Login

Passwort vergessen?

Konto erstellen


N-Zyklopädie

< zurück

The Heart of a Gamer - Über das Fanboy-Phänomen

25.03.2006

 

Autor: Gunnar Schreiber

Wir alle kennen Fußballfans, deren Liebe zu ihrem Verein das tägliche Leben beeinflusst. Eine Dauerkarte für den Fanblock muss her, geschlafen wird nur in der passenden Vereinsbettwäsche und verliert die eigene Mannschaft, ist gleich das ganze Wochenende versaut. Auch bekannt sind fanatische Musikfans, die ihrer Lieblingsband während einer Tour hinterherfahren und auch nur jeden erdenklichen Output der Band kaufen. Sei es auch nur das fünfte Best Of Album.


Diese Fangruppierungen sind aber bei weitem nicht die fanatischsten. Seit etwa 20 Jahren entsteht eine neue Fankultur, von der Außenstehende vielleicht noch nie was gehört haben, die aber in Sachen Loyalität und Intoleranz alles bisher da gewesene in den Schatten stellen: Die Konsolen Fanboys.

 

Es herrscht Krieg, Konsolenkrieg. Früher waren es Nintendo und Sega Anhänger, die sich nicht grün waren und ihr System der Wahl bis aufs Äußerste verteidigten. Seitdem Sega kneift und sich aus dem Konsolengeschäft zurückgezogen hat, mussten neue Fronten her. Sony füllte mit der PlayStation zunehmend die Lücke und begann sofort Nintendo Fans extrem zu reizen. Wie konnten sie es wagen, die ursprünglich als Kooperationswerk von Sony und Nintendo geplante Konsole alleine zu veröffentlichen? Und dann damit auch noch Marktführer zu werden? Sonys aggressive Marktstrategien bewirkten schnell, dass der Name PlayStation im weniger fachlich geschulten Volksmunde immer mehr zum Synonym für Spielekonsolen avancierte. Die Sony Konsole war cool, und ehemals Nintendo exklusive Spielereihen wie Final Fantasy erschienen plötzlich bei der Konkurrenz.

 

 

Aber auch andere schaffen es gezielte Attacken gegen die Nintendo Fanbase zu starten. 2001 drängte Microsoft mit der Xbox auf den Markt. Und als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, wagte Bill Gates es auch noch einige große Scheine aus seiner Portokasse zu zücken und Nintendos beliebteste Second Party Firma Rare zu kaufen. Die Firma, die auf dem N64 für großartige Software Highlights wie Banjo Kazooie und Perfect Dark gesorgt hatte. Der Aufschrei war groß, hunderte Petitionen wurden gestartet und unzählige Droh-Emails an Rare und Microsoft versendet. Wenn es zu diesem Zeitpunkt eine bisher unerklärliche Anhäufung von Selbstmorden gegeben hat, dann wäre das eine Erklärung dafür Wink.

 

Ja, als Nintendo Fan hat man es nicht leicht. Während man bis Mitte der 90er Jahre das wohlige Gefühl der weltweiten Marktführerschaft von Nintendo-Systemen genoss, musste man danach eine Niederlage nach der anderen einstecken und dazu die passenden Häme der Sony und Microsoft Fanboys ertragen. Beliebtestes Schimpfwort derer ist „Kiddie Konsole - Nintendo Konsolen haben nur Kinder, denn es gibt dafür doch nur Comic-Spiele". Solche Worte können dem Ego eines pubertierenden 16jährigen schon arg zusetzen.

 

Aber Nintendo Fans wissen sich zu wehren, und sind vor allem intelligent. Sie sind durchaus in der Lage verbal auf adäquate Weise zurückzuschlagen: „Ich habe eine Kiddie Konsole, was willst du denn mit deiner GayStation." oder „Deine Wixbox sieht ja aus wie ein Brotkasten". Auch für die kommende PlayStation 3, die wahrscheinlich aufgrund der ausgefeilten Technologie ziemlich teuer sein wird, hat man schon den passenden Namen „PayStation". Oder auch „GrillStation", weil das Design der PS3 doch frappierend an einen zu klappbaren Tischgrill erinnert.

 

 

 

Aber warum sind Menschen so fanatisch? Was lässt hunderte Japaner vor Geschäften campen, damit sie am nächsten Tag die neue Software oder Hardware als erstes in den Händen halten können? Kann sich irgendjemand vorstellen, dass Leute vor einem Saturn campieren, weil am nächsten Tag ein neuer iPod geliefert wird?

Warum bedeuten wichtige Hard- und Softwarepräsentationen, speziell im Vorfeld der weltweiten größten Fachmesse E3, vielen so viel wie Weihnachten und Geburtstag zusammen? Was lässt jemanden Freudensprünge machen, wenn die wöchentlichen Hard- und Softwareverkaufszahlen Gutes verheißen? Warum läuft es einem kalt den Rücken runter und man bekommt Gänsehaut beim Anblick eines neuen Zelda Trailers?

 


Leider hat sich der Wunsch dieses Fans nicht erfüllt.
Nintendo Präsident Satoru Iwata ließ keine Bombe
auf der GDC 2006 platzen.

 

Das wäre sicherlich mal ein interessantes Forschungsfeld für Psychologiestudenten. Ich für meinen Teil kann nur sagen, ich bin Nintendo Fan, weil deren Hard- und Software mir viel bedeutet. Ich erinnere mich noch an die Zeiten, als ich mit meinen Geschwistern das SNES gekauft habe, unsere erste eigene Konsole. Unser erstes Spiel war natürlich „Super Mario World". Das war ein Schlüsselerlebnis! Fortan konnte ich es mir gar nicht mehr vorstellen, eine andere Hardware zu kaufen. Die Qualität der Spiele und der Konsolen von Nintendo ist meiner Meinung nach unerreicht. Während die anderen nur Nintendo kopieren und auf festgetretenen Pfaden verharren, ist Nintendo immer wieder bestrebt den Markt zu revolutionieren, so wie es dieses Jahr mit der neuen Konsole „Revolution" wieder geschehen wird. Danke, Nintendo!

 

Ach ja, weiteres Merkmal von Fanboys: Sie sind niemals objektiv Wink.

 


Aktuell auf 10doTV

10do Show

Oktober-Ausgabe: Die Metroid-Reihe

RSS-FeedDie 10do Show in iTunes