
Aktuell setzt Capcom sehr auf die Nintendo Switch 2. Große Titel wie Street Fighter 6 oder Resident Evil Requiem sind bereits erschienen. In Kürze folgen mit Monster Hunter Stories 3 und Pragmata die nächsten beiden Topspiele. Für die Zukunft sind bereits neue Spiele im Mega Man und Okami Universum in Aussicht gestellt. Und es gilt als sicher, dass Capcom auch noch dieses Jahr native Versionen der Remakes von Resident Evil 2, 3 und 4 sowie ein „richtiges“ Monster Hunter auf die Nintendo Switch 2 bringt. Zusammenfassend bedeutet das, dass quasi alle großen Capcom Marken in kürzester Zeit auf Nintendos Konsole kommen. Eine tolle Unterstützung, die es aber schon mal gab. Die Älteren unter Euch erinnern sich vielleicht noch an GameCube Zeiten, als Capcom schon mal den vollen Support für Nintendo propagierte. Im Endeffekt aber mit einem mäßigem kommerziellem Erfolg für Capcom und negativen Konsequenzen für Nintendo.
Zeit für ein Blick zurück! Anfang der 2000er Jahre erreichte der Konsolenkrieg den Höhepunkt. Sega hatte die Schlacht bereits verloren, die Dreamcast sollte die letzte eigene Heimkonsole der traditionsreichen Firma sein. Mit Microsoft und der Xbox tauchte ein weiterer starker Akteur auf dem Spielfeld auf und versuchte Marktanteile an sich zu reißen. Derweil dominierte Sony die gesamte Szene, eine Dominanz, die durch die PlayStation 2 noch größer wurde. Und Nintendo? Auch Nintendo war angeschlagen! Das Nintendo 64 war mit etwa 35 Millionen verkauften Einheiten kein Flop, lag aber dennoch weit hinter den Zahlen der PlayStation zurück. Zum Glück konnte Nintendo mit ihren Handhelds Gameboy Color und später Gameboy Advance stets gute Einnahmen generieren. Aber genauso klar war, dass der Nintendo GameCube nicht floppen durfte.
Schaut man sich die Spiele an, die die PlayStation so erfolgreich gemacht hatten, dann waren darunter vor allem Third Party Blockbuster wie Tomb Raider, Final Fantasy oder Resident Evil, Titel also wie sie Nintendo selbst niemals oder zumindest nur selten entwickeln würde. Nintendo erkannte, dass sie demnach unbedingt strategische Partnerschaften brauchten, um diese Art von Spielen exklusiv auf ihre Konsole zu bekommen. Und hier kommt Capcom ins Spiel.

Wir schreiben den 13. September 2001. Das Internet war noch nicht übersät mit Leaks, die so ziemlich jede Überraschung schon vorab spoilern. Einen Tag bevor der Nintendo GameCube in Japan auf dem Markt kam rief Capcom überraschend die Medien zu einer Pressekonferenz zusammen, auf der sie eine regelrechte Bombe platzen ließen. Resident Evil Mastermind Shinji Mikami höchstpersönlich verkündete im Beisein von u.a. Shigeru Miyamoto, dass das neue zu Hause der Resident Evil Reihe auf unbestimmte Zeit der Nintendo GameCube sei. Im Zuge dessen kündigten sie gleich mehrere Spiele der Reihe an. Zunächst einmal Remaster-Versionen zu Resident Evil 2, 3 und Code Veronica. Dazu noch ein waschechtes Remake zu Resident Evil 1 sowie das neue Resident Evil Zero, das ursprünglich mal für das Nintendo 64 kommen sollte.
Im November 2022 ließ Capcom die nächste Bombe platzen als sie die sogenannten Capcom Five ankündigten. Es handelte sich dabei um fünf bis dato unbekannte Games, die für den Nintendo GameCube erscheinen sollten. Darunter war Dead Phoenix (ein 3D-Shoot em Up), Viewtiful Joe (ein 2D Action-Prügler), PN03 (3D Sci-Fi Actionspiel), Killer 7 (ein blutiges Actionspiel, das erste von Grasshopper) und Resident Evil 4.
