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N-Zyklopädie

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Die Sprache der Musik im Spiel

16.12.2011

Autor: Torsten Conraths

 

Videospiele - wie viele gute, wie auch schlechte, haben wir bis heute schon gespielt? Etliche! Doch ein Videospiel wird erst dann zum Spiel, wenn verschiedene Elemente nahtlos zusammenpassen und ein Gesamtbild ergeben. Und eines dieser Element möchte ich heute näher erörtern:

 

Wir alle kennen sie, die Soundtracks aus Videospielen. Aber was macht einen Soundtrack aus? Was wollen und sollen sie dem Spieler sagen und welche Bedeutung hat die musikalische Untermalung in der heutigen Zeit? Manche mögen jetzt sagen „Zum Soundtrack gehört aber alles, was mit dem Ton zu tun hat, also auch Soundeffekte und Sprachausgabe“. Das ist auch richtig, doch meint man heute meist mit dem Begriff „Soundtrack“ allein die Musik des Spiels und genau dem Bereich widme ich mich in diesem Beitrag.

 

Stellen wir uns der eingangs erwähnten Frage, was einen Soundtrack ausmacht. Nun, jedes Spiel setzt auf einen anderen Musikstil. Soll die Musik sich eher im Hintergrund halten und den Spieler mit ruhigen, geheimnisvollen Liedern in Spannung versetzen, wie im Action-Abenteuer „Metroid“? Soll er mit imposanten Stücken auf sich aufmerksam machen und infantil auf den Spieler einwirken, wie z.B. im Rollenspiel „Gothic 3“? Es gibt so viele verschiedene Arten, eine Musik im Spiel in Szene zu setzen, doch alle haben sie etwas gemeinsam: Ein Soundtrack soll Stimmung erzeugen. Die meisten Spiele schaffen es, durch ihre Musik die Atmosphäre zu unterstreichen oder gar zu erzeugen. Vieles würde ohne Musik gar nicht die gleiche Wirkung auf den Spieler haben.

 

Doch soll sich diese dabei dem aktuellen Geschehen anpassen und nicht anders herum. Dabei ist es meist egal, ob ein Lied von einem echten Orchester eingespielt oder an einem Computer erzeugt wurde. Okay, bei einem Spiel wie jüngst „The Legend of Zelda: Skyward Sword“, da merkt man schon einen Unterschied doch haben auch und vor allem alte Spiele oder die, deren Soundtracks nicht per Orchester eingespielt wurden, ihre ganz eigenen Reize und können auch meist mit simplen Stücken überzeugen.

 

Aber was macht denn nun einen Soundtrack aus? Diese Frage kann man gar nicht so pauschal beantworten. Es ist ein Zusammenspiel aus all den oben genannten Faktoren und es gibt wohl auch noch etliche Dinge mehr, die wichtig für einen guten Soundtrack sind. Aber im Groben kann ich nur eine Sache wiederholen: Er muss Stimmung erzeugen und dem Spieler als Ohrwurm im Kopf kleben bleiben. Auch Jahrzehnte später sollte man sich im Optimalfall noch an die ein oder andere Melodie erinnern. Letzteres schaffen aber leider nur wenige Entwickler... Oder vielleicht „zum Glück“? Denn käme das öfter vor, wären die einzelnen Lieder, die einem im Kopf bleiben, wohl gar nicht mehr so besonders, oder?

 

 

Kommen wir zum nächsten Teil dieses Artikels. Die Frage, auf die ich nun näher eingehen möchte ist folgende: Was will ein Soundtrack dem Spieler sagen und wie wichtig ist in der heutigen Zeit noch eine gute Musikuntermalung?

Das sind schwierige Fragen und auch wenn ich länger darüber nachdenke, komme ich zu keiner genauen Antwort. Wir haben auf der einen Seite die Spiele(-Serien), deren Soundtracks einen klaren Punkt im Spiel einnehmen, den Spieler leiten und über musikalische Wege Botschaften übermitteln wollen. Auf der anderen Seite haben wir aber auch die Spiele, bei denen diese Begleitung immer unwichtiger wird und immer weiter in den Hintergrund gerät, was aber an sich auch nichts Schlimmes sein muss. Es kommt immer darauf an, ob die Musik sich bewusst in des Spielers Kopf einbrennen soll oder eben nur eine nette Begleitung darstellt. Und vor allem in einer Zeit, in der so unendlich viel im Bereich Sound und Musik möglich ist, stellt sich doch die Frage, ob Soundtracks nicht eine aussterbende Art sind. Klar, Musik wird es in Spielen immer geben, doch ich rede hier von den wirklich guten Tracks, die, die den Spieler auch nach dem Spielen noch begleiten. Ich weiß, ich wiederhole mich, doch ich kann es nicht oft genug sagen.

 

Nehmen wir doch wieder das Spiel, besser gesagt, die Spielereihe „The Legend of Zelda“, die uns schon seit Jahrzehnten begleitet. Von Anfang an wurde hier sehr auf die Musik geachtet. Viele Melodien aus alten Zelda-Teilen, so einfach sie zum Teil sein mögen, kann ich heute noch nachsummen, weil sie einfach so eindringlich und vor allem passend im Spiel eingesetzt wurden. Selbst heute läuft mir noch ein Schauer über den Rücken, wenn ich das Lied der Schattenwelt aus dem SNES-Teil „A Link to the Past“ höre.

