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N-Zyklopädie

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Pro vs. Con: Ist Grafik genauso wichtig wie Gameplay?

30.07.2011

Ring frei zur nächsten Runde Pro vs. Con. Heute stehen sich in der blauen Ecke Lukas und in der roten Ecke unser neuer Redaktionskollege Marc gegenüber, um sich einem für Gamer immens wichtigen Thema zu widmen: Ist Grafik wichtiger als Gameplay? Jeder vetritt einen Standpunkt und am Ende ist es euch überlassen, auf einer der beiden Seiten Platz zu nehmen und mitzudiskutieren. Wessen Argumente könnt ihr eher nachvollziehen und was ist eure Meinung? Nun aber zunächst der Hauptkampf. *ding*

 

 

Lukas' Standpunkt

 

Ein Buch kann eine außergewöhnlich gut durchdachte und vieldeutige Handlung haben, ist der Schreibstil aber schlecht, so fällt es dem Leser schwer, sich in die Charaktere hinein zu versetzen, die Situation vor Augen zu führen oder die Besonderheiten des Konfliktes zu verstehen. Genau so ist das auch in Videospielen. Da kann das Gameplay noch so perfekt sein und die Steuerung noch so grandios, ist die Grafik schlecht, dann ist die Immersion dahin und das Spiel schafft es nicht zu fesseln. Dabei verstehe ich Grafik nicht nur als eine Frage der technischen Möglichkeiten der Hardware, sondern auch als stilistisches Mittel, welches sich dieser Hardware anpasst.

 

Ein gutes Beispiel dafür ist einer der ersten Vorzeigetitel auf dem GameCube: The Legend of Zelda: The Wind Waker. Dieses, im Jahre 2003 auf den Markt gehiefte Schmuckstück hat selbst heute noch eine wunderschöne Grafik, welche perfekt zu der Geschichte und dem Setting passt. Stellt euch nun The Wind Waker mit der Grafik von Twilight Princess vor, in der ein mehr oder weniger realistisch anmutender Link auf einem kleinen Boot über das Meer schippert, riesige Lava-Skorpione besiegt, in dem er mithilfe eines Greifhakens einen großen, dicken Drachen auf sie fallen lässt und, von einer Explosion hinfort geschleudert, unsanft gegen die Wand des gerade aufsteigenden Götterturmes prallt und hunderte Meter tief ins Wasser fällt, ohne sich zu verletzen.

 

Hätte ein solches Spiel diesen Grad an Atmosphäre und Charme gehabt, den The Wind Waker mit seiner kindlichen Comic Grafik versprüht? Hätte man ein solches Spiel genau so genossen oder wäre ein Wind Waker mit Twilight Princess Grafik sogar besser gewesen, hätte man die, für viele, nervige Triforce Suche heraus gelassen? Oder würde man heute sagen, man hätte diesen Gameplay Fauxpax über sich ergehen lassen, hätte Nintendo dafür auch eine ansprechende Comic Grafik eingebaut?

 

Ein anderes Beispiel ist das bald kommende, von vielen, die die Serie nicht kennen, als Grafikblender verschiene Battlefield 3. Dieses Spiel versucht, ein möglichst atmosphärisches Kriegsszenario zu schaffen, welches an Filme wie Black Hawk Down oder Der Soldat James Ryan erinnert. Würde dieses Spiel mit einer Wind Waker ähnlichen Grafik auch nur halb so viel Erstaunen oder Immersion hervor rufen, wie sein realistischer Gegenpart? Könnte ein Cel Shading Battlefield die gleichen Magic Moments bieten, die jetzt gerade nur durch das bloße Anschauen der Trailer hervor gerufen werden?

 

Natürlich ist die Grafik nicht das Wichtigste an einem Spiel, ich bin weit davon entfernt, das zu behaupten. Ich gehöre nicht zu diesen ewigen Meckerern, die sofort anfangen zu schreien, wenn eine Textur nicht ganz sauber, ein Gesicht nicht ganz realistisch oder ein Detail nicht ganz stimmig ist. Ein Spiel ist nach wie vor ein Spiel und scheitert an einer schlechten Spielmechanik genau so wie an einem schlechten Charaktermodell der Spielfigur. Aber es ist eben ein Fakt, dass ein Call of Duty: Black Ops auf der Wii, mit seinen schwammigen Texturen und vor allem schlechten Gesichtern, weniger Atmosphäre und daher weniger "Erlebnis" bietet als sein HD Gegenstück. Und wahrscheinlich wäre Muramasa: The Demon Blade mit Strichfiguren-Grafik nicht hald so gut gewesen, denn Grafik ist ein unverzichtbarer Teil der Atmosphäre, welche zum allgemeinen Erlebnis genau so viel beiträgt wie gutes Gameplay.