Was auf den ersten Blick nach einer tollen Unterstützung seitens Capcom für Nintendo aussah, war aber bei einem genaueren Blick weniger verkaufsfördernd als gedacht. Grund dafür war die Art der Spiele sowie weitere Probleme.
- Während die halbe Welt zunächst dachte, dass die Capcom Five Games exklusiv für den Nintendo GameCube angekündigt wurden, stellte sich nach einiger Zeit heraus, dass Capcom das so nie gesagt hatte. Das führte dazu, dass nur PN03 tatsächlich exklusiv für den GameCube erschien.
- Dead Phoenix wurde aufgrund von Qualitätsproblemen während der Entwicklung eingestellt, so dass aus den Capcom Five quasi die Capcom Four wurden.
- Killer 7, Viewtiful Joe und PN03 waren, trotz ihrer Kreativität und Qualität, nur Nischenprodukte und taugten nicht als Systemseller.
- Und während die Ankündigung, dass ab sofort die Resident Evil Reihe exklusiv für den GameCube erscheinen würde bei Nintendo-Fans für große Freude gesorgt hatte, so sehr schlug die Stimmung in Richtung Enttäuschung oder gar Wut über, als Capcom plötzlich das zuerst exklusive Resident Evil 4 dann doch auch für PlayStation 2 bestätigte. Diese Entscheidung hatte natürlich einen Einfluss auf die Verkaufszahlen sowohl der Resident Evil Spiele als auch auf die des Nintendo GameCubes.

Letztendlich ging die Rechnung weder für Nintendo noch Capcom zufriedenstellend auf. Die Verkaufszahlen mancher Titel blieben hinter den Erwartungen zurück. Der Nintendo GameCube ging in die Geschichte ein als die bis dato sich am schlechtesten verkaufende Nintendo Konsole. In den Folgejahren unterstützte Capcom zwar weiterhin Nintendo mit Spielen, allerdings waren das in Summe weniger Titel und sehr oft auch nur Nebenprodukte wie die beiden Resident Evil Railshooter auf der Wii.
Springen wir zurück zum Ausgangspunkt des Artikels und ins Jahr 2026, wo Capcom ganz offensichtlich wieder voll auf Nintendos Konsole setzt. Müssen wir also Angst haben, dass die Geschichte sich wiederholt und am Ende wieder für Beide unzufriedenstellend ausgeht? Ich denke nicht! Aus zwei Gründen:
- Wir vergleichen hier Äpfel mit Birnen. Während damals Capcom exklusive Spiele für Nintendo versprach und die Fans genau diese dann auch erwartet haben, kommen wir jetzt aus einer Situation heraus, wo Capcom ihre Blockbuster zunächst nur für die Konkurrenz angekündigt hatte und nun diese überraschend zeitgleich mit den anderen Versionen auch für die Nintendo Switch 2 veröffentlicht. Die Psychologie für Nintendo-Fans ist also eine andere: Damals Frust wegen einem gefühltem Betrug bei der Exklusivität, heute große Freude überraschend gleichzeitig und vollständig in den Genuss der Capcom Blockbuster zu kommen.
- Die Nintendo Switch 2 hat auch ohne den Capcom Games eine tolle Unterstützung von Third Party Games, so dass die Abhängigkeit geringer ist. Hinzu kommt, dass Nintendos neuste Konsole sich wahrscheinlich nach 18 Monaten genauso oft oder öfter verkauft haben wird als der GameCube in seiner gesamten Lebensspanne. Je höher die installierte Hardwarebasis, desto höher sind in der Regel auch die Software-Verkäufe, so dass davon auszugehen ist, dass Capcom am Ende sehr zufrieden mit den Verkaufszahlen sein wird.
Als langjähriger Fan von vor allem den klassischen Resident Evil Spielen und genereller Interessent der Capcom Games freue ich mich natürlich sehr darüber, dass ich mir als Nintendo Switch 2 Besitzer erstmal keine Sorgen machen muss auf aktuelle Highlights der Firma verzichten zu müssen. Hoffentlich hält die breite Unterstützung diesmal tatsächlich länger als ein paar Jahre.
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