte machte. Sehr schade. Somit waren einzig und allein die Effekte entscheidend und spannend zu erforschen,
wobei diese auch schnell erforscht waren. So fügt eine Feuerwaffe viel wahrscheinlicher kritischen Schaden zu und eine mit Eiseffekt stunt die Feinde kurzfristig und deren Bewegungsabläufe fallen deutlich langsamer aus. Das gleiche galt natürlich auch, wenn ich von den jeweiligen Elementen getroffen wurde.
Eine nette Abwechslung im Gameplay ist also gegeben, wenn auch wie erwähnt ein paar Chancen verpasst wurden. Und verpasste Chancen sind genau das richtige Stichwort, denn Ähnliches gilt auch für die Auswahl der Feinde. Neben Raumschiffen im All könnt ihr auf den jeweiligen Planeten auch ansässige Bedrohungen treffen, wie Eis-, Kinese- oder Feuerzyklopen. Und diese drei Gefahren sind auch fast schon alle… Ihr trefft diese dann mal mit Schuss statt Nahkampfwaffen an oder größer, bzw. kleiner, aber grundsätzlich gab es
bei diesem Punkt nicht sonderlich viel Abwechslung. Auch hier wieder: Es gibt so viele verschiedene Planeten. Warum werden diese nicht mit jeweils unterschiedlichen Arten von Feinden versehen? Schließlich fällt die Flora und Fauna auch unterschiedlich aus, ich konnte sogar die typischen Wesen jedes Planeten analysieren und Informationen zu diesen herausfinden, auch wenn dies keinen tieferen Sinn hatte, oder für jeden Planeten eigene Materialien erhalten. Aber es war nicht möglich, weitere Arten von Gegnern ins Spiel zu implementieren? Wie gesagt, sehr schade, denn weitere unterschiedliche und individuelle Gegner hätten das Spiel nochmals aufgewertet, so stellt sich dieser Punkt aber erneut als vertane Chance raus.
Als letztes aber nochmal etwas positives, der Multiplayer. Am meisten Spaß hatte ich mit Starlink mit zwei Spielern, da man sich super absprechen konnte, wie man die Legion nun attackieren möchte und die „Arbeit“ gelungen aufteilen konnte. Deshalb würde ich auch jedem empfehlen, das Spiel auch mal mit Freunden anzuschmeißen.
Komm, spiel mit mir!
Ein wesentliches Kernelement von Starlink sind natürlich die Spielzeuge, die man dazu kaufen kann. Man kann das Spiel zwar auch ohne die Spielzeuge spielen – was vor allem im Handheld-Modus Sinn macht, dann geht aber ein wesentlicher Faktor zu Immersion flöten. Übrigens kann man alle Schiffe auch digital kaufen – etwas, das man durchaus als fragwürdig bezeichnen kann. Um die Spielzeuge ins Spiel zu bringenbenötigt man den mitgelieferten Spezialcontroller. An dem kann man zwei Joy Cons ganz normal anschließen und auf den Aufsatz oben dann die Spielzeuge aufstecken. Zunächst den Piloten, dann das Raumschiff selber und schließlich noch Flügel ans Schiff und Waffen an die Flügel. Damit ergeben sich zahllose Kombiationen, die entsprechend Einfluss auf verschiedene Werte im Spiel haben. Sei es Energie oder Geschwindigkeit des Schiffs oder eben die verschiedenen Waffen mit unterschiedlichen Angriffen. Quasi on the fly kann man im Spiel so die Waffe oder gar das ganze Schiff bzw. den Piloten wechseln, in dem man die Teile auf dem Controller austauscht. Cool ist, dass man auf dem Controller immer genau das Schiff hat, was man gerade auch im Spiel sieht. Das regt vermutlich nicht wenige dazu an, den Controller beim Spielen mitzureißen.
Im Starter Pack, das man aktuell für etwa 60 Euro kaufen kann, sind zwei Charaktere, ein Arwing und zwei Waffen dabei. Weitere Sets, jeweils bestehend aus Schiff, Waffe und Charakter kann man für etwa 25 Euro kaufen. Eine teure Angelegenheit. Allerdings ist Ubisoft mit dem Konzept gerade mehr oder weniger alleine auf dem Markt, nachdem die anderen Toys to Life Konzepte wie zum Beispiel Skylanders eingestellt wurden.
