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Interview mit der Consoles Sports League

25.04.2009

Autor: Gunnar Schreiber

 

 

Während im PC Bereich eSports schon lange zelebriert wird, befindet sich der elektronische Sport auf Konsolen immer noch ein wenig in den Kinderschuhen. Kurz nach dem Relaunch der offiziellen Webseite der Consoles Sports League, einer der weltweit größten Ligen für Konsolenspiele, sprachen wir mit Gregory Wintgens, um die aktuelle Lage zu analysieren. Viel Spaß!

 

 

10do: Kannst du dich bitte kurz unseren Lesern vorstellen?

 
Hi, mein Name ist Gregory Wintgens und ich bin seit Ende 2007 als Community Manager bei der Turtle Entertainment GmbH in Köln angestellt. Dort kümmere ich mich mit meinen Kollegen um alle möglichen Belange rund um die Consoles Sports League, Europas größte eSports Liga für Konsolen.

 

 

10do: Mit der ESL ist Turtle Entertainment im eSports Sektor auf dem PC schon seit Jahren (neben den World Cyber Games) wichtigster Anbieter. Nun gibt es auch einen Relaunch der Konsolensparte CSL. Was hat sich verändert und welche Titel werden gespielt?

 

Im Zuge des Relaunchs wurde die Webseite der Consoles Sports League überarbeitet. Für den Laien äußert sich das in erster Linie durch das komplett neue Design der Seite, die unsere Plattform schicker darstellt. Hinter den Kulissen wurden verschiedene neue Features integriert, die dem Spieler in unserer Liga weitere Vorteile verschaffen. So gibt es z.B. den neuen Matchmaker, durch den ein Spieler über unsere Seite komfortabler Gegner in seinem Lieblingsspiel finden kann, oder das Consoles Level, durch welches die Aktivität der Spieler in der Consoles Sports League belohnt wird. Neu ist außerdem unsere EU Sektion, in der Spieler aus aller Welt gegeneinander antreten und die Nationen sich somit untereinander messen können.



Gespielt wird bei uns alles Mögliche, wir haben konstant um die 40 Titel für sämtliche aktuellen Systeme im Angebot. Dabei werden viele Genres abgedeckt: An der Actionfront sind natürlich Call of Duty 4 und Halo 3 ganz vorne mit dabei, die Hobbysportler toben sich mit FIFA, Pro Evolution Soccer usw. aus. Wer auf Echtzeitstrategie steht wird in unserem Halo Wars-Bereich glücklich, während nebenan auf den Plastikgitarren Guitar Hero gespielt wird. Die Wii ist in in erster Linie durch ihre starken First Party-Titel vertreten, also z.B. durch Mario Kart Wii, Super Smash Bros. Brawl oder Mario Strikers Charged. Vor kurzem haben wir Castlevania Judgment für Wii ins Angebot aufgenommen, alle Möchtegern-Belmonts können sich nun also auch in unserer Liga messen.

 

 

10do: eSports auf Konsolen steckt ja immer noch ein wenig in den Kinderschuhen. Wie entwickelt sich eurer Meinung nach die Szene? Gibt es einen merkbaren Zuwachs an interessierten eSportlern auf Konsolen?


Die Szene entwickelt sich progressiv und positiv weiter. Die Verkaufszahlen der Konsolen steigen immer weiter an und auch in Deutschland ist die verbreitete Hardwarebasis mittlerweile durchaus ordentlich. Man darf nicht vergessen, dass die Konsolen eSports Szene noch recht jung ist. Mit der Dreamcast konnte man vor 1999 zwar schon ins Netz, aber vor dem Start von Xbox Live Ende 2002 war an ernstzunehmenden eSport auf der Konsole nicht zu denken. Seitdem hat sich Xbox Live stetig verbessert und auch die Mitbewerber sind mit soliden Online Plattformen nachgezogen, die den Grundstein für den Konsolen eSport legen. Die Consoles Sports League ging 2006 online und seitdem hat sich schon einiges getan.


Einen Zuwachs an interessierten eSportlern auf den Konsolen gibt es ohne jeden Zweifel. Das sehen wir am besten an den stetig steigenden User- und Besucherzahlen in der Consoles Sports League.

 

 

10do: Wird eSports auf Konsolen jemals den Status vom PC erreichen? Stichworte: Anzahl an Disziplinen und Spieler sowie Höhe der Preisgelder?

