Login

Passwort vergessen?

Konto erstellen


N-Zyklopädie

< zurück

Pokémon für alle!?

07.04.2011

Autor: Sascha Zhivkov

 

 

Das Pokémon-Team: zwischen Casual und Hardcore

 

Seit es Pokémon-Spiele gibt, habe ich einen VM-Sklaven (Erklärungen zu den Abkürzungen im Text findet ihr unter dem Artikel) im Team. Ihr wisst sicher, was das ist: eines dieser Normal-Pokémon, meistens früh fangbar, die 2/3 aller VMs erlernen können, nie trainiert werden und über die man sich eigentlich nur aufregt. „Aber meinen guten Pokémon bringe ich doch nicht Zertrümmerer bei“, sagt das Trainerherz. Der VM-Sklave ist nervig, aber notwendig. Und spätestens nach der Hauptstory ist man froh, ihn endlich in die Box verfrachten zu können. Und dann geht es endlich an das Komplettieren des Pokedex.

 

Szenenwechsel: ein Pokémon-Turnier wird in einem Internetforum organisiert. Es wird tituliert als großer Spaß, aber eigentlich ist der bittere Ernst schon ausgebrochen: Beiträge zeugen von großem Kampfgeist und exzessivem Heranzüchten der Pokémon. Unbedingt wollen sie zeigen, dass sie das beste Team haben. Das richtige Wesen muss es natürlich sein, und die EVs müssen richtig trainiert sein, damit der Status des Pokémon auch seinen Fähigkeiten optimal entspricht. Ja, wir reden bei beidem vom ein und denselben Spiel.

 

 

Die Komplexität von Pokémon.

 

Pokémon-Spiele sind in den verschiedenen Generationen immer komplexer geworden. In der ersten Generation hatte jeder Level 100-Pokémon mit starken Werten, denn dank eines Glitches (Fehler im Spiel) waren Sonderbonbons und die attributsteigernden Vitamine keine Rarität mehr. In der zweiten Generation, also mit Silber und Gold, kam dann die Pokémon-Zucht hinzu. Ditto wurde zum wahrscheinlich beliebtesten Pokémon dabei, denn mit ihm wusste man, was man bekommt. Aber damit nicht genug: später konnte man Attacken vererben, die man ohne Zucht dem Pokémon gar nicht beibringen hätte können. Und durch das richtige Wesen war das Heranzüchten der stärksten Pokémon möglich geworden. Nicht zu verschweigen, dass die EVs das Besiegen der korrekten Pokémon erfordern – immer und immer wieder (was aber schon seit Anfang der Serie möglich war). Der Verfasser selber hat das nie bis ins Äußerste getrieben mangels Zeit und Lust. Begriffe wie DVs, Fähigkeiten der einzelnen Pokémon oder die richtige Attackenwahl wurden nicht mal angesprochen. Im Internet gibt es dazu wesentlich bessere und auch ein Stück weit faszinierende Websites.

 

Das ist die eine Seite von Pokémon, die Hardcore-Seite.

 

 

 

Die andere Seite hingegen erfordert all dies nicht. Das Spiel kann ohne diese ganzen Aktionen problemlos durchgespielt werden. Spaß macht es trotzdem, die Verkaufszahlen belegen die nicht abgebrochene Faszination auch noch in der heutigen fünften Generation. Was treibt jedoch diese Spieler an? Ich denke, das ursprüngliche Motto der Serie – „Catch ‚em all“ – kommt hier zum Tragen. Mittlerweile gibt es dank der neuen Editionen zwar eine unüberschaubare Anzahl an Pokémon (insgesamt 646), aber dank Übertragungsmöglichkeiten aus alten Generationen ist das Komplettieren des Pokédex zwar eine Herkulesaufgabe geworden, ganz unmöglich aber auch nicht. Natürlich begrenzen einzelne sehr seltene Pokémon, die man nur über bestimmte Tickets oder Download-Aktionen in McDonalds bekommt, die Möglichkeiten des Einzelnen, den Dex wirklich zu komplettieren. Aber zumindest macht es Spaß, seine alten, mühevoll aufgezogenen Pokémon dann auch im neusten Abenteuer einsetzen zu können.

 

Vielleicht geht es einigen so wie mir, dass die neuen Pokémon-Namen kaum zu merken sind, die alten aber bis heute wie auswendig gelernte Vokabeln inkl. ihrer Typen sitzen. Das oben genannte Motto, sie alle zu fangen, wird bei der mittlerweile großen Anzahl Pokémon selbstverständlich aber nicht mehr gebraucht. Dennoch: das Gefühl, eines dieser seltenen herumstreifenden legendären Pokémon, die doch immer nur fliehen wollen, dann endlich eingefangen zu haben, ist etwas Besonderes. Vor allem, wenn die in der Folgegeneration nicht zu fangen sind und deshalb gleich umso mehr gefangen werden wollen. Das motiviert jeden, ob casual oder hardcore. Die Motivation steigt zusätzlich, denn natürlich will man sie irgendwann in die neusten Spiele übertragen.

 

 

 

Eine Serie, die ihresgleichen sucht

 

Pokémon hat das wahrscheinlich ausgereifteste Spielkonzept unter den Rollenspielen. Um wirklich gut zu sein, muss man sehr viel Zeit investieren, es ist jedoch durchaus möglich. Um einfach nur Spaß zu haben, ist eine so intensive Beschäftigung mit der Materie zwar nicht nötig, spätestens gegen den kleinen Cousin kommt dann aber eine dieser haarsträubenden Niederlagen dabei heraus… Wohl kaum ein Spiel bedient die beiden meist so konträr dargestellten Klientelklassen casual und hardcore so hervorragend, und bei keinem anderen Titel wird so wenig darüber geschrieben. Bleibt nur die Frage, warum andere Spiele es nicht schaffen, diese Zielgruppen auch gleichermaßen anzusprechen. Eins ist jedoch sicher: Pokémon ist alles andere als Kinderkram. Es spricht breite Zielgruppen an und der Erfolg gibt der Serie Recht. Zwar wünscht man sich bisweilen mehr Innovationen – Stichworte wie Grafik, Zufallskämpfe, Animationen, Kampfschreie seien kurz genannt – dennoch überzeugt das Spielprinzip die breite Masse bis heute.

 

 

 

--------------------------------------------------------------------------------------------------

 

 

Glossar:

 

VM = eine Attacke, die beim Durchstreifen der Oberwelt gebraucht wird, um bspw. Hindernisse aus dem Weg zu räumen oder das Wasser zu überqueren. Diese Attacken können grundsätzlich nicht verlernt werden und behindern die Entwicklung vieler Pokemon-Teams. Viele Spieler setzen daher ein Pokémon in ihr Team, das sie überhaupt nicht trainieren und dafür möglichst viele VMs lernen lassen. Das nennt man dann VM-Sklaven.

 

EV= effort values = Fleißpunkte: EVs kann man durch das richtige Trainieren fördern, was sich aber als sehr zeitaufwendig herausstellen kann

 

DV = determinant values = "Gene" des Pokémon: DVs sind quasi durch das Züchten festgelegt Werte, deren Optimum aber so gut wie nicht zu erreichen ist.

 

 

 


Aktuell auf 10doTV

10do Show

März-Ausgabe: Switch - Erste Eindrücke

RSS-FeedDie 10do Show in iTunes