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N-Zyklopädie

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GC 2006 - Ein umfassender Rückblick

28.08.2006

Autor: Gunnar Schreiber

 

Die Games Convention 2006 war in vielerlei Hinsicht eine ganz besondere Messe. „Mehr von allem" könnte man als Charakteristikum festlegen: Mehr Besucher und Aussteller sowie für Mario und mich mehr Arbeit, mehr Termine und mehr Stress. Vor allem Mario hatte eine ganze Menge zu tun, da er erstmals auch für das amerikanische Videospielportal IGN.com berichtete. Aber das machen wir natürlich alles gerne, um euch eine umfassende Berichterstattung von Europas größter Videospielmesse zu bieten.

 

Wie kein Wii? Oder doch?

 

Nach dem anfänglichen Schock, dass Wii nicht spielbar sei, gab es am Mittwoch auf der Nintendo Pressekonferenz Entwarnung. Denn Nintendos neue Konsole war zumindest für alle Fachbesucher, auch ohne Termin, anzockbar. Bevor ich euch nachher meine Eindrücke vom Wii kurz schildere, möchte ich zunächst mal ein paar Worte zu der Pressekonferenz verlieren.

 

Gleich vorneweg: Ein Großteil der anwesenden Journalisten war ziemlich enttäuscht. Sicherlich war Nintendo bemüht die Show unterhaltsam zu gestalten und auch an der technischen Umsetzung gab es nichts zu meckern. Dennoch hinterließen einige Negativpunkte, welche teilweise leicht zu verhindern gewesen wären, einen faden Beigeschmack. Ein Beispiel war der Auftritt vom Moderator Jörg Pilawa. Zu Brain Training, für dessen Promotion er ursprünglich von Nintendo engagiert worden war, konnte Pilawa noch sinnvolles erzählen. Richtig peinlich wurde es aber, als er an einem 4-Spieler Match in Wii Tennis teilnehmen sollte und er bis zum Ende nicht realisierte, welche Spielfigur er eigentlich steuert. Das Resultat waren meistens Punktgewinne nach einem Ass. Tolle Ballwechsel gab es gar nicht. Gerade unter dem Gesichtspunkt, dass Nintendo mit den Wii Sports Produkten zeigen möchte wie kinderleicht die Steuerung von der Hand geht, war die Präsentation ein totaler Reinfall.

 

 

Aber das war längst nicht die einzige Enttäuschung der Pressekonferenz. Anstatt der anwesenden Fachpresse neues Material zu bieten, wurden größtenteils alte Trailer wie der Wii-Softwarezusammenschnitt von der E3 im letzten Mai und das Zelda Phantom Hourglass Video von der GDC im vergangenen März wiederholt. Letztendlich kann man die Überraschungen der Pressekonferenz auf zwei Titel reduzieren und zwar auf Battalion Wars 2 und Mario Strikers Charged. Vor allem Letzteres rockt! Wer die GameCube Version mochte, wird den Nachfolger lieben. Die wichtigste Neuerung ist dabei der Einsatz der Bewegungssensoren, d.h. man kann nun durch eine Schlagbewegung Gegner umhauen oder im Tor durch schnelle Reaktionen Schüsse abwehren. Dadurch wird schnell das Wohnzimmer zum Kampffeld.

 

Wie gut ist Wii wirklich?

 

Da wir schon bei Mario Strikers Charged sind, kann ich euch auch gleich meine Eindrücke vom Wii schildern. Nachdem wir auf der Pressekonferenz erfahren haben, dass man auch ohne Termin Wii anspielen darf, sind wir gleich ins Business Center zu Nintendo gegangen. Wir hatten zwar auch einen Termin für Freitag, aber die Verlockung bereits am Mittwoch die neue Konsole anzocken zu dürfen, war einfach zu groß.

 

Im Business Center hatte Nintendo einen abgesperrten Bereich eingerichtet, in dem jede Menge „Wii-Kabinen" standen, in denen jeweils ein oder zwei Titel anspielbar waren. Detaillierte Anspielberichte findet ihr in unseren News und in unserem entsprechenden Sammeleintrag aller Antestberichte unter N-Zyklopädie.