 

Deutschland ist nach wie vor ein „PC Land“, das ist klar. Wenn man aber in die USA schaut, stellt man schnell fest, dass die Lage dort eine ganz andere ist. Hier wurde der PC schon vor einiger Zeit von den Konsolen überholt, sowohl was Softwareverkaufszahlen als auch eSports Begeisterung angeht. Es ist also durchaus möglich für den Konsolen eSports, den PC-Status zu erreichen – auch in Europa. Realistisch betrachtet dürfte das aber noch das ein oder andere Jahr dauern. Bei der Anzahl der Disziplinen sehe ich die Konsolen nicht im Nachteil, denn sämtliche Spielegenre die auf dem PC erfolgreich sind, gibt es auch auf den Konsolen. Hinzu kommt, dass diese Titel immer öfter gezielt für die Konsolen entwickelt werden und man sie erst im Nachhinein für den PC umsetzt, sprich man sieht auch deutlich in welche Richtung es in Zukunft für die Entwickler und Publisher gehen soll. Die Höhe der Preisgelder ist direkt mit den finanziellen Möglichkeiten der Sponsoren verknüpft, von daher ist auch das meiner Meinung nach lediglich eine Frage der Zeit.

 
Womit der Konsolen eSports allerdings nach wie vor zu kämpfen hat ist die kurze Lebensdauer der meisten Titel. Ein Spiel wird gekauft, 2-3 Monate gespielt und anschließend durch den nächsten Titel abgelöst. Da ist es selbstverständlich schwierig, eine starke Community um einen spezifischen Titel herum aufzubauen. Ein Spiel wie Counter-Strike, welches sich im PC eSports seit gut 10 Jahren hält, haben wir nicht. Es gibt natürlich positive Beispiele, die mittlerweile auch aus dem Konsolen eSports nicht mehr weg zu denken sind, allen voran die Halo-Reihe oder Call of Duty 4, welches nun seit November 2007 einer der erfolgreichsten eSports Titel auf Konsolen ist – sowohl in der Consoles Sports League als auch den anderen weltweiten Ligen. Man muss abwarten, wie sich das in den nächsten Jahren entwickelt.

 

 

10do: Mit Wii versucht Nintendo alle Zielgruppen anzusprechen, so dass auch viele Casualspieler Nintendos Hardware besitzen. Macht dieser Umstand es besonders schwierig eSports Disziplinen zu etablieren oder siehst du da keinen Widerspruch?

 

Mit der Wii geht Nintendo einen komplett anderen Weg als die Mitbewerber. Der Branche an sich hilft das ungemein, denn durch die Wii wird die Akzeptanz in der Gesellschaft verstärkt und ich denke schon, dass hauptsächlich aufgrund Nintendos Strategie mit Wii und DS Videospiele heute salonfähiger sind als je zuvor. Selbst die PlayStation, die Ende der 90er für viele Laien zum Synonym für Videospiele wurde, hat das in diesem Ausmaß nicht geschafft. Die Wii erschließt völlig neue Zielgruppen, eben auch die, die nie im Leben einen herkömmlichen Controller in die Hand genommen hätten. Man muss sich ja nur mal im eigenen Bekanntenkreis umhören – Leute, die einen vor fünf Jahren noch schräg angeguckt haben, wenn man Videospiele spielte, bowlen heute Nächte lang auf der Wii.

 

Feierabendzocken und eSports sind natürlich zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich glaube nicht, dass die Tatsache, dass viele Casual Gamer auf der Wii unterwegs sind dafür verantwortlich ist, dass es dort schwieriger ist eSports Disziplinen zu etablieren. Schließlich gibt es auch genügend Core Gamer mit einer Wii zuhause, eben weil sie die vorzüglichen First Party-Titel von Nintendo nicht verpassen wollen. Im Bezug auf eSports sehe ich die Probleme der Wii eher im Spieleangebot und der Onlineplattform. Abgesehen von Mario Kart Wii, Super Smash Bros. Brawl und Mario Strikers gab es bislang keine Titel, die wirklich über längere Zeit sehr aktiv gespielt wurden. Klassische Titel wie ein FIFA oder Call of Duty spielen die meisten Gamer einfach lieber mit einer konservativeren Steuerung. Andere Titel wiederum, die wir uns durchaus in der Consoles Sports League hätten vorstellen können, bieten keinen sauberen und reibungslos funktionierenden Online Multiplayer Modus, der für das Spielen in unseren Ligen natürlich elementar ist. Auch die Tatsache, dass für sämtliche Spiele eine eigene Kennung an den Spieler vergeben wird, statt einem übergreifenden Gamertag, macht das Online spielen auf der Wii nicht wirklich komfortabler. Hier müssen sowohl die Publisher und Entwickler als auch Nintendo selber nachziehen.

 

 
10do: Wie wichtig sind deiner Meinung nach Fanevents wie WiiMeet, um das Interesse an eSports auch auf Nintendokonsolen zu wecken?

 
Ich denke, dass Events wie die WiiMeet durchaus wichtig sind, in erster Linie einfach für die Community ansich. Es ist immer eine Bereicherung, die Personen hinter den Nicknames, mit denen man sich täglich in Foren usw. unterhält, persönlich kennen zu lernen. Auf solchen lokalen Events hat man dann auch mit den Spielen mehr Möglichkeiten, die keinen oder einen unzureichenden Online Multiplayer Modus anbieten und somit z.B. für die Consoles Sports League kein Thema sind.

