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Final Fantasy V

RPG

22.07.2007

Autor: Gunnar Schreiber

 

Wer an japanische Rollenspiele denkt, dem wird wohl auch recht bald, wenn nicht sogar als erstes die Final Fantasy Serie einfallen, zählt sie doch zu den erfolgreichsten und beliebtesten RPGs überhaupt. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass die Entwickler von SquareEnix nicht nur kontinuierlich neue Teile der Serie produzieren, sondern auch mit alten Episoden immer wieder ein wenig zusätzliches Geld verdienen wollen. Dies soll gar nicht vorwurfsvoll klingen, bietet das doch auch denjenigen die Möglichkeit ältere Teile zu spielen, die damals, aus welchem Grund auch immer, einige verpasst haben.

 

Mittlerweile ist seit einigen Wochen Final Fantasy 5 für den GBA erhältlich, so dass es höchste Zeit ist das Spiel ausführlich zu testen. Ist es gereift wie ein guter Wein? Oder wirkt das Spiel einfach nur altbacken?

 

 

Prolog

 

In der Welt von Final Fantasy 5 gibt es 4 Kristalle, die die Elemente Wind, Wasser, Erde und Feuer repräsentieren. Diese Kristalle sorgen für Frieden und Wohlstand in der Welt. Je ein Königreich beschützt einen Kristall, pflegt diesen, aber macht sich auch die Energie zu nutze. Doch plötzlich beginnen die Kristalle nach und nach zu zerbersten und ein lange als versiegelt und besiegt geglaubter Bösewicht namens ExDeath betritt die Bühne.

 

Eine Gruppe von vier Auserwählten macht sich nun daran, die Erde zu retten. Mit dabei ist Bartz Klauser, ein unerschrockener und herzensguter Waisenjunge; Lenna Charlotte Tycoon, die Prinzessin des Königreichs Tycoon, die zunächst eigentlich nur nach ihrem kürzlich verschollenem Vater suchen will; Galuf Doe, ein Krieger ohne Erinnerung, der sich aber als wichtiges Mosaik in der Geschichte entpuppt; und Faris Scherwiz, Kapitän einer Piratenbande. An diesen Charakteren und fast ausschließlich an diesen vier Gruppenmitgliedern hängt das Schicksal des Planeten.

 

 

Traditionelle Rollenspielkost

 

Vieles in Final Fantasy 5 ist altbewährt und mittlerweile altbekannt. Jeder der vier Charaktere besitzt neun Statuswerte wie Ausdauer und Verteidigung. Diese Werte werden einmal durch den Trainingsstand als auch durch die mitgeführte Ausrüstung beeinflusst. Zu Anfang sind die vier Recken natürlich noch recht schwach auf der Brust. Nach jedem gewonnenen Kampf hinterlassen die Gegner, neben Geld und anderen Items, vor allem Erfahrungspunkte. Hat ein Charakter eine bestimmte Anzahl an Erfahrungspunkten gesammelt, steigt er oder sie eine Stufe auf. Je höher das Level, desto mehr Erfahrungspunkte sind nötig, um aufzusteigen. Zum Glück passen sich die Gegner dem aber etwas an, d.h. je stärker die Gruppe wird, desto stärker werden auch die Widersacher und desto mehr Punkte geben diese. Kämpfe werden, wie früher leider meistens üblich, zufällig getriggert. Man kann also einem feindlichem Scharmützel nicht ausweichen, allenfalls manchmal flüchten, wenn dies der oder die Gegner auch zulassen. Kommt es zu einem Kampf, wechselt die Übersicht in einen Kampfbildschirm und die vier Protagonisten stellen sich gegenüber den Gegnern auf. Nun läuft alles im Prinzip rundenbasiert ab, d.h. jeder Charakter und Gegner ist in fester Reihenfolge am Zug. Wartet man aber mit seinen Entscheidungen zu lange, dann kann es sein, dass der eigene Zug übersprungen wird und die Gegner schon wieder angreifen. So kommt ein wenig mehr Dynamik ins Geschehen.

 

Ist einer eurer Helden an der Reihe, könnt ihr, je nach Fähigkeiten eures Charakters, zwischen physischen und magischen Attacken wählen oder auch ein Item einsetzen. Magische Attacken verbrauchen natürlich wieder Magiepunkte (MP), die ihr aber mit entsprechenden Items während des Kampfes oder durch ein Nickerchen nach einer Fehde wieder auffüllen könnt. Werden eure Gruppenmitglieder getroffen, verlieren sie Lebenspunkte (LP). Sind alle Gegner eliminiert, gilt der Kampf als gewonnen.

