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Interview mit keen games zu Koch doch mal! mit Jamie Oliver

17.10.2008

 

 

Für manche Gamer ein Dorn im Auge, für andere genau das Richtige: Casualspiele sind längst nicht mehr vom Markt zu denken. Warum auch, bieten sie doch oft Videospielerlebnisse abseits der vielfach ausgelutschten Genres. Ein ganz eigenes Segment nimmt die zunehmende Zahl an Kochspielen ein, die die optimalen Möglichkeiten des Nintendo DS wie den Touchscreen ausnutzen, um ein authentisches, virtuelles Kochen auf den Handheld zu bringen.

 

Eines dieser Produkte ist "Koch doch mal! mit Jamie Oliver" von Atari. Über Jamie Olivers ersten Videospielauftritt und andere interessante Dinge konnten wir mit der Producerin des Titels von der deutschen Firma keen games sprechen.

 

 

10do: Kannst du dich bitte kurz unseren Lesern vorstellen?

 

Sarah Steffen: Hallo! Mein Name ist Sarah Steffen und ich bin Producer bei keen games in Frankfurt am Main.

 

10do: Bevor wir zum eigentlichen Thema "Koch doch mal! mit Jamie Oliver" kommen, möchte ich kurz mit dir über Berufe in der Videospielbranche sprechen, da uns regelmäßig dazu viele Fragen per E-Mail erreichen: Wie sah dein Werdegang auf dem Weg zur Producerin aus? Wieso hast du dich für die Videospielbranche entschieden? Und was würdest du unseren Lesern und Leserinnen empfehlen, die einen ähnlichen Beruf in der Branche anstreben?

 

Sarah Steffen: Ich habe meine Abschlussarbeit an der Universität Frankfurt über Videospiele geschrieben und während der Monate, in denen ich sie geschrieben habe, dachte ich, Mensch Sarah, du spielst schon immer für dein Leben gern, warum machst du nicht etwas, was damit zu tun hat?

Im Grunde, wenn man jemandem empfehlen will, einen bestimmten Weg einzuschlagen, dann ist es eigentlich immer das Wichtigste, dass man eine geeignete Ausbildung abschließt, sei es jetzt ein Studium oder eine andere Ausbildung, die mit dem Wunschberuf zu tun hat. In der Videospielbranche kann man aus verschiedenen Richtungen den Weg in die Branche finden, da alles noch ein wenig offener ist. Ich denke, das Wichtigste ist, dass man Videospiele mag, sich damit auskennt, ohne dass man jetzt zu Hause eine ganze Wand mit C64 Klassikern haben muss, aber man sollte halt mit dem Medium vertraut sein. Und letztendlich auch wissen, dass der Beruf des Videospielentwicklers nicht bedeutet, dass man den ganzen Tag irgendwo sitzt und zockt, sondern dass man oft hart arbeiten muss.

 

10do: Die Entwicklerszene ist ja immer noch sehr fest in Männerhand. Glaubst du, dass sich das in Zukunft ändern wird, da auch immer mehr Frauen und Mädchen Videospiele konsumieren. Was denkst du darüber?

 

Sarah Steffen: An sich ist das ja eigentlich ein relativ komplexer Prozess, im Grunde eine gesamtgesellschaftliche Veränderung, dass Videospiele immer mehr - ich sage mal - aus dem Schatten ins Licht treten und immer gesellschaftsfähiger werden. Wenn ich überlege, als ich Kind war, wer von den Mädchen in meiner Klasse hatte da einen Computer? Oder Videospiele? Auch bei den Jungs war es ja noch lange nicht so Gang und Gäbe. Das kam erst im Laufe der Zeit und bei den Jungs früher, weil Computer eben sehr stark als Technik betrachtet wurden und sozusagen die Modelleisenbahn des 20. Jahrhunderts wurden. Das ändert sich jetzt gerade. Mädchen, die schon früher mit Videospielen in Kontakt kamen, zum Beispiel durch den Gameboy, werden erwachsen, machen die Schule fertig, das Studium und wollen vielleicht auch in der Videospielbranche arbeiten, statt Tierärztin zu werden.

