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Reviews: Nintendo Wii U

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Ninja Gaiden 3 Razor's Edge

Action

06.03.2013

Autor: Christian Malinowski

 

 

Einmal und nie wieder! Oder?

 

Man, was hatte ich mich nach Sigma 2 auf den dritten Teil von Ninja Gaiden gefreut. Endlich ein neues, turbulentes und abgedrehtes Abenteuer mit meinem Lieblings Ninja Ryu Hayabusa. Allerdings stand Ninja Gaiden 3 sowohl bei der Fachpresse, als auch bei mir als Fan unter besonderer Beobachtung, weil Entwickler Team Ninja einige „gewagte“ Veränderungen an der Serien-Erfolgsrezeptur angekündigt hatte. Wer die Serie um den Drachen Ninja kennt der weiß, dass Ninja Gaiden in keinerlei Hinsicht zimperlich mit seinen Reizen umgeht. Da wäre zum Beispiel die pfeilschnelle Hack 'n Slay Action, ein grenzwertig hoher Schwierigkeitsgrad, Gewalt³, fette Bossgegner, unterschiedliche Waffen und Zaubersprüche und der sehr, sehr schmale Grat zwischen purem Spielspaß und elendem Frust. In den bisher erschienenen Teilen für die Xbox / 360 und die PS3 schaffte es Team Ninja mit all den genannten Zutaten, eine Spielmarke aus alten Tagen so zu schmieden, dass diese im Actiongenre bis heute immer noch Ihresgleichen sucht. Somit war die Ankündigung, nur noch einer Nahkampf- und eine Fernwaffe, einem Zauberspruch, ein einsteigerfreundlicher Schwierigkeitsgrad und eine „entschärfte“ Gewaltdarstellung für Teil 3 mit einer gehörigen Portion Skepsis besudelt.

 

Offensichtlich hatte der Weggang von Ninja Gaiden Mastermind Tomonobu Itagaki in 2008 bei der Entwicklung von Teil 3 einige klaffende Wunden hinterlassen, welche anscheinend zu den oben genannten Veränderungen führen sollten. Die fehlende Handschrift von Itagaki ließ Ninja Gaiden 3 letztlich zu einem abgestandenen kalten Kaffee ohne Koffein verkommen, welcher weder mir noch der Fachpresse so recht schmecken wollte. Wie ihr an dieser Stelle vermutlich merkt, beziehe ich mich noch nicht wirklich auf Razor’s Edge für die Wii U. Meine Vorfreude galt bis März 2012 der Xbox 360-Version und nach dem Abspann blieb nur noch ein fader, gammeliger Beigeschmack zurück, welcher auch durch die Ankündigung von neuen Waffen und Kostümen als Download-Content nicht wegging. Ich wollte anschließend weder Geld für DLC ausgeben, noch war ich motiviert mir dieses Spiel ein zweites Mal anzutun. Was hat sich Team Ninja bei der Entwicklung von diesem Spiel nur gedacht?

 

 

Der Weg des Team Ninja ist unergründlich

 

Nachdem die Vorfreude schnell in Ernüchterung umschlug und ich die Ninja Gaiden 3 Plörre schwerfällig verdaut hatte, kam wieder so eine komische Ankündigung aus Japan. Nintendos neue Wii U Konsole solle zum Launch eine eigene und exklusive Ninja Gaiden 3-Version bekommen. Aha, ist Team Ninja tatsächlich auf Wiedergutmachung aus? Haben die ihre Fehler eingesehen und kehren zurück zu den Wurzeln der Serie? Soll ich mir das Spiel jetzt etwa noch einmal kaufen? Eigentlich hatte ich kein Interesse an Razor’s Edge, aber je mehr Trailer, Screenshots und Vorabberichte auftauchten umso größer wurde wieder mein Interesse an diesem Spiel. Das gezeigte Material sah wirklich richtig gut und vielversprechend aus. Eine Art „Back-to-the-roots Programm“ mit mehr Waffen und Magie inkl. Power-Upgradesystem, mehr Gegnern und angezogenem Schwierigkeitsgrad, zusätzlich hat sogar die überaus scharmante Ayane zwei Missionen in der Hauptkampagne spendiert bekommen. Wer die PS3 exklusive Ninja Gaiden ∑ Sigma Reihe gespielt hat, wird sich bestimmt über die abwechslungsreiche und imposante Dämonenhatz mit der aufreizenden Rachel gefreut haben.

