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N-Zyklopädie

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Frauen in Videospielen

06.02.2010

 

Autor: Melanie Dirmeier

 

 

Zwischen Emanzipation und Sexismus - Frauen im Videospiel der Vergangenheit und der Neuzeit

 

 

Das schwache Geschlecht?

 

Bis Mitte der Neunziger, besetzten Frauen in Videospielen in erster Linie Opferrollen. In Spielen wie Double Dragon, Ghost 'n Goblins oder auch Super Mario Bros, hatten die Damen nur die passive Aufgabe sich am Ende von einem edlen Helden retten zu lassen. Starke Frauen waren die Ausnahme, aber dennoch vorhanden. Nachdem der japanische Traditionshersteller Namco mit Pac Man 1980 einen Welterfolg feierte, erschien kurze Zeit später der Automat Mrs. Pac Man, in dem sich der Spieler mit Pac Mans Herzensdame (erkennbar an der Schleife) mit noch aggressiver agierenden Geistern herumschlagen muss, als im Original.

 

 

Im NES Klassiker Metroid, stellte sich am Ende des Spiels heraus, dass man die ganze Zeit eine Frau gespielt hat, was zuvor durch den Kampfanzug, den Samus Aran trug, nicht ersichtlich war. Je schneller man das Spiel beendete, desto mehr Haut zeigte die Weltraumamazone im Endbildschirm. Die Giana Sisters durchstreiften in ihrem dreisten Super Mario Bros Klon kunterbunte Fantasielevels und begeisterten die C64 und Amiga Fans. Und in Street Fighter 2 zeigte Chun Li, als einzige weibliche Spielfigur, den Männern wo es lang ging. Dennoch blieben starke Spieleheldinnen lange Zeit eine Randerscheinung.

 

 

Pixelige nackte Tatsachen:

 

Trotz der starken technischen Limitierungen der damaligen Konsolen und Homecomputer, versuchten einige Entwickler bereits in den Achtzigern Erotik auf den heimischen Bildschirm zu zaubern. Das glückte aber selten so gut wie in den schlüpfrigen Abenteuern von Leisure Suit Larry. Besonders Strip Poker Spiele erfreuten sich größter Beliebtheit, obwohl aus heutiger Sicht wohl schwer nach zu vollziehen ist, wie man die verpixelten Grafiken damals erregend finden konnte. Aber immerhin waren diese Spielchen so populär, dass sich sogar Pop-Sternchen Samantha Fox für die lüsternen Zocker auszog. Zu Zeiten als wirklich Jeder seinen Schund für das Atari VCS veröffentlichen konnte, erschien auch so manches plumpes Sexspielchen. Das bekannteste dürfte wohl Custers Revenge sein, in dem man mit dem Indianerschlächter General Custer eine nackte und dazu an einem Marterpfahl gefesselte Indianerin vergewaltigen musste, ohne von gegnerischen Pfeilen getroffen zu werden. Mit Sicherheit eines der kuriosesten Spiele aller Zeiten, das damals Frauenrechtlerinnen auf die Barrikaden brachte! Im fernen Japan waren derweil obskure Schulmädchensimulationen sehr beliebt. Von denen hat man aber in Europa nun wirklich nicht viel mitbekommen. Doch auch in Mainstream Videospielen, zeigten die weiblichen Figuren immer mehr nackte Haut. In Streets of Rage z.B. muss man u.a gegen Peitschen schwingende Dominas kämpfen. Allgemein nimmt das Beat 'em Up Genre eine Vorreiterrolle in Punkto leicht bekleidete Damen ein. So ist die Fatal Fury und King of Fighters Kämpferin Mai Shiranui, mehr als freizügig und präsentiert bei jeder Gelegenheit ihre Mö...äh Rundungen.

 

 

Besonders viele Spiele mit erotischen Sequenzen gab es für die PC Engine, die dank CD Rom Erweiterung schon mit Filmsequenzen aufwarten konnte. Da aber die NEC Konsole nie bei uns erschienen ist, blieben uns auch derartige Spiele unbekannt.

 

 

Gestatten- Mrs Croft:

 

Mitte der Neunziger hinkte das Frauenbild in der Videospielewelt, ziemlich dem in anderen Medien wie Film und Musik hinterher. Im Kino schlug sich bereits seit den Achtzigern Ellen Ripley, mit lästigen Aliens herum. Die Musikcharts wurden derweil von frechen und selbstbewussten britischen Mädels (Spice Girls, igitt!) dominiert. Doch im Videospiel gab es kaum Anzeichen einer derartigen Emanzipation. Dies änderte sich schlagartig als im Herbst 1996 Tomb Raider erschien! Der Held des Spiels war kein breitschultriger Kerl, sondern eine intelligente und taffe Archäologin, die mit knappen Hot Pants bekleidet und Melonenbrüsten ausgestattet, sich durch antike Grabstätten kämpfte. Dabei nahm sie es genauso souverän mit der agressiven Tierwelt, wie auch mit ihren männlichen Widersachern auf.

