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Reviews: Nintendo Wii U eShop

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thomas was alone

Jump 'n Run

06.03.2015

Zum Video-Test

 

Autor: Mario Kablau

 

thomas was alone – ist es also nicht mehr?

 

Hin und wieder erscheinen Spiele, die oberflächlich betrachtet nur wenig zu bieten haben. thomas was alone ist einer dieser Titel. Bereits Ende 2010 als Browser-Spiel erschienen, hat es vier Jahre und verschiedene Zwischenstationen gebraucht, bis das Spiel auf die Wii U und damit auch in meinen Wirkungskreis kam. Solange man nur beim Gameplay zuschaut, denkt man vermutlich, dass es ein irgendwie farbloses 2D Jump and Run mit starken Puzzle-Elementen ist. Dass es aber auch um die Existenz von künstlicher Intelligenz - und wie sich solche KI wohl fühlen können - gehen könnte, das erfährt man erst, wenn man es selber spielt.

 

Bei mir auf der Konsole lag das Spiel schon seit Ende November, kurz vor meinem Urlaub geladen und dann vergessen. Ende Februar habe ich es dann aus Langeweile einfach mal gestartet und war tagelang gefesselt. Das hätte ich echt nicht erwartet. Und das liegt vor allem an der Kombination von einfachem, aber dennoch abwechslungsreichem Gameplay zusammen mit einer philosophischen Geschichte und einfach nur guter Musik.

 

Im ersten Level trifft man auf Thomas, ein kleines Rechteck, das gerade „auf die Welt“ gekommen ist. Er ist eine künstliche Intelligenz in einer künstlichen Umgebung und er kann nur eins: fallen. Im ersten Level fällt man also gemeinsam mit ihm in Richtung Boden und betritt unten ein Portal, um damit in den nächsten Level zu bekommen. Schon bald aber reicht fallen nicht mehr, es braucht so etwas wie umgekehrtes Fallen. Und schon hat sich Thomas etwas Neues beigebracht: den Sprung.

 

Und so arbeitet er sich durch die platten, aber optisch trotz Farblosigkeit extrem stylischen Levels und fängt sich bald an zu fragen, was das Ganze eigentlich soll. Fordert ihn die Umgebung absichtlich heraus? Hat er ein Ziel, auf das er sich zu bewegt? Warum hat er so einen Drang, immer das nächste Portal zu erreichen? Kurz nach dem Beginn seiner Reise trifft er auf eine weitere KI. Die ist jedoch nicht nur ein Rechteck, sondern sogar ein Quadrat. Und das hat zur Folge, dass diese KI nicht so hoch und weit springen kann wie er. Er muss ihr also helfen, auch zu ihrem Portal zu kommen, jede geometrische Form hat nämlich ein jeweils eigenes Ziel. Und während durch den zweiten Charakter auch interessante, von einem Erzähler wiedergegebene, Dialoge entstehen, tauchen schon bald noch mehr KI auf.

 

In sehr langes Rechteck, das besonders hoch springt, ein sehr breites Rechteck, das die anderen als Trampolin benutzen und ein großes Quadrat, das als einziges nicht im Wasser untergeht und somit auch als Boot dient. Die vielen Formen müssen im Laufe der Zeit also immer mehr und besser zusammenarbeiten, damit alle das Ziel erreichen können. Teilweise gibt es sogar Schalter, die nur von bestimmten Formen, bzw. eher Farben, denn jede Form hat auch eine andere Farbe, betätigt werden können. Später bekommen die Farben dann noch mal ganz neue Bedeutung, denn die sehr unterschiedlich geformten grauen KI können durch Farbfelder die verschiedenen Eigenschaften der anderen KI übernehmen. Eine graue KI mit Blaustich kann zum Beispiel schwimmen und mit lila drauf ist plötzlich ein Doppelsprung möglich.

 

So hüpft man durch die insgesamt 120 Levels des Spiels und lernt auch kurz vor Schluss immer noch was Neues. Nebenher erzählt der Erzähler von den Gedanken der verschiedenen KI und ihren Motiven. Jede stellt sich andere Fragen und hat andere Sorge, sogar Liebe und Hass spielen eine große Rolle. Alles Dinge, die man in so einem Spiel nicht erwartet würde, die man aber geliefert bekommt. Und das ist neben dem fast perfekt ausbalancierten Gameplay der zweite von drei Gründen, warum mich das Spiel so gefesselt hat.