 
Das potentielle Interesse an eSports ist denke ich in jedem Gamer drin, jeder gewinnt gerne in einem Spiel. Von daher sehe ich es als wichtig an, dass sich Events wie die WiiMeet auch herumsprechen, damit möglichst viele dieser potentiellen eSportler „getriggert“ werden, Blut lecken und sich dann im Idealfall nach dem WiiMeet Event bei uns in der Consoles Sports League anmelden und dort in den Ligen weiterspielen.

 

 

10do: Nach dem tragischen Amoklauf in Winnenden schreien viele Politiker wieder nach Verboten für sog. Killerspiele. Welche Blüten teilweise blinder Aktionismus treiben kann, musstet ihr selbst erfahren als der ESL Event in Stuttgart vor kurzem verboten wurde. Wie schätzt ihr die Situation ein? Habt ihr Verständnis für die Absage des Events?


Man sollte zunächst feststellen, dass sich im Vergleich zur Situation nach dem Amoklauf von Erfurt 2002 schon einiges verändert hat. Die einseitige Diskussion von damals ist Geschichte und vereinzelte Statements wie „Killerspiele machen Amokläufer“ werden heute von der breiten Masse nicht mehr ernst genommen. Diese Tatsache macht natürlich Mut, den gesellschaftlichen Sinneswandel gegenüber den Videospielen weiter voranzutreiben. Die Position des Kulturrats und die zahlreiche Unterstützung von Games-Unternehmen in der Politik beweisen, dass das Image der Branche besser ist als jemals zuvor.

 

Die Absage in Stuttgart kam für uns überraschend. Wir verstehen die emotionale Ausnahmesituation vor Ort, akzeptieren aber nicht die Vorgehensweise. Im Detail distanziert sich die ESL von den öffentlichen Vorwürfen des Hallenbetreibers. Der Dialog über eine Verschiebung der Veranstaltung oder die Verwendung anderer Spiele wurde von der Stadt nicht gesucht, obwohl Turtle Entertainment jederzeit dialogbereit und lösungsorientiert war und ist. Wir bedauern die Absage, denn das Event und insbesondere die davor stattfindende Eltern-LAN wären eine ideale Möglichkeit gewesen, sich differenziert mit dem Thema Computerspiele als Teil unserer heutigen Jugendkultur auseinander zu setzen und die Mediennutzung junger Menschen zu thematisieren und zu diskutieren.

 

 

10do: Sicherlich ein Grund, warum unser Hobby schnell als Sündenbock abgestempelt wird, liegt auch an der mangelnden Aufklärung von Eltern und Politikern sowie der nicht vorhandenen Lobby. Was müsste eurer Meinung nach getan werden, um Medien, Gamer, Publisher, Entwickler und Eventveranstalter endlich gemeinsam auftreten zu lassen? Und müssten Verbände wie G.A.M.E. (Bundesverband der Entwickler für Computerspiele) und BIU (Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware) nicht viel aktiver werden?

 

Der einfachste, aber auch mühsamste Schritt besteht darin, sich durch geduldsame Überzeugungsarbeit für einen gesellschaftlichen Wandel einzusetzen. Das geschieht, indem die Spieler mit ihren Eltern und Lehrern sprechen und indem Menschen, die den Games kritisch gegenüber stehen, selber spielen. Im Vorfeld der eSports Events von Turtle Entertainment werden im gesamten Land die bereits genannten Eltern-LANs veranstaltet. Dadurch wollen wir den Eltern und Lehrern die Auseinandersetzung mit dem Hobby ihrer Kinder und Schüler erleichtern. Die Teilnehmer bauen Berührungsängste mit dem Medium ab und probieren selber unter pädagogischer Anleitung Spiele wie z.B. Counter-Strike aus. Im Anschluss haben die Teilnehmer die Möglichkeit, über die gewonnenen Eindrücke zu diskutieren und das Phänomen eSport auf dem jeweiligen ESL Event hautnah mitzuerleben. Die Eltern-LAN ist ein gemeinsames Projekt von Turtle Entertainment, dem Marktführer im elektronischen Sport in Europa, spielbar.de, dem interaktiven Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Spieleratgeber-NRW vom ComputerProjekt Köln e.V. und dem Institut Spielraum von der Fachhochschule Köln.



Das alles kann aber selbstverständlich nicht das verstärkte Engagement der gesamten Branche ersetzen, da ist gerade im Bereich Aufklärungsarbeit noch viel Potential. Turtle Entertainemnt ist offen für eine Zusammenarbeit mit allen Playern im Markt. BIU und GAME setzen sich bereits intensiv mit dieser Aufgabe auseinander, es geht voran.

 

 

10do: Gibt es sonst noch irgendwas, was du unseren Lesern mitteilen möchtest?

 

Spielt fair, setzt euch für euer Hobby ein und schaut auf jeden Fall mal auf unserer neuen Seite rein. Außerdem wünsche ich euch weiterhin viel Erfolg mit euren Wii Meet Events, ich freue mich schon auf die 2010er Ausgabe :)

 

 


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