 

 

10do: Nun aber zu unserem eigentlichen Thema - für diejenigen, die noch nie was von dem Spiel gehört haben: Was genau ist eigentlich "Koch doch mal! mit Jamie Oliver"?

 

Sarah Steffen: "Koch doch mal! mit Jamie Oliver" ist ein Spiel für den Nintendo DS, das wir bei keen games entwickelt haben und was gerade über Atari in Europa und den USA erschienen ist. Es ist, wie der Name schon ahnen lässt, ein Kochspiel mit jeder Menge Fun und natürlich mit Jamie Oliver, dem – wie ich ihn jetzt einfach mal nenne – berühmten englischen Fernsehkoch.

 

10do: Nun gibt es ja schon einige Kochspiele wie "Cooking Mama" oder "Kochkurs" auf dem Markt. Was unterscheidet euer Produkt von denen der Konkurrenz?

 

Sarah Steffen: Nun, der Unterschied ist, dass man mit "Koch doch mal!" auf dem DS echte Rezepte nachkochen kann. Bei "Koch doch mal!" bereitet man das ganze Rezept zu, vom Tomaten waschen bis schneiden, Fleisch braten, bis nachher daraus z.B. ein Auflauf wird, den man in den Ofen schiebt. Man kann also alle Schritte eines Rezepts nachmachen.

Dazu bietet das Produkt auch eine echte Kochbuchfunktion, in der Jamie Olivers Rezepte zum Nachkochen verfügbar sind und in der man auch Einkaufslisten zusammenstellen kann. Auch eigene Einträge kann man eingeben und dann für die ganze Familie einkaufen gehen. So lassen sich nicht nur Zutaten aus den Rezepten hinzufügen, sondern auch ganz andere Dinge wie zum Beispiel Windeln.

Darüber hinaus gibt es noch die Möglichkeit, eigene Rezepte mit allen Zutaten, die man bisher im Spiel zur Verfügung hat, zu erstellen. Was ich dir zum Beispiel gerade mal über W-LAN auf deinen DS schicken kann, ist mein Kartoffelpufferrezept, was ich auf dem DS gekocht und abgespeichert habe. Die kann ich auch wirklich empfehlen, meine Kartoffelpuffer sind ziemlich gut, ich kriege immer viel Lob dafür. Lass es dir schmecken! ;)

 

10do: Gerne, her damit ;). Inwiefern hat Jamie Oliver selbst das Projekt beeinflusst und hat er in irgendeiner Weise daran mitgearbeitet?

 

Sarah Steffen: Ja, Jamie hat selbst an dem Produkt mitgearbeitet. Nicht nur, dass er und sein Team alle Rezepte für das Spiel gestellt haben, er stand auch für Sprachaufnahmen zur Verfügung, hat das Spiel gespielt, findet es richtig gut und hat natürlich viel Feedback gegeben, gerade in der Hinsicht, dass sich unser virtuelles Kochen wirklich wie "in echt" anfühlt.

 

10do: Hast du schon mal ein Rezept von Jamie im realen Leben nachgekocht?

 

Sarah Steffen: Klar, man kann sich ja schlecht monatelang mit dem Spiel beschäftigen ohne neugierig zu werden, wie sich die Rezepte kochen lassen. Ich kann aus unserem Spiel besonders die Tortilla mit den Süßkartoffeln empfehlen. Das Rezept funktioniert ganz gut, ist nicht so schwierig und schmeckt wirklich anders als die klassische, normale Tortilla.

 

10do: Ein Blick auf die aktuelle DS Releaseliste offenbart eine wahre Schwemme an sog. Casual-Spielen – vom virtuellen Babysitten bis hin zur Tierpflege findet man nahezu alles in Videospielform. Befürchtest du nicht auch, dass die schöne neue Blase durch das Überangebot und die zum Teil miese Qualität schnell wieder platzen könnte?

