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Reviews: Nintendo Wii U

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Sonic Boom: Lyrics Aufstieg

Adventure

20.12.2014

Autor: Marc Jaworski

 

Mit den letzten Ablegern des Sonic-Franchises hat sich Sega nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. So sind laut Metacritic viele Testberichte eher negativ ausgefallen. Der Metascore liegt bei etwa 32 Punkten. Mit der neuen Boom-Marke verpasst man dem blauen Igel ein neues Gewand und wechselt zugleich das Genre. Anstelle von Sega entwickelt dieses Mal „Big Red Button Entertainment“ an diesem Spiel. Ein nicht sonderlich bekanntes Entwickler-Studio, das von den ehemaligen Naughty Dog-Gründern ins Leben gerufen wurde. Dies stimmte mich recht optimistisch, da es sich hierbei wieder um ein gutes Sonic-Spiel handeln könnte. Dennoch sollten die überwiegend negativen Bewertungen zu den beiden Sonic-Abenteuern jedem aufgefallen sein. So beschreibt das bekannte Gaming-Netzwerk IGN dieses Spiel als „unausgereift und generisch“.

 

Sind diese Kritiken berechtigt, oder handelt es sich hierbei um einen geglückten Neuanfang für das Franchise. Dieser Frage werde ich in diesem Testbericht nachgehen und ausführlich beantworten.

 

 

Wie man eine Geschichte nicht erzählt

 

Das Storytelling von Sonic Boom: Lyrics Aufstieg ist sagenhaft schlecht.

So beginnt das Spiel mit einer ziemlich deplatzierten vorgerenderten Sequenz: Sonic wird von Trümmern begraben, die sich auf wundersame Weise auf ihn zu bewegen. Währenddessen stimmen seine Freunde ein Lamento an. Doch wird hier auf keiner Art und Weise erklärt, was hier gerade passiert. Soll diese Szene etwas Schlimmes anteasern? Keine Ahnung. Man erhält keinerlei Anhaltspunkt. So wird übrigens auch die gesamte Geschichte des Spiels erklärt, die sich daher undurchdacht anfühlt. Auch nicht Story relevante Aspekte leiden unter diesem Moment der „Anhaltspunktlosigkeit“. Denn das Spiel erwartet anscheinend, dass man sich alles selbst zusammenreimt. Aber dazu später mehr.

 

Kommen wir zurück zur Geschichte, die ich jedenfalls so interpretiere: Unsere Freunde landen nach einer erbitterten Verfolgungsjagd mit Dr. Robotni… ähm … Eggman in ein Waldgebiet. Dort stoßen sie auf ein antikes Bauwerk. Aber da Eggman dem tierischen Team auf die Schliche kommt, hetzt er gleich seine Roboter auf sie. Anstatt diese Schurken zu bekämpfen, entschließt sich Sonic dazu, mit seinen Freunden in das Bauwerk zu flüchten. Darin lösen sie Rätsel und landen in einen Raum mit einer uralten Steinstatue. Zu allem Übel bewirkt das Rätsellösen auch, dass diese Statue zum Leben erwacht. Nun ist die kybernetische Riesenschlange Lyric befreit. Dieser niederträchtige Unhold hat sich zum Ziel gesetzt mittels Roboter-Armee alles biologische Leben auf der Welt auszurotten. Um dieses Ziel zu erreichen benötigt er besondere Kristalle, die seine Roboter-Armee mit Strom versorgt. Von nun an obliegt es den „vier Streitern für die Gerechtigkeit“ diesen Plan zu vereiteln.

 

Klingt gar nicht so übel, oder? Aber das ist nur meine Erzählung der Geschichte …

 

 

Der Teufel liegt im Gameplay

 

Wie bereits erwähnt leidet das Spiel immens darunter, keine direkten Anhaltspunkte zu geben. Das hat zur Folge, dass beispielsweise Überleitungen zu Cutscenes und Kapiteln unsauber sind. Auch Charaktere werden nicht ordnungsgemäß vorgestellt. Dies irritiert oftmals so sehr, dass man keinen Schimmer hat, was als nächstes zu tun ist. Auch vernünftige Tutorials sucht man vergeblich. Hier beschränkt man sich auf viel zu kurz eingeblendete Info-Boxen, die man gerne mal übersieht. Auch kam es bei mir vor, dass einige Tutorials erst gar nicht angezeigt wurden. Dies war festzustellen, als ich einen weiten Spielstand anfing. Selbst die grundlegendsten Dinge wie z.B. Collectables werden nicht erklärt. Demzufolge durfte ich mir selbst beibringen wozu z.B. Schätze, Ringe und Roboterteile gut sind.

