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N-Zyklopädie

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So entsteht ein Cosplay: Zelda aus Ocarina of Time (1)

12.03.2014

Autor: Tanja Weber

 

 

Ich freue mich sehr, dass ich heute einige Einblicke in die Herstellung meines Cosplays mit euch teilen darf. Als großer Zelda Fan ist es für mich eine Ehre im Zuge eines ganzen Themen-Monats einen Beitrag beisteuern zu können und ich hoffe, dass ich dem ein oder anderen Cosplay-Interessierten durch meine Zusammenfassung vielleicht den Einstieg in das Herstellen von Kostümen erleichtern kann. =) Ich werde euch im ersten von zwei Teilen dabei zusehen lassen, wie ich die Schulterpanzerung herstelle. Das ist der Teil, an dem ich zur Zeit intensiv arbeite. Ich wünsche euch viel Vergnügen und hoffe, dass meine Bilder (Handyaufnahmen...) die Arbeit ganz gut einfangen. =)

 

 

Prinzessin Zelda's Schulterpanzerung

 

Zunächst widmen wir uns dem Zubehör, mit dem ich gearbeitet habe:

 

 

 

Hier seht ihr alles, was ich zum Panzerbau benötige. Das dunkle braune Zeug direkt auf dem Boden ist Worbla. Es handelt sich dabei um ein Thermoplast, welches sich ab einer bestimmten Temperatur verformen lässt und beim Abkühlen wieder fest wird und die Form hält. Worbla findet ihr in Deutschland unter www.mycostumes.de/Worblas-Finest-Art.

 

Zum Verformen eignet sich am Besten ein Heißluftföhn. Den gibt es schon für 20€ im Internet und der erfüllt die Bedürfnisse vollkommen. =) Milliput ist die Modelliermasse, mit der ich für Filigranarbeiten bevorzugt arbeite. Die Modelliermasse kommt aus dem Modellbau, aber da können durchaus auch andere ausprobiert werden. Milliput ist allerdings etwas teurer als gewöhnliche Modelliermasse. Das Weiße im Hintergrund ist Moosgummi, das mir für das obere Schulterstück als Verstärkung dienen wird. Nebendran seht ihr die Schablonen für die Panzer, ausgemessen und auf meine Schultern angepasst. Meine haben die Maße 26 x 11,5 (oben) und 24 x 24.5. Wobei man mit einbeziehen sollte, die Seitenteile bei Bedarf auch noch kürzen zu können. Bei diesen Maßen kein Problem.

 

Ebenfalls auf dem Bild seht ihr Trennwachs, eine Plastikhalbkugel und ein Kästchen mit Schrauben und Muttern, auf die ich im späteren Verlauf eingehen werde. =)

 

 

Die oberen Schulterplatten

 

Zunächst fertige ich mir Schablonen an und übertrage sie einmal auf das Moosgummi und zweimal auf das Worbla.

 

 

 

 

Dann ordne ich die drei Stücke wie ein Worbla-Moosgummi Sandwich an:

 

 

 

 

Nun kann ich mit dem Heißluftföhn anfangen erst die untere Lage Worbla weich zu föhnen. Wenn ihr selbst einmal mir Worbla arbeitet, achtet darauf schön gleichmäßig über die Fläche zu formen, damit sich keine Blasen bilden.

 

 

 

 

Nun lege ich das Moosgummi auf, lege anschließend die zweite Lage Worbla darüber und mache diese wieder weich.

 

 

 

 

Die Ränder können, wenn das Worbla noch weich ist, an den Kanten zusammengedrückt werden, so dass es sich über das Moosgummi zieht.

 

 

 

 

Jetzt habe ich ein perfektes Worbla-Moosgummi Sandwich, das bereit zum Formen ist. Zum Formen selbst nehme ich zunächst eine Schneiderpuppe für die grobe Form und passe die einzelnen Platten danach von Hand auf meine Schultern an.

 

 

 

 

Gefällt mir die Form und die Panzer sitzen sauber auf den Schultern, dann sehen sie in etwa so aus:

 

 

 

 

Kommen wir nun zum zweiten Teil...

 

 

Die abgerundete Seitenplatte:

 

Die Grundstruktur bleibt erst einmal gleich, mit einem Unterschied. Ich schneide dieses Mal kein Moosgummi mit, sondern nur zwei Schichten Worbla. Der Grund hierfür ist, dass ich zwar eine stabile Grundfläche brauche, aber auch die runde Biegung, die über die Schulter verläuft, formen muss. Mit einem Moosgummi-Kern ist das nicht möglich.

