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Jugendschutz vs. Zensur: Sind wir Deutschen noch zu retten?

19.02.2009

Autor: Mario Kablau

 

 

Seit einigen Monaten werden in Deutschland die ohnehin schon strengsten Jugendschutzregeln der Welt immer weiter verschärft. Und dass, obwohl sie funktionieren und da wo es hapert, es in der Regel an der Unaufgeklärtheit der Erziehungsberechtigten liegt, dass ein Minderjähriger ein für ihn ungeeignetes Produkt in die Finger bekommt. Doch Deutschland muss mal wieder den Vorreiter spielen, bei einem Thema, das nirgendwo so aufgebauscht wird wie in unserem Lande und was auch nirgendwo in der Allgemeinheit einen so schlechten Ruf hat. Die Rede ist natürlich von Videospielen.

 

Mittlerweile prangern auf den Verpackungen von Spielen für PCs, Konsolen oder Handhelds riesige Logos prominent auf der Vorderseite der Verpackung und verbergen den Blick auf das für viele Fans so wichtige und oft künstlerisch äußerst gelungene Cover des Spiels. Laut unserer Bundesfamilienministerin ist dies unbedingt nötig, um Minderjährige besser davor bewahren zu können, an Spiele zu gelangen, die nicht für ihre Altersgruppe geeignet sind, was ja grundsätzlich zu befürworten ist.

 

Doch eine grundsätzlich richtige Sache muss nicht um jeden Preis und ohne Blick auf die Konsequenzen verfolgt werden, vor allem, wenn es so viele bessere Wege gibt, das vermeintliche Problem in den Griff zu kriegen. Fakt ist, dass es nirgendwo auf der Welt härtere Regeln zum Jugendschutz bei Thema Videospielen gibt als in Deutschland, denn jeder Titel wird von der USK begutachtet und erhält eine verbindliche Alterseinstufung, die darüber entscheidet, wer den Titel kaufen darf und wer nicht.

 

Richtig wäre es an dieser Stelle, die Bürger darauf hinzuweisen, dass es eine solche Alterseinstufung gibt, wo und wie das passieren soll, sei dahin gestellt. Viel wichtiger ist es jedoch, dass man erklärt, warum es solche Regeln gibt, denn nur wenn sie verstanden werden, werden sich die Menschen auch freiwillig daran halten. Dass ein Verbot gewisse Dinge nur noch interessanter und erstrebenswerter macht, sollte jedem bewusst sein, auch einer Politikerin. Warum Frau von der Leyen dann doch weiter darauf pocht, die Verbote zu verschärfen, anstatt aufzuklären, ist mir ein Rätsel. Hierzu eine Aussage von ihr:

 

„Ich finde es bedauerlich, dass Sie die neuen deutlich sichtbaren Alterskennzeichen auf Verpackungen von PC- und Videospielen „unästhetisch“ finden und sich dadurch „als erwachsener Konsument bevormundet“ fühlen. Ich bitte aber um Verständnis, dass es mir als Jugendministerin in erster Linie um den Schutz von Kindern und Jugendlichen gehen muss.

 

Die Erfahrung zeigt, dass die besten Jugendschutz-Gesetze nichts nutzen, wenn sie in der Praxis ignoriert werden. Als langjähriger Spiele-Fan wissen Sie sicherlich sehr gut, dass man sich bis zur Einführung der großen, deutlich sichtbaren Alterskennzeichnungen irgendwo im Kleingedruckten über die Altersfreigabe informieren musste. Das war für viele eine Einladung zum Wegschauen.

 

Heute können Verkäufer an der Kasse genauso wie die Eltern daheim im Kinderzimmer auf den ersten Blick erkennen, ob ein Spiel für Kinder und Jugendliche eines bestimmten Alters freigegeben ist oder nicht. „Warnschilder“ wirken nur, wenn sie deutlich sichtbar sind, das gilt im Straßenverkehr wie auf Zigarettenpackungen. Wenn wir anfangen, Warnsignale aus ästhetischen Gründen zu verstecken, können wir auch gleich darauf verzichten.

 

Seit dem vergangenen Sommer kann sich niemand mehr herausreden, er habe nicht gewusst, ob ein gekennzeichnetes Computerspiel z.B. an einen 12-Jährigen abgegeben werden kann oder nicht. Für alle Eltern, die ihre Kinder schützen, und Kontrollbehörden, die verantwortungslose Verkäufer überführen wollen, ist das ist ein gewaltiger Fortschritt.“

 

Dass es ihr um den Schutz von Jugendlichen gehen muss, kann ich nachvollziehen, dass sie jedoch allen Ernstes meint, Eltern würden nun nicht mehr weggucken, wenn die Einstufung so prominent auf dem Cover abgebildet ist, ist beängstigend. Eltern, die nicht verstehen, warum das so ist und denen es egal ist, was ihre Kinder spielen – wobei Kinder in Problemfamilien genau der Kern des „Problems“ sind – dann wird das auch ein noch größeres Logo nicht ändern. Oder warum rauchen immer mehr Jugendliche trotz immer härteren Regeln und immer größeren Gesundheitshinweisen?