Negativ an dem Ganzen ist vor allem, dass das Aufstecken der Schiffe relativ schwergängig ist. Ich habe jedes Mal Angst, etwas abzubrechen, weil man sowohl beim Dran- als auch bei Abmachen ziemliche Gewalt anwenden muss. Außerdem ist das Wechseln von Charakter, Schiff und / oder Waffen im Spiel selbst schneller gemacht als im echten Leben. Es ist also mehr eine nette Spielerei als wirklicher Mehrwert im Spiel. Deshalb ist es sehr löblich – gerade für Unterwegs im Handheld –Modus, dass es auch komplett ohne die Spielzeuge geht. Einmal aufgesteckte Teile kann man im Spiel jederzeit auswählen, man kann also dann wirklich darauf verzichten.
Monotonie
Meine letzten Punkte sind Messionsdesign und Atmosphäre und ich fange mal mit dem Positiven an, nämlich die Atmosphäre. Hier zeigt sich Starlink in meinen Augen von seiner stärksten Seite! Der Stil orientiert sich wie ich finde stark an „No Mans Sky“ welches den meisten von euch glaube ich ein Begriff sein wird. Die meisten Planeten sind sehr bunt gestaltet, sowie abwechslungsreich, wodurch das Spiel bei mir sehr stark punkten konnte. Für mich ist bei Starlink auch der stärkste Punkt mit Abstand die Atmosphäre! Ich habe mich stets wie in einem echten Star Fox Spiel
gefühlt und besonders die Momente, in denen man von einem Planeten ins Universum flog waren besonders stark. Dazu kommen dann auch noch Schlachten gegen ein riesiges Kriegsschiff, die das Gefühl einer echten Weltraumschlacht perfektionierten. Atmosphärisch braucht sich Starlink also in keinem Fall verstecken, es verbindet die Stimmung eines No Mans Sky mit der eines Star Fox, was eine perfekte Mischung ergab. Wirklich stark!
Wiederum der schwächste Punkt des Titel ist für mich einer der mit Abstand wichtigsten: Das Missionsdesign. Dieses ist so ziemlich das langweiligste und abwechslungsarmste, welches ich seit Jahren gesehen habe. Und dabei hätte Starlink aufgrund des gelungenen Gameplay und eben der Atmosphäre so viele Möglichkeiten gehabt. So geht es von Anfang an im Prinzip nur darum, die Legion auf den einzelnen Planeten zu schwächen und dadurch die eigene Fraktion zu stärken. Erreichen könnt ihr dies, indem ihr Raffinerien, Werkstätte, Arsenale, Observatorien oder Starlink-
Türme errichtet. Dies wird ermöglicht durch sogenanntes Nova, wobei ein Observatorium am wenigsten kostet und ein Turm am meisten. Erhalten konnte ich Nova z.B. durch Einnehmen von Basen, Zerstören von Nestern oder Hacken von Daten.
Mit Abstand am besten gefallen haben mir dabei die Kämpfe gegen sogenannte Primes, quasi Bosse in dem Spiel. Am Ende bestand aber jede Mission eigentlich nur daraus Gegner abzuballern, nur mit einem anderen Namen. Dadurch dass dann auch noch die Gegner wie erwähnt kaum Vielfalt besitzen, könnt ihr euch vorstellen, wie spannend das war… Zwar gibt es auch noch die Möglichkeiten, diese Stützpunkte aufzuleveln, indem man Rohstoffe verkauft oder sie mit Nova weiterentwickelt, wirklich spannend war dies aber auch nicht. Und das ist quasi das gesamte Spiel: Von Planet zu Planet fliegen, Basen verbessern, errichten oder einnehmen, die immer gleichen Gegner abknallen und das gleiche nochmal. Das dieses System sehr schnell sehr langweilig wurde brauche ich dabei wohl keinem erklären zu müssen. Wenn man dann auch noch bedenkt, dass man sich Leben quasi durch neue Piloten kaufen muss, da die einzelnen Piloten als Leben dienen und nicht einmal eine eigene Mission besitzen, finde ich das schon sehr schwach.
