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Clash of the Pressefreiheit

09.05.2010

Autor: Mario Kablau

 

 

Urheberrecht vs. Pressefreiheit!

 

"Das Urheberrecht bezeichnet das subjektive und absolute Recht, das die ideellen und materiellen Interessen des Urhebers an seinem Geisteswerk schützt."

 

"Pressefreiheit bezeichnet das Recht von Rundfunk, Presse und anderen Medien auf freie Ausübung ihrer Tätigkeit, vor allem das unzensierte Veröffentlichen von Informationen und Meinungen. Die Pressefreiheit soll die freie Meinungsbildung gewährleisten."

 

Zwei Rechte, die auf den ersten Blick nur bedingt zusammen passen, dennoch aber seit vielen Jahrzehnten nebeneinander existieren. Auf der einen Seite stehen die Interessen von kreativen Menschen, die mit ihrem geistigen Eigentum Geld verdienen möchten und auf der anderen Seite die von Medien, die über dieses Eigentum anderer berichten wollen. In den meisten Fällen ist die Rechtslage sehr klar, weswegen es aber trotzdem nicht immer einfach ist, einen Konsens zu finden. So ist zum Beispiel klar, dass man für den Kauf einer Musik-CD Geld bezahlen muss, schließlich verdient der Künstler damit seine Brötchen. Was aber nun, wenn sich jemand über die Qualität des Produktes informieren will, um danach zu entscheiden, ob sich der Kauf lohnt?

 

Bei Musik ist das mittlerweile ganz pragmatisch geregelt. So kann man bei Download-Plattformen einen Auszug aus den Titeln probehören oder sich im Laden gar die ganze CD vornehmen. Das hilft bei einer fundierten Entscheidung. Schwieriger wird das Ganze dann, wenn es diese Möglichkeit nicht gibt, wie es zum Beispiel bei Spielen der Fall ist. Hier hilft man sich dadurch, dass diese Produkte zum Beispiel von Internetportalen wie 10do.de getestet werden und man sich so vor dem Kauf darüber informieren kann, ob das Produkt den Vorstellungen entspricht. Ergänzend erlauben die Publisher es den Medien üblicherweise, Bilder und Videos aus den Spielen zu erstellen, um so das Geschriebene visuell untermalen zu können. Das ist in meinen Augen essentiell, denn jemand anderem ein Bild zu beschreiben ist ungleich schwerer, wenn man es diesem nicht auch zeigen kann.

 

Die gegebene Möglichkeit liegt darüber hinaus im Interesse der Unternehmen, denn gute Spiele bekommen so die Presse, die sie verdienen und verkaufen sich in der Folge besser. Allerdings wird hier auch gleich die Schattenseite offensichtlich, denn bei einem nicht so guten Spiel hat der Publisher ein Interesse, diese Tatsache so geschickt wie möglich zu verschleiern, damit sich das Produkt trotzdem gut verkauft. Allerdings versucht es ein Unternehmen momentan auf anderem Wege...

 

 

Square Enix und der Holzhammer!

 

Ende April hat ein Unternehmen, das früher eine Institution war, heute aber immer mehr mit durchschnittlichen Spielen daher kommt, besagten Holzhammer für sich entdeckt. Ab sofort verbietet Square Enix, Bilder und Videos aus deren Produkten zu erstellen oder zu veröffentlichen. Will man Testberichte mit optischen Eindrücken ergänzen, dann muss man ab sofort auf die Bilder zurückgreifen, die der Publisher zu diesem Zwecke herausgibt. Wie gesagt: ein Hammer! Warum?