 

 

Anstatt an dieser Stelle genau auf die Inhalte der Spiele einzugehen, möchte ich lieber versuchen euch zu vermitteln, warum Wii tatsächlich was ganz besonderes ist. Das beginnt zunächst mal mit dem Aussehen und der Verarbeitung der Konsole und den Controllern. Der kleine weiße Kasten mit dem blau ausgeleuchteten DVD Slot sieht einfach super edel aus. Kein Vergleich zu dem eher klobigen und farblich teilweise unglücklichen Design des GameCubes. Herzstück des Wii sind natürlich der Wiimote und der Nunchuck. Beide sind genial verarbeitet, liegen perfekt in der Hand, bieten eine gut eingestellte Rumblefunktion und die Tasten haben sehr gute Druckpunkte. Die beiden wichtigsten Features der Wiimotes und des Nunchucks sind die Bewegungssensoren und die so genannten „Accelorator". Letztere kommen zum Beispiel bei einigen Minispielen bei Rayman Raving Rabbids zum Einsatz. In einem der Minispiele mussten wir eine Kuh wie beim Hammerwurf möglichst weit wegschleudern (Earthworm Jim lässt grüßen). Dazu bewegt man den Wiimote im Kreis. Je schneller man die Lassobewegung imitiert, desto mehr nimmt der Accelorator im Controller an Fahrt auf und bestimmt somit die Kraft, mit der man die Kuh auf Knopfruck wegschleudert.

 

Aber auch die Bewegungssensoren funktionieren nach kurzer Eingewöhnungszeit einwandfrei. Lediglich die Sensibilität war bei manchen Spielen etwas zu hoch eingestellt, was eine genaue Kontrolle erschwerte. Da aber die meisten fertigen Spiele eine frei einstellbare Sensibilität bieten werden, sollte auch das kein Problem sein.

 

Meine persönlichen Highlights in Sachen Wii waren Wii Tennis, was im Mulitplayer einfach rockt, Red Steel und Mario Strikers Charged. Überraschend war auch, dass Nintendo bereits zu Strikers und Battalion Wars 2 einen Onlinemodus bestätigt hat. Am abgedrehtesten und interessantesten war aber Rayman Raving Rabbids. Während der Präsentation von Ubisoft mussten alle Anwesenden immer wieder laut lachen und auch der Entwickler, der die Demo zeigte, hatte ein dauerhaftes Grinsen auf dem Gesicht, obwohl er sicherlich alles schon unzählige Male gesehen und gezockt hat.

 

Aber leider gab es in Sachen Wii auch einige ganz große Enttäuschungen. Denn Titel wie Project Hammer, Excite Truck, Disaster Day of Crisis, Metroid Prime 3 Corruption, Super Mario Galaxy und Zelda Twilight Princess waren weder spielbar, noch in irgendeiner anderen Form präsent. Dies ist besonders unverständlich, da einige dieser Titel zum Launch erscheinen sollen und diese auch allesamt auf der E3 im Mai vertreten waren.

 

Was hatte die Messe sonst noch so zu bieten?

 

Nun wird es Zeit euch mal ein wenig von der Messe an sich zu berichten. Wie bereits erwähnt war am Mittwoch der Fachbesuchertag. Es ist schon erstaunlich, wer sich mittlerweile alles Fachbesucher nennen darf. Es scheint sich mittlerweile herumgesprochen zu haben, wie einfach es ist an die begehrten Fachbesuchertickets zu kommen, was letztendlich hoffentlich wieder zu einer Verschärfung der Bestimmung führen wird. Denn ansonsten wird die Wahrscheinlichkeit immer geringer, dass die Entwickler die Messe nutzen werden, um auch sehr frühe Versionen von Software und Hardware den Fachbesuchern zu präsentieren.

 

Am Donnerstag war der erste Besuchertag und es war kaum vorstellbar, welche Massen von Leuten sich bereits an dem Tag durch die Hallen schlängelten. So voll war es vor 3 Jahren gerade mal am Samstag. Welchen Nutzen sich durch die stetig steigenden Besucherzahlen für die Besucher und für die Aussteller ergeben sollen, sind mir allerdings schleierhaft. Alles ist so überfüllt, dass man kaum mehr die Chance hat Games anzutesten. Und die Aussteller müssen sich zunehmend mit ganz anderen Problemen auseinandersetzen. So erzählte uns unser Ansprechpartner bei Ubisoft, dass sich am Freitag betrunkene Jugendliche am Stand einen Faustkampf geliefert haben. Wir hoffen, dass die Messe reagieren wird und dem einen Riegel vorschiebt. Ein Alkoholverbot für Besucher oder ein Mindestalter von 18 Jahren wären sinnvolle Maßnahmen. Auch wenn dadurch vielleicht die Besucherzahlen zunächst rückläufig sein werden, würde dies aber sicherlich von allen Ausstellern begrüßt werden.

