Durch den Super Mario Galaxy Film ist Star Fox wie aus dem Nichts aus der Vergessenheit zurück ins Rampenlicht katapultiert worden. Es scheint so als wenn Nintendo quasi die letzte Chance nutzen möchte, um die Marke doch noch neben ihren diversen anderen etablierten Spielereihen platzieren zu können. Ein Vorhaben, bei dem sie bisher aus verschiedenen Gründen gescheitert sind.
Die Genre-Problematik
Star Fox Games sind im Kern dem Shoot ’em Up Genre zuzuordnen. In diesem Genre bewegt man klassisch seinen Charakter, zumeist ein Gefährt, entweder von unten nach oben oder von links nach rechts auf dem Bildschirm, ballert dutzende Gegner ab und weicht dabei hunderten von feindlichen Schüssen aus. Bei den Spielen sind vor allem Reaktionsschnelligkeit und die richtige Taktik gefragt. Shoot ’em Ups gehören dabei zu den ältesten Videospiel-Genres überhaupt. Erste Spiele wie Space Invaders kamen bereits in den 70er Jahren auf dem Markt, wo allerdings die Action noch statisch auf einem Bildschirm stattfand. Ab den 80ern wuchs die Popularität, da durch die gesteigerte Leistungsfähigkeit der Geräte auch scrollende Spiele möglich waren. Titel wie Gradius oder R-Type sind auch heute noch ein Begriff.

In den 90er Jahren war Nintendo dann mit Star Fox für das Super Nintendo, was hierzulande Starwing hieß, sogar einer der Vorreiter für die Erweiterung des Genres. Denn mit Starwing kam der FX Chip, der es ermöglichte auf dem SNES echte 3D-Spiele darzustellen. Starwing war also ein waschechtes 3D-Shoot ’em Up, allerdings mit einem ebenfalls begrenzten Aktionsradius und den genretypischen Gameplay-Elementen ballern und ausweichen. Da Shoot ’em Ups zu der Zeit durchaus noch populär waren und der Ansatz von Starwing mit der 3D-Grafik für Aufsehen sorgte, war der Titel mit etwa 3 Millionen verkauften Einheiten für Nintendo ein kommerzieller Erfolg (Quelle: VGChartz).
Der Nachfolger auf dem Nintendo 64, hierzulande unter dem Namen Lylat Wars bekannt, setzte sogar noch einen drauf: Eine bessere Grafik, noch mehr Freiheiten und Abwechselung und erstmals ein Spiel mit Rumble Pack Unterstützung, sorgten sogar für noch etwas höhere Verkaufszahlen. Zu diesem Zeitpunkt schien es so als wenn sich Star Fox als weitere große Marke neben Super Mario und The Legend of Zelda etablieren könnte.
Doch die Videospielwelt veränderte sich. Mit der sich stets steigernden Leistungsfähigkeit der Konsolen waren schlauchartige Shoot ’em Ups immer weniger gefragt. Bis heute hält der Trend an. Insbesondere Open-World-Spiele, also Games mit großer, offener Spielwelt, wo Spieler auf verschiedene Art und Weise interagieren können, sind gefragt. Nintendo musste sich also entscheiden: Die Spielidee von Star Fox im Kern unverändert halten, was zwar Fans der Reihe glücklich machen würde, aber bedeuten könnte, dass Star Fox zunehmend ein Nischenprodukt wird oder Star Fox so zu verändern, dass es mit den Veränderungen des Marktes mitwächst. Was Nintendo anbot war bis heute ein Schlingerkurs, der mit ein Grund dafür ist, dass die Marke einen stetigen Abstieg erfuhr.
Die Markennamen-Problematik

Star Fox? Starwing? Lylat Wars? Während in der restlichen Welt die Reihe von vorneherein Star Fox hieß, erschien das erste Spiel in Europa unter dem Namen Starwing. Für lange Zeit dachte man, es lag daran, dass durch das Atari 2600 Spiel Star Fox (1983) oder dem ZX Spectrum/C64 Game StarFox (1987) bereits der Name vergeben war. Was allerdings nicht erklärt hätte, warum dann nur in Europa der Namen geändert wurde. Mittlerweile weiß man allerdings, dass man einem Rechtstreit mit einer deutschen Firma namens StarVox aus dem Weg gehen wollte, da beide Namen phonetisch gleich klingen (Quelle: Nintendo Life). Soweit so nachvollziehbar. Nintendo verkomplizierte aber die Situation, in dem sie nicht bei dem Namen Starwing blieben, sondern den Nachfolger Lylat Wars nannten. Als dann die offenen Rechtsfragen ganz offensichtlich geklärt waren, wechselte Nintendo auch in Europa den Namen nach Star Fox. Folglich hatten die ersten drei Spiele der Reihe in Europa alle einen unterschiedlichen Namen. Die Namenswechsel waren für Fans zwar kein Problem, aber für die Etablierung und dem Erfolg der Marke generell schon.
Die verpasste Chance mit Star Fox Adventures