 

Im Folgenden zeige ich euch an einem Probestück, wie ihr die Rundung formt. Da Worbla nicht ganz billig ist und ich einen Teil der Zusammenfassung für euch im Nachhinein fotografiere, muss ich etwas mit dem Material sparen. Ich hoffe ihr versteht das. =) Das Prinzip ist natürlich in jedem Fall das Gleiche.

 

 

 

 

Nun kommt die Halbkugel und das Trennwachs zum Einsatz. Ich bestreiche die Halbkugel mit dem Trennwachs und verarbeite es wie auf dem Etikett beschrieben. Das Trennwachs wird helfen das Worbla später problemfrei wieder von dem Kunststoff abzubekommen.

 

Die doppelte Lage Worbla wird nun mehr als die Hälfte erwärmt. Würde ich es ganz erwärmen, hätte ich das Problem, dass sich die Fläche komplett verformt und ich später Schwierigkeiten bekomme, wenn es um den unteren Teil geht.

 

 

 

 

Nun kommt die Geduldsarbeit. Ich ziehe das Worbla über die Halbkugel, so dass eine schöne Form entsteht, unter die letztlich meine Schultern passen sollen.

 

 

 

 

Überzieht man übrigens die ganze Halbkugel, bekommt man eine weibliche Brustpanzerung... oder zumindest die Hälfte davon. =)

 

 

 

 

Der Übergang zu einer geraden Fläche verlangt etwas Übung. Mit dem Worbla geht man keinerlei Risiken ein, da es so oft erwärmt werden kann wie man es braucht. Nach etwas Probieren sieht das Ergebnis in etwa so aus:

 

 

 

 

Hier ist natürlich noch Feinarbeit gefragt. Der Übergang kann mit der Halbkugel glatt gerollt und die Falten, die entstehen können punktuell erwärmt und glatt gedrückt werden. Danach wird der Seitenteil so geformt, dass er schön um den Arm passt. Sind beide Stücke aufeinander angepasst, sieht das ungefähr so aus:

 

 

 

 

Ich habe die Panzer nach dieser Aufnahme noch etwas gekürzt, da sie mir im Vergleich zum Original doch zu lang erschienen.

 

Im weichen Zustand kann man mit Worbla arbeiten wie mit einer Knetmasse. Setzt euren Heißluftföhn geschickt ein und probiert am Besten immer erst an kleinen Reststücken, wenn ihr etwas ausprobieren wollt. Aber eurer Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. =)

 

Gehen wir über zu dem Befestigen der beiden Teile miteinander, so dass sie auch beweglich sind. Bei dieser Sache geht es ganz viel um das Probieren. Zunächst lege ich die Panzer so aneinander wie ich sie oben an der Schneiderpuppe aufgesetzt habt und bewege die Seitenplatte in dem Winkel nach oben so weit wie ich meinen Arm darunter bewegen möchte. Am Besten ist es, wenn man hier jemandem zur Hilfe hat, der die Angelpunkte der Ober- und Seitenteile bestimmen kann, wenn die Panzer auf den Schultern aufliegen.

 

Dann geht es an das Löcher bohren für die Schrauben! Sollte hier etwas schief gehen, habe ich zum Glück die Möglichkeit überflüssige, oder falsch gebohrte Löcher wieder mit Milliput zu schließen.

 

Sind die Löcher richtig, sollte das Ganze im Idealfall so aussehen:

 

 

 

 

Die Verzierung

 

Bevor man die Teile nun aber endgültig miteinander verbinden kann, ist das Wichtigste natürlich die Verzierung auf den Panzern und vor allem das Verstecken der Schraube auf der oberen Platte. Ich benutze hier wie am Anfang bereits erwähnt Milliput, aber das ist kein Muss.

 

Zunächst mache ich auch hier Skizzen von den Verzierung anhand der Artworks und passe diese möglichst exakt an die Schablonen meiner Schulterplatten an.

 

 

 

 

Nun beginne ich zunächst mit dem Rand der Panzer und drücke die Modelliermasse von oben und von der Seite an. Da Worbla eine raue Oberfläche hat, wird die Modelliermasse hier ohne große Probleme halten. Nach dem Trocknen ist das ganze Konstrukt sehr empfindlich und wird von mir wie ein rohes Ei behandelt. =)

 

Nachdem der Rand getrocknet ist, geht es weiter mit der inneren Verzierung. Ich lege meine Schablonen auf und male die Verzierung mit einem Edding, oder CD Marker auf das Worbla.

 

 

 

 

Ich hab als Angelpunkte auf der oberen Platte die untere Mitte gewählt. Hier kann ich ohne Probleme nach der Vorlage arbeiten und komme mit der Verzierung genau über die Schraube. So arbeite ich mich durch die ganze Verzierung. Ich selbst habe mich bei der Form dazu entschieden, sie nach oben hin etwas spitz zulaufen zu lassen, eher im Stil des Manga.

