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N-Zyklopädie

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Professor Layton und seine lustigen Fälle

19.03.2011

Autor: Mario Kablau

 

 

Professor Layton dürfte vermutlich jedem, der 10do besucht, ein Begriff sein. Schließlich haben wir mittlerweile drei Spiele mit dem englischen Gentleman und seinem Assistenten Luke auf dem Nintendo DS erlebt und auch schon einige Mal darüber geschrieben. Die Rätselspiele sind so populär in Deutschland, dass sie sogar eine komplett synchronisierte Sprachausgabe spendiert bekommen haben. Das große Interesse hat Nintendo nun dazu bewegt, den Professor auch hier in einem anderen Medium einzuführen: dem Manga. Daher ist Anfang der Woche bei uns der erste Band mit dem vielsagenden Titel „Professor Layton und seine lustigen Fälle“ in Deutschland erschienen.

 

Was soll daran bitte lustig sein?

 

Grundsätzlich bin ich durchaus für solche medienübergreifenden Auftritte, wir bei 10do machen das ja auch so und kommen in der Show, auf 10doTV, bei Facebook und in einem Comic vor. Viel hilft eben auch viel. ;-) Jedoch sollte ein Transfer zum einen Sinn machen und zum anderen im Sinne der Figuren umgesetzt werden, was bei Layton in meinen Augen leider absolut in die Hose gegangen ist. Warum? Dazu später mehr, zunächst ein paar Worte zum Buch an sich.

 

 

Wie es sich für ein Manga gehört, liest sich das Buch nicht von links nach rechts, sondern genau anders herum. Darum fangen wir aus deutscher Seite auch auf der letzten Seite an zu blättern und arbeiten uns nach hinten vor. Zur Sicherheit gibt es auf der für uns sonst ersten Seite daher einen Hinweis, der davor warnt, das Buch falsch herum zu lesen. Nachdem das also geklärt ist können wir uns in die Geschichten stürzen, denen eine kurze Charakter-Vorstellung voran gehen. Insgesamt befinden sich im Buch 11 kurze Storys und einige kurze Bonus-Seiten mit kleinen Gags. Jede Geschichte ist in sich abgeschlossen und betrachtet die Figuren somit in verschiedenen Situationen.

 

Aufgelockert wird das Buch natürlich durch diverse Rätsel, bei denen der Leser selbstverständlich mit raten soll. Die Lösungen findet man jeweils auf einer späteren Seite im Buch, so dass man in Ruhe knobeln kann, es aber nicht tun muss. Die Rätsel sind sinnvoll in die Geschichten integriert und die Lösung gibt stets einen Hinweis auf die Geschichte, bzw. wird für selbige benötigt. Ohne die Lösung lässt sich die Geschichte also nicht wirklich genießen, man sollte sich also die Zeit nehmen. Besonders am Ende ist das wichtig, da gibt es nämlich eine Geschichte, die sehr Rätsel-lastig ist. Das macht Spaß und bringt ein wichtiges Element der Serie auch in das neue, alte Medium.

 

 

Darüber hinaus ist, mal abgesehen von den gelungenen Zeichnungen, eigentlich kaum etwas Positives am Buch zu finden. Das liegt vor allem daran, dass die Fälle weder lustig sind noch man das Gefühl hat, über Luke und Layton zu lesen. Die Figuren sind nämlich charakterlich extrem weit von ihren Vorbildern aus den Spielen entfernt und absolut nicht mehr liebenswert. So sprengt Luke zum Beispiel das Layton-Mobil (bzw. die Layton-Karre, wie sie im Manga abfällig genannt wird) einfach in die Luft, um dem Professor eins auszuwischen. Oder statt eine Bombe zu entschärfen, werfen die beiden sie einfach aus dem Fenster, wo sie dann auf der Straße explodiert. Was daran lustig sein soll, erschließt sich mir nicht so ganz.

 

Die beiden sind einfach nur zynisch und böse, was ja vielleicht grundsätzlich in das Medium passt und mich generell auch nicht stört, jedoch passt es einfach nicht zur Serie und den Figuren. Layton sagt zwar im Buch ständig, dass er ja ein englischer Gentleman sei, er verhält sich aber einfach nicht so. Damit sind die Rätsel und grob das Aussehen der Figuren wirklich die einzigen Dinge, die Spiele und Manga verbinden. Statt also mysteriöse und spannende Geschichten für die Zielgruppe der Spiele zu erschaffen, hat man etwas kreiert, das dem Namen Layton in meinen Augen absolut nicht gerecht wird.

 

 

Ich will aber nicht nur darauf herumhacken, denn zeichnerisch ist das Buch wirklich gut gelungen, die Zeichnungen sind toll und vielschichtig und die Charaktere relativ gut getroffen. Obwohl medientypisch die meiste Zeit auf Farbe verzichtet wurde, ist der rein optische Teil wirklich gut gelungen, abwechslungsreich und unterhaltsam. Das wäre er jedoch auch ohne die Figuren vermutlich gewesen und es hätte inhaltlich nicht ganz so weh getan. Lediglich die sonst bekannt bunte Welt kommt dadurch nicht ganz so lebhaft rüber wie in den Spielen. Trotz der sauberen handwerklichen Arbeit bleibt bei mir der fade Beigeschnack, dass man den Namen der Serie einfach nur zu mehr Geld machen wollte. Und wie da die Menschen bei Level-5, die das Projekt überwacht haben, mitmachen konnten, ist mir ein Rätsel, das wohl auch Layton nicht wird lösen können.

 

Geht also am besten mal in eine Buchhandlung eurer Wahl und werft einen kurzen Blick ins Buch rein, sofern euch meine Worte nicht schon genug abgeschreckt haben. Einen Blindkauf würde ich aber in jedem Fall vermeiden, das ist mit ziemlicher Sicherheit rausgeschmissenes Geld. Vielleicht ist ja der nächste Band besser...?


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