 

Sarah Steffen: Hm, das ist jetzt eine Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist. Grundsätzlich denke ich, dass es so ist, dass die Dinge, die den Qualitätsansprüchen der Spielergemeinde genügen, auf jeden Fall überdauern werden und dass auch wirklich viele Produkte auf dem Markt sind, die den Ansprüchen tatsächlich gerecht werden.

Andererseits kann man diesen Casual-Aspekt auch unter einem ganz anderen Blickwinkel betrachten und sagen, dass unter diesem Label ja auch sehr viele Spiele in Europa auf den Markt kommen, die es in Japan schon ganz, ganz lange gibt und die dort viel normaler zum Spielportfolio gehören als hier. Zum Beispiel erinnere ich mich daran, als ich vor ein paar Jahren mal in Tokio in einer Spielhalle war, gab es dort ein Laufband mit einer echten Hundeleine daran. Auf dieses Laufband ist man gestiegen, Leine in die Hand und vorne war ein Monitor:dort hat man dann seinen virtuellen Hund Gassi geführt. Das war einige Jahre vor Nintendogs! Das heißt, im Grunde sind das Dinge, die in Japan zum Beispiel bereits schon viel länger als echte Spiele betrachtet werden und mit ganz anderen Augen gesehen werden als hier.

 

10do: Das stimmt natürlich. Letztendlich entscheidet die Qualität darüber, ob Spiele sich durchsetzen. "Koch doch mal!" hat zum Glück eine ziemlich hohe Qualität. Besonders positiv überrascht waren wir vom Freikochmodus, bei dem man über 200 Zutaten frei bearbeiten und zu den verschiedensten Rezepten zusammenfügen kann. War es nicht besonders schwierig, diesen Modus auf dem Nintendo DS umzusetzen?

 

Sarah Steffen: Ja, das war schon eine echte Herausforderung. Aber ich finde, das hat unser Team gut gemeistert. Das Spiel bietet ja eine ganze Fülle an Zutaten, wie du sagst über 200 Stück, in verschiedenen Aggregatzuständen von ganz über geschnitten bis hin zu gekocht, die ja auch alle dargestellt werden müssen. Wir haben den DS bis zum Letzten ausgereizt, um dem Spieler dieses Erlebnis bieten zu können: Man startet das Spiel und hat in 3D die Küchenumgebung und Kochutensilien vor sich. Nun kann man völlig frei aus dem Vorratsschrank wählen, was man nutzen möchte. Man kann mit exotischen Zutaten kochen und dadurch viel ausprobieren - gerade wenn man noch nie mit diesen Zutaten gearbeitet hat – was vielleicht in einer realen Küche gar nicht schmecken würde...

 

10do: Im virtuellen Leben wahrscheinlich auch nicht…

*Lachen*

 

 

10do: keen games hat mit Anno 1701, den Langenscheidt Wörterbüchern für DS, Geheimakte Tunguska und nun eben Koch doch mal! mit Jamie Oliver schon einige hochwertige Produkte für Nintendosysteme abgeliefert. Können wir in naher Zukunft noch weitere erwarten?

 

Sarah Steffen: Von uns könnt ihr noch jede Menge erwarten. Seid mal gespannt! Da werden sicher noch einige ganz tolle Sachen kommen. Aber wie immer, mehr wird nicht verraten.

 

10do: Nun noch eine Frage, die wir gerne unseren Interviewpartnern zum Schluss stellen: Womit hat denn deine Videospielleidenschaft angefangen?

 

Sarah Steffen: Lang, lang ist es her. Eines der ersten Spiele, an die ich mich erinnern kann, war Dungeon Master auf dem Atari ST. Das habe ich immer mit meinem kleinen Bruder gespielt. Ich war ungefähr sieben und er vier Jahre alt. Ich habe immer die Texte vorgelesen und er hat gesteuert, weil ich mich zu oft vor diesen baumartigen Squeaker-Wesen erschrocken habe, wenn sie plötzlich hinter einer Ecke standen. Was ich damals auch noch sehr viel gespielt habe, waren Lucas Arts Adventures wie Zak McKracken

 

10do: Vielen Dank für das Interview!


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