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Der "The Legend of Zelda: Ocarina of Time" Manga

25.11.2011

Autor: Lukas Strübig

 

 

Die Frage nach dem Wort "Epik"

 

Dass Zelda "episch" ist, bestreitet niemand. Auf den ersten Blick. Wenn man sich jedoch die echte, nicht die sprachgebräuchliche, Definition dieses Wortes ansieht, kann man ins Grübeln kommen: Die "Epik" ist eine der drei literarischen Gattungen und bedeutet schlichtweg nichts anderes, als einen in Prosa geschriebenen Text. So wie der Text, den du, geneigter Leser, gerade liest.

 

Eines der Themen, in dem Martin und ich recht früh unsere Fronten geklärt haben ist das Thema eines Zelda Filmes. Währen Martin einen guten Zelda Film für möglich hält, kann ich mir eine filmische Umsetzung dieses Stoffes gar nicht vorstellen. Der Zelda Fan Film "Hero of Time" konnte meine Meinung da natürlich auch nicht ändern.

 

Wie sieht es aber mit einem Medium aus, in dem man mehr Zeit hat, als 1-2 Stunden, um die Geschichte in ihrer Gänze zu erzählen? In dem man ruhig mal hin und wieder einen Exkurs einbringen kann. In dem man mehr als nur einen Höhepunkt erreichen kann. Nein, hier geht es nicht um die Zelda TV-Serie, hier geht es um den Manga zu The Legend of Zelda: Ocarina of Time!

 

 

 

Das Spiel ohne Spiel

 

Zugegeben, jeder Literatur-Wissenschaftler würde bei diesem Intro ohnmächtig vom Stuhl fallen. Mangas kann man nicht wirklich als Prosa bezeichnen, kommen dem allerdings näher als ein Herr der Ringe Film ;-) Auch wenn der natürlich auf Prosa basiert, ach vergessen wir das, mein Punkt ist: Einen guten Zelda Manga hielt ich schon immer für möglich. Hier ist eben genug Zeit, genug Raum, um sich mit der Geschichte episodisch auseinander zu setzen.

 

Die Geschichte des Mangas hält sich dabei sehr nah ans Original, wurde nur durch leichte Änderungen aufgewertet. So betritt im Manga nicht nur Link das Innere des Deku Baumes, sondern auch der draufgängerische Mido, der, als Anführer der Kokiri, derjenige ist, der das Kokiri Schwert aufbewahrt. Der Deku Schild wird nicht in einer Truhe gefunden, sondern aus der Rinde des Deku Baumes geschnitzt. Diese Änderungen sorgen dafür, dass die Geschichte weniger konstruiert wirkt. Die Handlung ist fließender, viele Ereignisse sind stärker mit einander verknüpft, so trifft Link sein Pferd Epona zum ersten Mal auf der Steppe Hyrules und wird von ihm zur Lon Lon Farm gebracht, von wo er mit Hilfe der Eule Kepora Gebora, der er dort zum ersten Mal begegnet, in Zoras Reich fliegt.

 

Auch die Beziehung der Charaktere wird sehr viel mehr vertieft, so kann man Links Sehnsucht nach Zelda im zweiten Teil besser verstehen. Ein sehr viel größerer Fokus wurde auf Shiek gesetzt, der hier auch ein wenig die Hintergrundgeschichte der Shiekah beleuchtet. (Ob das nun Kanon ist- keine Ahnung)

 

Ein weiteres Element, welches der Manga meistert, ist die Darstellung von Link selbst. In einer Geschichte, die der Konsument nur passiv erlebt, ist ein stummer Held einfach nicht möglich. Statt dessen wird er hier als, wie es der Autor selbst beschreibt, "junger Romantiker" dargestellt. Und das passt echt gut. Link reagiert im Manga nämlich genau so auf die Welt und seine Figuren, wie es ein durchschnittlicher Spieler tut. Er staunt über die Weiten der Steppe, die Größe der Architektur und die Wesen, die diese Welt bevölkern. Gleichzeitig stellt er sich dann und wann recht ungeschickt an, ist ein wenig naiv und unerfahren, aber dennoch stets bemüht, das richtige zu tun. Darüber hinaus ist auch er hin und wieder von der hier sehr dominanten Navi genervt.

 

Die sonstigen Charaktere entsprechen sehr stark ihrem Vorbild aus dem Spiel. Malon ist das toughe Bauernmädchen, das seinen Mitmenschen gerne zu Nahe tritt, Zelda... eben das genauer Gegenteil davon, Ganon ist der böse Mastermind und Ruto die verwöhnte Prinzessin. Nur Naboru kam mir im Spiel etwas ernster vor. Hier im Manga hat sie aber auch eine etwas andere Rolle.