 

 

Dörfer und Shoppingtouren

 

Überall in den Welten von Final Fantasy 5, die ihr entweder zu Fuß, aber später auch auf Chocobos, Drachen oder Luftschiffen bereist, findet ihre geheime Orte, Dungeons, Schlösser und Dörfer. Die Dörfer sind dabei besonders wichtig. Denn hier könnt ihr euch mit den Bewohnern unterhalten und erfahrt auf diese Weise oft wertvolle Tipps, was ihr als nächstes zutun habt oder bekommt einfach nur weitere Informationen zu den Geschehnissen. Neben der Quatscherei und der Möglichkeit zu schlafen und somit LP und MP wieder aufzufüllen, sind vor allem die Geschäfte wichtige Anlaufpunkte. Denn hier könnt ihr euer hart verdientes Geld sinnvoll in neue Waffen, Ausrüstung und Items investieren. Wählt ihr bei einem Händler zum Beispiel ein neues Schwert aus, dann bekommt ihr vor dem Kauf angezeigt, wie es eure Statuswerte beeinflusst. So sind eigentlich Fehlkäufe ausgeschlossen. Natürlich lassen sich auch nicht mehr benutzte oder überflüssige Gegenstände verkaufen. Habt ihr euren Einkauf beendet, dann könnt ihr eure Waffen und Rüstungsgegenstände im Menü anlegen. Entweder ihr tut dies manuell oder ihr klickt einfach auf optimieren und das Spiel wählt die beste Ausrüstung für den jeweiligen Charakter aus. Obwohl die letzte Variante schneller geht und auch in den meisten Fällen vollkommen ausreichend ist, solltet ihr dennoch manchmal zur manuellen Methode greifen. Denn teilweise sind die nach den Werten besten Waffen nicht zwangsläufig die besten, da andere Besonderheiten wie erhöhte Möglichkeit von kritischen Treffern etc. zu beachten sind und von der automatischen Methode nicht berücksichtigt werden.

 

 

Berufe, Fähigkeiten und Kampftaktiken

 

In Final Fantasy 5 besteht die Gruppe nicht aus einer Vielzahl von Mitgliedern mit unterschiedlichen Fähigkeiten, wie so oft bei östlichen Rollenspielen, sondern die Gemeinschaft bildet im ganzen Spiel maximal vier Helden. Stattdessen können die Charaktere aber aus satten 22 Berufen wählen, die alle besondere Fähigkeiten zur Folge haben. Der Blaumagier zum Beispiel kann von den Gegnern angewandte Magie kopieren und dann sich zu eigen machen. Der Rotmagier verbindet Heilkräfte und Angriffszauber. Der Beschwörer ist in der Lage wilde Kreaturen, deren Hilfe man sicher aber zuerst verdienen muss, zu beschwören. Ritter dagegen sind edle Krieger, die auf Waffengewalt setzen. Wer jetzt denkt, dass man sich einfach die Lieblingsberufe aussucht und dann das ganze Spiel über bei denen bleibt, der wird recht schnell feststellen müssen, dass man das Spiel so nicht oder nur kaum schaffen kann. Denn bestimmte Gegner, Bosse und andere Situation im Spiel benötigen spezielle Fähigkeiten, die man aber nur hat, wenn man den entsprechenden Beruf erlernt hat. Hat man einen Beruf ausgewählt, bekommt man nun nach jedem Kampf auch so genannte Fähigkeitspunkte. Analog zu den Erfahrungspunkten, die man braucht, um die maximale Zahl an Lebenspunkten zu erhöhen, dienen die Fähigkeitspunkte, um Berufe aufzuleveln. Je höher die Stufe eines Berufs, desto bessere Fähigkeiten kommen hinzu.

 

Zum Glück ist es aber jedem Charakter erlaubt mehrere Berufe zu erlernen und diese auch jederzeit zu wechseln, um so sich an die Erfordernisse der Situation anzupassen. Außerdem kann man neben dem aktiven Beruf auch eine weitere Fähigkeit dazu auswählen, die eigentlich zu einem anderen, ebenfalls erlernten Beruf gehört. Deshalb ist es möglich, dass zum Beispiel ein Ninja gleichzeitig auch Heilzauber aussprechen kann oder, dass ein Beschwörer auch die Schwarzmagie beherrscht. Ihr solltet euch also geschickt die wichtigsten Berufe auswählen und jedem Gruppenmitglied unterschiedliche Fähigkeiten lernen lassen, damit ihr eine homogene und schlagkräftige Truppe ausbildet.

 

 

Die audiovisuelle Umsetzung

 

Final Fantasy 5 bietet eine nette und abwechselungsreiche 2D Grafik, die auch heute noch schön anzuschauen ist. Die Fähigkeiten des GBA werden zwar sicherlich nicht bis zum Letzten ausgereizt, dennoch gibt es nicht allzu viel zu meckern. Ähnliches gilt für den Sound und die Musik, die Genre typisch wieder mit einigen Ohrwürmern aufwartet.

 

 

 

Gut gereift oder kaum mehr genießbar?

