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Filmkritik: Silent Hill

26.10.2011

Autor: Martin Küpper

 

Silent Hill ist einer dieser Filme, die sehr gut aufweisen, wieso ich die meisten Filmkritiker hasse. Der moderne Filmkritiker neigt dazu, dass Medium Film, seine Kritik und auch sich selbst viel zu wichtig zu nehmen. Das Ergebnis ist oft, dass die Kritik (mangels Bodenständigkeit) völlig an der breiten Masse vorbei geht. Während Silent Hill laut Rottentomatoes.com nur von 29% der Kritiker für gut befunden wurde, waren 65% der „normalen“ Kinobesucher zufrieden. Bei IMDB sieht es ähnlich aus. Das diese Abweichungen den professionellen Kritiker nicht dazu bewegt, seine eigenen Ansprüche zu überdenken, resultiert wohl aus der angesprochenen Arroganz. Bei meiner Recherche stieß ich übrigens auch auf Zitate wie: „Der Rest ist so unoriginell wie die Handlung eines Videospiels.“ Ein Zeugnis davon, wie engstirnig viele der Filmkritiker sind. Hoffentlich entwickelt sich das bei Videospielen nicht genauso. Das wäre nämlich die Schattenseite davon, dass man Videospiele als Kunst ansieht. Denn Spiele sind genau wie Filme in erster Linie immer noch Unterhaltung, keine Kunst, die auf irgendwelchen kryptischen Metaebenen irgendeinen intellektuellen Firlefanz vermitteln muss. Nichts gegen Metaebenen und intellektuellen Firlefanz, aber manchmal will man auch einfach nur Spaß haben. Und das geht so manchem Kritiker wohl einfach nicht in den Schädel.

 

 

Nachdem ich mir das endlich mal von der Seele geschrieben habe, möchte ich es bei meiner Kritik zu Silent Hill selbstverständlich besser machen. Und ich glaube als großer Fan der Silent Hill Spiele bin ich dafür auch eher prädestiniert als irgendein Schnösel, der tatsächlich glaubt, dass Videospiele (immer noch) keine vernünftige Story erzählen können.

 

 

Vom Videospiel zum Lichtspielhaus

 

Aber eigentlich kann man das diesen Leuten ja kaum verübeln, wenn man sich ansieht, was bislang so als Film umgesetzt wurde. Doom, Dead or Alive, Street Fighter... eine komplexe Handlung hatten die alle nicht. Das Videospiel-Adaptionen einen so schlechten Ruf haben, liegt in meinen Augen auch daran, dass die meisten Spiele, die bislang umgesetzt wurden, einfach nicht den Grundstoff boten. Dass die meisten umgesetzten Spiele ausgerechnet dem Genre der Prügelspiele entstammen, spricht jawohl eine mehr als deutliche Sprache. Ich glaube zwar, dass man mit der richtigen Herangehensweise aus jeder Vorlage einen guten Film machen könnte, aber manche Spiele bieten sich dafür deutlich besser an und erfordern weniger Aufwand in der Umsetzung. Prügelspiele gehören allerdings nicht wirklich dazu.

 

 

Silent Hill ist hingegen ein Titel, der sich mit der intensiven Atmosphäre und seiner Erzählstruktur durchaus für eine Filmumsetzung anbietet. Hinzu kommt, dass sich mit Christopf Gans (Der Pakt der Wölfe) ein sehr fähiger Regisseur für den Film verantwortlich zeigt und auch die mitwirkenden Schauspieler haben keinen schlechten Ruf. Die Vorzeichen für eine gute Videospielumsetzung könnten eigentlich gar nicht besser sein.

 

 

Welcome to Silent Hill

 

Kenner des PlayStation-Originals werden schnell feststellen, dass die Handlung des Films nur lose auf dem ersten Teil der Videospielreihe beruht. Prinzipiell nicht die schlechteste Entscheidung, da es den Autoren die nötige Freiheit gibt, die einem Drehbuch in der Regel gut tut. Der Kern bleibt aber erhalten: Irgendwer landet irgendwie in Silent Hill, wo irgendwas Merkwürdiges vor sich geht. Gut, ein paar mehr Parallelen gibt es schon.