 

 

So gut der Manga die einzelnen Elemente auch umsetzt und verknüpft, so gibt es doch einen entscheidenden Grund, warum der Manga Fan von diesem Werk nicht besonders beeindruckt sein wird: Er ist einfach zu kurz.

 

Das liegt vor allem daran, dass die langen Laufwege und Rätseleinlagen natürlich nicht in eine fließende Geschichte passen und daher einfach ersatzlos entfernt wurden. So betritt Link einen Tempel, meist nicht allein, damit er jemanden hat, mit dem er sich für den Leser austauschen kann, trifft sofort auf den Boss und besiegt ihn recht schnell. Das Arsenal des Helden der Zeit wurde dem angepasst. Bomben gibt es nicht, wozu auch, es gibt ja Donnerblumen, der Bogen wird nur gelegentlich heraus geholt, denn Links Sekundärwaffe ist hier der Fanghaken, den er in einer, dem Leser nicht gezeigten Szene, in Kakariko... besorgt. Irgendwie.

 

Das ist im Grunde nicht schlecht, zieht nur die Spannung stark herunter. Ein Tempel wird in höchstens einem Kapitel abgehandelt, meist wird nicht einmal gezeigt, wie Link den Tempel überhaupt erreicht. So beginnt ein Kapitel direkt im Kampf gegen Volviga, die Geschichte, wie Link seinen Namensvetter von den Goronen trifft wird nur kurz angerissen und weicht dafür einer Rückblende, die chronologisch einfach nicht ins Geschehen passt und aufgrund ihrer Kürze vergeblich versucht, Tragik zu erschaffen. Das Kapitel um den Wassertempel wurde einfach irgendwo eingefügt, weil es nirgendwo rein passte, aber dennoch rein musste und da wird es den geneigten Leser dann doch verwundern, dass die Geschichte nach der Hälfte des zweiten Bandes bereits vorbei ist, und zwei überlange Sidestorys folgen, in denen man sich auf einmal doch die nötige Zeit nimmt. Eine sehr merkwürdige Entscheidung.

 

 

Und was gibts aufs Auge?

 

Nun, ich habe den Namen des Autors noch nicht erwähnt. Bzw. der Autorin? Hinter dem Pseudonym "Akira Himekawa" stecken zwei japanische Zeichnerinnen namens Honda und Nagano. Dementsprechend ist der Zeichenstil recht weiblich, mit sehr feinen Linien, vor Allem in den Haaren und einer sehr detaillierten Darstellung der Umgebung. Der kindliche Link ist dabei natürlich sehr niedlich gezeichnet, während sich beim erwachsenen Link auf jedem Bild die Muskeln ganz klar an seiner Kleidung abzeichnen.

 

 

Der Zeichenstil hält sich dabei jedoch sehr nah an die Artworks zum Spiel, wirkt jedoch japanischer und für einen Manga besser geeignet. Die, die im Manga Bereich wenig Erfahrungen haben, wird es darüber hinaus auch freuen, dass die einzelnen Bilder meist im eigenen Rahmen bleiben, ohne ein zu großes Chaos auf jeder Seite zu erzeugen. Die Textblasen sind in ihrer Reihenfolge meist auch klar erkennbar, und man liest selten Lautwörter wie "Ahh!" oder "Wow!"

 

Dabei ist wirklich erstaunlich, wie hoch die Qualität der Zeichnungen durch den ganzen Manga bleibt. Nicht ein Bild beinhaltet störende Unsauberkeiten in der Linienführung, jede Figur sieht von jeder Perspektive genau so aus, wie sie aussehen soll und somit wirkt jede einzelne Szene. Der Manga typische Verzicht auf Farbe stört auch nicht. Ansonsten hat das Buch eine gute Qualität, das Papier hat eine gute Dicke und ist griffig, der Druck stellt jedes Detail dar und auf dem Cover glänzt der Zelda Schriftzug in Gold. So muss das sein!

 

Der Zelda Manga zu Ocarina of Time ist somit eine sehr schöne Lektüre für jeden Fan des Spiels. Die großartige Inszenierung mit perfekten Zeichnungen und die gelungene Bearbeitung des Stoffs trösten dabei über die auffällige Kürze des Mangas hinweg. The Legend of Zelda: Ocarina of Time wird wohl zu Recht unter Manga Lesern immer den Ruf eines Merchandise Produktes haben, aber es ist ein extrem wertvolles.

 


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