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SEGA - Der Weg eines einstigen Riesen

25.03.2010

Autor: Sebastian Jünemann

 

 

Der Anfang

 

Die heutige Softwarefirma SEGA hatte ihre Anfänge im Jahre 1940, als mehrere amerikanische Entwickler auf Hawaii eine Firma unter dem Namen "Standard Games" gründeten. "Standard Games" vertrieb zunächst Münzspielautomaten innerhalb der USA und begann nach dem zweiten Weltkrieg auch nach Japan zu expandieren, da unter anderem viele dort stationierte US-Soldaten ihr Interesse bekundet hatten. Dafür wurde der Name der Firma in Japan von "Standard Games" in "Standard Games of Japan" geändert. 1965 kam es dann zur Fusion mit der amerikanischen Firma "Rosen Enterprises", die auch den Grundstein des bis heute bestehenden Firmennamen legte. "Standard Games" nannte sich von nun an "Service Games of Amerika, abgekürzt das heute bekannte SEGA. Durch die Übertragung der Anteile von "Rosen Enterprise" kamen für die neue Firma auch noch die Geschäftfelder mit mechanischen Spiele- und auch Passbildautomaten dazu. 1966 brachte SEGA ein elektromechanisches Spielgerät namens Periscope auf den Markt, das ein großer Erfolg wurde. Trotz diesem und anderer Erfolge wurde SEGA von "Rosen Enterprises" letzten Endes doch verkauft, nämlich an einem Mischkonzern namens "Gulf & Western Industry Inc".

 

 

Der Schritt in das Videospielgeschäft

 

Das heutige Kerngeschäft von SEGA begann im Jahre 1976, als erstmals ein Spiel in Schwarzweiß in einer integrierten Box entwickelt wurde. Dies passierte also noch vor dem Game & Watch sowie dem Gameboy. Anschließend kam 1982 die erste Videospielkonsole von SEGA auf den Markt, sie trug den Namen SG1000 und wurde durch hohe Verkäufe in den USA ein Riesenerfolg. Leider kam dann 1983 der erste große Videospielcrash der Geschichte, der die Firmen der Branche, wie zum Beispiel Atari fast in die Pleite getrieben hätte und SEGA wurde aufgrund hoher Verluste wieder an ein anderes Unternehmen verkauft. Trotz des Risikos wurde die japanische Firma aber von Ex-Investoren der "Standard Games" erworben, die amerikanische Tochterfirma blieb bis zum Rückkauf im Jahre 1984 in fremder Hand. Nach dem Kauf schlossen sich beide Tochterfirmen zu einer großen Firma unter dem Namen "Sega Enterprises Ltd." zusammen und die Tochterfirma "Sega Europe Ltd." für den europäischen Markt wurde gegründet.

 

 

Das Mastersystem - die erste richtige Konsole

 

1986 begann die SEGA-Ära mit ihrer ersten weltweit verkauften Konsole "Sega Mastersystem". Nach dem Ausscheiden Ataris musste sie sich nur gegen die drei Jahre früher erschienene Konsole Nintendo Entertaiment System von Nintendo behaupten.

 

Wie bei Nintendo kamen mit dieser Konsole auch einige Eigenproduktionen an Spielen auf den Markt, die sich nicht nur gut verkauften, sondern auch zum heutigen Charakter von SEGA beigetragen haben. Unter anderem gehörten Sonic the Hedgehog, Alex Kidd in Miracle World, Shinobi, Phantasy Star und die Wonderboy-Saga dazu. Phantasy Star war damals der Rollenspielkonkurrent zu Dragon Quest und Final Fantasy auf der NES-Konsole, die aber dem SEGA-Rollenspiel technisch unterlegen waren. Ein Wunder war unter anderem, dass eine englische Version von Phantasy Star selbst Deutschland erreicht hat. Ein gewagter Schritt, da japanische Rollenspiele noch einen sehr geringen Beliebtheitsgrad hatten. Die Serie "Phantasy Star" hatte auf der Nachfolgekonsole Mega Drive noch drei weitere Teile, bis sie aufgrund geringer Umsätze eingestellt wurde. Spin-Offs der Serie findet man aber heute noch auf anderen Konsolen, darunter "Phantasy Star Zero" für den Nintendo DS.