 

Parallel zu den Besucherzahlen scheint auch die Lautstärke zu steigen. Der Lärmpegel an manchen Ständen war geradezu ohrenbetäubend. Hier wäre eine Dezibelregulierung wie auf der E3 wünschenswert. Besonders schlimm finde ich die zum Teil zutiefst niveaulosen Moderationen bei den Bühnenshows einiger Publisher, die mehr an Partygegröle am Ballermann erinnern. In die gleiche Kerbe schlagen dann auch die halbnackten „Messehostessen", mit denen manche Firmen versuchen die männliche Kundschaft an die Stände zu locken. Dabei vergessen diese aber anscheinend zunehmend ihren Mädels zu instruieren, was der Job als Messehostesse eigentlich bedeutet: Nämlich Fragen beantworten und Produkte verkaufen. Deshalb kann man vielfach auch die einfache Regel aufstellen. Je knapper die Hostesse bekleidet ist, desto weniger Informationen kann man erwarten.

 

 

Ganz anders sind da z.B. die Messehostessen von Nintendo, die alle wie immer gut gekleidet und meistens gut informiert ihren Job erledigten. Mit Eva vom Nintendo-Stand haben wir ein ausführliches Interview geführt und haben sie auch mal danach gefragt, was sie denn von ihren knapp bekleideten Kolleginnen so hält. Das informative Interview, was am Mittwoch online geht, solltet ihr euch unbedingt durchlesen.

 

Der Nintendo-Stand konnte, bis auf die Tatsache, dass nur DS Spiele antestbar waren, überzeugen. Der Stand war sehr modisch und stilecht gestaltet, analog zu dem edlen Design der neuen Hardware von Nintendo.

 

Der Sony-Stand war groß, aufgelockert und bot eine Menge Sitzgelegenheiten. Da man zur PS3 aber nur alte Trailer zeigte, gab es bei Sony keine größeren Überraschungen zu bestaunen.

 

 

Am besten war wieder einmal der Auftritt von Microsoft. Der Stand war wieder groß und bot ebenfalls eine Menge Sitzgelegenheiten. Durch die künstliche Begrünung schaffte Microsoft eine nette Atmosphäre, die zum Verweilen einlud. Leider konnten auch hier nicht alle im Vorfeld gehypten Titel vollends überzeugen. Die größte Enttäuschung war sicherlich Viva Pinata, das neueste Werk von Rare. Die Demo stürzte ständig ab und lief bestenfalls bei 10 Frames pro Sekunde und das, obwohl die Grafik nicht wirklich überragend war.

 

 

Zum Schluss möchte ich auch noch von einem persönlichen Highlight der Messe berichten. Am Mittwochabend haben Within Temptation ein gratis Konzert gegeben. Die Band schreibt gerade den Soundtrack für das PC Rollenspiel Spellborn, aus dem sie neben Klassikern wie „Mother Earth" oder „Stand My Ground", zwei Songs präsentierten. Die tolle Soundanlage, die Pyrotechnik und die gut gelaunte Band machten das kurze Konzert zu einem besonderen Schmankerl. Nach dem Auftritt gab es dann noch gratis DVDs der Band, die auch noch fleißig Autogramme schrieben.

 

 

Am Ende lässt sich bilanzieren, dass die Games Convention 2006 ein voller Erfolg und wieder einmal ein tolles Erlebnis gewesen ist. Nachdem anfänglichen Schock, dass Wii nicht spielbar ist, hatte sich zumindest für alle Fachbesucher schnell das Blatt zum Guten gewendet. Und es ist ein verdammt gutes Gefühl zu wissen, dass Nintendo mit der neuen Konsole und den revolutionären Controllern nicht zu viel versprochen hat. Wii will rock you!


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