 

Irgendwer sind in diesem Fall die junge Mutter Rose (Rhada Mitchell) und ihre Adoptivtochter Sharon (Jodelle Ferland). Das Mädchen leidet unter schrecklichen Albträumen und Visionen, die alle in einer kleinen Stadt namens Silent Hill spielen. Daher beschließt Rose gegen den Willen ihres Mannes (Sean Bean) ihre Tochter in eben diese Stadt zu bringen, um den Ursprung der Ängste zu ergründen. Schon bei ihrer Ankunft läuft der Plan aus dem Ruder. Mutter und Tochter haben einen Autounfall und als Rose die Augen öffnet, ist Sharon verschwunden. Es beginnt ein hitzige Suche, nach Sharon und dem Geheimnis von Silent Hill.

 

 

Die Geschichte entwickelt sich im Verlauf des Films immer weiter weg von der geistigen Vorlage. Das ist aber nicht schlimm, da die Grundstimmung und Atmosphäre nahezu perfekt vom Videospiel übertragen wurde. Das fängt bei der grandiosen Optik des Films an, die mit großartigen Sets und mehr als passablen Effekten zu überzeugen weiß. Die Stadt Silent Hill ist sehr gut getroffen und wird durch gelungene Kamerafahrten ausgezeichnet in Szene gesetzt. Auch die bekannten Monster wie der Pyramide Head oder die Krankenschwestern haben ihre Auftritte, die Gott sei Dank nicht überdramatisch zelebriert wurden. Sie sind perfekt in den Film eingearbeitet und erwecken nicht das Gefühl, dass man bloß eine Checkliste abgearbeitet hat, um dem Zuschauer der Reihe nach die Merkmale des Spiels vorzuführen.

 

Auch die Musik klingt ganz nach Silent Hill. Tatsächlich wurden nicht wenige Stücke direkt aus der Vorlage übernommen, was sich ganz wunderbar auf die Atmosphäre auswirkt. Der Film fühlt sich tatsächlich nach Silent Hill an. Zumindest bis zum Ende...

 

 

Das Ende

 

Keine Sorge, ich werde euch nicht den Film vermiesen. Wer den Film gesehen hat, wird sich sicher schon denken können, wieso ich diese Überschrift gewählt habe. Das Ende des Films ist der wiederkehrende Kritikpunkt, den man eigentlich immer zu hören bekommt, wenn man über Silent Hill redet. Das Problem ist, dass der Film gegen Ende zu hektisch wird. Es passiert zu viel, erklärt wird zu wenig und so verliert man als Zuschauer nicht nur den Überblick, sondern auch die bis dahin so bedrückende, ruhige Atmosphäre geht vor die Hunde. Die Fragen die im Laufe der Handlung aufkommen, versinken in einem Dschungel aus Antworten, der nichts als Verwirrung stiftet. Am Ende ist man sich nicht einmal mehr sicher, welche Fragen beantwortet wurden und welche unbeantwortet blieben. Das ist wirklich schade, denn es gibt dem ganzen Film einen bitteren Beigeschmack, den auch der grandiose Rausschmeißer am Ende nicht mehr übertünchen kann.

 

 

Doch das ändert nichts daran, dass Silent Hill bis zum heutigen Tage, in meinen Augen die absolut beste Videospiel-Verfilmung ist. Die Optik und der Sound sind eine Wucht, die Schauspieler leisten gute Arbeit und die Dialoge klingen glaubwürdig. Vielleicht wird die Mutterrolle hier und da ein wenig überstrapaziert, aber sich über so etwas auszulassen ist eher was für die eingangs angesprochenen Kritiker. Wirklich ins Gewicht fällt das nämlich nicht. Und so ist Silent Hill trotz des unnötig hektischen und verwirrendem Ende ein sehr gelungener Film, den sich Serienfans und Freunde des Horror Genres nicht entgehen sollten. Hoffentlich knüpft der angekündigte zweite Teil genau da an und bringt ein wenig Licht ins Dunkel.


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