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Resident Evil: Die vergessenen Episoden

29.10.2011

Autor: Gunnar Schreiber

 

 

Resident Evil – Die vergessenen Episoden

 

Auch wenn Capcom mit Resident Evil das Genre „Survival Horror“ nicht erfunden hat, Serien wie „Alone in the Dark“ waren eher die Vorreiter, sorgte der erste Teil des Spiels doch für den endgültigen Durchbruch am Massenmarkt. Aber warum gelang dies ausgerechnet Resident Evil? Das hat sicherlich viele Gründe: Zum einen bediente sich das Entwicklerstudio bei vielen Story-Elementen, die Genre affinen Gamern bereits aus diversen Horrorfilmen bekannt gewesen sein durften. Die Geschichte um einen undurchsichtigen Bio-Chemiekonzern, der unter vorgehaltener Hand mit extrem gefährlichen Viren zur Herstellung von Biowaffen experimentiert, war ja nicht wirklich neu. Genauso wenig wie die Idee, dass dabei etwas schief läuft und der Virus zu Mutationen und letztendlich zu einer Zombieplage führt. Aber Capcom verstand es, der Geschichte so viele eigene Ideen und vor allem Authentizität zu verpassen, so dass Resident Evil nicht als Abklatsch, sondern von vorneherein als eigenständige Marke etabliert war.

 

Die hohe Authentizität lag vor allem an dem glaubwürdigen Universum, das die Entwickler erschaffen hatten. Gerade die ersten fünf Spiele der Serie, also Resident Evil 0 bis 3 sowie Code Veronica spielen alle innerhalb weniger Monate. Die durchdachten und glaubwürdigen Charaktere wie Chris und Claire Redfield, Jill Valentine oder Leon S. Kennedy haben vielfach mehrere Auftritte und Verbindungen zueinander. Alles wirkt wie aus einem Guss. So viel Struktur und Kontext boten Anno 1996 nur sehr wenige Spiele als Resident Evil auf den Markt kam. Hinzu war auf den Disks der PlayStation so viel Platz, dass jede Menge gerenderte Videosequenzen sowie Sprachausgabe drauf passten, was gerade für das Genre ein großer Gewinn gewesen war.

 

Darüber hinaus war Resident Evil auf der ganzen Welt wegen seiner expliziten Gewaltdarstellung in den Medien. In Deutschland landeten die meisten Ableger auf dem Index. Aber die ganze Diskussion nahm bisweilen abstruse Züge an. So gab es Gerüchte, Capcom hätte sich für das Design der Zombies verbrannte Leichen angeschaut. Aber wie sagt man so schön: schlechte Presse ist gute Presse. Folglich wurde Resident Evil so erfolgreich, dass seitdem mittlerweile sechs Teile der Hauptserie (der inoffiziell siebte folgt mit Resident Evil Revelations im Januar 2012) sowie nahezu unzählige Spin-Offs und Remakes erschienen sind.

 

 

Resident Evil 1.5

 

Nach dem großen Erfolg von Teil 1 arbeitete Capcom natürlich gleich mit Hochdruck an einer Fortsetzung. Das Spiel war bereits zu etwa 80% fertig gestellt und komplett spielbar, als man sich entschied, die Version einzustampfen und wieder von vorne anzufangen. Warum Capcom sich dazu entschlossen hat, wurde nie verraten. Das wird umso mysteriöser, wenn man weiß, dass die Webseite PlaystationMuseum.com vor einigen Jahren eingeladen wurde, um Resident Evil 1.5 zu spielen. Die Redakteure waren dabei von der Version begeistert. Denn diese bietet tatsächlich einige Neuerungen und Ideen, die im offiziellen zweiten Teil nicht enthalten waren. Aber beginnen wir mal von vorne.

 

Resident Evil 1.5: Elza Walker und Leon in Aktion.

