Login

Passwort vergessen?

Konto erstellen


Reviews: Nintendo Wii U eShop

< zurück

Guacamelee!

Action Adventure

29.07.2014

Autor: Lukas Strübig

 

 

Jetzt, da in der letzten Generation 2D Sidescrolling wieder ein Genre ist, und kein Relikt der Vergangenheit, wissen Entwickler endlich was sie mit ihren ganzen Artworks anfangen sollen, anstatt sie einfach in ein Extra Menü zu packen: Sie bauen ihr ganzes Spiel daraus.

 

Guacamelee! ist eines der interaktiven Cartoons und wird zurzeit als wahrer Geheimtipp gehandelt. Doch kann er diesem Ruhm auch gerecht werden?

 

 

Der Luchador zwischen den Welten

 

 

Guacamelee! erzählt eine recht elementare Geschichte eines aufstrebenden Helden.

Juan lebt ein sehr eintöniges Leben als Bauer irgendwo in Mexico (nehme ich an?), bis sein Dorf vom bösen Calaca, einem Anführer übler Schurken aus dem Reich der Toten, angegriffen wird. Bei dem Versuch, den Helden zu spielen, wird Juan allerdings getötet und wird im Reich der Toten zu einem Luchador, mit der Fähigkeit, in beiden Welten zu leben. Und so macht er sich auf um Calaca zu besiegen, und die entführte Tochter vom El Presidente zu befreien.

Die Handlung beginnt auf dieser Basis doch ruht sich nicht darauf auf, obwohl sie es könnte. Überraschende Wendungen sind in einem so klassischen Action Adventure tatsächlich eine Überraschung, und auch die Charaktere bekommen unerwartet viel an Hintergrundgeschichte.

Trotzdem schafft es die Story, sich dezent im Hintergrund zu halten. Cutscenes und Dialoge sind nicht reine Exposition, sondern haben ihren gewissen Humor, welcher den Charme von Guacamelee! ausmacht. Die Figuren sind genauso farbenfroh wie die Welt in der sie existieren, so trifft man auf einen schnapsabhängigen Pistolero dessen Kopf permanent in Flammen steht weil er das Unglück hatte auf eben diese Weise zu sterben, ein musikalisches Skelett Trio, welches sich einen Körper teilen muss und unbedingt ihren vierten Mann zurück haben will, oder einen mürrischen alten Kauz der sich aus irgendeinem Grund ständig in eine Ziege verwandelt. Im Ernst, mir fällt erst jetzt wo ich das schreibe auf, wie schräg und sinnlos das ist. Aber ohne würde dem Spiel wohl etwas fehlen.

 

Bei so viel Eigenidentität fällt schon gar nicht mehr auf, wie sehr Guacamelee! die Zitiermaschine bemüht. Die offensichtlichsten Anspielungen drängen sich dem Spieler dabei fast schon zu sehr auf. Spätestens wenn man ein riesiges Drachenmonster besiegt in dem man es auf eine Brücke lockt und diese dann mittels eines Axtförmigen Schalters zerstört, woraufhin es in die Lava darunter fällt, und einem danach gesagt wird, dass "die Prinzessin in einem anderen Schloss" ist, hat man genug davon.

Doch genau deshalb springen einem die subtileren Anspielungen nicht so sehr ins Gesicht. Manchmal ist es nur der Sprite eines Space Invaders im Boden, oder ein Plakat im Hintergrund, oder ein erfrorener Wanderer aus Journey irgendwo in einem Schneehügel. Doch genau das wertet die verrückte und auf charmante Weise zynische Welt noch mehr auf.

 

 

Prince of Metroidvania?

 

Guacamelee! wird oft in demselben Satz wie Metroid erwähnt. Und dieser Vergleich ist auch verständlich, immerhin zieht das Spiel diesen selbst, indem es Power Ups ganz unverblümt in Chozo Statuen verstaut. Und auch sonst scheinen die Ähnlichkeiten massig zu sein.