 

Die beiden Spiele "Sonic the Hegdehog" und "Alex Kidd in Miracle World" waren der Ursprung von den Sega Maskottchen Sonic und Alex Kidd, wobei der zweite nach der Ära des Mastersystems wieder von der Bildschirmfläche verschwand. Sonic dagegen setze sich mit seinen Spielen selbst auf dem europäischen Markt durch und konnte sich viele Jahre gegen Nintendos Figur Mario behaupten. Entwickelt wurde die Figur vom "Sonic Team", das vorher "SEGA AM8" hieß und noch heute Spiele von Sonic entwickelt. Der geistige Vater, Naoto Ōshima, hatte bei der Gestaltung Sonics die Idee, eine Figur zu erschaffen, die die typischen Charaktermerkmale eines Samurai aufweist. Unter anderem gehören dazu Schnelligkeit, konsequentes Handeln und auch zu wissen, wofür man letzten Endes kämpft. Natürlich ist bei Sonic das Kämpfen für das Gute und gegen das Böse gemeint.

 

 

SEGA schlägt zurück

 

1990 kam dann die 16-Bit-Ära mit dem Sega Mega Drive, der bis heute erfolgreichsten Konsole von SEGA. Diese konnte sich zwar anfangs durch einen früheren Start in Amerika gegenüber dem neuen Nintendo SNES durchsetzen, musste aber letzten Endes klein beigeben. Dieser Tatsache bekam SEGA vor allem auf dem europäischen Markt zu spüren.

 

Erfolgreiche Spiele waren neben den Umsetzungen vom Maskottchen Sonic und der Phantasy Star-Reihe aber auch neuere Projekte, besonders im RPG-Bereich kamen viele gute Titel raus. Dazu gehörten Story of Thor, die Shining Force-Reihe oder auch Soleil. Ein Versuch, eine Segaversion von Zelda zu entwickeln, misslang Climax mit dem Spiel Landstalker, das trotz vieler technischer Stärken Link nicht das Schwert reichen und danach nur inoffizielle Nachfolger aufweisen konnte. Das bekannteste Spiel darunter ist der herausfordernde Zeldaklon namens „Alundra“ für die PlayStation.

 

Während Nintendo es nie fertig gebracht hat, eine CD-Erweiterung für das Super Nintendo zu entwickeln, schaffte dies SEGA 1992 mit einer Erweiterung namens SEGA MEGA-CD, wofür außer "Sonic CD" keine nennenswerten Spiele heraus kamen. Auch ein Modul zur Stärkung der grafischen Möglichkeiten der Konsole wurde 1994 unter den Namen "32x" auf den Markt gebracht, musste aber Fehlkäufe der Hardware und geringes Interesse anderer Spielentwickler hinnehmen. So wurde der Sega Mega-Drive anschließend genau im selben Jahr durch die Veröffentlichung einer eigentlich später geplanten neuen Konsole, dem SEGA Saturn, verabschiedet.

 

 

SEGAs kurze Handheldgeschichte

 

Neben dem Sega Mega-Drive kam 1990 auch noch der Sega Game Gear raus, welcher gegenüber Nintendos Gameboy mit einem Farbdisplay protzen konnte, aber bis auf einige Mastersystem-Portierungen nicht viel zu bieten hatte. Der Gameboy hingegen hatte eine sehr große Spielpalette und musste sich vor der Konkurrenz nicht verstecken. So zog sich SEGA vom Handheldmarkt schnell wieder zurück, nur ein Handheld für Mega-Drive-Module namens NOMAD kam etwas später noch in den USA in begrenzter Stückzahl auf den Markt. Interessante technische Erweiterungen für den Game Gear waren ein Radio- und TV-Turner, womit man auch wirklich Fernsehen gucken konnte. Später kam auch noch ein Mastersystem-Adapter dazu, womit Module von der Konsole für den Game Gear verwendet werden konnten.

