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Reviews: Nintendo Wii U

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Deus Ex Human Revolution Director's Cut

RPG

02.11.2013

Autor: Gunnar Schreiber

 

 

Als Deus Ex im Jahre 2000 für PC erschien, damals noch unter der Federführung von Warren Spector entstanden, galt es schnell als Meisterwerk, das viele Tore für Videospiele der kommenden Jahre öffnen sollte. Das Cyberpunk Science Fiction-Epos bot eine intensiv und authentisch erzählte Geschichte, auf die der Spieler durch Entscheidungen einen Einfluss nehmen konnte.

 

Mittlerweile ist Warren Spector schon lange nicht mehr bei Eidos. Das Entwicklerteam Ion Storm von damals existiert so auch nicht mehr. Also kümmerte sich Eidos Montreal im Auftrag von Square Enix um den dritten Teil, der bereits 2011 unter dem Namen Deux Ex Human Revolution auf den Markt kam und wieder sowohl bei Fans als auch Kritikern größtenteils Lob erntete.

 

Nun, weitere zwei Jahre später erscheint der Director’s Cut, der hauptsächlich mit dem Fokus auf Wii U entwickelt wurde. Dieser bietet neben kleineren technischen Verbesserungen vor allem eine intensive Einbindung des GamePads sowie die direkte Verzahnung der vorher einzeln veröffentlichten Add-Ons. Ob dabei wie angestrebt die ultimative Version des Titels herausgekommen ist, verrate ich im folgenden Test.

 

 

Ethik, Wahnsinn, Verbrechen, Missbrauch

 

Wir schreiben das Jahr 2027. Große Fortschritte wurden im Bereich der Körperimplantate, den sogenannten Augmentierungen gemacht. Während zunächst solche technischen Veränderungen hauptsächlich genutzt wurden, um grobe Verletzungen oder körperliche Missbildungen zu behandeln, entwickeln sich Augmentierungen immer mehr zu einem Muss der privilegierten Teile der Gesellschaft. Talente werden durch Implantate gefördert oder verbessert. Soldaten werden in ihren Fähigkeiten gestärkt und so zu regelrechten Kampfmaschinen. Das Ganze wirft natürlich ethische Fragen auf: Wie weit darf die Menschheit gehen? Wann sind Veränderungen und Verbesserung OK und wann werden Grenzen überschritten? Wie soll verhindert werden, dass die Implantate nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung erschwinglich sind? Ist das der nächste Schritt der Evolution oder Wahnsinn?

 

Ihr schlüpft dabei in die Rolle von Adam Jensen, einem ehemaligen Polizisten, der ursprünglich selbst eher gegen Augmentierungen eingestellt war. Doch dann kam es bei seinem aktuellen Arbeitgeber, dem Biotech-Unternehmen Sarif Industries, zu einem vermeintlich terroristischen Anschlag. Seine Freundin kam dabei ums Leben und Adam selbst konnte nur durch aufwendige und umfassende Implantate gerettet werden. Etwa ein halbes Jahr hat sein Körper gebraucht, um mit den Veränderungen klarzukommen. Doch nun ist er wieder im Dienst. Auf der Suche nach Antworten: Wer steckt hinter dem Anschlag? Warum wurde versucht, sämtliche Spuren zu verwischen? Geht es um rein wirtschaftliche oder militärische oder vielleicht sogar ethische Motive? Es entwickelt sich schnell eine spannende, abwechslungsreiche Cyberpunk-Geschichte, die von Anfang an keine Minute Langeweile aufkommen lässt.

 

 

Das Gameplay

 

Deus Ex Human Revolution ist ein Action RPG. Wobei die verschiedenen Genre-Elemente extrem ausgebildet sind, aber so gut fusionieren wie selten. In Auseinandersetzungen mit Feinden fühlt es sich wie ein waschechter, aber komplexer Egoshooter an, in seinen Schleichpassagen eher wie ein Titel wie Splinter Cell, während die Dialoge, Verbesserungen und Freiheiten an typische westliche Rollenspiele erinnern. Und das Beste: Die Gewichtung der einzelnen Gameplay-Elemente hängt zum großen Teil von euren Entscheidungen und eurer Spielweise ab!

 

Prinzipiell habt ihr ständig verschiedene Missionen zur Auswahl, unterteilt nach Haupt- und Nebenaufgaben. Um die Aufgaben zu erhalten, quatscht ihr mit unzähligen Personen, die sich in der Stadt aufhalten. Los geht es in Detroit, dem Hauptsitz von Sarif Industries. Später führt euch die Reise auch noch u.a. in ein Viertel von Shanghai. In den Stadtteilen dürft ihr ziemlich frei herumlaufen, müsst allerdings aufpassen, dass ihr nicht in falsche Gassen etc. geratet. Denn nicht jeder ist augmentierten Ex-Polizisten freundlich gegenüber gesinnt.

