Wann immer über The Legend of Zelda Ocarina of Time geredet oder geschrieben wird, werden zumeist starke Worte wie “Meisterwerk” verwendet. Allgemein gilt das Spiel als eines der besten Videospiele aller Zeiten, was auch der unglaubliche Metacritic-Score von 99% unterstreicht. Ein solch legendäres Spiel überhaupt anzufassen, um es erneut zu veröffentlichen, gleicht einem Spiel mit dem Feuer. Eigentlich ist doch schon jetzt klar, dass Nintendo überhaupt keine Chance hat jemals die Erwartungshaltung aller zu erfüllen. Denn Ocarina of Time ist mehr als nur ein sehr gutes Videospiel aus der N64 Ära. Bei vielen, die damals aktiv dabei waren, weckt das Abenteuer wohlige Erinnerungen an schöne Momente der Kindheit oder des Erwachsenwerdens. Den Zauber, die Magie und die dadurch ausgelöste Emotionalität zu replizieren ist schlichtweg heute nicht mehr möglich.
Um meinen Punkt zu erklären, möchte ich kurz von meinen Erinnerungen erzählen. Als Zelda 64 im November 1996, also noch vor dem Release des Nintendo 64, erstmals der Presse präsentiert wurde, war das noch die Zeit bevor jeder zu Hause eine stetige Internetverbindung hatte. Ich habe von dem neuen Zelda aus einer der Videospielzeitschriften erfahren, die wir damals monatlich kauften. Alleine die ersten kleinen Bilder aus dem Spiel hauten uns aus den Socken. Die Vorstellung, das man in Zelda 64 relativ frei eine für damalige Verhältnisse gigantisch wirkende 3D-Welt erkunden können würde, war wie ein Blick in eine ferne, aber rosige Zukunft. Fortan habe ich mit jeder neuen Ausgabe gehofft, dass etwas Neues zu Zelda in dem Heft stehen würde. Oft dauerte es Monate bis es weiteres Bildmaterial gab. Aber der Hype wuchs stetig. Als dann 1998 bestätigt wurde, dass The Legend of Zelda Ocarina of Time vor Weihnachten erscheinen würde und die Videospielmagazine sich mit Superlativen überschlugen, wuchs die Vorfreude ins Unermessliche.

Und dann gab es kurz vor dem Release einen magischen Moment, den man aus heutiger Sicht wahrscheinlich gar nicht mehr nachvollziehen kann. Weil damals noch kaum jemand Internet zu Hause und somit Zugang zu Videos hatte, legte Nintendo zum Anfang des Weihnachtsgeschäft eine kostenlose Videokassette in die Läden, die man sich mit nach Hause nehmen konnte. Auf dieser VHS aus dem Jahre 1998 war u.a. ein Trailer zu Ocarina of Time (siehe unten), der so episch war, dass ich bis heute Gänsehaut bekomme, wenn ich nur dran denke. Der Trailer endete mit den Worten “Ein Traum wird wahr”. Und als wir dann tatsächlich Tage später das Spiel in der Hand hielten und ehrfürchtig in die Konsole steckten, fühlte es sich genauso an: Ein Traum wurde wahr. Ich werde nie das magische Gefühl von damals vergessen, nach all der Wartezeit, endlich das erste 3D-Zelda zu spielen, was in jedem einzelnen Aspekt von der Grafik über die Musik bis zum Gameplay vollends überzeugte und uns für Tage und danach immer wieder mal vor die Konsole fesselte.
Aber sind wir ehrlich. Würde Nintendo heute The Legend of Zelda Ocarina of Time so wie es damals war, nur mit moderner Grafik, zum ersten Mal veröffentlichen, würde es niemals den Legendenstatus erreichen. Videospiele haben sich seit 1998 immens weiterentwickelt. Hyrule, das damals riesig schien, würde heute klein wirken. Das Gameplay, was damals so frei und offen wirkte, wäre heute viel zu limitiert. Um dasselbe Gefühl von Größe, Authentizität und Freiheit zu erzeugen, reicht es nicht, ein klassisches Remake von The Legend of Zelda Ocarina of Time für die Nintendo Switch 2 anzubieten. Es müsste vielmehr eine komplette Neuinterpretation der Handlung sein, natürlich mit wiederkehrenden Kernelementen, aber dennoch so, als wenn das Spiel in 2026 erstmals entworfen, entwickelt und veröffentlicht worden wäre. Durch Spiele wie Breath of the Wild haben wir ein völlig neues Verständnis von der Größe von Hyrule. Es würde sich komisch anfühlen, wenn in Ocarina of Time beispielsweise die Strecke von Hyrule Stadt nach Kakariko plötzlich wieder so kurz wie früher wäre.

Meine Hoffnung ist also, dass es sich bei der Neuauflage tatsächlich um eine komplette Neuinterpration handelt. Durch den Teaser bin ich zwar immer noch nicht wirklich schlauer, aber es gibt Indizien, dass mein Wunsch in Erfüllung gehen könnte. So spricht Yoshiaki Koizumi in der Direct im Anschluss an den Teaser von “The Legend of Zelda Ocarina of Time wird auf der Nintendo Switch 2 neugeboren”. Hinzu kommt, dass bei dem neuen Logo übliche Zusätze wie “Remake” oder “HD” fehlen. Es könnte also sein, dass Nintendo tatsächlich ein neues Ocarina of Time entwickelt, eine alternative, moderne Version des Abenteuers, das parallel zur Originalversion existiert. So kann jeder für sich entscheiden, welche die bessere ist. Aber es gibt bestimmt viele Nintendofans, die sich einfach nur das bekannte Spiel mit moderner Grafik wünschen, was mich zurück zu der Aussage bringt, dass Nintendo überhaupt keine Chance hat jemals die Erwartungshaltung aller zu erfüllen.
Egal, Hype!!!
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