 

Die Zutaten für ein großartiges Rollenspiel sind gegeben. Die Technik stimmt, die Hintergrundgeschichte, wenn auch nicht gerade innovativ, kann überzeugen und die Komplexität und spielerische Tiefe, die durch die Berufe ins Spiel gegeben werden, dürften auch Rollenspielveteranen eine willkommene Spielwiese zum Austoben und Taktieren bieten.

 

Leider sind viele Designelemente aus heutiger Sicht einfach nur altbacken und kaum mehr zu akzeptieren. Hier mal einige Beispiele:

 

Oftmals weiß man nicht so richtig, wohin man gehen soll. Es gibt zwar eine Weltkarte, die man aufrufen kann. Nur ist diese so klein und auch nicht zoombar, dass sie nur die wichtigsten Infos preisgibt. Ein Logbuch, in dem Aufgaben eingetragen werden, wurde ebenfalls nicht integriert.

 

Außerdem ist es absolut nicht mehr zeitgemäß, dass man sich ständig aufleveln muss, um voran zu kommen. Denn in der Regel läuft das Spiel immer so ab, dass man sich bis zum nächsten Endgegner vorkämpft, um dann von diesem erstmal derbe einen auf die Mütze zu bekommen. Erst wenn man nach mehreren Versuchen seine Schwachstelle herausgefunden und dann ein paar Stunden lange seinen Status erhöht hat, kann man den Endgegner besiegen. Ihr werdet also mehrmals während des Abenteuers gezwungen sein, nur der Erfahrungspunkte wegen stupide zu kämpfen.

 

Außerdem sind viele Passagen im Spiel für Einsteiger, aber selbst für Veteranen kaum vorherzusehen und nur schwer zu meistern. Ein Beispiel: Ihr trefft auf einen Endgegner, den ihr zunächst, vorausgesetzt ihr habt die richtige Taktik, Ausrüstung und Statuswerte, relativ leicht besiegt. Leider kehrt die Sau nach dem Ableben sofort zurück und fordert euch erneut zum Kampf heraus. Als wenn das nicht fies genug wäre, scheint der Gegner plötzlich um vielfaches stärker zu sein und macht euch nach Strich und Faden fertig. Wenn ihr nicht gerade Lust habt unzählige Stunden zu trainieren, könnt ihr diesen Endboss nur mit einer Taktik besiegen, auf die man aber als Normalsterblicher kaum kommen kann. Zur Erklärung: In seiner zweiten Form stirbt der Endgegner sofort, wenn man einen Level 5 Exitus Zauber auf ihn loslässt. Dieser Zauber wirkt tödlich für alle Feinde, die Level 5, 10, 15 usw. sind. Aber nicht den Zauber einzusetzen ist die Schwierigkeit, sondern ihn zu bekommen. Dazu müsst ihr in eine alte, Monster verseuchte Bibliothek gehen. Ihr müsst einen Blaumagier in eurer Gruppe haben, damit er den Spruch von einem Gegner lernen kann und mindestens ein Gruppenmitglied muss den entsprechenden Level haben und sterben, damit der Zauber überhaupt zur Anwendung kommt. Sind alle Voraussetzung erfüllt, kann euer Blaumagier danach den Level 5 Exitus Zauber anwenden. Aber mal ernsthaft: Wer soll darauf kommen? Weder bekommt man die Information, dass der Endgegner anfällig gegen den Zauber ist. Noch weiß man, dass der Zauber überhaupt existiert, wenn man dem nicht selbst zufällig ausgesetzt wurde, weil keiner der Helden an der besagten Stelle den entsprechenden Level hatte. Und was macht man eigentlich, wenn man zuvor keinen Blaumagier ausgebildet hat und gar nicht genau weiß, zu was dieser fähig ist?

 

Ich finde, dass dieses Beispiel sehr schön verdeutlicht, wie alleine gelassen der Spieler sich manchmal fühlt. Im Spiel selbst gibt es kaum Informationen zur Vorgehensweise. Die ausführliche Anleitung kann zwar ein wenig aus der Patsche helfen, aber ich prophezeie, dass Einsteiger mit wenig Sitzfleisch das Spiel schnell frustriert beiseite legen werden und selbst Veteranen werden sich an einigen Stellen die Zähne ausbeißen.

 

 

Wir danken Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters!

Fazit

Final Fantasy 5 ist ein gutes Rollenspiel. Die audiovisuelle Umsetzung ist gelungen, die Geschichte einigermaßen spannend und das Berufsystem verleiht dem Spiel eine Menge Komplexität und taktische Tiefe. Leider wird der Spieler viel zu wenig an die Hand genommen, so dass das Spiel an vielen Stellen unnötig schwer ist und frustrieren kann. Zocker mit viel Geduld und hoher Affinität zur Serie und zum Genre werden aber auf jeden Fall damit glücklich werden.

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

super

Spielspaß

ok

79%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

erhältlich

Developer

SquareEnix

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung


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