Login

Passwort vergessen?

Konto erstellen


Award für Multiplayer

< zurück

Tiny Toon: Wild & Wacky Sports

Party

29.12.2011

Autor: Sascha Zhivkov

 

Manchmal gibt es in Videospielforen Threads über vergessene Perlen vergangener Konsolengenerationen. Ich habe das Spiel, welches ich heute vorstellen will, jedoch noch in keiner dieser Sammlungen gesehen und möchte es dennoch einmal allen ans Herz legen. Es handelt sich um „Tiny Toon Adventures: Wild & Wacky Sports“, das 1994 für das Super Nintendo erschienen ist und von Konami entwickelt wurde.

 

Wer jetzt aufschreckt und das Spiel auf die Zielgruppe 5- bis 8-jähriger degradiert, verpasst eine der frühesten Formen derjenigen Spielmechanik, die erst sehr viel später mit der Mario Party-Serie salonreif wurde. Wild & Wacky Sports könnte man am ehesten als eine Mischung dieses Spielprinzips mit der Mario & Sonic-Olympia-Reihe einordnen. Und es macht einfach verdammt viel Spaß!

 

 

Eine Mischung aus Sport und Chaos

 

Worum geht es eigentlich? Montana Max hat einen Preis für den besten Sportler im Acme-Land ausgeschrieben. Eine Million Dollar gibt es zu gewinnen. Da lassen sich Buster Bunny, Babs Bunny, Plucky Duck sowie Dizzy Devil nicht lumpen und ziehen in insgesamt 12 Disziplinen in den Kampf um den Titel. Man kann entweder alleine oder mit bis zu drei Freunden – sofern man einen Super Multitap sein Eigen nennt – in den Kampf ziehen. Je nach Schwierigkeitsgrad nimmt die Zahl der Disziplinen stetig zu. So sind auf Einfach nur 6, auf Mittel 8, auf Schwer 10 und im Super-Modus alle 12 „Sportarten“ zu absolvieren. „Sportarten“ deshalb, weil Konami es geschafft hat, realistische Disziplinen wie den Stabhochsprung, das Skifahren, das Schwimmen oder das Gewichtheben mit absolut schrägen und lustigen Kunstkategorien wie Eiscrèmewerfen, „Hühnerlauf“, „Hammerschlag und anschließender Raketenflug“ oder eine aberwitzige Kombination aus Bungeespringen und Flipper zu ergänzen.

 

Dennoch ist die Steuerung lediglich in grob zwei Richtungen aufzuteilen, womit es für die Spieler nicht zu kompliziert wird. Bei einigen Disziplinen, die etwas mit Rennen oder Zielen zu tun haben, reguliert man lediglich Geschwindigkeit und Richtung; während andere, kraftbasierte Wettkämpfe zunächst ein Aufladen durch schnelles, abwechselndes Antippen von A und B verlangen, bevor man die gesammelte Power entlädt – zum Beispiel um eine Hantel hochzustemmen oder den Diskus loszuwerfen. Dies funktioniert in den allermeisten Fällen wirklich gut, allerdings ist gerade der Diskurswurf manchmal sehr unpräzise und viele Würfe landen im Zaun.

 

Bei jeder Runde gibt es einen vorgegebene Zielmarke an Punkten, die von mindestens einem menschlichen Mitspieler übertroffen werden muss, ansonsten kann man es mit bis zu drei Credits erneut versuchen. Die Punkte jedes Wettkampfs werden addiert und schließlich entwickelt sich ein spannendes Rennen um den Titel „Sportkönig von Acme Acres“.

 

Es macht unglaublichen Spaß, sich in den verschiedenen Disziplinen zu messen; wohlwissend, dass man in der Gesamtwertung unbedingt noch aufholen will. Zumal jeder so seine Spezialdisziplinen hat und dort besonders Punkte raushaut – so war ich z.B. quasi der Meister des Eiscrèmewerfens. Leider kann man die Wettbewerbe nicht einzeln auswählen und ist daher auf den „Karriere-Modus“ beschränkt.

 

 

Liebevolle Präsentation

 

Obwohl das Spiel grafisch nicht vom Hocker haut und die Hintergründe eher karg gehalten sind, so sind die einzelnen Disziplinen doch mit einigen witzigen Animationen bestückt, die einen fortlaufend zum Grinsen anregen. Wenn man z.B. beim Hühnerlauf nicht rechtzeitig stoppt und über die Klippe in alle Tiefen stürzt, bleiben Busters Augen oder Pluckys Schnabel oben zurück. Diese liebevollen Details tragen viel zur charmanten Präsentation des Titels bei. Dadurch, dass man weitere Tiny Toon-Figuren in die Wettkämpfe einbaut – wie z.B. beim Hürdenlauf Elmyra, die alle umarmen und knutschen will und damit zu einem hohen Punkteverlust der Protagonisten führen würde.