Man hat eine offene, zweidimensionale Spielwelt in der man immer mehr Fähigkeiten sammelt um neue Orte zu erreichen die zuvor versperrt waren. Irgendwann bekommt man sogar die Fähigkeit, sich in ein Huhn zu verwandeln, um so kleinere Tunnelsysteme erforschen zu können, ganz wie der gute alte Morph Ball.

Tatsächlich hinkt der Vergleich aber beim Leveldesign. So sehr die Grundidee Metroid nachempfunden war, die eigentlichen Aufgaben sind es nicht. Anstatt sich durch komplexe Labyrinthe zu kämpfen und dort Rätsel zu lösen um neue Wege zu eröffnen, folgt man hier einem recht stringenten Weg durch Gebiete gefüllt mit immer größer und komplexer werdenden Fallen durch die man mittels seiner außerordentlichen Kletterfähigkeiten und etwas Magie seinen Weg finden muss.... Moment mal! Das ist nicht Metroid, das ist Prince of Persia! Auch wenn der Vergleich zwischen 2D und 3D Spielen normalerweise hinkt, das Pacing, das Leveldesign, die Art der Problemlösung wirkt sehr stark wie das von Ubisofts ehemaligem Zugpferd.

 

Und in den Jump'n Run Passagen ist Guacamalee! auch am stärksten. Drinkbox mag es nicht die Zeit seiner Spieler zu verschwenden, so bekommt man immer eine neue Fähigkeit, und damit verbunden neue Herausforderungen zu bestehen, kurz bevor man anfängt sich zu langweilen. Und wie großartig diese Fähigkeiten sind! Man hat es tatsächlich geschafft mit jeder neuen Fähigkeit auch das Leveldesign ein Stück besser zu machen. Der Chicken Uppercut ist die erste Spezialattacke die man erlernt und man benutzt sie selbst noch am Ende des Spiels, sowohl im Kampf als auch im Springen und nicht weil es einem aufgezwungen wird, sondern weil es wirklich spielerisch Sinn macht.

Dazu kommt dass viele Fähigkeiten erst vorher in einer abgeschwächten Form vorhanden sind um den Spieler an Möglichkeiten im Gameplay zu gewöhnen. So erhält man die Fähigkeit, auf Wunsch zwischen der Welt der Lebenden und der Toten zu wechseln, erst relativ spät. Zuvor aber gab es Portale die genau diesen Zweck erfüllten.

 

Problematisch ist nur, dass das Leveldesign irgendwann zur komplex für sein eigenes Wohl wird. Guacamelee! ist das Dark Souls unter den Plattformern und so muss man sehr oft innerhalb eines Sprungs, in perfektem Timing drei bis vier Fähigkeiten einsetzen. Dank sehr fairer Rücksetzpunkte ist dies halb so wild und manche Spieler werden sich durch diese Art von Trial and Error erst Recht herausgefordert fühlen, doch der Rest wird eher erschöpft sein. Ein passender Vergleich wäre: In Portal ist man nach jedem Level gespannt auf die nächste Testkammer, in Guacamelee! macht man beim nächsten Speicherpunkt erstmal Pause.

 

 

Doch das wohl größte Problem dieser Jump'n Run Perle ist der Kampf.

Nun ist das Kämpfen ein integraler Bestandteil sowohl des Gameplays als auch der Story und ich würde es auf keinen Fall herausnehmen. Ganz im Gegenteil, ich finde das Kampfsystem super. Es gibt viele verschiedene Arten von Gegnern mit verschiedenen Arten von Attacken doch sie alle sterben, wenn man sie nur oft genug schlägt. Die Spezialangriffe helfen bei immer größer werdenden Gegnermassen und außerdem braucht man sie um Schilde zu zerstören, die manche Feinde beschützen. Darüber hinaus kann man Gegner greifen, wenn man ihnen genug Schaden zugefügt hat, und sie dann gegen ihre Kumpanen werfen. Allein der Ausweichmove ist nicht ganz optimal, doch man lernt sich mit ihm zu arrangieren.

