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Reviews: Nintendo Wii U

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Splinter Cell Blacklist

Action Adventure

02.10.2013

Autor: Lukas Strübig

 

Splinter Cell war schon immer die etwas actionreichere und seriösere Alternative zum leicht verschrobenen, aber künstlerischeren Konkurrenten Metal Gear Solid. Der Spezialagent Sam Fisher ist kein traumatisierter Veteran, seine Gegner sind gewöhnliche Terroristen ohne eine große Hintergrundgeschichte, und genau genommen schaltet er diese auch sehr viel effektiver aus als sein Kollege Solid Snake, der überhaupt erst einmal lernen musste, weiter als fünf Meter zu sehen.

Jetzt also wo die WiiU auf The Phantom Pain verzichten muss, ist Splinter Cell Blacklist eine gelungene Entschädigung?

 

 

Die Blacklist

 

In der Story geht es um eine Terror Organisation namens "Engeneers", die die USA mit ihren "Blacklist" Angriffen dazu zwingen will, ihre Truppen aus allen Ländern der Welt abzuziehen und in die Heimat zurück zu holen. Diesem heeren Ziel stellt sich Sam Fisher entgegen, der grade, nachdem sein Freund Vic schwer verwundet wurde, zum neuen Leiter der Spezialeinheit Fourth Echelon befördert wurde.

Die Handlung selbst bemüht sich vor allem, Drama zwischen den sehr gut geschriebenen Charakteren zu erzeugen. Sam passt mit seiner Art, eher seinem Bauchgefühl zu folgen vielleicht nicht so gut in die Führungsposition, seine Assistentin Grim stellt ihn daher auch oft genug in Frage und sein Kampfgefährte Briggs ist nicht bereit, die Mission über den Mann zu stellen, was später zu zusätzlichen Konfliktpunkten führt. Diese kleinen Zickereien täuschen allerdings nicht darüber hinweg, dass die Angriffe der Engeneers die Charaktere auf persönlicher Ebene kaum treffen, die Handlung eher flach ist und unsere Protagonisten so schnell ermitteln, dass man als Zuschauer kaum hinterher kommt.

 

 

Der Panthergeist greift an!

 

Gameplaytechnisch ist Blacklist ein Stealth Spiel durch und durch. Je sauberer man eine Mission abschließt, desto mehr Geld bekommt man am Ende und desto schneller kann man sich bessere Ausrüstung kaufen. Um dies zu bewerten teilt das Spiel das Verhalten des Spielers in die drei Klassen Ghost, Panther und Assault auf und verteilt danach Punkte. Als Ghost schleicht man unbemerkt an Wachen vorbei und betäubt sie nur um äußersten Notfall, der Panther legt Fallen und schaltet seine Beute aus dem Hinterhalt aus und der Assault pfeift auf jegliche Diskretion und ballert sich einfach seinen Weg frei. Das ist nicht unbedingt neu, schon in GoldenEye 2010 konnte man sich öfter entscheiden ob man leise oder laut vorgeht, Blacklist fügt diesem System aber die nötige Konsequenz hinzu. Wer nämlich schleichen will muss sich einen möglichst leichten Schleichanzug anziehen, der nur wenig Feuerkraft widersteht, wer mehr aushalten will bewegt sich dafür in seinem Kampfanzug aber auch schwerfälliger und lauter. So muss man sich vor der Mission seine Ausrüstung zusammenstellen und seinem individuellen Spielstil anpassen. Schade nur, dass die meisten Ausrüstungsgegenstände nur Upgrades der vorherigen sind, so ist eine UMP45 der MP7 in allen Punkten überlegen, und warum man eine Maschinenpistole einem Sturmgewehr vorziehen sollte, habe ich auch nicht ganz verstanden. Auch war ich anfangs von der Anzahl der verschiedenen Nachtsichtgeräte begeistert, nur leider war auch hier wieder jedes ein Upgrade des Vorherigen.

 

Ist Sam also im Einsatz kann er sich an alle möglichen Deckungen lehnen um nicht gesehen zu werden, mit dem A-Knopf kann man dann möglichst schnell und präzise von einer Deckung zur Nächsten wechseln, das funktioniert ganz gut so lange man nicht zu sehr unter Druck steht, denn hektisch darf man in dem sehr kontextsensitiven Umfeld des Interfaces nicht sein. Steht man zum Beispiel vor einer Tür, sind auf ihr mehrere weiße Punkte abgebildet, jeder davon steht für eine Aktion, die man mit dieser Tür machen kann. Um die Aktion auszuwählen muss man dann auf diesen Punkt zielen. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit hat man aber irgendwann den Bogen raus und das ist auch wichtig, denn die recht kluge KI wird zum Beispiel schon misstrauisch, wenn sie eine Tür offen stehen sieht, die das letzte Mal eigentlich zu war.

Kommt einem dann ein Gegner zu nahe kann man ihn recht schnell in seine Deckung ziehen und dort entweder KO schlagen oder töten, ein Unterschied besteht kaum, das Betäuben scheint aber etwas länger zu brauchen. In hitzigeren Situationen kann man aber auch einen Gegner gefangen nehmen und als menschlichen Schutzschild benutzen, die Gegner schießen dann etwas zaghafter und ungenauer auf einen. Der eher ungeduldige Typ kann patrouillierende Gegner auch mit einem leisen Geräusch anlocken, hier ist allerdings Vorsicht geboten, manche Wachen rufen nämlich vorher ihre Freunde. Muss man mal fliehen, kann sich Sam, ähnlich wie viele seiner anderen Kollegen bei Ubisoft, an Wänden hochhangeln und über Felswände klettern. Wer nicht nur mit seinen Händen arbeiten will hat darüber hinaus einiges an Spielzeug, mit dem er Chaos stiften kann. Splittergranaten und Annäherungsmienen gehören da noch zu den langweiligen Vertretern, viel interessanter sind da schon Haftkameras, die einen um Ecken schauen und nahe Gegner betäuben lassen, Bolzen, die Lärm erzeugen und mein persönlicher Favorit, Schockminen, die Gegner bei Annäherung betäuben. Der vorher so stark gehypte Trycopter wird allerdings aufgrund seiner geringen Reichweite und Zuverlässigkeit kaum genutzt. Schade.