 

Die Aufgaben, die ihr erhaltet, sind meistens recht komplex und sehr abwechslungsreich. Ihr müsst Leute ausschalten, Gangs infiltrieren, Beweise sichern, Informationen ausquetschen, Drogen unterjubeln, Waffen sicherstellen und so viel mehr. Vieles davon oft als Teil einer einzigen Mission.

 

Bevor die Waffen sprechen, solltet ihr zunächst über Alternativen nachdenken. Viele Situationen lassen sich gewaltlos oder zumindest gewaltloser lösen, in dem ihr euch an Feinden vorbei schleicht oder einzelne leise aus dem Hinterhalt erledigt. Dazu braucht ihr euch nur an den Bösewicht heranschleichen und könnt dann auf Tastendruck diesen entweder ins Koma oder Jenseits befördern. Kommt es doch zu einem Feuergefecht, ist Deckung und taktisches Vorgehen das Allerwichtigste. Denn ein Volltreffer bedeutet meistens schon euren Tod. Außerdem ist Munition zu knapp bemessen, um wild rumzuballern.

 

Ausgeschaltete Gegner lassen gerne ihre Waffen zurück, die ihr aufnehmen könnt. Überhaupt solltet ihr sie nach Objekten durchsuchen. Aber nicht nur Widersacher sind eine wichtige Ressourcenquelle. Quasi in jedem Winkel, in jedem Appartement, in jedem Schrank kann sich Nützliches verstecken. Allerdings habt ihr natürlich nicht zu allem sofortigen Zutritt. Die meisten Wohnungen, Rechner, Safes etc. sind gesichert und deren Zugangsrelais müssen gehackt werden. Dies geschieht via eines Minispiels, bei dem ihr verschiedene Knotenpunkte einnehmen und so zum Zielpunkt kommen müsst, ohne von der Firewall entdeckt zu werden. Oftmals ist der Weg verzweigt, es gibt mehrere Möglichkeiten. Jeder Punkt hat eine angegebene Wahrscheinlichkeit, wie hoch die Gefahr ist entdeckt zu werden. Zum Glück habt ihr auch ein paar Tools zur Hand, mit dem die Firewall ausgebremst werden kann oder sogar ganze Knotenpunkte umgangen werden können. Hacken ist ein zentrales Gameplay-Element und wird euch stets begleiten.

 

Übrigens lohnt es sich manchmal echt, die Emails auf den gehackten Rechnern durchzulesen. Nicht nur, um wichtige Infos oder Passwörter zu erhalten. Sondern oftmal auch zur puren Unterhaltung. Mein persönliches Highlight ging in etwa so: "Hey, du Pseudo-Netzwerkprofi. Ich habe deinen Email-Account gehackt und 2 bis 3 Dutzend Emails an deine Freunde versendet. Ich hoffe, die stehen genauso sehr auf Pornos wie du!".

 

Alles, was ihr bekommt und findet, landet in eurem Inventar, das aus einer bestimmten Anzahl an Slots besteht. Jedes Item verbraucht dabei eine bestimmte Menge des Platzes. Während eine Granate sich mit einem Slot begnügt, sprengen große Waffen wie Sniper schnell den Rahmen. Deshalb gilt es auch hier abzuwägen, mit welcher Ausrüstung ihr herum lauft.

 

 

Augmentierungen – Evolution oder Wahnsinn?

 

Neben Waffen, Munition, PDAs, E-Books und vielem mehr, findet ihr in der Welt von Deus Ex, bzw. bekommt ihr für absolvierte Missionen Credits (Währung), Erfahrungspunkte und Praxis-Kits. Mit dem Geld kauft ihr weiteres Equipment, zum Beispiel Upgrades für eure Waffen. Durch Erfahrungspunkte steigt ihr im Level auf, wodurch sich auch automatisch eure Fähigkeiten verbessern. Aber am meisten Einfluss auf Adams Skills habt ihr als Spieler durch die Praxis-Kits. Diese braucht ihr, um Adams Augmentierungen auszubauen bzw. zu aktivieren. Es gibt dabei jede Menge zur Auswahl, wobei die Wahl sehr von eurer Spielweise abhängen sollte. Als Rambo levelt ihr natürlich eher eure Waffenfähigkeiten auf und weniger eure Schleich-Skills.

 

Aber die Augmentierungen gehen viel weiter. Eine verbessert zum Beispiel eure sozialen Kompetenzen. So könnt ihr in Gesprächen zwischen den Zeilen lesen und so herausfinden, mit welcher Wortwahl ihr am besten an eure Informationen kommt. Das ist durchaus wichtig, da ihr in vielen Konversationen die Wahl habt, in welche Richtung sich ein Gespräch entwickelt. Außerdem müsst ihr Entscheidungen treffen, die dann wiederum den Fortlauf der Mission beeinflussen.

 

Sehr empfehlenswert sind auch die Implantate, die das Hacken positiv beeinflussen, zum Beispiel die Gefahr von der Firewall entdeckt zu werden, deutlich verringern. Vielfach werden körperliche Veränderungen sogar benötigt, um die gesamte Welt erkunden zu können. Es empfiehlt sich auf dem Weg durch die Stadt immer wieder die Augen und Ohren offen zu halten und dann zu überlegen, wie eine Augmentierung vielleicht weiterhelfen könnte.