 

Das Spiel besteht zum Großteil aus nicht linearen Spielwelten, die mit ausreichend Content bestückt sind. Es gibt hier und da Ringe, Schätze und Roboterteile zum Sammeln, die einen aber eher weniger belohnen.

 

Die Spielwelten sind meist in folgende Abschnitte unterteilt:

  • Puzzle-Elemente, die überwiegend aus monotonen Schalterrätseln bestehen
  • Sidescroller-Passagen, welche einen an Super Mario Galaxy erinnern und dem Ganzen ein wenig Abwechslung verleihen
  • Temple Run ähnelnden On-Rail-Laufabschnitte, bei denen man sich so gut wie nicht bewegen muss
  • Dutzende Kämpfe, die aufgrund des nicht vorhanden Schwierigkeitsgrades und recycleten Gegner-Designs irgendwann anöden
  • Unfassbar einfache Platformer-Passagen
  • Charakter basierte Parkour-Abschnitte

Doch Innovationen sucht man hier vergeblich. Letztendlich kommt einem alles wie ein mediokrer Klon aus Banjo Kazooie, Crash Bandicoot und Rayman vor.

 

Ein großes Problem der Spielwelt ist auch die nicht vorhandene Oberwelt bzw. eine Art Level-Auswahlbildschirm. So wirkt das Ganze einfach zusammenhangslos. Zwar lassen sich mit der Karte die Levels auswählen, diese ist aber erst später im Spiel verfügbar. Dies ändert aber nicht die Tatsache, dass das die Spielwelt zusammenhangslos wirkt. Positiv ist aber, dass jeder Charakter unterschiedliche Fähigkeiten aufweist. So ist Sonic der schnellste von allen und kann einen Spin-Dash ausführen; Tails nutzt sein technisches Wissen zum Kämpfen und gleitet mit seinem Schweif; Amy verfügt über einen Dreifachsprung und Knuckles ist, neben seiner Kletterfähigkeit, der Mann fürs Grobe. Außerdem gibt es des Öfteren Abschnitte in Levels, bei denen man auf die Fähigkeiten der einzelnen Charaktere angewiesen ist. Das macht die ganze Sache doch ein wenig abwechslungsreicher. Das Spiel bietet ebenso Nebenaufgaben, bei denen man aber kaum Anhaltspunkte für irgendetwas bekommt. Obendrein wird man auch nicht ausreichend für die gute Tat belohnt. Wer also nicht gerne Detektiv spielt, sollte lieber darauf verzichten. Auch ohne Nebenaufgaben hat das Spiel eine ausreichende Länge; jedenfalls kommt das Spiel einem lange genug vor …

 

Der kaum vorhandene Anspruch ist auch ein Punkt, den ich genauer ansprechen sollte. Aufgrund des Schwierigkeitsgrads läuft man gerne mal absichtlich durch Fallen und Gegner. Denn Konsequenzen für das Versagen gibt es keine. Sollte man jemals sterben und alle Ringe verlieren, spawnt man nach einer Schwarzblende wenige Meter weiter. Schon am Anfang macht sich die Anspruchslosigkeit des Spiels bemerkbar: In den ersten fünf Minuten, die aus On-Rail-Laufabschnitten bestehen, braucht man sich nicht die Mühe zu machen, den Controller zu berühren. Denn mal abgesehen von der miesen Steuerung, die einen ohnehin in jedes Hindernis krachen lässt, verliert man bei einer Kollision nur wenige Ringe. Durch den fehlenden Anspruch werden die Kämpfe sehr schnell monoton, wie oben bereits angesprochen. So enden die Auseinandersetzungen meist in pures „Button-Smashing“.