 

Nun hab ichs fast geschafft! Nachdem die Verzierung fertig ist geht es an die Feinarbeit. Alle kleinen Unebenheiten und Fehler, die während dem Arbeiten mit der Modelliermasse unterlaufen sind, lassen sich mit etwas Schleifpapier beheben und die Oberfläche wird insgesamt geglättet.

 

Danach ergibt sich ein Bild, das ungefähr so aussieht:

 

 

 

 

Was nun kommt, ist wieder etwas einfacher und erfordert wenig künstlerisches Geschickt. =) Also das Schwerste ist geschafft. Es geht nun um die Ummantlung der Panzer! Hierbei gibt es viele verschiedene Varianten. Die vermutlich stabilste ist das Ummanteln mit Resin bzw. Epoxid- oder Polyesterhartzen. Der Nachteil an diesen extremen Werkstoffen ist zum einen die hohe Geruchsentwicklung, was es fast unmöglich macht sie in der Wohnung zu verwenden. Zum anderen kommt es hier auf ein genaues Mischverhältnis zwischen Hartz und dem dazugehörigen Härter an. Sie müssen sehr schnell verarbeitet werden und so ziemlich alles was damit in Berührung kommt, ist danach nicht mehr brauchbar. Eine weitaus praktischere Variante ist das Einhüllen in Holzleim. Das mag erst einmal befremdlich klingen, aber Holzleim hat den großen Vorteil, dass er sich leicht verarbeiten lässt und sehr hart aushärtet. Ich habe mich hier für Holzleim entschieden:

 

 

 

 

Nun muss das Ganze erst einmal durchhärten. Das kann etwas dauern. Empfehlenswert ist es auch mehrere Schichten Holzleim überzuziehen. Das verleiht den Panzern zusätzliche Stabilität und lässt die Möglichkeit mit weichen Schleifpapier später noch einmal eine glatte Oberfläche zu schaffen.

 

 

Ist diese Arbeit auch getan sind die Panzer bereit in wunderschönes Gold getaucht zu werden! Dafür müssen sie nur zuerst einmal... schwarz werden! Es gibt spezielle Grundierungslacke, die einen wunderbaren Untergrund für jede weitere Art von Farbe bieten. Sei es Acryl oder eine andere Farbart. In diesem Fall verwende ich ein Goldlack Spray, welches bereits bei meinen Twilight Princess Panzern zum Einsatz kam. Das Goldspray einfach aufsprühen, bzw Acrylfarbe einfach aufpinseln und fertig!

 

 

 

 

Nun bin ich im Grunde fertig. Aber die Panzer sollten auch wetterfest sein und Regen überstehen können. Daher kommt über den Goldlack noch eine Schicht wetterfester Klarlack.

 

 

 

 

Und damit ist es vollbracht!

 

Nach einigen Stunden präziser Arbeit ist diese Arbeit an dem Kostüm abgeschlossen. Was die Befestigung später betrifft werde ich so verfahren, dass ich Magnete unter den Panzern anbringe und in die Schulterpartie des Kleides einnähe. Am Besten eignen sich die Magnete, die auch in Computerfestplatten verbaut werden (Neodym-Magnete), da diese besonders stark sind. So können die Panzer jeder Zeit auf- und abgesetzt werden und ich habe keine störenden Riemen oder Schnüre unter den Armen. Auch Schnallen, oder Klettverschlüsse eignen sich, aber hier gibt es selbstverständlich auch einen großen Rahmen, der Platz für Experimente lässt. =)

 

Ich hoffe, dieser kleine Exkurs in Sachen Cosplay-Making hat euch gefallen. Mir hat es in jedem Fall sehr viel Spaß gemacht mein (wenn auch noch stellenweise sehr laienhaftes) Wissen mit euch zu teilen und euch vielleicht dazu anzuregen selbst ein Kostüm in Angriff zu nehmen. Ich weiß aus Erfahrung wie schwer der Einstieg sein kann wenn man keine Ahnung hat wo man starten soll.

 

Für weiteren Cosplay Progress und Infos zu diesem Kostüm und weiteren Projekten bekommt ihr auf meiner Facebook Seite. Ich bin offen für Fragen und gebe mir Mühe alle so gut es geht zu beantworten. =)

 

Außerdem geht bald noch der zweite Teil online, bei dem ich die Entstehung des nächsten Teils meines Zelda-Cosplays genauer erkläre.

 

Liebe Grüße und bis bald!

Celex

 

 

 


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