 

 

Die grundsätzliche Geschichte ist in etwa gleich. Nachdem die S.T.A.R.S. Mitglieder die dunklen Machenschaften von Umbrella aufgedeckt hatten, wurde seitens der Medien und Politik so viel Druck ausgeübt, dass Umbrella zumindest augenscheinlich geschlossen wurde und fast die gesamte Chefetage im Knast landete. Doch als alles wieder normal zu sein schien, begann der Horror erneut mit einer mysteriösen Hautkrankheit, die immer mehr Bewohner befiel. Daraus entwickelte sich eine weitere Zombieplage, die diesmal ganz Raccoon City einnahm. Gerade als die Situation so richtig apokalyptisch ist, kommt Leon S. Kennedy an seinem ersten Arbeitstag als Polizist in die Stadt und trifft dort recht bald auf die zweite Protagonistin. Nein, nicht Claire Redfield. In Resident Evil 1.5 war dies Elza Walker. Elza ist eine Studentin aus Raccoon City die zu Anfang des Spiels mit dem Motorrad in die Stadt zurück kommt, ähnlich wie Claire Redfield, die im zweiten Teil ihre Rolle übernommen hat. Warum Elza gegen Claire ausgetauscht wurde, ist nicht bekannt. Man kann aber spekulieren, dass Capcom mit dem Schritt eine engere Verzahnung zu Teil 1 erreichen wollte, da dort ja ihr Bruder Chris einer der Helden war.

 

Anhand eines ausführlichen Videos zu Resident Evil 1.5, das ihr euch hier anschauen solltet sowie dem Anspielbericht von PlayStationMuseum.com weiß man aber noch von weitaus mehr Veränderungen. So gab es anders aussehende Räume zu erkunden, andere Gegner wie zum Beispiel große mit Rohren bewaffnete Zombies oder spinnenartige Menschenmutationen und sogar eine angeblich überlegende KI der Gegner. So sollen Zombies in der Lage gewesen sein, Türen zu öffnen oder durch Löcher durchzukriechen. Verhaltensweisen, die erst später hinzugefügt wurden. Wie bereits erwähnt, hat Capcom sich leider bisher nicht dazu geäußert, warum die Version eingestampft wurde. Es bleibt also genügend Raum für Spekulationen.

 

 

Resident Evil 2 für das N64

 

Nachdem der zweite Teil für PlayStation endlich erschienen war und den Erfolg des Erstlings sowohl bei Kritikern als kommerziell noch toppen konnte, erschien im Jahre 2000 auch eine Version des Titels für das Nintendo 64. Diese gehört zwar natürlich nicht zu den unveröffentlichten Episoden, weil es sie ja tatsächlich gab, ist aber dennoch in dem Zusammenhang erwähnenswert. Denn zum einem war das Spiel hierzulande extrem selten, da die Originalfassung für PlayStation aus dem Jahre 1998 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert wurde. Somit war auch die N64 Variante bei uns kaum zu bekommen und ziemlich unbekannt.

 

Resident Evil 2 war auf dem N64 eine technische Meisterleistung.

 

Vor allem technisch konnte Resident Evil 2 auf dem N64 aber überraschen. Das Spiel bot gegenüber dem Original nicht nur eine verbesserte Grafik, sondern auch die kompletten Videosequenzen und die gesamte Sprachausgabe auf einem Modul. Das Spiel war dabei der erste Titel, der mit einem 512 Mbit Modul ausgestattet wurde. Für diese Meisterleistung war die Firma Angel Studios verantwortlich, die 2002 zu Rockstar San Diego umbenannt wurde und seitdem Topspiele wie Red Dead Redemption entwickelt hat. Interessant zu erwähnen ist, dass die Angel Studios auch zu Nintendos N64 Dream Team gehörten, also dem erlauchten Kreis von Entwicklern und Publishern, den Nintendo einen besonderen Support bei der Spielentwicklung zukommen ließ. Sicherlich auch ein Grund, warum Resident Evil 2 auf dem N64 so klasse geworden ist.