 

Einst war Square Enix (noch getrennt in Squaresoft und Enix unterwegs) ein Garant für wahre Spielperlen. Alleine auf den Konsolen von Nintendo sorgten Titel wie Super Mario RPG, Chrono Trigger oder Secret of Mana für eine riesige Fangemeinde. Die wohl bekannteste Marke ist Final Fantasy, Anfangs auf dem NES und SNES veröffentlicht, begeisterte die Serie auch danach auf Sonys Konsolen durch grandioses Gameplay, tolle Storys, riesigen Umfang und vieles mehr. Doch von diesem Flair ist nicht mehr viel geblieben. Square Enix befindet sich qualitativ nachweislich auf dem absteigenden Ast, wie ein Blick auf Final Fantasy zeigt: Laut Gamerankings ist Final Fantasy III der beste Teil der Reihe mit einer Durchschnittsnote von fast 94%. In diesen Regionen bewegen sich allenfalls noch die Teile IX und VII, die diese Traumnoten auch verdienen. Der aktuelle Teil XIII bringt es gerade noch auf 85% und für meine Begriffe ist auch das noch zu viel. Warum?

 

Früher konnte man sich in den Welt frei bewegen, erkunden, kämpfen, leveln und entdecken. Im neusten Spiel bewegt man sich größtenteils linear durch eine nur optisch beeindruckende Welt, spielerisch gibt es so gut wie keine Neuerungen. Zu wenig für ein RPG, die Kritik folgte auf dem Fuße. Aber auch sonst macht der Entwickler nicht gerade durch die früher so oft bewunderte Kreativität von sich Reden, statt neuen Spielen, werden die Klassiker aus den alten Glanzzeiten massenweise neu aufgelegt. Ganz großes Kino. Und da sich langfristig Qualität eben durchsetzt, kämpft Square Enix mit wenig zufriedenstellenden Verlaufszahlen. Final Fantasy VII kommt weltweit auf knapp 10 Millionen Einheiten, Rang 41 in den Allzeitcharts auf Konsolen. Final Fantasy XIII steht aktuell auf dem 182. (PS3) und dem 997. (Xbox 360) Rang weltweit mit zusammen etwa 5 Millionen verkaufter Einheiten. Das ist sicher bedenklich, vor allem da das Spiel nicht so ganz billig gewesen sein dürfte, und Square Enix will nun auf die Notbremse treten und die negativen Kritiker wohl loswerden.

 

Besonders ärgerlich ist das, weil sie zuletzt geschummelt haben, Screenshots der Xbox-Version des neuen Spiels waren nämlich nachweislich optimiert worden, herausgekommen ist das durch findige Tester, die einfach selbst Bilder gemacht und die beiden Versionen verglichen haben. Genau davor will der Entwickler mit der Aktion jetzt wohl einen Riegel schieben, was in meinen Augen Manipulation Tür und Tor öffnet und daher von uns nicht toleriert werden kann. Klar, rechtlich steht ihnen das zu, wirtschaftlich wird es ihnen aber hoffentlich deutlichen Schaden zufügen.

 

 

Unsere Konsequenz: ein Schlussstrich!

 

Da wir nicht nur bei Testberichten, sondern auch auf 10do TV davon abhängig sind, selber Bilder und Videos von den Spielen zu erstellen, sehen wir uns dazu gezwungen, ab sofort keine Produkte aus dem Hause Square Enix mehr zu testen oder in unseren Videos zu berücksichtigen. Dies bleibt so lange so, bis wir wieder selber Material erstellen dürfen.

 

Unserer Aktion haben sich dankenswerterweise einige andere Videospielportale angeschlossen, nur so kann der Druck hoch genug werden, um vielleicht einen Rückschritt zu erzwingen. Wenn euch also etwas daran liegt, dass wir frei und unzensiert über Spiele berichten dürfen, dann erzählt von dieser Aktion. Mitmachen kann jeder, der eine eigene Webseite oder einen Blog zum Thema Videospiele hat.

 

Nur durch den Verzicht auf Rezensionsexemplare und das Verweigern von Berichterstattung können wir deutlich machen, dass wir uns nicht auf der Nase herum trampeln lassen. Entweder wir berichten unbeeinflusst über Spiele oder wir lassen es bleiben. Wenn Square Enix keine kostenfreie Werbung für die eigenen Produkte haben will - etwas anderes sind unsere Tests ja auch gar nicht - dann sollen sie nur so weiter machen. Hoffentlich rächt es sich bei den Verkaufszahlen...

 

Wie steht ihr zu dem Thema? Diskutiert mit uns im Forum darüber!


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