 

Überdies ist auch die Steuerung grauenvoll: Die Bedienung der Charaktere ist schwammig und fühlt sich unsauber an. So ist beispielsweise die Dead-Zone des Analogsticks viel zu klein, wodurch sich der Charakter erst nach einem gewissen Anschlag bewegt. Zudem verursacht die niedrige Bildrate einen nicht wesentlich unbemerkbaren Input-Delay. Weiterhin ist die Kamera für heutige Verhältnisse unzumutbar. Eine ordentliche Kameraführung gibt es nicht, sodass man die Kamera ständig nachjustieren muss. Doch hier verbirgt sich der kleine, fiese Teufel! Das Steuern der Kamera ist sehr träge und hakt ein wenig. Da die Kamera auch über keine Kollisionserkennung verfügt, invertiert sie nicht automatisch. So verkrampfte ich mir gerne mal den Daumen.

 

Die GamePad-Nutzung ist eigentlich nicht erwähnenswert. Denn die Hardware wird nicht sinnvoll eingebunden. Lediglich wird der Bildschirm dupliziert. Selbst die Auslagerung von Menüs auf dem GamePad ist nicht vorhanden. So muss man die Menüs mittels Start-Knopf aufrufen, was den Spielfluss unterbricht.

 

 

Technik auf niedrigem Niveau

 

Neben der Bedienbarkeit ist die Technik ebenso veraltet.

Das Spiel hat aber einen überaus interessanten Cartoon-Grafikstil, der mich teilweise an Crash Bandicoot und Cartoon Network-Serien erinnert. Ungeachtet dessen ist die grafische Qualität grauenerregend.

Viele der Texturen sind zu niedrigaufgelöst und total matschig. Manche Texturen wurden schlecht gemappt, sodass unsaubere Übergänge bemerkbar sind. Daneben ist die Polygonanzahl der Modelle für ein heutiges Spiel auf einer aktuellen Konsole ebenso erschreckend wie tragisch. Auch Lightning- und Partikeleffekte sind furchtbar. Doch am meisten erschreckt die Auflösung und Framerate: Das Spiel kämpft mit Framedrops, obwohl die grafische Qualität als auch die native Auflösung des Spiels nicht unbedingt auf ein Wii U-Spiel vermuten lassen. Die durchschnittliche Framerate ist bei etwa 20-25 FPS anzusiedeln. Des Weiteren tritt durch das Upscaling starkes Kantenfillmer auf. Die Entwickler haben es anscheinend nicht zustande gebracht, die Engine entsprechend zu optimieren.

 

Musikalisch überzeugt das Spiel leider auch nicht. Kein Musikstück bleibt wirklich im Gedächtnis und ist nicht wirklich „motivierend“ für den Spieler. Auch wiederholen sich einige Tracks zu oft, sodass man gerne mal den Ton abschalten würde.

 

Doch hinter dem ganzen Übel verbirgt sich eine recht gelungene Sprachausgabe …, die aber nach einiger Zeit auf den Geist gehen kann. Jeder Charakter hat die schlechte Angewohnheit, alles zu kommentieren. Ebenso ist der Humor des Spiels für meinen Geschmack einfach zu kindisch und sogar eher für Kleinkinder geeignet. Ein Beispiel: „Was ist besser als ein Hinterhalt?“, fragt Dr. Eggman. Worauf Tails mit „ein Hinterhalt mit Eis“ antwortet. „Klingt lecker, aber nein! Ein Hinterhalt nach dem Hinterhalt!“, entgegnet Eggman.

 

Ähm ja... verdammt lustig, oder?

 

Der Testbericht scheint wohl sehr negativ auszufallen, da es einfach eine recht große Grundlage zum Kritisieren gibt. Neben der Monotonie, der schlechten Steuerung und des grauenvollen Storytellings gibt es einen weiteren großen Kritikpunkt: Bugs und Glitches. Wer meine Miiverse-Posts verfolgt hat, kann anhand davon schon die Unfertigkeit des Spiels wahrnehmen. Denn das Spiel enthält unzählige Fehler. Oftmals fällt man durch Wände oder bleibt in diesen stecken. Manchmal verschwinden Charaktere oder Events werden nicht getriggert. Ich könnte tausende dieser Fehler auflisten, doch das würde den Rahmen des Artikels sprengen. Es ist einfach eine Zumutung, dass in einem Spiel so viele Fehler auftreten. Man fragt sich ständig, wo die Beta-Tester waren.