 

In Sachen Gewaltdarstellung hat Team Ninja für die Wii U Version leider zum Glück eine üppige Schüppe an Brutalität und Härte draufgeschlagen. Wie zu den guten, alten Zeiten von Ninja Gaiden 2 für die Xbox 360 fließt das Blut wieder in Strömen und Körperteile fliegen, mit viel Liebe zum Detail, wie Kamelle durch die Luft. Aufgrund der derben Splattereinlagen hatte es Ninja Gaiden 2 in 2008 nicht an der BPjM bzw. USK vorbei geschafft. Das Gewaltentschärfte und inhaltlich etwas aufgemotzte Ninja Gaiden ∑ Sigma 2 wiederum kam in 2009 mit dem USK ab 18 Sigel exklusiv für die PS3 in den deutschen Handel. So, und was haben wir jetzt von dem ganzen hin und her bei den vielen unterschiedlichen Ninja Gaiden-Versionen? Haben wir da vielleicht gerade ein Déjà-Wii U? Vorfreude gefolgt von unmittelbarer Ernüchterung? Ernüchterung Teil 1: Aus dem Release zum Launch der Wii U wurde bekanntlich nichts. Ernüchterung Teil 2 trat spätestens am 11.01.13 hierzulande auf als offiziell bekannt wurde, dass Ninja Gaiden 3 Razor’s Edge wegen der massiven Gewaltdarstellung keine USK-Kennzeichnung erhalten wird. Also bleibt nur der Weg über den europäischen Markt um mit Ryu erneut in die Schlacht zu ziehen und um euch hiermit davon zu berichten.

 

 

Bringt uns Ryu Hayabusa! Bringt uns Ryu Hayabusa!

 

Das Abenteuer beginnt in Japan, im Dorf Hayabusa, welches versteckt in den Wäldern um den Fujisan gelegen ist. Die idyllische Stille wird jedoch rasch von einem heranfliegenden Kampfhelikopter gestört, welcher in der Mitte des Dorfes landet. An Bord sind Ken Ishigami vom japanischen Verteidigungsministerium und Mizuki McCloud von der Japan Self Defense Force, beide auf der Suche nach dem Träger des Drachenschwertes. Im Gepäck haben die beiden eine Nachricht für Meister Ryu mitgebracht. Eine Gruppe von Terroristen, die Lords of Alchemy haben es auf den Drachen Ninja abgesehen und locken ihn unter falschem Vorwand nach London. Dort trifft Ryu auf den vermeintlichen Anführer der Terroristen, welcher sich als Regent der Maske zu erkennen gibt.

 

In einem heftigen Kampf wird Ryu durch den Regenten mit einem Fluch belegt und verliert gleichzeitig das mächtige Drachenschwert. „Der eiserne Griff des Assassinen“ schwächt Ryu und beraubt ihn seiner Kräfte. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, indem Ryu zum einen das Drachenschwert zurück bekommen und zum anderen einen Weg finden muss, um den lebensbedrohlichen Fluch wieder aufzuheben. Rund um den Globus verfolgt Ryu den Regenten der Maske, der ihm immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Das Drachenschwert und das Blut des Anführers vom Hayabusa Clan sind die letzten Elemente, welche die Lords of Alchemy brauchen um das Ziel einer neuen Weltordnung in Gang zu setzen. Mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten, aber seid gewiss, die Story wird noch kurioser und abgedrehter.

