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Nachbericht - TGS 2013

26.12.2013

Autor: Christian Malinowski

 

 

2013 – Was für ein Jahr!

 

Wie einige von euch vielleicht noch wissen, waren Redaktionskollege Marc und ich im September 2013 auf einem jahrelang geplanten Urlaubstrip in Japan. Neben Kyōto, Nagoya und Nikkō waren wir hauptsächlich in der Super Mega City 東京 Tokyo unterwegs. Die Flug- und Hotelbuchung hat tatsächlich so hingehauen, dass die Tokyo Game Show in unseren Urlaubszeitraum hineingepasst hat. Zusätzlich hat unser Gunnar (1.000 Dank noch mal an dieser Stelle) eine Akkreditierung für uns erwirkt, sodass Marc und ich einen Presseausweis an der Makuhari Messe erhalten haben. Der Pressetag der TGS sollte somit das Highlight zum Ende unserer Japan Reise werden.

 

Noch vor Beginn unserer Tour hat sich für mich der Kauf eines Hauses ergeben. Somit bestimmten nach meiner Rückkehr aus Japan drei lange und anstrengende Monate mit Arbeiten, Renovieren und Umzug den Alltag. Es war unmöglich in dieser Zeit den Japantrip zu verarbeiten, geschweige denn hier aktuell von der TGS zu berichten. Daher musste ich diesen und noch weitere Berichte immer wieder aufschieben und in der Redaktion Verzug anmelden. Nun neigt sich ein sehr ereignisreiches Jahr dem Ende und ich kann endlich anfangen die Eindrücke einer großartigen Reise Revue passieren zu lassen. „Dōmo arigatō gozaimashita“ (どうもありがとうございました) Vielen Dank für eure Geduld.

 

Asakusabashi – Nishi Funabashi – Kaihimmakuhari

浅草橋駅 - 西船橋駅 - 海浜幕張駅

 

Am 19.09. dem ersten Pressetag der TGS und unserem letzten Urlaubstag sind Marc und ich in aller Herrgottsfrüh von unserem Hotel in Asakusabashi zur Makuhari Messe aufgebrochen, welche ca. 30km außerhalb des Zentrums an der Bucht von Tokyo gelegen ist. Mit den Zügen der JR Chuo/Sobu- und JR Musashino Line brauchten wir incl. einmaligen Umsteigens in Nishi-Funabashi ca. 45 Minuten bis zur Kaihimmakuhari Station. Für 450 ¥ also ca. 3,75€ war das Zugticket eigentlich ziemlich günstig. Während des gesamten Urlaubs sind wir immer relativ spät mit den Zügen gefahren. Daher waren wir recht gespannt, wie voll es wohl morgens früh gegen 7:00 Uhr in den Bahnen sein wird. Wer kennt nicht die Bilder wo die sogenannten Pusher die Leute in die überfüllten U-Bahnen von Tokyo stopfen. Bis zum Umsteigen in Nishi-Funabashi war die Hinfahrt ziemlich entspannt. Dort angekommen war dann auf dem Bahnsteig aber mal so richtig die Hölle los. Auch wir wurden in die Bahn gepushed und es gab im Inneren kein vor und zurück mehr. Unglaublich wie ruhig und besonnen die Japaner in den vollen Wagons geblieben sind. Da wird halt einfach weiter gelesen oder mit dem Handy gesurft, als wäre die Menschendichte nix besonderes. Anstatt genervt zu schupsen, zu drängeln oder vor Wut zu schnauben blieben da alle anscheinend ganz cool. Wer durch oder raus wollte gab ein kurzes „Shitsureishimasu“ (しつれいします) von sich und windete sich gekonnt durch das Abteil. Nach gut 15 Minuten war der Spaß auch schon wieder vorbei und wir stiegen mit den gefühlten 1 Millionen Menschen aus dem Zug.

 

 

Welcome to Makuhari New City

幕張新都心へようこそ

 

Von der Kaihimmakuhari Station sind es gute 500m bis zur Makuhari Messe. Obwohl wir mit so vielen Leuten dort aus dem Zug gefallen sind, haben sich die Menschenmassen doch ziemlich schnell in sämtliche Richtungen zerstreut. Somit waren wir eigentlich nur noch mit ein paar Leutchen zu den Heiligen Hallen unterwegs. Da wir gegen 08:00 Uhr bereits vor Ort waren hatten wir wirklich sehr viel Zeit um den Eingang und den Presseticket Schalter ausfindig zu machen. Als regelmäßige Besucher der gamescom in Köln, sind wir ja so einiges an riesigen Menschenaufläufen auch am Pressetag gewohnt. Auf der Tokyo Game Show hingegen waren einfach nur „viele“ Leute. Wir mussten nicht lange für unsere Pressetickets anstehen. Und bei der Öffnung der Messehallen machte sich eine überschaubare Menschenschlange gesittet und geordnete auf zu den Ständen der Aussteller. Da war nix mit rennen und drängeln. Alles ganz relaxed und entspannt. Damit hätten wir wahrlich nicht gerechnet.

