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Die vergessenen Features der Wii

01.05.2012

 

Autor: Mario Kablau

 

 

Eine Konsole, die niemals schläft!

 

Wie fängt man einen Artikel über gebrochene Versprechen am besten an? Auf diese Frage habe ich lange nach einer Antwort gesucht, bis ich sie schließlich gefunden habe: 15!

 

Was diese Zahl bedeutet? Nun, dazu muss ich ein wenig ausholen. Es war im Sommer 2006 als sich auf der E3 alles um die Wii drehte. Da die Konsole im Winter weltweit erscheinen sollte, hatte sich Nintendo vorgenommen, die Medien und Gamer von ihrem neuartigen Konzept zu überzeugen. Statt auf fette HD-Grafiken zu setzen, innovierte Nintendo durch eine vollkommen neuartige Steuerung; etwas, das die anderen Hersteller heute auch im Angebot haben.

 

 

Aber nicht nur das war neu, vor allem wollte Nintendo online einiges anders machen. Das Zauberwort lautet WiiConnect24, ein vollkommen anderer Online-Service. Erstmals hatte eine Konsole von Nintendo einen echten Standby-Modus und in diesem sollte sie trotz ganz geringem Stromverbrauch immer online sein. Dadurch sollte es möglich sein, dass zum Beispiel neue Inhalte über Nacht wie von Zauberhand auf der Konsole landen, so dass es jeden Tag etwas Neues zu entdecken gibt.

 

So waren zum Beispiel neue Inhalte für Spiele angedacht, jede Menge neue Kanäle mit exklusiven Inhalten und vieles mehr. Selbst über Demos wurde mal laut nachgedacht. Es sollte also so kommen, dass man jeden Morgen die Laufwerks-LEDs blinken sieht und weiß, dass es etwas Neues gibt, einen Grund die Konsole einzuschalten.

 

 

Und damit kommen wir zurück zu meiner eingangs erwähnten Zahl. Es gibt nämlich bis heute genau 15 Spiele, die WiiConnect24 unterstützen. Wahnsinn, oder? Und wenn man noch die 9 Kanäle dazu zählt, kommt man auf ganze zwei Dutzend Dinge, die die Wii vom schlafen abhalten sollte. Muss ich noch mehr schreiben? ;-) Nicht zu diesem Punkte, das ist aber eine perfekte Überleitung.

 

 

Wii ein Fernseher!

 

Ja, ich weiß, diese ganzen Wii-wie-Witze sind sowas von alt und schon seit dem zweiten Mal nicht mehr lustig. Aber hier passt es einfach, denn auch eine Idee von Nintendo ist heute fast schon ranzig: Kanäle!

 

Die Wii sollte sich ja vor allem auch durch ihr Menü von der Konkurrenz abheben. Viele kleine Kanäle sollten uns Gamern abseits von Videospielen viele Gründe geben, mit der Konsole täglich Spaß zu haben. So waren zum Beispiel von Anfang an der Mii-Kanal und der Wii Shop-Kanal dabei. Relativ bald kamen der Wetter- und der Nachrichten-Kanal dazu. Was die tun, erklärt sich wohl relativ von selbst. An sich sind die Ideen ja auch gar nicht mal schlecht, aber dafür dass sich auf der Konsole täglich was tun sollte, war dann doch einfach zu wenig los. Oder klickt heute noch jemand regelmäßig den Nachrichten-Kanal an, um zu wissen, was in der Welt vor sich geht?

 

 

Kurzer Einschub: Wie man den Wetterkanal sinnvoll in Spielen einsetzen kann, hat EA mit Madden NLF 07 bewiesen. Das Spiel griff nämlich auf Daten vom Wetterkanal zurück und passte das Wetter im Spiel an. Warum sollte auch virtuell die Sonne scheinen, während es in der Realität regnet? Leider wollte das offenbar keiner haben, denn danach wurde eine solche Verknüpfung nie wieder eingesetzt, auch wenn die Möglichkeiten scheinbar endlos sind. Ich denke da zum Beispiel an echte lokale Nachrichten in einem Videospiel, Umfrageergebnisse aus der Realität und vieles mehr. Schade, dass das nicht aufgegriffen wurde.