 

Nintendo hat mit der Zelda-Serie gezeigt, wie wichtig die Musik in Spielen ist. Es benötigt nicht immer eine komplexe Sprachausgabe, um dem Spieler zu sagen oder mitzuteilen, was passiert oder was zu tun ist. Hier wird mit Mitteln, die jeder Mensch versteht, versucht, den Spieler durch das Spiel zu leiten oder nur zu begleiten. Und wenn man Leute auf der Straße fragt und ihnen ein beliebiges Musikstück aus einem der vielen Teile vorspielt, jeder von ihnen kann einem auch viele Jahre nach dem Spielen noch sagen, was er getan hat und wo er sich gerade befand, als er jene Musik im Spiel gehört hat.

 

Und genau das schaffen nur wenige Spiele, aber genau das ist es auch, was einen guten Soundtrack meiner Meinung nach ausmacht, zumindest für bestimmte Genres. Bei einem Call of Duty hingegen kann ich mich nicht mal an einen Soundtrack erinnern, obwohl es einen gibt. Jedoch wäre dies hier auch völlig Fehl am Platze, da der Schwerpunkt ganz klar auf andere Bereiche verteilt ist.

 

 

Wie vorhin schon angedeutet, habe ich ein paar Spieler befragt, welche Bedeutung Soundtracks für sie haben:

 

“Soundtrack?? Der Soundtrack ist einer der wichtigsten Punkte für mich, egal ob bei Filmen, Spielen oder Büchern.

Nein mal im Ernst. Der Soundtrack ist wichtig, er verzaubert und sorgt für mich erst für die richtige Stimmung. In Gothic 3 als ich in Myrtana rumlief und im Hintergrund KaiRos Musik lief [Anm.: KaiRo = Kai Rosenkranz, Komponist des Gothic- und Risen-Soundtracks] oder Fallout 3 mit dieser Jazz Musik während man mit dem Hund durch DC läuft. Das sind Momente für die Ewigkeit.”

 

“Für mich ist ein guter Soundtrack einer der sich perfekt ins Spiel integriert und die Atmosphäre wiederspiegelt und verstärkt. Ein Soundtrack muss gar nicht sonderlich episch oder diese eindringliche Melodie haben, das kann in vielen Fällen sogar schaden. Ein guter Soundtrack muss an sich gar nicht mal gute Musik sein, sondern einfach nur Musik die perfekt zum Spiel passt.”

 

“Ich finde, dass Soundtracks natürlich einen riesigen Teil der Atmosphäre ausmachen, z.B. bei Horrorspielen oder Rollenspielen am meisten. Ein Horrorspiel ohne Backgroundsounds und Soundtracks ist lange nicht so gruselig wie ein Horrorspiel mit leisen Violinen, die immer lauter werden; oder Pianos. Und natürlich dürfen Schreie im Hintergrund nicht fehlen. Jedenfalls finde ich Soundtracks ziemlich wichtig!”

 

 

Wie man lesen kann, ist die Grundaussage eigentlich bei jedem Zitat dieselbe und deckt sich auch mit meiner Meinung: Ein Soundtrack, selbst einfachste Stücke, sollen den Spieler emotional berühren und das Geschehen unterstreichen und begleiten. Die Musik soll nicht bloßer Hintergrund sein, nein, sie sollte Teil des Spiels, Teil des Gameplays werden. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass der Soundtrack wichtiger ist, als die Grafik in einem Spiel, da man mit Musik viel mehr ausdrücken und sie dem Spiel eine ganz persönliche Note geben kann, viel mehr noch, als ein Grafikstil dies könnte. Außerdem hat eine Musik viel mehr Wiedererkennungswert, als eine Textur und man erinnert sich schneller an dieses Spiel, wenn man sich eine Melodie erneut anhört, als würde man sich einen Screenshot ansehen.

 

Doch leider habe ich festgestellt, dass die Soundtracks immer mehr und mehr in den Hintergrund geraten und immer weniger wirklich eindringliche Melodien geschaffen werden. Das war früher anders. Damals, als es noch keine Sprachausgabe und diese Unmengen an Soundeffekten gab, da konnte die Musik noch wirklich überzeugen und berühren. Das empfinde ich heute nicht mehr so. Ich möchte nicht sagen, dass es in dieser Zeit keine guten Soundtracks mehr gibt, im Gegenteil. Aber mich berühren die wenigsten nur noch wirklich und das finde ich schade. Allerdings ist das nur mein Empfinden und es wird wohl viele geben, die das anders sehen. Trotzdem wird es da auch einige Leute geben, die mir zustimmen werden. Jedoch ist das wohl eine Sache, über die sich streiten lässt.

 

 

Wie steht ihr zu dem Thema? Was sind eure Lieblinge im Bereich der Spielemusik? Haltet ihr sie für wichtig oder empfindet ihr sie bloß als, mehr oder weniger, nette Dreingabe der Entwickler, also für euch eher unwichtig? Diskutiert mit uns im Forum.


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