Marcs Standpunkt

 

Als ich noch klein war, pflegte meine Mutter des Öfteren zu sagen: "Junge, wenn du mal groß bist und dir eine Frau suchst, schaue nicht nur auf das Aussehen, nein, vor allem die inneren Werte zählen, das ist das Wichtige." Nun, ich gebe zu, mit den Jahren habe ich es eigentlich dann für besser befunden nach der Optik und den "inneren Werten" zu schauen. Aber sicherlich kann man so einen mütterlichen Rat auch nicht eins zu eins vom Menschen auf unser geliebtes Hobby übertragen. Oder etwa doch?

 

Nun, natürlich habe auch ich nichts gegen tolle, faszinierende und atemberaubende Grafik einzuwenden, das wäre ja auch ziemlich sinnfrei und albern. Und so fiel auch bei mir in jeder Konsolen-Generation mal mehr, mal weniger der Satz: "Wow, die Grafik ist ja echt genial" oder "Das sieht ja aus wie in Echt" und im Nachhinein dann fast regelmäßig "Häh? Das kam mir früher aber irgendwie besser vor?". Und das ist auch schon ein springender Punkt, denn Grafik ist immer vergänglich, immer eine Momentaufnahme. Was uns heute noch mit offenem Mund staunen lässt, ist morgen schon Durchschnitt und übermorgen vielleicht sogar hässlicher Murks. Wir haben uns einfach an den rasenden technischen Fortschritt der letzten Jahre gewöhnt und damit sind auch unsere Ansprüche und Erwartungen gestiegen.

 

Anders sieht es hingegen beim Gameplay aus: Ein begeisterndes Spielkonzept, eine durchdachte Interaktion zwischen Spiel und Anwender, frische Ideen, kurzum eine richtig tolle Spielmechanik, das ist es, was uns auch in vielen Jahrzehnten noch glücklich macht und vor der Konsole in den Bann ziehen kann. Das Gameplay dient normalerweise als Schaltzentrale, als Rückgrat des Spiels. Sind die anderen Elemente wie Story, Sound oder eben Grafik noch so gut: Mieses Gameplay ruiniert stets das Gesamtprodukt. Anders herum: Wenn mir heute ein Gameboy mit dem zwanzig Jahre alten Tetris in die Hände fällt, kann ich damit - zumindest kurzzeitig - immer noch großen Spaß haben. Dass dies dann nicht an der Grafik, sondern am Gameplay liegt, dürfte wohl allen klar sein.

 

Sowieso sind sich heute die meisten Entwickler und Kenner der Szene einig: Wenn wir den aktuellen Fortschritt in Sachen Hardwareleistung und Programmierung so weitergehen, werden wir spätestens in zehn, fünfzehn Jahren fotorealistische Grafik haben. Wenn dann durch entsprechende Hard- und Softwarelösungen jeder drittklassige Entwickler in der Lage ist, Spiele zu erschaffen, die optisch nahezu perfekt die Realität abbilden, wird das Gameplay der wesentliche Punkt für die Qualität und Bewertung eines Spiels sein. "Grafikblender" wird es dann wohl nicht mehr geben! Apropos: Habt ihr eigentlich schon mal was von einem "Gameplayblender" gehört? Wohl kaum und zwar aus gutem Grund...

 

Natürlich meint gute Grafik nicht automatisch immer nur höchstmögliche Realität und feine Auflösung. Stilmittel und künstlerische Effekte oder einfach nur das Nutzen einer bestimmten Farbpalette kann einen Titel atmosphärisch ungeheuer beeinflussen. Dies wird sich weiterentwickeln und auch immer ein wichtiger Punkt bleiben. Trotzdem: Das Gameplay ist das A und O eines Titels, quasi der spielerische Maschinenraum, das Herz der Unterhaltung. Hier entscheidet sich, ob wir es mit einer echten Granate zu tun haben oder mit einem vielleicht lauten, aber harmlosen Chinakracher.

 

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