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Pokémon - Das, was bleibt (Kapitel 4)

28.07.2011

Zu Kapitel 3

Autor: Lukas Strübig

 

 

Kapitel 4

 

Rückblickend fällt mir immer ein entscheidender Wendepunkt ein: Es war das Jahr 2003, ich saß in meinem Zimmer und sah unsicher auf meinen Fernseher, in dem gerade die Werbung zu Pokémon Rubin und Saphir lief. Der Gameboy Color meines Vaters lag in irgendeiner Ecke, zusammen mit allen Spielen, die auf ihm liefen. Einen Gameboy Advance besaß ich noch nicht. Mein Bruder kam aus seinem Zimmer hinter mir heraus, sah die Werbung, und kommentierte sie mit: "Die versuchen es immer noch."

 

Pokémon hatte innerhalb von zwei Jahren seinen Zenit erreicht und stand als Franchise kurz vor der absoluten Weltherrschaft, als diese Popularität in den zwei folgenden Jahren rapide ihren Nullpunkt erreichte. Plötzlich war Pokémon etwas für Kinder, es war alt, es war lächerlich und viele blickten geradezu hasserfüllt auf diese Zeit zurück und rügten ihr Ich aus der Vergangenheit, dumm genug gewesen zu sein, auf so einen Kommerz-Scheiß hereingefallen zu sein.

 

Ich hatte in diesen zwei Jahren eine gewisse Gleichgültigkeit entwickelt. Pokémon war damals toll, ja, aber heute eben nicht mehr, und es gab andere coole Serien wie Dragonball Z und vor allem auch Spiele wie Gothic, die einem eine damals unglaubliche Freiheit ließen. Daher war ich überrascht, als ein paar meiner Freunde, im vollen Besitz eines Gameboy Advance und, anscheinend auch, ihrer geistigen Fähigkeiten, die neuen Pokémon Teile vorbestellten. Ich konnte sie nur belächeln. Was aber vielleicht auch daran lag, dass einer der beiden das Wort "Edition" unbedingt immer englisch aussprechen wollte.

 

Als die neuen Editionen da waren, war ich aber dennoch von ihrer neuen Grafik, ihren neuen Pokémon und ihren neuen Spielmechaniken begeistert. Ich kann nicht behaupten, dass damals bei mir der Pokémon Hype erneut ausgebrochen war, und das konnte es auch nie, denn das war vor allem ein Gruppenerlebnis, dennoch hatte diese Serie meinen Respekt zurück erobert. Irgendwann schaffte sich nunsere Fammilie dann doch einen Gameboy Advance SP an und ich kaufte meinem Nachbarn seine Rubin Edition ab. Und auch wenn ich Rubin und Saphir für schwächsten Pokémon Teile halte, dies hat vor allem mit der viel zu gut strukturierten und daher klein wirkenden Welt zutun, sah ich mich erneut als Pokémon Fan.

 

 

Es wurde bald Collosseum angeschafft, welches leider nicht das Format eines Pokémon Stadium hatte und auch wenn ich Pokémon Feuerrot und Blattgrün sowie Diamant und Perl verpasste, waren HeartGold und SoulSilver die Spiele, die mich dazu brachten, mir einen DS zuzulegen. Pokémon Schwarz, die Edition, die es laut mir nie geben würde, war die erste Pokémon Edition, die ich jemals vorbestellt hatte.

 

Ich sehe mich, mit meinen jungen 20 Jahren, als einen Nostalgiker an. Das mag mit meiner extrem naturverbundenen Kindheit, meiner ausgesprochen lebhaften Phantasie, meiner rebellischen Art in der Mittelstufe, meinem Drang, etwas Großes zu leisten oder dem viel zu frühen Tod meines Bruders zu tun haben, doch wenn ich in die Vergangenheit blicke, sehe ich ein Glück, das ich nicht mehr zu haben scheine. Nostalgie ist ein Lügner. Es lügt einem vor, die besten Jahre seines Lebens hinter sich zu haben und verschlimmert so die ungeheure Angst vor der ungewissen Zukunft.

 

Und das sage ich jetzt nicht in einem plötzlichen Anflug von Philosophischem Übereifer, (auch wenn ich oft zu solchem neige), sondern als Vorbereitung für das, was ich eigentlich sagen will, um nicht den Eindruck zu erwecken, den Bezug zur Realität verloren zu haben.

 

In den Jahren 1999 bis 2001 erlebte ich das größte Abenteuer meines Lebens. Ich bereiste die tiefsten Hölen und die höchsten Berge, traf die weisesten Menschen und besiegte die bösesten Schurken, fand die besten Freunde und übertrumpfte die größten Rivalen.

 

 

Die Pokémon Zeit schweißte eine Generation zusammen, sie gab jedem, der dies damals miterlebt hatte, eine gemeinsame Erinnerung. Und es wird wohl jedem in meinem Alter so gehen, dass er sich dann und wann zurück lehnt, durchatmet und an diese Zeit zurück denkt.

 

 

Neulich habe ich paar Kinder gesehen. Sie waren vielleicht 12 Jahre alt, ein paar Jungs. Es war auf einer Grillparty bei einem Arbeitskollegen meines Vaters. Und als ich sah, wie sie ihre Nintendo DSis heraus holten und begannen, Pokémon zu spielen, fragte ich mich, ob es für sie wohl heute dasselbe ist, wie damals für uns. Ob sie die "Next Generation" des Pokémon Zeitalters waren. Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich kann ein solcher Hype wie zu diesen Zeiten nicht nachgemacht werden, wahrscheinlich waren wir als solche einzigartig.

 

Ich lasse mich gerne von der Nostalgie belügen, es ist ein Segen und auch ein Fluch, aber auf eine glückliche Kindheit zurück zu blicken ist allemal besser als auf eine gesicherte Zukunft zu hoffen. Der Mensch braucht Herausforderungen und einen Glaube an eine Zukunft ohne Probleme ist eine schlimmere Lüge als die der immer glücklichen Kindheit, in der es Trauer und Verzweiflung nie gab.

 

 

Und weil ich ein so unverbesserlicher Nostalgiker bin und mich wissentlich immer wieder dieser Lüge hingebe, weiß ich sehr genau, wie übertrieben, ja, geradezu falsch es ist zu behaupten, dass die Zeit des Pokémon Hypes die glücklichste Zeit meines Lebens war.

 

Ende


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