 

 

Technik, Steuerung und Umfang!

 

Grafisch ist das Spiel sicher keine Augenweide, aber dennoch extrem gut gemacht. Aus den vielen Grau- und Schwarztönen, die den Hintergrund und die Plattformen im Vordergrund dominieren, stechen die sehr blassen Farben der KI-Formen förmlich heraus. Bewegungen von geometrischen Formen im Hintergrund, sehr akzentuiert eingesetzte Effekte, wie zum Beispiel Wasserdampf und ein grandioses Schattenspiel machen das Spiel aber optisch einzigartig.

 

Dazu trägt auch die Musik ihren Teil bei, die gab es im Original noch nicht und ist daher etwas, das ich gesondert hervorheben möchte. Absolut perfekt passende, sphärische Klänge untermalen das Spielgeschehen und den philosophischen Ansatz. Dazu kommt die tolle Stimme des Erzählers, der die Gefühlswelten der KI extrem gut rüber bringt. Nicht selten habe ich im Spiel inne gehalten, um einfach nur den Erzählungen und der Musik zu lauschen. Wirklich toll!

 

Die Steuerung ist leider ein kleiner Schwachpunkt im Spiel, denn obwohl die Bewegungen und Sprünge der KI sehr gut von der Hand gehen, gibt es doch ein paar Dinge zu bemängeln. Zum einen setzen Sprünge manchmal nicht ein, so dass man schon mal in den Tod stürzt ohne etwas dafür zu können. Zum anderen kommen die Kommentare manchmal sehr ungelegen. Diese führen nämlich hin und wieder zu einem kurzen Ruckler im Spiel, vermutlich weil die Sprache nachgeladen werden muss. Wenn man aber gerade bei einem heiklen Sprung ist, dann kann man sowas gar nicht gebrauchen. Mich persönlichen hat auch das Durchwechseln der einzelnen KI mit den beiden Schultertasten etwas gestört. So lange es nur zwei oder drei sind, geht es noch, aber auf großen Karten mit vielen Figuren wird es dann doch etwas nervig. Ich hab zwar auch keine bessere Idee, aber ich bin ja auch kein Entwickler. ;-)

 

Zuletzt noch ein paar Worte zum Umfang. Ich habe vier nette Abende mit dem Spiel verbracht, zum Durchspielen habe ich etwa viereinhalb Stunden gebraucht, danach habe ich aber direkt noch mal von vorne angefangen, um mir auch noch ein richtig tolles Extra der Entwickler nicht entgehen zu lassen: Den Kommentar! Im Menü kann man die Lautstärke des Kommentars einfach hoch drehen und dann neben Musik, Erzähler und Geräuschen auch noch den Entwicklern lauschen, wie sie die einzelnen Levels begleiten und interessante Fakten zum Spiel äußern. So etwas müsste es viel öfter geben, bei einem Spiel macht das sogar noch mehr Spaß als bei einem Film.

 

 

Vielen Dank an Nintendo für das Testmuster.


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Fazit

thomas was alone ist ein Spiel, das mir lange in Erinnerung bleiben wird. Den Genres Puzzle und Jump and Run eine derart philosophisch angehauchte Geschichte mitzugeben, habe ich in der Kombination noch nicht erlebt. Und vor allem nicht in der Perfektion. Die 120 Levels mache allesamt Spaß, das Spiel ist sehr kurzweilig, trotz einiger Herausforderungen ist es nie frustrierend und sieht dabei auch noch ganz gut aus. Dass die Optik im Vergleich zum Sound deutlich unterlegen ist, trägt mit dazu bei, dass ich dieses Spiel wirklich uneingeschränkt empfehlen kann. Es ist perfekt für Zwischendurch, kann zum nachdenken anregen (muss es aber nicht, wenn man nicht will!) und bietet ausreichend Umfang. Vor allem durch den Kommentar der Entwickler lohnt sich hier ein zweiter Durchgang wie bei kaum einem anderen Spiel.

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

80%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

25.11.2014

Developer

Mike Bithell's Games

Publisher

Mike Bithell's Games

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung



Neue Wertungsskala nun auch für Wii U-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort nicht mehr nur beim 3DS, sondern auch bei Wii U-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS und die Wii U:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


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