 

Übrigens sammelt man die Punkte bei besagtem Wettkampf nicht alleine durch Überspringen von Hürden, sondern durch das Einsammeln herumliegender Früchte. Und natürlich taucht auch Montana Max auf, der immer wieder mit Bomben versucht, das Vorankommen zu sabotieren. Hoffentlich kann ich so einen Eindruck vermitteln, wie schräg und lustig dieses Spiel konzipiert ist. Der Sound untermalt die Wettkämpfe stimmig, ragt aber nicht besonders heraus. Schön ist, dass die Musik bei steigender Wettkampfdauer, z.B. wenn man sich dem Ziel nähert, deutlich schneller wird.

 

 

Einige unfaire Disziplinen und schwache KI

 

Getrübt wird der Spielspaß durch einige recht schwere Disziplinen, die besonders in den höheren Schwierigkeitsgraden zum Game Over führen können. Dies ist nicht in erster Linie auf die „Schwierigkeit“ der Disziplin zurückzuführen, sondern auf Steuerungsdefizite und eine nicht ausbalancierte KI.

 

Steuerungsdefizite sind vor allem in den „Kraftdisziplinen“ von Bedeutung, weil man nach Aufladen der Kraft immer an einem bestimmten Punkt des „Kreisels“ mittels Knopfdruck entladen muss. Dies ist in manchen Disziplinen enorm schwer, besonders dem oben angesprochenen Diskurswurf. In anderen Disziplinen ist die Computer-KI hingegen sehr schnell, sodass man fast keine Chance hat (dies ist z.B. beim Holzhacken der Fall). Frustrierend werden diese Probleme jedoch lediglich, wenn man am Weiterkommen gehindert wird, was glücklicherweise aber nur selten passiert, vor allem wenn man zu viert unterwegs ist.

 

 

Multiplayer-Gott

 

Damit komme ich zum letzten Punkt, die für mich auch den größten Kaufgrund darstellt: „Tiny Toon: Wild & Wacky Sports“ ist das perfekte Partyspiel, da es eines der ganz wenigen Titel des SNES ist, die zu viert genossen werden können. Außerdem ist das Spielprinzip optimal für die Daddelei in der Gruppe ausgelegt: Man mag die eine Disziplin mehr als die andere, aber da ständig neue kommen, ist wirklich für jeden etwas dabei. Trotzdem strengt man sich immer weiter an, da natürlich jeder am Ende siegen und Sport-König werden will.

 

Gemeinsam mit der aberwitzigen Präsentation kommt so ein Spielgefühl auf, das dem eines Mario Party in nichts nachsteht, von seinen Disziplinen her aber sehr viel stärker in Richtung Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen geht. Allerdings kommt kein Titel der letzteren Reihe an den Spaß und die Abgedrehtheit des zu Unrecht vergessenen Wild & Wacky Sports heran.

 

Also, wenn einige von euch nach diesem Review Lust auf das Spiel bekommen haben, und das kindliche Tiny Toon-Vorurteil beiseite legen können, hätte ich mein Ziel bereits erreicht. Man muss dann aber wohl, um auf den Anfang zurückzukommen, eher von einem auf dem Meeresgrund verkommenen Schatz als einer vergessenen Perle reden, denn meines Erachtens hat das Spiel nie eine breitere Zielgruppe erreicht.

Fazit

„Tiny Toons: Wild & Wacky Sports“ punktet mit Zweierlei: Spaß und Abwechslung. Spaß deshalb, weil die Interpretation von Olympischen Spielen sehr frei gehalten wurde und die einzelnen Disziplinen mal mehr und mal weniger an reale Spiele erinnern. Spaß weiterhin, weil für jeden etwas dabei ist und immer wieder lustige Details eingebaut werden, die die Disziplinen würzen und zusätzlich herausfordernd machen. Abwechslung deshalb, weil keine Disziplin länger als fünf Minuten dauert und sich Passagen abwechseln, in denen man zu viert gegeneinander antritt mit anderen Abschnitten, wo man ganz alleine eine Aufgabe zu bewältigen hat. Und das alles findet immer vor dem Hintergrund statt, in der Rangliste aufzuholen und die anderen um den Titel auszustechen. Wer mal etwas Neues mit bis zu vier Spielern für einen Spielepartyabend sucht, kann mit Tiny Toons: Wild & Wacky Sports nichts falsch machen, sofern man die „das ist doch nur was für Kinder“-Brille ablegt und mit der bunten Präsentation leben kann! Alleine ist der Titel allerdings nicht halb so spaßig.

Grafik

gut

Sound

ok

Steuerung

ok

Spielspaß

super

72%

Singleplayer

90%

Multiplayer

Release

1994

Developer

Konami

Publisher

Konami

USK Freigabe

nicht bekannt

Anzahl Spieler (Lokal)

1-4


Aktuell auf 10doTV

10do Show

März-Ausgabe: Switch - Erste Eindrücke

RSS-FeedDie 10do Show in iTunes