 

 

Geschnetzeltes mit frischem Karma nach Hayabusa Art

 

Ryu ist wahrlich der Meister im Umgang mit scharfen Klingen. Ob mit den Falkenklauen, der Verdunklungssense, dem Doppelkatana, der Klinge des Erzdämons, dem Mondstab oder dem Kusari-Gama. Die Auswahl an Waffen kann sich hier in Razor’s Edge wirklich sehen lassen. Ryu führt je nach Waffe unterschiedliche Kombos und Finishing-Moves aus. Da ihr im Kampf sogenannte Karmapunkte sammelt, könnt ihr diese für besser Waffenfähigkeiten eintauschen und somit upgraden. Das gilt auch für die Ninpo-Zaubersprüche Inferno, Windklingen und Durchdringende Leere.

 

Des Weiteren könnt ihr Karmapunkte in zusätzliche Gesundheit, Moves und Techniken investieren. Dieses in der Wii U-Version vorhandene Upgradsystem verleiht dem sehr hektischen Non-Stop Action-Spektakel einen taktischen Tiefgang mit Verschaufpausen, welches in der Urversion von Teil 3 so nicht vorhanden war. Auf dem Touchscreen lassen sich Inventar und Fähigkeiten wunderbar verwalten und zuweisen. Der legendäre Schmiedemeister Muramasa aus den Vorgängerteilen hat in Razor’s Edge nur einen kurzen Gastauftritt und daher nichts mit Ryus Leistungssteigerungen zu tun.

 

Mit der X und Y Taste des Wii U-Drachen-GamePads teilt ihr starke und schnelle Angriffe aus. In Verbindung mit dem linken Analogstick und der Sprungtaste stehen euch eine Vielzahl an Angriffskombos zur Verfügung, welche es gekonnt einzusetzen gilt. Aufgrund des sehr hohen Spieltempos erwischt man sich aber immer wieder gerne beim Buttonmashing. Für gezielte Komboabfolgen mit Bravour bedarf es recht intensiver Übung. Je mehr und präziser ihr die Kombos ausführt, desto mehr Karmapunkte werdet ihr bekommen und desto früher könnt ihr upgraden.

 

Eine weitere sehr wichtige Taste ist ZL, welche ihr zum Blocken und Ausweichen nutzen müsst. Da euch in Razor’s Edge deutlich mehr Gegner an den Kragen wollen, übersteht ihr die Kämpfe nur mit gekonntem Timing. Die Ninja Gaiden Reihe ist dafür bekannt, dass man nur durch geschickte Angriffs- Block- und Ausweichkombinationen am Leben bleibt. Ihr müsst also ständig in Bewegung sein. Mit anderen Worten: Ihr werdet permanent Stress und Hektik ausgesetzt und das Spiel nagt an eurer Frustrationsgrenze. Diese Art von kompromissloser Herausforderung bringt Spaß und Frust sehr eng zusammen und es liegt an jedem selbst auf welcher Seite man sich am längsten aufhält.

 

 

Meister der Kampfkunst und Techniken

 

Nein, sie haben das Ninjutsu nicht verlernt. Ich meine damit die Cracks von Team Ninja unter der aktuellen Leitung von Yosuke Hayashi. Die Japaner präsentieren Razor’s Edge mit einer bombastischen Inszenierung und brennen ein sowas von pompöses Actionfeuerwerk ab. Selbst wenn das Leveldesign serientypisch arg schlauchig gestaltet ist, sind die Gegner wieder sehr abwechslungsreich und die Bossfights gewohnt extrem überzogen und schwer zu bewältigen. Das Gameplay mag aufgrund der Kampf- und Akrobatikeinlagen bescheiden erscheinen, aber genau das macht den Reitz am Spiel aus. Bisher kenne ich kein anderes Entwicklerstudio, welches dieses Balancing so genial hinbekommt, wie Team Ninja. Das haben die Programmierer einfach drauf. Grafisch schnetzeln sich Ryu und Ayane Butterweich durch die Gegnerwellen der Kampagne. Weder auf dem HDTV noch auf dem GamePad gibt es Leistungseinbrüche zu verzeichnen. Lediglich einige Settings hätten das ein oder andere Detailupgrade noch vertragen können.