 

 

Geteiltes Leid ist halbes Leid

 

Wer von der Qualität von Sonic Boom noch immer nicht überzeugt ist, der kann sich mit einem Freund ins Getümmel stürzen. Der Multiplayer sollte aber mit Vorsicht genossen werden: Selbstmordgefährdete sollten diesen Modus eher meiden. Denn selbst für Masochisten ist dies eine zu harte Nummer. Solltet ihr aber in euch und eurem Freund einen Meister gefunden haben, dann könnt ihr euch auf eine Ruckelorgie der Superlative gefasst machen …

 

Beim Mehrspieler kommt auch endlich mal das Wii U-GamePad zum Einsatz: Jeder Spieler hat sein eigenen Bildschirm. Doch das bringt eine katastrophale Framerate mit sich.

Kann sich jemand eigentlich noch an Stunt Race FX für das SNES erinnern? Die niedrige Bildrate von diesem Spiel lässt sich mit der des Mehrspielers von Sonic Boom vergleichen: Die Framerate spielt gerne Russisch-Roulette. So schwankt diese zwischen etwa 10-25 Bilder pro Sekunde, sodass man schnell mal Kopfschmerzen bekommt. Dadurch entsteht ebenso ein gewaltiger Input-Delay, der die ohnehin schwammige Steuerung in ein Horror-Kabinett des Grauens verwandelt.

 

Neben der katastrophalen Bildrate machen allerhand Bugs das Spiel fast genauso unspielbar.

So passiert es; falls ihr von eurem Mitspieler etwas weiterentfernt seid; dass ein Spieler ohne Vorwarnung zum anderen Spieler teleportiert wird. Dabei ist es scheinbar völlig zufällig, wer zu wem gespawnt wird. Des Weiteren lösen diese unvorhersehbaren Teleports jede Menge Bugs aus: So spawnt man gerne mal in Wänden oder fällt durch diese hindurch. Auch kann es häufig vorkommen, dass man durch den Boden fällt. Da man dadurch nicht stirbt, hat man somit einen tollen Gamebreaker.

Darüber hinaus kann es vorkommen, dass ein Mitspieler sich während einer nicht gerenderten Cutscene bewegen kann und allerhand ungewollte Dinge geschehen können. Zudem kam es des Öfteren bei mir vor, dass die Sound-Engine gerne mal abschmiert und somit kein Ton mehr zu hören ist. Äußerst merkwürdig ist auch, dass der Fernsehbildschirm des Mitspielers sich nach einiger Zeit verdunkelt …

 

Der Multiplayer ist eine reine Katastrophe und kaum spielbar. So hatte mein Mitstreiter schon nach fünf Minuten keine Lust mehr und wollte aufhören. Es ist schon eine Qual, sich dadurch zu kämpfen. Es wirkt wie ein Prototyp eines Multiplayers und wurde anscheinend nicht einmal getestet. Mensch, SEGA! Das muss doch einem auffallen!

 

Aber man muss den Multiplayer selbst gespielt haben, damit man dieses Grauen besser verstehen kann.

 

Vielen Dank an Nintendo für das Testmuster.


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Fazit


Herrje!
Ich muss unseren Kollegen von IGN rechtgeben. Sonic Boom ist „generisch und unfertig“. Zugegeben, es macht Stellenweise irgendwo Spaß. Doch dieser Spaß lässt sich dann doch eher mit 08/15 Smartphone-Spielen vergleichen. Im Kern hätte es ein solides Spin-off werden können. Letztendlich sieht man dem Spiel an, dass es nicht vollendet wurde. Ein bis zwei Jahre mehr in Entwicklung hätten dem Ganzen gut getan. Dadurch wirkt Sonic Boom unfertig, undurchdacht und ist qualitativ auf einem sehr niedrigen Niveau. Um ganz ehrlich zu sein: Es ist eines der schlechtesten Spiele, die ich jemals gespielt habe! So nicht, Sega! „Sonic-ht“!

Um die Frage des Tests zu beantworten: Ja, man kann es als „neues Sonic 2006“ bezeichnen.

Grafik

schwach

Sound

schwach

Steuerung

schwach

Spielspaß

schwach

43%

Singleplayer

11%

Multiplayer

Release

21.11.2014

Developer

Big Red Button Entertainment

Publisher

Sega

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (Lokal)

1-4



Neue Wertungsskala nun auch für Wii U-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort nicht mehr nur beim 3DS, sondern auch bei Wii U-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS und die Wii U:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


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