 

 

Und das ist längst nicht alles, noch viel problematischer ist, dass es trotz der großen Worte am Anfang einfach viel zu wenig neue Kanäle gegeben hat. Was wäre mit der Wii nicht alles möglich gewesen? Sie hätte zum Zentrum des Wohnzimmers werden können, wenn Nintendo hier mehr gemacht hätte. Okay, zu Beginn sah es ja noch ganz gut aus, aber die Umfragen im Meinungskanal wurden dann doch schnell mindestens genauso langweilig wie der Glückskanal insgesamt. Einzig der Kirby Kanal war für mich ein echtes Highlight, da man hier wirklich zwei Mal pro Woche einen neuen Inhalt bekam, für den es sich lohnte, die Konsole einzuschalten.

 

 

Hätten wir mehr in dem Stil gehabt, dann wäre ich zufrieden. So mache ich die Wii heute wirklich nur noch zum Zocken an. Und selbst da kam es nicht so wie es mal versprochen wurde. Aber bevor ich dazu überleite noch eine Frage:

 

Was ist euer Lieblingskanal und warum? Postet es einfach im Forum. Meine (nicht ganz ernst gemeinte Stimme) bekommt der „Speicherdaten-Update-Kanal für The Legend of Zelda: Skyward Sword“. ;-)

 

 

Meine Musik in den Ohren??

 

Auch wenn es heute kaum noch vorstellbar ist, hatte die Wii tatsächlich am Anfang ein Problem mit SD-Karten. Man konnte zwar von Tag 1 an den Speicher der Konsole über die kleinen Steckkarten erweitern, aber die Möglichkeiten hielten sich doch arg in Grenzen. Da Nintendo wohl davon ausging, dass knapp 500 MB Systemspeicher ausreichen, um Speicherstände, Virtual Console Spiele und mehr zu sichern, konnte man erst relativ spät auch diese Inhalte extern ablegen. Warum dann aber überhaupt sowas anbieten?

 

Nun, ich bin froh, dass Nintendo es getan hat auch wenn einer der Hauptgründe heute kaum noch zum Einsatz kommt. Es gibt nämlich tatsächlich einige Spiele, bei denen man auf einer SD-Karte gespeicherte Musik im Spiel anhören kann. Leider ist jedoch das Wort „einige“ an der Stelle sogar etwas übertrieben, denn mir sind auch nach längerem Nachdenken bloß zwei Spiele eingefallen, die dieses Feature anbieten: Excite Truck und Endless Ocean.

 

 

Während es bei Excite Truck durch Wiedergabelisten noch sehr komfortabel war, kam es bei Endless Ocean so zum Einsatz, dass man eigentlich gar keinen Bock darauf haben konnte. Man muss nämlich zum Auswählen eines neuen Songs auf das Schiff zurück. Aber fast noch bescheuerter ist, dass die Option im Nachfolger sogar komplett gestrichen wurde. Daran sieht man recht deutlich, was Nintendo von dieser selbst kreierten Möglichkeit hielt: gar nix! Und das finde ich echt schade, gerade bei Rennspielen oder auch bei Puzzlespielen hätte ich gerne die Chance gehabt, mich von meiner Lieblingsmusik beschallen zu lassen, von Spielen mit wirklich schlechter Musik will ich gar nicht erst sprechen...