 

Das Touchpad wird wiederum ausgiebig genutzt, allerdings kaum vom Spieler, der die wackelige Motion Steuerung recht bald auf die viel präzisere klassische Steuerung umstellt, dennoch ist es nach wie vor nützlich, seine Waffen und Gadgets mittels Touchscreen auswählen zu können. Auch dass die Bilder der Haftkamera und sonstiger Drohnen durch den Padscreen vermittelt werden ist ein netter Touch.

 

Abseits der Missionen kann man durch das Flugzeug Paladin spazieren, mit seinen Kollegen sprechen und seine Ausrüstung ändern. Wer nicht immer überall herum laufen möchte, kann dies alles aber auch gemütlich über das SMI im Hauptkontrollstand des HQ erledigen, der verpasst dann aber die interessanten Telefonate zwischen Fisher und seiner Tochter, die den knallharten Haudegen etwas humanisieren.

 

 

Die Flawlist

 

Ganz ohne Fehlerchen kommt Splinter Cell allerdings nicht davon. Wer im Forum fleißig mitliest hat schon gemerkt, dass ich dort wenig gute Worte für dieses Spiel übrig hatte, dies liegt vor allem am Design der Nebenmissionen. Viele davon verlangen nämlich, dass man während der Mission nicht entdeckt wird. Das ist ja auch schön und gut, nur leider lässt einem das Gameplay von Blacklist nur wenig Freiraum für Fehler, und so reicht eine Kamera, die man übersehen hat, ein unglücklich platzierter Gegner oder eine vorher nicht annähernd angedeutete Mine aus um einen die ganze Mission widerholen zu lassen. Auf diese Art und Weise verliert das Gameplay jegliche Raffinesse und wird zum reinen Trial and Error Spiel, vor allem weil man in manchen Situationen nicht weiß, ob sich Fisher nun automatisch unter einer Lichtschranke duckt, oder eiskalt hinein rennen wird. Die Logik hinter diesen Missionen ergibt sich mir auch nicht ganz. Ich kann verstehen, dass die Informationen, die man sammeln soll zerstört werden sobald man entdeckt wird, nur wird die Mission auch dann abgebrochen, wenn man entdeckt wird NACHDEM man alle Dokumente gesammelt hat. Was macht Sam Fischer denn dann? Zerstört er die Daten weil er so ein sportlicher Typ ist?

 

Darüber hinaus muss ich Ubisoft ein wenig dafür rügen, dass mein Single Player Fortschritt verschwunden ist, weil meine WiiU nicht mehr mit dem Internet verbunden war. Kurioserweise blieb aber die bis dahin gesammelte Ausrüstung erhalten, was dann später wieder zu einem Bug geführt hatte, als ich den "Auftrag" hatte einen Gegenstand zu kaufen, den ich bereits besaß und daher an dieser Stelle im Spiel stecken blieb. Super gelöst.

Und wo wir schon dabei sind: Im Online Co-op findet sich nicht ein einziger Mitspieler, und ich glaube nicht, dass dies nur an der geringen Verbreitung der WiiU liegt. Dass in der WiiU Version der Offline Co-op Modus fehlt macht die Sache nicht besser.

 

 

Die Grafik

 

Nach dieser Rüge also wieder ein kleines Lob: Die WiiU Version sieht tatsächlich besser aus als die XBox 360 und PS3 Version. Die Gesichter der Charaktere wirken weniger wachsig, viele der Texturen sind schärfer (auch wenn noch einige matschige dabei sind), das Spiel läuft insgesamt flüssiger (unerklärliche Ruckler in manchen Cutscenes mal ausgenommen) und das bei einer etwas höheren Auflösung.

Der einzige Wermutstropfen ist, dass das Spiel auf der WiiU stellenweise viel zu dunkel ist und man selbst bei hellichtem Tag hin und wieder gar nicht erkennt, was auf dem Bildschirm los ist.

 

Darüber hinaus sind Grafik und Sound Design aber hervorragend, die Ausrüstung von Sam wird immer an seinem Körper angezeigt, die Waffen hören sich ordentlich an und so ziemlich jede Bewegung hat einen eigenen Sound-Effekt. Das ist heutzutage leider immer noch nicht Standard.


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Fazit

Ganz ohne Lärm zu machen schleicht sich Sam Fischer nicht an der WiiU vorbei: Viele Missionen sind frustrierend, manche Gadgets sind nutzlos und die Story zündet von Anfang bis Ende nie so richtig. Dennoch ist Splinter Cell: Blacklist ein astreines Stealth Spiel das jedem Schleichexperten genug Mittel und Wege an die Hand gibt, das Spiel mehr als ein Mal durchzuspielen. Und das ist in diesem Genre wohl das allerwichtigste.

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

75%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

23.08.13

Developer

Ubisoft

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

18+

Anzahl Spieler (Lokal)

1

Preis

53,99€



Neue Wertungsskala nun auch für Wii U-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort nicht mehr nur beim 3DS, sondern auch bei Wii U-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS und die Wii U:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


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