 

Sprachlich habt ihr die Wahl zwischen japanischen und englischen Dialogen, welche beide sehr gelungen sind. Die englische Sprachausgabe wirkt zwar lippensynchroner, dafür steckt in der japanischen Sprachausgabe mehr Emotion, Kraft und Energie, was mir insgesamt besser gefällt. Den passenden Untertitel gibt es Nintendo typisch in Deutsch, Italienisch, Französisch usw. Der Soundtrack deckt eine beträchtliche Bandbreite an musikalischen Kompositionen ab. Von orchestral epischen Klängen über Technobeats bis hin zu verzerrten, metallastigen Gitarrenriffs, passt die Musik sehr gut zu den schnittigen Gore Momenten.

 

Auch die Cutscenes wirken expressiver, zumal Ryu erstmalig sein Gesicht hinter der Maske vorzeigt und dadurch menschlicher wirkt, als jemals zuvor. Um den spielerischen Umfang und Wiederspielwert von Razor’s Edge in Sachen Attraktivität aufzuwerten, dürfen neben Ryu und Ayane auch die bezaubernde Momiji aus Ninja Gaiden Dragon Sword für den Nintendo DS und die entzückende Kasumi aus der Dead or Alive Reihe die einzelnen Kapitel-Herausforderungen bestreiten. Weiterhin steht mit „Schatten der Welt“ ein üppiger Onlinemodus zu Verfügung in dem ihr euch kooperativ weitern Herausforderungen stellen könnt.


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Fazit

Doumo arigatou gozaimashita Team Ninja. Vielen, vielen Dank. Razor’s Edge hat mir so gut gefallen, dass ich es bisher zwei Mal hintereinander durchgespielt habe und das BloodPad dank des liebreizenden Umfangs immer noch nicht aus der Hand legen mag. Ja, man muss Fan sein um diese kompromisslose, übertriebene, schlauchige, stressige, brutale und abgedrehte Art der Unterhaltung zu mögen und um sich darauf einzulassen. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass das Spiel von mir unterhalten werden will und nicht umgekehrt. Ich pendelte immer wieder zwischen Frust und Freude hin und her um für diese miesen und nervenaufreibenden Kämpfe die Belohnung der Zufriedenheit einzuheimsen. Team Ninja hat in Razor’s Edge alle Köstlichkeiten aus den vorausgegangenen Xbox / 360 und PS3 Spielen genommen und ein vollwertiges Ninja Gaiden 3 zubereitet. Genau so und nicht anders muss sich Ninja Gaiden anfühlen, spielen lassen und schmecken. Ich hoffe das Team Ninja den nun eingeschlagenen Weg der Reihe weitergeht und nicht wieder so ein Versions-Mischmasch auf den Markt schleudert. Razor’s Edge ist ja mittlerweile nicht mehr Nintendo-exklusiv, sondern ab dem 5. April 2013 auch für die Xbox 360 und PS3 erhältlich. Nach all den Zweifeln die ich im Vorfeld hatte, habe ich den Kauf der Wii U-Version nicht bereut und spreche hiermit eine klare Kaufempfehlung an alle Fans aus. Aber auch Neueinsteigern sei der Titel besonders wegen dem Schwierigkeitsgrad „Held“ wärmstens ans blutig, triefende Gamerherz gelegt.

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

85%

Singleplayer

80%

Multiplayer

Release

11.01.2013

Developer

Team Ninja / Tecmo Koei

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

keine

Anzahl Spieler (Lokal)

1-8



Neue Wertungsskala nun auch für Wii U-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort nicht mehr nur beim 3DS, sondern auch bei Wii U-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS und die Wii U:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


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