Und dabei bietet Starlink wie schon so oft gesagt so viel Potenzial! Die Welt ist vielfältig und spannend aufgebaut, die Charaktere interessant und das Gameplay war auch stark. Aber dieses Missionsdesign lässt so einen vielversprechenden Titel so schwach wirken. Wirklich extrem schade.
Technik und Steuerung
Technisch ist das Spiel gut gelungen. Die Optik hat mich überzeugt. Klar, es kann nicht mit den Versionen für Xbox One und PlayStation 4 mithalten, sieht aber insgesamt dennoch überraschend gut aus und läuft die meiste Zeit flüssig. Egal, ob im Dock oder im Handheld. Lediglich Popups können hier und da etwas nerven. Hier und da trifft man eben mal auf ein unerwartetes Hindernis, das stört aber nur sehr selten. ie Zwischensequenzen sehen auch wirklich toll aus, hier wurde sichtbar Zeit und Geld investiert. Dazu kommt eine sehr gute deutsche Sprachausgabe, so dass dieser Teil sehr gut dazu beiträgt, ins Spiel gezogen zu werden. Die Musik ist mir nicht so wirklich aufgefallen. Das Geschehen wird natürlich musikalisch untermalt, aber eher unauffällig. Insgesamt also ein technisch solides Spiel mit Tendenz zu überdurchschnittlich.
An der Steuerung gibt es kaum etwas zu meckern, im Gegenteil. Mit den beiden Joy Con Sticks geht die Steuerung der verschiedenen Schiffe sehr gut von der Hand. Dazu sind die Tasten clever belegt und alles geht schnell in Fleisch und Blut über. Etwas nervig ist nur das Lenken, während man beschleunigt. Dazu muss man nämlich die A-Taste gedrückt halten und kann dann den rechten Stick kaum noch sinnvoll benutzen, um die Höhe zu verändern. Ansonsten geht es aber – egal ob im Weltraum oder auf einem der sieben Planeten – wirklich einwandfrei.
Vor allem die Tatsache, dass man das Atlas-System komplett frei erkunden und nahtlos in die Atmosphäre der sieben Planeten eintauchen kann, konnte mich auf der technischen Seite überzeugen. Eine Idee, von der bestimmt auch das Lylat-System profitieren könnte, ohne gleich auf nervige Bodenmissionen setzen zu müssen.
Sverres Fazit
Starlink ist ein Titel, welches man mit einem Wort sehr gut beschreiben kann: Schade! Das Spiel besitzt so viel Potenzial, dass es einfach nur schade ist, dass dies nicht genutzt wurde. Die Story ist für solch ein Spiel gelungen, das Gameplay fällt stark aus, die Atmosphäre zog mich in seinen Bann und die Star Fox-Crew setzte dem ganzen die Krone auf. Wäre da nur nicht das Missionsdesign und die dazugehörige Abwechslung der Gegner. Die Aufgaben werden sehr schnell sehr langweilig, was an den immer gleichen Missionen mit wirklich nur extrem geringer Abwechslung lag und dazu kommen die Feinde, die auch in wenige Typen zu unterteilen sind. Wirklich schade!
Vielen Dank an Ubisoft für das Testmuster.
Mario meint:
Für mich ist Starlink der stärkste Ansatz eines Shoot 'em Ups seit langem. Es vereint die "alten" Stärken, die einst Star Fox 64 ausgezeichnet haben mit modernem Gameplay, spannender Geschichte und einer mehr als soliden technischen Umsetzung. Eigentlich alles richtig gemacht. Wäre da nicht das repitive Missionsdesign und die eine oder andere Geschicklichkeitspassage beim Transport von sperrigen Gegenständen. Lange Zeit konnte mich das Spiel vor allem durch die integrierte Nebenhandlung mit der Star Fox Crew fesseln, aber irgendwann war auch das zu wenig Anreiz für ständig dieselben Aufgaben. Da wäre mehr drin gewesen. Wirklich schade!
Grafik
Sound
Steuerung
Spielspaß
Release
Developer
Publisher
USK
16.10.2018
Ubisoft
Ubisoft
6
Singleplayer
Multiplayer
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