Nach dem kommerziellen Erfolg von Star Fox 64 (Lylat Wars) war es klar, dass Nintendo unbedingt die Reihe auf dem Nintendo GameCube fortsetzen möchte. Sie erkannten sogar, dass sich durch die verändernde Videospiellandschaft die Reihe ebenfalls verändern müsste. Nintendos Edelschmiede Rareware arbeitete bereits zu späten Nintendo 64 Zeiten an dem Action Adventure “Dinosaur Planet”, das aber nicht mehr rechtzeitig für die Konsole fertiggestellt werden konnte. Da wurde die Idee geboren Dinosaur Planet für den Nintendo GameCube neuzuentwickeln und mit Star Fox zu fusionieren. Herauskam ein erfrischender Genremix: Auf dem Planeten erkundet ihr mit Fox McCloud in bester Zelda Manier die Areale, bekämpft Gegner, interagiert mit anderen Charakteren und löst Rätsel. Im Weltall fliegt ihr mit eurem Arwing von A nach B, ballert genretypisch Feinde ab und weicht gegnerischen Schüssen aus. Obwohl hier quasi zwei Genres miteinander vermischt wurden, funktionierte das Ganze sehr gut und schaffte eigentlich den Spagat zwischen dem, was Star Fox bisher ausmachte und der notwendigen Erweiterung, um den Weg in Richtung Zukunft zu beschreiten. Hinzu kam, dass Rareware die bekannten Charaktere weiter entwickelte und sogar mit der Füchsin Krystal und dem Dino Tricky neue Charaktere schuf, die bis heute Nintendo-Fans ein Begriff sind.
Star Fox Adventures wurde von den meisten Kritikern mit gut oder sehr gut bewertet und war ebenfalls ein kommerzieller Erfolg, vor allem in Relation zu der installierten Hardwarebasis des GameCubes. Obwohl also der Neustart der Reihe gelungen war, gab es bis heute keine Fortsetzung zu Star Fox Adventures. Was der Grund dafür ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Ein offensichtliches Problem war, dass Rareware nach der Veröffentlichung an Microsoft verkauft wurde und somit für eine Fortsetzung nicht zur Verfügung stand. Nintendo hätte also für eine direkte Fortsetzung ein anderes Studio finden müssen, was aber sicherlich möglich gewesen wäre. Hinzu kamen aber auch einige Stimmen lauter Hardcore-Star Fox-Fans, die mit dem Genremix nichts anfangen konnten und sich ein reines Shoot ’em Up wünschten.
Mangelnde Qualität folgender Spiele zementierten den Niedergang

Bis heute erschienen noch vier weitere Star Fox Games: Auf den Handhelds Star Fox Command (Nintendo DS, 2007) und Star Fox 64 3D (Nintendo 3DS, 2011) sowie Star Fox Assault (GameCube, 2005) und Star Fox Zero (Wii U, 2016). Kurz eingehen möchte ich an der Stelle exemplarisch nur auf die beiden Spiele für die Heimkonsolen. Star Fox Assault wurde in Zusammenarbeit mit Bandai Namco entwickelt und sollte die Rückkehr zum Shoot ’em Up Genre darstellen, vielleicht als Reaktion der Kritik durch manche alteingesessene Fans der Reihe an Star Fox Adventures. Neben den üblichen Missionen, wo Fox in seinem Arwing oder einem Gefährt unterwegs ist, gab es diesmal auch Bodenmissionen, wo er zu Fuß durch die Gegend ballert. Was grundsätzlich nach einer netten Idee klingt und auch die Option in Richtung verschiedener Multiplayer-Modi eröffnete, war aber qualitativ enttäuschend, was zu einem Metacritic Score von 67% führte.
In den Folgejahren begründete Nintendo die Abwesenheit von neuen Star Fox Games mit der Tatsache, dass sie keine Ideen hätten, wie sie der Marke neues Leben einhauchen könnten. Mit der Wii U kam die Inspiration: Nintendo konzipierte einen Ansatz, wo ihr das Spiel mit dem Gyro-Sensor des Gamepads und dem Analogstick steuert und gleichzeitig den Screen des Controllers für eine Cockpit-Ansicht und bestimmte Aktionen nutzen müsst. Entwickelt wurde das Spiel in Zusammenarbeit mit Platinum Games, die durchaus Erfahrung mit actiongeladenen Titeln haben. Dennoch ging das Spielprinzip nicht in Gänze auf: Die neue Art der Steuerung wirkte teilweise etwas hakelig und erzwungen, was einige Fans abschreckte. Die sich mies verkaufende Wii U zusammen mit einem Metacritic Score von 69% führten zu einem weiteren Flop.
Ein Neustart und letzte Chance für Star Fox durch den Super Mario Galaxy Film!

Welch coole Socke Fox McCloud doch ist und welch Potential in dem Charakter steckt, zeigt der aktuelle Super Mario Galaxy Film. Fox McCloud ist mutig, witzig und dennoch irgendwie charmant. In dieser Form könnte er glatt Mitglied der Guardians of the Galaxy von Marvel sein oder Han Solo in Star Wars ersetzen. Durch den Film wird Star Fox als Marke einer neuen Generation von Nintendo Fans perfekt bekannt gemacht und bei alten Fans sofort die Sehnsucht nach mehr geweckt. Das Fox McCloud eine so prominente Rolle in dem Film hat, zeigt, dass Nintendo die Reihe nicht aufgegeben hat, im Gegenteil, dass sie mit Sicherheit Zukunftspläne verfolgen. Aber wie könnten die aussehen? Für einen eigenen Kinofilm ist die Marke aktuell sicherlich zu unbekannt. Da wäre eher mit weiteren Gastauftritten in zukünftigen Filmen zu rechnen. Naheliegend ist natürlich ein neues Star Fox Spiel! Und genau dazu gibt es ja brandaktuelle Gerüchte, die besagen, dass bereits im Sommer 2026 ein neues Star Fox für die Nintendo Switch 2 erscheint. Drücken wir die Daumen, dass ein neues Spiel kommt und dass Nintendo endlich einen Weg für die Ausrichtung und das Gameplay gefunden hat, um die Reihe nachhaltig und kommerziell erfolgreich auf dem Markt zu etablieren. Wenn das nächste Spiel ebenfalls enttäuschen sollte, könnte dies das endgültige Aus für den sympathischen Weltraum-Fuchs bedeuten. Da nützen dann auch keine Filmrollen mehr.
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