 

 

Die geheimnisvolle Magie der TGS

 

Seit der ersten Austragung der Tokyo Game Show im Jahre 1996 war es für Marc und mich ein Traum selber einmal in Japan zu sein um dieses Event dort zu erleben. Seither hatte die Tokyo Game Show immer etwas Magisches an sich und stand für uns in keiner fassbaren Relation zur E3 oder gamescom. Nun war es endlich soweit, ein Jugendtraum geht in Erfüllung. Wir sind tatsächlich da! Nach den ersten Runden durch die Hallen kam allerdings so etwas wie Ernüchterung auf. Die Unfassbarkeit tatsächlich dort zu sein ebbte langsam wieder ab und irgendetwas holte uns zurück auf den Boden. Was war da geschehen? Wo waren der Glanz und die Magie hin? Wo kam dieser Hauch einer Enttäuschung plötzlich her? Haben wir vielleicht zu viel erwartet?

 

Wer in den letzten Jahren die Entwicklung z.B. der gamescom jährlich vor Ort miterlebt hat der weiß, dass sich die Videospielemesse immer weiter zu einem bombastischen inszenierten Showspektakel der Superlative gemausert hat. Action hier, Event dort, überall ist auf den Bühnen und Messeständen der Teufel los und man wird fast an jeder Ecke dazu animiert bei irgendwelchen Shows und Spielchen mitzumischen. Vermutlich haben wir in den Makuhari Hallen ein ähnliches Tamtam erwartet, welches allerdings den ganzen Tag ausblieb. Nicht das wir den ganzen Rummel irgendwie vermisst hätten. Aber der Punkt ist, dass wir uns auf der Tokyo Game Show wie auf einer „Messe“ gefühlt haben. Nicht mehr und nicht weniger. Ja, die gamescom ist auch eine Messe, aber dort nehmen Show, Action und Animation einen weitaus höheren Platz in Anspruch, als auf der TGS. Es war weitaus ruhiger und entspannter, kein Stress, keine Hektik und keine Kilometer langen Schlangen. Alles wirkte irgendwie kleiner und bescheidener und prunkloser. Mit ca. 29.171 Besuchern am Business Day war im Vergleich zu den Besuchertagen mit über 100.000 Besuchern auch deutlich weniger los. Es sei aber auch angmerkt, dass die TGS 2013 mit einem Rekord von über 270.000 Besuchern abgeschlossen hat.

 

 

SUUUDA – HIDEOOO – HARADAAA

 

Auf der TGS gaben sich auch die Stars der Branche die Ehre und standen in Interviews auf den Bühnen der Publisher Rede und Antwort zu ihren Projekten. Noch im August war ich am Pressetag auf der gamescom mit einer grölenden Meute vor der Deep Silver Bühne und huldigte Suda51, welcher sein Spiel Killer is Dead vorstellte. Der Deep Silver Animateur heizte dem Publikum ordentlich ein und im Hintergrund ballerten Songs vom Killer is Dead Soundtrack aus den Boxen. Es war wie auf einem Rock Konzert und als Suda51 die Bühne betrat war die Stimmung am Kochen. Die anschließende Autogrammstunde rundete Sudas Auftritt ab und hinterließ zufriedene und glückliche Fans. Suda51 war auch auf der TGS und plauderte gemütlich mit seinen Kollgen von Grasshopper Manufacture über das neue Lily Bergamo Action Game. Anstatt einer tobenden Meute stand eine kleine Gruppe Journalisten vor der Bühne und lauschte still dem netten Gespräch zwischen den Entwicklern und der Moderatorin. Ähnlich dezent verliefen die Interviews mit Metal Gear Schöpfer Hideo Kojima auf der Sony Bühne oder Tekken Urgestein Katsuhiro Harada bei Namco Bandai.

 

 

Tokyo Game Show Over – Continue? – YES

 

Auch wenn ich am 19.09. etwas enttäuscht durch die Makuhari Hallen gelaufen bin, war die Tokyo Game Show zwar nicht das erhoffte Highlight unserer Japan Reise, aber das sogenannte i-Tüpfelchen. Mit dem heutigen Abstand sehe ich die TGS als äußerst sympathische Videospiele Messe, welche völlig ungezwungen und unaufdringlich unser Lieblingshobby insbesondere im Asiatischen Raum repräsentiert. Ob bei SEGA, CAPCOM oder Microsoft, die Atmosphäre in der Messehalle war immer sehr entspannt und angenehm. Man musste nie lange warten um etwas anspielen zu können. Bei Capcom habe ich zum Beispiel den 3DS Titel Gaist Crusher (ガイストクラッシャー) angespielt, welcher am 05.12.13 in Japan erschien. Da mein japanisch nicht ausreichend für eine angemessene Unterhaltung war, probierten wir mit Englisch weiter zu kommen. Allerdings gab es hier wiederum einige Verständnisschwierigkeiten. Mit dem Tutorial von Gaist Crusher bin ich nur mäßig klar gekommen, aber zumindest habe ich erfahren, dass ein Release in Europa nicht geplant sei. Allerdings fühlten sich die Entwickler von Treasure geehrt über das Interesse am Spiel und über eine Berichterstattung in Deutschland.

 

Gerne würde ich jederzeit, wenn es sich ergibt, wieder einen Japan Urlaub mit der TGS verbinden. Wenn ihr die Möglichkeit habt nutzt sie und erlebt selber, wie angenehm eine Videospiele Messe auch ohne Rambazamba auskommen kann. Zurück bleibt die großartige Erinnerung an einen unglaublichen aber leider viel zu kurzen Urlaub, in dem Land, Leute und insbesondere die Videospielkultur nicht zu kurz kamen. Am Narita Airport wird man mit „WE HOPE TO SEE YOU AGAIN“ verabschiedet. Diesem Wunsch würde ich in naher Zukunft sehr gerne wieder nachkommen.


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