 

Doch sahen es die Entwickler wirklich für nötig, den Spielfluss ständig mit Arenen zu unterbrechen? Ich habe zuvor erwähnt, dass Drinkbox es nicht mag die Zeit seiner Spieler zu verschwenden. Und das merkt man dem Leveldesign an. Nur leider tun sie es trotzdem.

Ständig muss man stehen bleiben weil man in einen Raum mit Wellen von Gegnern eingesperrt wird und man erst weiter kommt wenn man alle besiegt hat. Die Kämpfe sind zwar auch gewisse Aufgaben an sich, doch sind sie eben nichts was man in einem dezenteren Rahmen nicht auch in der freien Welt erlebt. Das Kampfsystem ist okay, doch es ist nicht perfekt, es ist kein Muramasa, es fließt nicht ganz so wie es soll und tatsächlich kommt in solchen Encountern nur das schlechteste in einem Spiel hervor, das es sonst so gut zu verstecken weiß.

 

Um das Gameplay Kapitel nicht ganz auf einer schlechten Note enden zu lassen möchte ich noch erwähnen, dass ich einiges nicht erwähnt habe. So ist das Upgrade System schön integriert nur kaum der Rede wert und der zwei Spieler Co-Op ist ein nettes Feature, hat ein paar schöne Ideen aber schwächelt an denselben Problemen wie jeder andere Sidescroller Co-Op auch. Aber zumindest schön, dass er da ist.

 

 

La belleza deMéxico

 

Über die Grafik habe ich ja schon zuvor ein wenig gesprochen. In Guacamelee! ist alles handgezeichnet in diesem für Mexico irgendwie üblichen, eckigen Stil. Die Charaktere sind nicht besonders detailliert und stark stilisiert, dennoch sind sie sehr kreativ und fantasievoll. Vor allem die Animation sticht hervor, die im Gegensatz zu vielen Genrevertretern wie Rayman Legends ziemlich flüssig wirkt.

 

Der Star ist aber die Spielwelt, die mit viel Liebe zum Detail und viel visueller Inspiration geschaffen wurde. Die Welt wirkt einfach lebendig, mit sehr vielen, unterschiedlichen Leveln, großartiger Beleuchtung und bewegten Elementen überall da, wo welche sein sollten. Und darüber hinaus hat man mit den beiden Welten visuell interessante Konzepte geschaffen. So sind Statuen von Menschen in der Welt der Lebenden, Statuen von Skeletten in der Welt der Toten. Oder auch schön ist, wie in einem Gebiet in der Lebenden Welt der Schnee vom Himmel fällt, im Totenreich aber Partikel nach oben steigen.

 

Die Musik ist auch passend Südländisch auf jedes Level und die beiden Welten abgestimmt. Allerdings bleibt sie nicht besonders im Kopf und wirkliche Evergreens des Gamings sind nicht darunter.


Wenn euch das Review gefällt, dann unterstützt uns via:

Fazit

Mit Guacamelee! kommt nicht nur ein Überraschungshit, sondern wohl eines der besten 2D Jump'n Run Action Adventures des Jahres. Voll mit spannenden Leveln, schönen Designs, einer netten Story und sehr, sehr viel Humor. Wer ein Metroid erwartet wird vielleicht enttäuscht sein, doch wer den alten Prince of Persia Teilen nachweint hat seinen neuen Erlöser gefunden.

Grafik

super

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

78%

Singleplayer

74%

Multiplayer

Release

02. Juli 2014

Developer

Drinkbox Studios

Publisher

Drinkbox Studios

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (Lokal)

1-2



Neue Wertungsskala nun auch für Wii U-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort nicht mehr nur beim 3DS, sondern auch bei Wii U-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS und die Wii U:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


Aktuell auf 10doTV

10do Show

März-Ausgabe: Switch - Erste Eindrücke

RSS-FeedDie 10do Show in iTunes