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N-Zyklopädie

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20 Jahre Gameboy in Deutschland

22.04.2010

Autor: Melanie Dirmeier

 

 

20 Jahre Game Boy in Deutschland

 

Nachdem Nintendos Handheldlegende in Japan und den USA bereits letztes Jahr seinen zwanzigsten Geburtstag feierte, ist es dieses Jahr auch bei uns soweit. Der Game Boy hat wie kaum eine andere Konsole eine ganze Generation von Spielern geprägt. Über ein Jahrzehnt wurde das System am Leben erhalten und beherrschte seit den frühen Neunzigern die Schulhöfe. Doch was machte den unglaublichen Erfolg des Game Boys aus? Und warum scheiterten die Konkurrenten so gnadenlos? Darum soll es im folgenden Artikel gehen.

 

 

Wie alles begann

 

Ende der Achtziger beherrschte das Nintendo Entertainment System (NES) den Videospielemarkt und verwies Konkurrenzsysteme wie das Sega Master System oder die PC Engine auf die hinteren Plätze. Selbst das Sega Mega Drive, das mit seiner 16 Bit Technologie dem NES deutlich überlegen war, konnte nichts an Nintendos Marktdominanz ändern. Doch Nintendo wollte mehr! Gunpei Yokoi entwickelte mit dem Game Boy ein tragbares Videospielsystem, das nicht nur austauschbare Spielmodule bietet, sondern auch flüssiges Scrolling erlaubt. Dabei war die Idee eines Videospielsystems für die Hosentasche alles andere als neu! Yokoi selbst hat mit den simplen aber überaus spaßigen Game & Watch Spielen, das Zocken unterwegs salonfähig gemacht. Auch die Idee mit den austauschbaren Spielen ist schon eine ganze Ecke älter als der Game Boy. So hat Spieleriese MB mit seinem Microvision bereits 1981 dieses Feature realisiert. Allerdings war der Microvision ein kommerzieller Flop und blieb nahezu unbekannt.

 

 

Pocketwars

 

Der Game Boy war bereits kurz nach seinem Erscheinen 1989 mit einem technisch deutlich überlegenen Konkurrenzsystem konfrontiert. Der Atari Lynx, der vom einstigen Sportspielespezialisten Epyx (Summer Games, California Games) entwickelt wurde, lies Nintendos Daddelkiste technisch ganz schön alt aussehen. Während der Game Boy nur über ein giftgrünes Display ohne Farbdarstellung verfügte, wartete der Lynx mit einem Farbdisplay, einem 3D Chip und moderner 16 Bit Technik auf. Doch Atari hat seit dem großen Videospielecrash im Jahr 1984 ettliche Dritthersteller und Händler verprellt, weshalb sich kaum jemand fand, der für den "Luchs" Spiele entwickelte. Auch der enorme Energieverbrauch der Konsole, war ein großes Manko. Während der Game Boy mit vier AA Batterien über zehn Stunden lief, schaffte der Lynx mit sechs Batterien nur wenig mehr als zwei Stunden.

 

 

 

 

Auch der hohe Preis und das mangelhafte Marketing Ataris, trugen dazu bei, den Lynx schnell ins Abseits zu bringen. Dem Hauptkonkurrenten Sega erging es nur unwesentlich besser. Der Game Gear, der technisch in etwa einem Master System entspricht, litt unter den selben Mankos wie Ataris Handheld. Letztendlich sorgten also der geringe Energieverbrauch, der vergleichsweise günstige Preis und das gute Spielesortiment dafür, dass der Game Boy schon bald als eindeutiger Sieger auf dem Handheldmarkt hervorging.

 

 

Mit Blöcken zum Erfolg

 

Vor allem ein Spiel war für den grandiosen Erfolg des Game Boys verantwortlich: Tetris! Dabei wären die Rechte an dem genialen russischen Knobelspiel fast an die Ataritochter Tengen gefallen. Doch auf abenteuerlichen Wegen gelang letztlich Nintendo in den Besitz der Tetris Vertriebsrechte. Eine katastrophale Niederlage für Atari und Tengen, die schon tausende Tetris Module produziert hatten und diese nun einstampfen mussten! Tetris war einfach und deshalb so genial! Es lockte auch etliche Leute an den Game Boy, die sonst mit Videospielen gar nichts anfangen konnten. Egal ob Hausfrau oder Großvater, alle spielten plötzlich Tetris. Praktischerweise lag die Killerapplikation dem Game Boy bereits bei, was den grauen Klotz zum wohl begehrtesten Weihnachtsgeschenk der frühen Neunziger machte. Für den Game Boy gab es allerdings noch wesentlich mehr tolle Spiele als Tetris!