 

Bevor ich nun zum Rest übergehe, komme ich noch mal auf die bereits angesprochenen SD-Karten zurück. Die Wii hat ja bekanntermaßen 512 MB eingebauten Speicher, der genutzt wird, um Speicherstände abzulegen, Fotos zu sichern und eben auch heruntergeladene Software zu speichern. Anfangs, als es nur die Virtual Console gab, war das noch kein so großes Problem, denn diese Software war selten größer als 10 MB. Dennoch war es natürlich recht schnell möglich, den Speicher komplett zu füllen und man hatte dann nur die Option, ältere Daten zu löschen. Glücklicherweise ist das nur halb so wild wie es klingt, denn einmal bezahlte Software kann man jederzeit neu herunterladen. Komfortabel ist das aber sicherlich nicht.

 

 

Problematisch wurde es dann mit WiiWare im Mai 2008, denn hier dürfen Spiele bis zu 40 MB groß sein. Es wurde also schnell eng auf der Wii. Und dennoch dauerte es noch fast ein ganzes Jahr, bis Nintendo sich bequemte, die Speicherung dieser Inhalte auch auf SD-Karten vorzunehmen. Und komfortabel ist es bis heute nicht, denn man findet diese Spiele dann nicht direkt auf dem Home-Bildschirm, sondern in einem eigenen Menü. Aber das wisst ihr sicher ohnehin alle und daher komme ich nun zum „Rest“.

 

 

Was sonst noch so gestorben ist!

 

Erinnert ihr euch noch daran, wie Nintendo das Menü der Wii vorgestellt? Ein nicht kleiner Teil der Präsentation drehte sich um die Wii-Pinnwand. Sie sollte Haftnotizen auf dem Kühlschrank ablösen. Will man eine Nachricht für ein gerade nicht anwesendes Familienmitglied hinterlassen, dann sollte man das komfortabel per Konsole tun können. Dies und noch mehr wurde damals versprochen. In der Realität ist das jedoch so gar nicht möglich, weil die Konsole ja nicht mal mehrere Benutzerkonten anbietet. Wie soll dann Mami bitte mitkriegen, dass Papi ihr eine Nachricht hinterlassen hat? Das war also ungefähr so durchdacht wie Klebezettel ohne Klebestreifen...

 

 

Aber es geht sogar noch weiter. Technisch bietet die Konsole über einen Trick die Möglichkeit, auch Newsletter zu empfangen. Das geht, weil man sich auch mit E-Mail Adressen anfreunden kann und dann von diesen Nachrichten auf die Pinnwand bekommen kann. An sich eine gute Idee, aber leider auch wieder viel zu unkomfortabel. Selbst wir hatten mal einen regelmäßigen 10do-Newsletter geplant und technisch auch schon umgesetzt, aber unterm Strich war es einfach viel zu komplex. Schade, denn so hätte die Wii Pinnwand abseits von Spielzeit-Statistiken tatsächlich einen Nutzen haben können.

 

Auch nicht gekommen ist die Möglichkeit, DVDs mit der Wii abzuspielen. Und hier ist es besonders wenig nachvollziehbar, denn technisch ist die Konsole zum Wiedergeben von Filmen in der Lage, Nintendo hat das Feature einfach nur gesperrt. Okay, es gibt scheinbar einen Grund, warum das so ist, denn es ist wohl so, dass die Laser-Linse der Wii nicht auf eine dauerhafte Beanspruchung ausgelegt ist und daher beim DVD gucken schnell Schaden nehmen kann. Doch anstatt hier nachzubessern war es Nintendo lieber, ein bereits offiziell bestätigtes Feature nachträglich doch wieder auszukündigen. ;-) Da hilft auch die Begründung nix, dass fast jeder einen DVD-Player hat, denn eigentlich sollte die Wii ja die Zentrale im Wohnzimmer werden…

 

 

So viel von mir zu den vergessenen Features der Wii. Dieser Artikel erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen Überblick über das geben, was die Wii mal können sollte, heute aber keiner mehr nutzt, bzw. nie jemand genutzt hat. Ich freue mich sehr über Feedback und Kommentare im Forum. Natürlich könnt ihr dort auch weitere Punkte beschreiben, die ich hier vergessen habe.


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