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Nintendo - gamescom = ?

13.04.2012

Autor: Mario Kablau

 

 

Warum die Entscheidung, nicht zur gamescom zu gehen, die falsche ist!

 

Nintendo hat gestern bekannt gegeben, dass Sie dieses Jahr nicht auf der gamescom sein werden. Auf unsere Rückfrage, warum das so ist, kam zwar ein offizielles Statement, dass jedoch alles andere alseine Antwort auf die Frage nach dem „Warum“ ist:

 

„Obwohl die gamescom eine der wichtigsten Messen für uns ist, haben wir beschlossen, in diesem Jahr nicht an ihr teilzunehmen. Stattdessen planen wir unsere Post E3-Aktivitäten auszuweiten und unseren Handels- und Medienpartnern dabei Wii U sowie die neuesten Titel für Nintendo 3DS und Wii vorzustellen.

 

Darüber hinaus planen wir für später im Jahr - im Zuge der gesamteuropäischen Marketing-, PR- and Event-Aktivitäten - eine Reihe von Veranstaltungen, die unseren Fans Gelegenheit bieten werden, die neuesten Titel auszuprobieren. Weitere Informationen dazu geben wir demnächst bekannt.“

 

Dort stellt Nintendo nur klar, dass sie statt der Messe etwas anderes planen. Und genau das ist das Problem an der Aussage: Bisher hat Nintendo noch nicht zeigen können, dass sie in der Lage sind, etwas anderes auf die Beine zu stellen. Mal ganz davon abgesehen, dass die Aussage in sich unlogisch ist. Wieso sollte die gamescom eine der wichtigsten Messen sein, wenn man nicht hingeht? Das macht einfach keinen Sinn. Aber eins nach dem anderen.

 

 

In meinen Augen ist die gamescom sicher der falsche Weg, wenn man eine Idee wie Wii Sports oder Nintendogs breit verkaufen will. Mit Wii und DS ist Nintendo ja ganz klar in eine Richtung gegangen, die sich teilweise sehr weit von den Intensiv-Spielern entfernt hat. Folglich braucht man diese Konzepte auch nicht auf einer Messe zu zeigen, die besonders diese Zielgruppe anlockt und innerhalb dieser auch ein extrem großer Multiplikator ist.

 

Und was hat Nintendo nun die letzten Jahre getan? Genau, sie waren auf der Messe und haben dort krampfhaft versucht, auf „Casual“ zu machen und sogar Spiele präsentiert, die längst auf dem Markt erhältlich waren. Dass man damit die Besucher der Messe nur geringfügig begeistern kann, ist eigentlich klar. Nun, außer man macht Marketing bei Nintendo...

 

 

Denn genau jetzt, wo Nintendo die Marschrichtung vorgibt, dass man wieder mehr in Richtung Intensiv-Spieler gehen will, ist die Messe auf einmal nicht mehr wichtig? Eine Chance, einem großen Publikum und der Presse ein Konzept ausführlich vorzustellen, das bereits wenige Monate später auf den Markt kommen soll, die man sich eigentlich nicht entgehen lassen sollte.

 

Ja, es mag sein, dass man mit dem gleichen Geld, was ein Auftritt auf der Messe kostet, außerhalb davon auch einiges anstellen kann, aber wen wird man damit wohl erreichen? Genau, die Nintendo-Fans, also die, die sich vermutlich eh die Finger nach der neuen Konsole lecken und es gar nicht abwarten können, mehr Infos zu bekommen und die ersten Spiele zu spielen. Aber genau die hat Nintendo doch eh schon zu 90 Prozent sicher, dieser harte Kern hat sich sogar den GameCube zum Launch gekauft, obwohl es eigentlich keine Spiele gab. Dieser harte Kern hat sich den überteuerten 3DS zum Launch zugelegt, obwohl eigentlich klar war, dass Nintendo sich mit diesem Preis nicht wird halten können. Und jetzt stößt man genau diesem harten Kern vor den Kopf?

 

 

Und was noch viel schlimmer ist: Wenn man tatsächlich die Intensiv-Spieler zurück gewinnen will, dann glaubt Nintendo doch nicht alles Ernstes, dass Leute, die heute nur eine PS3 oder eine Xbox 360 haben, sich zu Nintendo begeben, wenn Sie mal wieder mit einem Truck eine deutschlandweite Tour durch fünf Städte machen? Genau diese Leute wird man so nicht erreichen können, nicht nur in Deutschland sondern auch in Europa, denn die gamescom zieht tatsächlich Besucher und Fachpresse aus anderen Ländern an.

 

Das Schlimmste ist und bleibt aber, dass Nintendo damit ein weiteres Mal zeigt, dass Arroganz ihnen nicht gut steht. Der Absturz nach dem SNES mit N64 und GameCube sollte sie eigentlich eines Besseren gelehrt haben, aber kaum schwimmt man mal wieder ein paar Jahre auf der Erfolgswelle, sind all die Fehler, die man schon ein Mal gemacht hat, wieder vergessen.

 

Ja, die Hardcore-Fans werden sich die Wii U sowieso kaufen, aber damit alleine lässt sich nun mal kein Geld verdienen, weil die Gruppe zwischenzeitlich einfach zu sehr geschrumpft ist. Und warum schrumpft sie wohl? Weil Nintendo es einfach nicht versteht, wie man Menschen für sein Produkt begeistert. Und damit meine ich nicht oberflächlich begeistert, denn genau das passiert auf solchen Deutschland-Touren. Leute, die man auf der Straße anspricht, die werden im Zweifel eher keine Gamer sein und daher das Erlebte nach wenigen Minuten wieder vergessen haben.

 

 

Und was habe ich jetzt noch gar nicht erwähnt? Den Nintendo 3DS. Nur weil vielleicht aus Japan die Vorgabe kam, die Wii U nicht auf der gamescom zu zeigen, kann man doch nicht leugnen, dass der 3DS dringend Aufmerksamkeit bräuchte. Es sind so viele gute Spiele angekündigt und es werden auf der E3 sicher noch weitere Ankündigungen folgen. Aber was nützt das, wenn man die nicht denen zeigt, die zum einen heiß drauf sind und zum anderen die Meinung im Internet prägen? Und dann hätte man auf dem Messestand auch zumindest ein paar Trailer zur Wii U zeigen können. Aber gleich ganz auf den Messeauftritt zu verzichten? Das war sicher keine kluge Entscheidung...

 

Schließen möchte ich mit einem Satz, den ich ähnlich schon von mir gegeben habe, als Nintendo den Launch-Preis des 3DS bekannt gegeben hat: Nintendo kann das natürlich gerne so machen, aber sie werden schnell merken, dass sie sich damit keinen Gefallen tun werden. Oder in anderen Worten: Nach dem Wunder des erneuten Aufstiegs der gesunkenen Titanic, nimmt der Kapitän nun wieder Kurs auf den nächsten Eisberg... Oder ist es gar derselbe?


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