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Musikbox: Starship Amazing

07.04.2011

Autor: Martin Küpper

 

 

Musikbox

 

Nein, wir sind keine Musik Community. Und wir wollen auch keine sein. Doch Videospiele haben durchaus ihren Einfluss auf das Medium Musik und das macht das Thema auch für uns interessant. In unserer Artikelreihe „Musikbox“ stellen wir daher Künstler vor, die sich – mehr oder minder – hörbar von Videospielen inspiriert haben. Zusätzlich nehmen wir unter dem Punkt „Aufs Spiel gebracht!“ Bezug auf Videospiele, in dem wir schauen zu welchem Spiel die Musik wohl am besten passen würde.

 

 

#1 Starship Amazing

 

Das Duo aus Derek Alexander und Calvin Hansen beschreibt die eigene Musik zwar als traditional electronic, doch die meisten kategorisieren Starship Amazing wohl eher unter Chiptune. „I’m always reticent to use the term chiptune, just because I don’t think people who aren’t nerds know what it means.“ verriet Calvin unseren Kollegen von alaskadispatch.com. Recht hat er, eine Erklärung ist angebracht: Unter Chiptune versteht man computererstellte Musik, die den charakteristischen Sound der frühen Heimcomputer- und Videospiel-Ära einfängt. Viele Künstler verwenden daher auch entsprechende Soundchips – etwa die des NES. Bei Starship Amazing kommt hingegen ein MIDI Keyboard zum Einsatz, mit dem die Melodien der meisten Tracks eingespielt wurden.

 

Calvin Hansen (l.) und Derek Alexander (r.) sind Starship Amazing

 

 

Es ist also nicht wirklich überraschend, dass Calvin und Derek Videospiele als ihr größtes Hobby ansehen – neben der Musik versteht sich. Derek produziert unter dem Pseudonym „Happy Video Gamer Nerd“ gar seine eigenen Video Reviews, bei denen er sich auf vergessene Retroperlen konzentriert. Folglich sind Videospiele natürlich auch bei der Produktion von einzelnen Songs eine große Inspirationsquelle. Derek gesteht: „The melodies that I write are just kind of like me trying to write videogamemusic.” Anfangs verstand er die Musik von Starship Amazing sogar als Remix von Videospielen, die gar nicht existieren. Stolz merkt er an: „I guess thankfully we became bigger than that.”

 

 

Bigger and better?

 

Im Sommer 2007 fing alles an. Die Jungs aus Anchorage im US Bundesstaat Alaska taten sich zusammen um gemeinsam Musik zu produzieren und gründeten Starship Amazing. Die ersten Songs halten Derek und Calvin bis heute unter Verschluss und kontern die Anfragen der Fans bestimmt mit „you don’t want to hear this!“. Auch ihr erstes Album „Zoom-zoom Internet“ haben die Jungs inzwischen gut versteckt. Zu hören gibt es die Tracks nur noch als Bonus am Ende eines anderen Albums. „We don’t want to promote that old stuff anymore.“ begründet Derek das Versteckspiel. Auch “The Power of Science is Staggering”, das 2008 erschienen ist, sehen die beiden als Relikt vergangener Tage an. „It was the best record we could make at that time. It isn’t representative of what we are now.”

 

Seit ihren Anfängen lernen Derek und Calvin laut eigener Aussage fast täglich dazu. Und somit ist es gar nicht verwunderlich, dass sich die beiden von ihren frühen Werken etwas distanzieren. Nicht das sie schlecht wären, aber sie erfüllen scheinbar nicht mehr den Standards die sich das Duo setzt. Ein klares Zeichen dafür, dass die beiden immer besser werden – zumindest im eigenen Ermessen. Tatsächlich ist ein Qualitätssprung beim 2010 erschienenen Doppelalbum „Scoops“ und „Gearheart“ aber nicht zu überhören. Die aus einer Auswahl von rund 100 möglichen Songs zusammengellten Alben sind ein gutes Beispiel dafür, wie Starship Amazing klingen. „Scoops of the Robot“ ist ein stark melodisches Upbeat Album, während „Gearheart“ wesentlich dunkler klingt und auf Industrial Rhythmus setzt.

 

„Scoops“ (l.) und „Gearheart“ (r.) – zwei Alben wie Tag und Nacht.

 

 

Die beiden Alben stellen auch gleichzeitig den bislang größten finanziellen Erfolg von Starship Amazing dar. „There were about 36 hours or so where we were like ‚Holy shit, let’s quit our jobs.“ Die nüchternde Realität sieht natürlich anders aus, Starship Amazing ist nach wie vor “nur” ein Hobby-Projekt und der Gewinn für die beiden eher ein Zubrot. „It’s not rent money, but it’s pizza and beer money.“ bringt es Calvin auf den Punkt.

 

 

Aufs Spiel gebracht!

 

Ein Freund meinte kürzlich zu mir, dass er Starship Amazing vor allem deshalb gerne hört, weil einige Songs wie Town-Themes aus alten 16bit Rollenspielen klingen. Ein gutes Beispiel dafür wäre etwa der Song „Pop That Corn“. Das bringt uns direkt auf die richtige Fährte, denn für ein zünftiges RPG ist im Repertoire wirklich alles vorhanden. Seien es ruhige Songs, die emotionale Momente untermalen könnten (z.B. „Pickles on the Floor, Pickles on Your Shoes“) oder schnelle, aggressive Songs die während der Kämpfe erlinken würden (z.B. „In a World Where Only the Strong Survive, Only the Strong Survive“). Da die Songs von Starship Amazing sehr abwechslungsreich sind, könnte unser Rollenspiel zahlreiche unterschiedliche Kulissen und Spielmechaniken aufweisen. Wie wäre es etwa mit einem rasanten Rennen, bei dem der Spieler durch „The Bleak Glory, The Grand Symphony“ zur Höchstgeschwindigkeit getrieben wird? Doch vor allem sollte es dem Humor, den die beiden in Form der Songtitel und durch lustige Einspieler beweisen, und die Grundstimmung der Musik einfangen. Also ein sehr ungewöhnliches, abwechslungsreiches und humorvolles Rollenspiel. Wenn die Musik von Starship Amazing der Soundtrack eines Spiels wäre, dann der von Earthbound!

 

Starman Amazing!

 

 

Reinhören empfohlen!

 

Starship Amazing ist nicht nur für Fans von electronic und chiptune ein echter Geheimtipp. Selbst mich hat ihre Musik absolut begeistert, obwohl ich normalerweise ein Freund von Rock und harten Klängen bin. Durch Starship Amazing habe ich eine neue Musikrichtung für mich entdeckt, der ich mich vorher völlig verweigert habe.

 

Auf ihrer Website (siehe Quellen) bieten Starship Amazing alle Songs zum kostenfreien Probehören an. Die Alben „Ultra Modern Rhythms“ und „The Power of Science is Staggering“, sowie die EP “Ya’ll Stop Bloggin’” werden zudem Gratis zum Download angeboten. Es gibt folglich keine Ausrede den Jungs eine Chance zu geben. Und wenn euch gefällt was ihr da hört, gibt es die restlichen Alben auch für einen schmalen Taler – in Form einer Spende von mindestens 5€. Gute Musik ist selten so billig – zumindest legal nicht. Hoffen wir also, dass Derek und Calvin weiterhin an sich und ihrer Musik arbeiten und irgendwann den Soundtrack zu Mother 4 abliefern.

 

Quellen:

Starshipamazing.com

alaskadispatch.com

 


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