 

 

Saturn und Dreamcast

 

1994 hatte SEGA die erfolgloseste Zeit nämlich in Verbindung mit dem Sega Saturn, der den Markt mit den später erschienenen Konsolen PlayStation und Nintendo 64 bestritt. Gegen die PlayStation konnte der Saturn sich anfangs in Japan durchsetzen, aber alleine schon durch die Spielauswahl beider Konsolen hatten Sony beziehungsweise auch Nintendo leicht die Oberhand gewonnen und SEGA musste eine große Niederlage hinnehmen.

 

Bekannte Spiele für den Saturn waren Tomb Raider, Nights, Virtua Fighter, Sonic Raceland, Sonic 3D und Sonic Jam, eine Art Sonic Collection mit allen bisherigen Spielen. Viele Exklusivtitel der Konsole blieben aber leider von den Amerikanern und Europäern fern.

 

Einzig und allein die Internetfähigkeit durch ein 24k-Modem grenzte den Saturn von anderen Konsolen ab, Service und Zubehör blieben aber leider dennoch Japanern vorbehalten. Gründe hierfür waren wahrscheinlich die noch geringe Akzeptanz des Internets zu dieser Zeit und das zu hohe Risiko Erst mit der nächsten Konsole wird die Ära der Onlinekonsolen in Europa und Amerika beginnen.

 

1995 kam es zu einer interessanten Zusammenarbeit zwischen SEGA und Nvidia in Form einer für die aktuellen 3D-Beschleunigerkarten entwickelten Schnittstelle zum Anschließen von Sega Saturn-Controllern. Dies führte unter anderem dazu, dass einige erfolgreiche Segatitel auch für den PC erschienen und Sonic durch die Sonic3D-Umsetzung für den PC von nun an kein exklusives SEGA-Produkt mehr war. Für Super Mario wäre das selbst heute noch unvorstellbar.

 

1997 war eine Fusion zwischen Bandai und SEGA im Gespräch, da beide Hersteller mit ihren bisherigen Konsolen keinen Erfolg hatten. Doch kam die geplante Fusion nicht zustande, weil Bandai kurz vor dem Abschluss durch den Erfolg seines neuen Produktes "Tamagotchi" das Interesse verlor und weiterhin seinen eigenen Weg gehen wollte.

 

1998 erschien die letzte Konsole von SEGA in Japan mit dem Namen Dreamcast, die sich anfangs recht gut verkaufte aber durch das Nachziehen von Nintendo, Sony und der Veröffentlichung der Xbox von Microsoft nicht mithalten konnte.

 

 

SEGAs Ende?

 

Trotz einiger guter Spiele wie Crazy Taxi, Shenmue, Headhunter, Soul Calibur, Sonic Adventure, Grandia 2, Skies of Arcadia und Record of Lodoss War war es für SEGA wie beim Saturn auf dem hart umkämpften Konsolenmarkt aussichtslos. 2001 gaben sie den Rückzug bekannt und sind seit dem nur noch in der Spielentwicklung tätig, was der Konkurrenz endgültig das Tor zu SEGAs Eigenentwicklungen öffnete. Einige Dreamcastspiele wurden auf andere Konsolen portiert, z.B. Headhunter für die PlayStation 2 oder Phantasy Star Online für den GameCube.

 

Im Jahr 2001 verstarb der Firmenchef Isao Okawa und vermachte seinem Unternehmen einen Betrag von etwa 700 Millionen Euro, zusammen mit seinem Wunsch, dass SEGA nach seinem Tod zu einem der größten Softwarehersteller werden sollte.

 

Zum Glück ist dies aber nicht das Ende von SEGA gewesen, denn auch ohne eigene Konsole ging es nach 2001 mit einer großen Zahl an Spielen für andere Konsolen und sogar für den PC weiter. Unter anderem Spiele wie "Napoleon" und auch besonders "Mario und Sonic bei den olympischen (Winter) Spielen" spiegeln das heutige erfolgreiche Bestehen von SEGA wieder. Also eine Firma, die eine langjährige Konsolenerfahrung aufweisen kann und sich auch für die ehemalige Konsolenkonkurrenz als einer der wichtigen Partner behaupten kann.

 

Ich wünsche dabei SEGA alles Gute für die Zukunft und hoffe dass sie ihren auch weiter ohne eigene Konsole machen werden.


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