 

 

Obwohl Tomb Raider ein spielerisches Meisterwerk war, das weltweit von der Fachpresse mit Lob überhäuft wurde, machte vorallem der Hauptcharakter Lara Croft den unglaublichen Erfolg des Spiels aus. Lara schaffte etwas, was keinem anderem Videospielcharakter zuvor gelungen ist. Sie wurde zur Lifestyle Ikone und schmückte sogar die Titelcover von Magazinen, die gar nichts mit Videospielen zu tun hatten. Ein unglaublicher Erfolg, der so fast nie stattgefunden hätte, da ursprünglich ein Mann der Held von Tomb Raider werden sollte. Aufgrund der frappierenden Ähnlichkeit zu Indiana Jones, entschied man sich für eine Frau. Nach acht Videospielen und einem Remake des ersten Teils sowie zwei Kinofilmen, ist es unübersehbar: Lara Croft hat die Welt des Videospiels für alle Zeit verändert. Nach dem unglaublichen Erfolg von Tomb Raider, wurden zahlreiche andere Videospiele mit weiblichen Helden besetzt. Doch Lara Croft ist in der Frauenbewegung durchaus umstritten. Die einen stellen Laras Stärke und Intelligenz in den Vordergrund und sehen in Lara eine Ikone der Frauenbewegung. Andere sehen in Mrs. Croft vor allem ein mit unrealistisch großen Brüsten und Wespentaile ausgestattetes Sexpüppchen, das verpickelte und pubertierende Videospielnerds ansprechen soll. Doch eins ist unbestreitbar: Tomb Raider ist gerade auch bei weiblichen Spielern sehr beliebt!

 

 

Fernöstliche Schweinereien:

 

Das Japaner ganz schön schlimme Finger sind, wenn es um ihre Sexualvorlieben geht, dürfte eigentlich auch hier durchgesickert sein. So kann man sich in Japan an Automaten, von Mädchen getragene Unterhöschen, oder sogar Schulmädchen Spucke ziehen. Dazu erfreuen sich im "Land der aufgehenden Sonne" sogenannte Hentais aller größter Beliebtheit. Dabei handelt es sich um Animes mit extrem Pornografischen Inhalten. Es gibt keine Perversion, die noch nicht im Hentai ausgelebt wurde. Kein Wunder also, dass auch in so manchen japanischen Videospiel, teilweise ganz schön über die Stränge geschlagen wird. So gibt es sogar regelrechte Vergewaltigungssimulationen, die in unseren Breiten zurecht für Empörung sorgen würden und sogar inzwischen den japanischen Sittenwächtern zu weit gehen. Wesentlich harmloser sind da die Spiele der Rumble Roses und Dead or Alive-Extreme Beachvolleyball (DOAX) Serien. Rumble Roses, dessen erster Teil für die PS2 erschienen ist, ist ein Wrestlingspiel in dem rein zufälligerweise nur knapp bekleidete Damen zum Kampf antreten.

Dabei suhlen sich die Damen im Schlamm, so dass ihr Polygon Badeanzug am Ende voller Schmodder ist. Die Verliererin wird letztlich zu einer beschämenden Strafe (wie z.B. Limbo tanzen) verdonnert. Immerhin scheint die Polygon Fleischbeschau dermaßen erfolgreich gewesen zu sein, dass man noch einen XBox 360 Nachfolger nachschob. Nicht weniger schlüpfrig ist Tecmos Volleyball "Simulation" DOAX von Polygonlustmolch Tomonobo Itagaki, bei der definitiv mehr als nur ein Ball im Spiel ist.

 

 

Das aber Spiele mit dem Fokus auf eine erotische Hauptdarstellerin nicht grundsätzlich so plump sein müssen, beweist derzeit Sexy Hexi Bayonetta, die ein Action Feuerwerk aller erster Güte abbrennt.

 

 

Mördermöpse? Nein Danke!

 

Sind etwa alle weiblichen Spielehelden grenzdebile Sexpüppchen? Keineswegs! Es gibt auch weibliche Charaktere mit denen man sich auch als normale Frau indentifizieren kann. Da wäre z.B. Final Fantasy X Heldin Yuna, oder Heather Morris aus Silent Hill 3.

 

 

Frauen können also in Videospielen auch starke Rollen spielen, ohne Lolo Ferrari wie einen flachbrüstigen Knaben aussehen zu lassen. Vielleicht wird sich in den nächsten Jahren das Bild der Frau in Spielen nochmal durch die immer größer werdende Zahl weiblicher Spieler deutlich verändern. Immerhin durfte sich Prinzessin Peach schon mal in ihrem Abenteuer Super Princess Peach bei Mario revanchieren und ihn befreien. Welch Akt der Emanzipation! Auch wenn sich viele weibliche Spieler, primär mit Titeln wie "Mein Ponyhof" beschäftigen, wird auch zweifellos die Zahl der Hardcore Spielerinnen zunehmen. Schon jetzt gibt es z.B. weibliche Counter Strike Clans, die es auch mit der männlichen Konkurrenz aufnehmen können. Früher oder später kann es sich die Spieleindustrie also gar nicht mehr leisten, weibliche Spieler mit plumpen Männerfantasien zu vergraulen.

 


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