 

Am besten schaut ihr euch hier noch das folgende Video zu Resident Evil 2 an, da es besonders aus Vergleichsgründen interessant ist, wenn ihr vorher das Video zu Resident Evil 1.5 gesehen habt.

 

 

Resident Evil Zero für das N64

 

Wo wir doch schon bei der guten alten Nebelmaschine sind. Nachdem die Angel Studios mit dem Vorurteil aufgeräumt hatten, dass Spiele mit vielen Videosequenzen und Sprachausgabe wegen dem geringen Speicherplatz auf den Modulen des N64 nicht zu verwirklichen wären, machte sich Capcom daran, ein exklusives Resident Evil für die Konsole zu entwickeln. Es sollte den Namen Zero tragen und somit ein Prequel zu den bisherigen Teilen werden.

 

Trotz vorgerenderter Grafik ist der Unterschied zur GameCube Version gigantisch.

 

 

Capcom entschied sich auch für das N64 als Plattform, weil sie hofften, die neuen geplanten Features dort am besten umsetzen zu können. So ist es in dem Spiel möglich, Items auch außerhalb der Kisten abzulegen und im Spiel zwischen Rebecca Chambers und Billy Coen fast jederzeit zu wechseln. Dies sollte alles möglichst ohne Ladezeiten geschehen und da hatten die Module einen deutlichen Vorteil gegenüber den DVDs der PlayStation 2. Erstmals wurde das Spiel im Jahre 2000 auf der Tokyo Games Show enthüllt. Aber wie so viele andere viel versprechende N64 Spiele der letzten Generation wie Dinosaur Planet oder Eternal Darkness ereilte auch diesen Titel das Schicksal und wurde letztendlich für GameCube weiterentwickelt. Das Ladezeitenproblem war durch die schnellere Zugriffsrate auf Nintendo eigens entwickelten Mini-DVDs auch kein Problem. Somit erschein das fertige Spiel 2003 bei uns für den Würfel.

 

Ob sich dadurch auch am Gameplay oder an der Geschichte groß was verändert hat, ist nicht bekannt. Hier könnt ihr euch noch ein Video der N64 Version anschauen.

 

 

Resident Evil 4 Prototype

 

Als Shinji Mikami, damaliger Mastermind der Resident Evil Reihe, im Jahre 2003 auf der E3 Teil 4 mit den markigen Worten „Resident Evil 4 will be scary. Don’t pee your pants!“ präsentierte, hatte das Spiel noch relativ wenig mit dem zu tun, was wir nachher unter dem Namen Resident Evil 4 zocken durften. Ursprünglich war geplant, dass Leon S. Kennedy in Paris eine geheime Basis von Umbrella infiltriert und letztendlich den Konzern endgültig zerschlägt. Auch wenn in dieser Version schon die vorgerenderten Hintergründe ausgetauscht wurden und auch die alte Kamera gegen die aus Resident Evil 4 letztendlich bekannte Verfolgerperspektive geändert wurde, erinnerte das Gameplay doch mehr an die ersten Teile der Serie. Leon musste folglich mehr Rätsel lösen, der Horror-Aspekt stand mehr im Vordergrund und es gab bekannte Gegner wie Zombies. Darüber hinaus bot die Version paranormale Erscheinungen wie Geister und Leon war infiziert mit einem Virus.

 

Hier infiltriert Leon gerade eine Umbrella Niederlassung in Paris.

 

 

Aber auch hier entschied sich Capcom, die weit fortgeschrittene Version ohne nähere Bekanntgabe von Gründen einzustampfen und letztendlich das Resident Evil 4 zu entwickeln, das wir alle kennen und mögen. Hier könnt ihr euch noch einen Trailer zur ursprünglichen Version anschauen.

 

 

Ich hoffe, unser kleiner Ausflug ins Resident Evil Universum hat euch gefallen. Mehr zur Serie gibt es mit Sicherheit dann, wenn Resident Evil Revelations für Nintendo 3DS auf den Markt kommt.


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