 

 

Mit Spielen wie Super Mario Land oder The Legend of Zelda- Links Awakening bewies Nintendo, dass ihr Handheld noch zu wesentlich mehr in der Lage ist als Blöcke darzustellen! Auch bekannte Dritthersteller wie Konami oder Capcom versorgten den Game Boy regelmäßig mit erstklassigen Titeln. Von Parodius bis Mega Man war quasi alles vertreten, was in der Videospielewelt Rang und Namen hatte.

 

 

Endlich Farbe!

 

Im Jahr 1994 präsentierte Nintendo der erstaunten Fachwelt mit dem Super Game Boy einen Adapter, der es ermöglichte alle Game Boy Spiele auch in Farbe und auf dem großen Bildschirm zu genießen. Ab diesen Zeitpunkt wurden die meisten Game Boy Spiele direkt für den Super Game Boy, mit erweiteter Farbpalette entwickelt. Das erste Spiel, das von dieser Technik profitierte, war Donkey Kong. Auf eine ganz andere Art und Weise brachte Nintendo 1995 Farbe ins Spiel. Allerdings anders als man es sich vorgestellt hat. Nintendo veröffentlichte den Game Boy nämlich in diesem Jahr erstmals mit verschiedenfarbigen Gehäusen. Natürlich konnte Nintendo damit kaum jemanden wirklich beeindrucken. Dennoch kurbelten die farbigen Game Boys kurzzeitig die Verkäufe wieder an. Aufgrund des Aufkommens der neuen 3D fähigen Konsolen, schwand das Interesse an der antiquierten Daddelkiste deutlich. 1996 versuchte Nintendo mit dem kleineren und leichteren Game Boy Pocket nochmal ordentlich Kasse zu machen. Doch der wahre Durchbruch gelang erst mit dem Game Boy Color, der zwar auch auf altertümliche 8 Bit Technik setzte, aber endlich Farbdarstellung ermöglichte.

 

 

Leider ohne Hintergrundbeleuchtung. Die Ära des Game Boys endete erst im Jahr 2002 als mit dem Game Boy Advance der offizielle Nachfolger erschien. Dieser überzeugte mit frischer 32 Bit Technik und bot neben vielen Exklusivhighlights vor allem viele aufpolierte Portierungen alter SNES Klassiker. Doch die Geschichte des Game Boy Advance ist viel zu umfangreich, um hier kurz abgehandelt zu werden, weshalb das an anderer Stelle passieren soll.

 

 

Alterserscheinungen?

 

Obwohl ich immer wieder Game Boy Spiele wie Super Mario Land spiele, habe ich dank der Abwärtskompatibilität des Game Boy Advance, schon seit Jahren keinen Game Boy Classic in den Händen gehabt. Wie schlägt sich die Keksdose also 20 Jahre später? Zeit für einen Praxistest! Der Game Boy liegt immer noch sehr gut in der Hand und verfügt über ein gutes (dem NES Controller nachempfundenes) Tastenlayout. Anfang der Neunziger war der Game Boy der mit Abstand handlichste Handheld auf dem Markt. Heute sieht die Sache natürlich etwas anders aus. Er lässt sich problemlos in einer Handtasche oder in einem Rucksack unterbringen, ist aber für die Jacken und Hosentasche eindeutig zu klobig. Eine echte Katastrophe ist aus heutiger Sicht das giftgrüne und unbeleuchtete Display. Jedenfalls ist es fast schon eine Tortur auf das Display zu starren, zumal man auch direkt unter einer Lichtquelle sitzen muss, um überhaupt etwas zu erkennen. Abhilfe kann hier Zubehör wie der Light Max bringen, der eine Kombination aus Hintergrundbeleuchtung und Lupe ist. In Japan erschien übrigens mit dem Game Boy Light eine beleuchtete Version des Game Boy Pockets, die es aber nie in unsere Breitengrade geschafft hat.

 

 

Deswegen sind die Dinger auch nur sehr selten und zu echten Wucherpreisen zu bekommen. Trotz aller technischen Schwächen war der Game Boy ein tolles Gerät, das vielen Kindern meiner Generation viel Freude bereitet hat. An dieser Stelle möchte ich übrigens auf Martins bald erscheinenden Artikel verweisen, in dem er mal wieder einige besonders spielenswerte Titel vorstellt.


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