 

Zwar können Verkäufer nun auf den ersten Blick an der Kasse erkennen, sollte ein Minderjähriger einen USK18-Titel erwerben wollen, aber was ist das denn bitte für eine Aussage? Die Verkäufer haben gefälligst die Jugendschutzbestimmungen zu kennen und es kann ja nicht angehen, dass sie sich wegen zu kleiner Hinweise rausreden können. Verkäufer, die nicht freigegebene Spiele an Minderjährige verkaufen, sollten persönlich dafür haftbar gemacht werden können, schon hätte das ganze Thema eine ganz andere Anreizwirkung. Oder kann sich ein Wirt herausreden, wenn er Alkohol an einen Minderjährigen verkauft hat, weil ja kein riesiger Hinweis dazu auf der Flasche abgedruckt ist? Wo kommen wir denn hin, wenn diese Ausreden möglich sind? Frau von der Leyen ist der altbekannten Satz „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!“ wohl unbekannt. Es wird wohl endgültig Zeit, dass auch Politiker eine gewisse Bildung haben müssen, bevor sie Entscheidungen treffen dürfen. Eine Art USK-Prüfung, ob man wirklich für das Amt geeignet ist. Das würde uns sicherlich vor so manchem üblen Zeitgenossen bewahren...

 

Vor allem ist bei den großen Kennzeichen völlig unklar, warum das USK0-Logo auch so groß sein muss? Es kommt ja auch keiner auf die Idee, auf einen Milchtüte zu schreiben, dass sie ab 0 Jahren geeignet ist, oder?!?

 

 

Doch nun noch zu einem etwas anderen Thema: Ein Spiel, dass von der USK keine Freigabe bekommt, darf nicht in der Öffentlichkeit beworben oder zum Verkauf angeboten werden, was dazu führt, dass dieser Markt in Deutschland ziemlich tot ist und man fast von Zensur sprechen kann. Theoretisch dürfen solche Titel verkauft werden, aber eben nur außerhalb des Sichtfeldes von Minderjährigen. Wenn Frau von der Leyen dazu sagt, dass das keine Zensur sei, dann weiß ich auch nicht mehr, was denn Zensur sein soll. Wie sollen große Ketten wie Media Markt oder Saturn es bitte bewerkstelligen, einen Verkaufsraum für Volljährige einzurichten und das kontrollieren. Wer soll das alles bezahlen? Kein Wunder, dass Spiele ohne USK-Stempel hier gar nicht veröffentlicht werden.

 

Das wirkliche Problem ist aber ganz klar die öffentliche Wahrnehmung. Jahrelange Propaganda (auch wenn es hart klingt, es ist das einzig richtige Wort) hat dafür gesorgt, dass Videospiele gesellschaftlich kaum akzeptiert sind, einzig der Hype um die ganzen Casual-Titel konnte das etwas legen, wogegen sich die Politik aber vermutlich am liebsten auch noch gestemmt hätte, schließlich sind Videospiele böse und töten Menschen. Man kann nur hoffen, dass über diesen Weg immer mehr Menschen an Videospiele herangeführt werden und die Vorurteile nach und nach verschwinden werden, trotz der Stimmungsmache in der Politik. Sollen die sich doch lieber mal darum kümmern, dass wir nicht Milliarden in Banken stecken müssen, damit unser Erspartes nicht weg ist, statt sich mit solchen Lappalien zu befassen.

 

In diesem Sinne hoffe ich, dass das Thema irgendwann langweilig wird und Volljährige auch in Deutschland wieder selber entscheiden dürfen, wofür sie ihr Geld ausgeben und womit sie sich ihre Freizeit beschäftigen. Vor allem hoffe ich aber, dass diese Frau ab September endlich ihren Stuhl räumen muss und jemand den Platz einnimmt, der tatsächlich versteht, was Jugendschutz bedeuten muss. Alternativ kann sich auch die Branche vielleicht endlich mal bemühen, eine Lobby aufzubauen, wie sie in anderen Bereichen die Politik seit Jahren beeinflusst, siehe Alkohol, Zigaretten und das Privatfernsehen. Dann klappt’s auch mit dem Spielern in Deutschland!

 

 

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