 

 

Steuerung und GamePad

 

Die größte Neuerung gegenüber den vorherigen Versionen ist bei der Wii U der Einsatz des GamePads. Dieses wird tatsächlich vorbildlich genutzt! Dass eine stetig eingeblendete Karte bei einer komplexen Welt ein großes Plus ist, weiß man mittlerweile. Gleiches gilt natürlich auch für die Verwaltung des Inventars via Drag & Drop oder das Lesen von E-Book oder PDA-Texten auf dem Controller-Bildschirm. Aber auch das Hackminispiel ist sehr gut umgesetzt. Ebenso wie die Einbindung von Miiverse über das GamePad, sogar inklusive Audionachrichten. Ach ja, Notizen dürft ihr auch noch auf der Karte festhalten oder sogar eine Komplettlösung während des Spiels auf dem Touchscreen anschauen/lesen, falls ihr mal hängt. Mehr geht einfach nicht.

 

Auch sonst funktioniert die Steuerung via GamePad wunderbar. Ist allerdings ziemlich komplex und es dauert eine Weile, bis man alles total verinnerlicht hat. Das Zielen via Analogsticks ist und bleibt allerdings einer Wii-Fernbedienungssteuerung unterlegen. Aber im Fall von Deus Ex kann ich verstehen, dass darauf verzichtet wurde. Zu vorteilhaft ist ansonsten das GamePad.

 

 

Audiovisuelle Umsetzung

 

Das Spiel war schon 2011 kein Augenöffner und ist es zwei Jahre später erst recht nicht. Versteht mich nicht falsch: Deus Ex sieht schon gut aus, bietet eine lebendige, vor allem sehr stimmungsvoll inszenierte Welt und einen stilistischen roten Faden, was eh am wichtigsten ist. Dennoch gibt es etwas zu viele matschige Texturen, etwas zu hölzerne Animationen und was mich tatsächlich ärgert, sind kleinere Ruckler in den eh nicht besonders hübschen Videosequenzen. Das muss nun wirklich nicht sein!

 

Richtig geil ist allerdings das, was für die Ohren geboten wird. Der Soundtrack ist stimmungsvoll, die Waffen klingen druckvoll und die Dialoge sind toll geschrieben und ebenso toll vertont. Sogar in der deutschen Version! Die sehr gute Sprachausgabe macht einen großen Teil der hohen Authentizität der Charaktere im Spiel aus.

 

 

Meckerecke

 

Neben den angesprochenen technischen Mängeln gibt es noch ein paar andere Dinge, die ich als negativ vermerken möchte. So sinnvoll und gut das Hacken auch ist, es nimmt zu viel Spielzeit in Anspruch. Wieso muss ich selbst bei nahezu maximal verbesserten Hackfähigkeiten beispielsweise Safes der Sicherheitsstufe 1 noch hacken? Ab einer gewissen Stufe sollten die einfach immer offen sein, da das Hacken dann keine Herausforderung mehr ist, sondern nur Zeit kostet.

 

Auch sind in einzelnen Fällen die Augmentierungen nicht ganz zu Ende gedacht. Warum kann Adam mit dem entsprechenden Implantat eine brüchige Wand zerschlagen, aber eine verstärkte Holzkiste weiterhin nur mit Waffengewalt zerlegen?

 

 

Wir danken Square Enix für die Bereitstellung des Testmusters!


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Fazit

Deus Ex Human Revolution Director’s Cut ist ein spannendes, sehr stimmungsvolles Action RPG, mit einer Menge netter Ideen, einer tollen Geschichte, glaubwürdigen Charakteren und sehr vielen Details. Sehr cool finde ich, wie das Spiel das Dilemma zwischen medizinischen Fortschritt via Augmentierung und ethischen Bedenken thematisiert und den Spieler selbst zum Nachdenken über Grenzen, Vor- und Nachteile solcher Implantate animiert. Das GamePad wurde dabei bestens integriert. Da die Wii U-Version auch noch die herunterladbaren Inhalte sowie kleinere, technische Verbesserungen enthält, plus Making Of-Videos und ins Spiel integrierte Entwicklerkommentare, ist es wohl die ultimative Version eines eh schon sehr guten Spiels. Cyberpunk und Sci-Fi Fans sollten zuschlagen und sich auch nicht von dem höheren Anschaffungspreis als bei den anderen Konsolen abschrecken lassen. Die Wii U braucht mehr solcher Spiele!

Grafik

ok

Sound

super

Steuerung

gut

Spielspaß

super

85%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

25.10.2013

Developer

Eidos Montreal

Publisher

Square Enix

USK Freigabe

18+



Neue Wertungsskala nun auch für Wii U-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort nicht mehr nur beim 3DS, sondern auch bei Wii U-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS und die Wii U:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


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