Login

Passwort vergessen?

Konto erstellen


Reviews: Nintendo Wii U

< zurück

Zombi U

Ego Shooter

27.01.2013

Autor: Michael Lehmenkühler

 

 

London geht vor die Hunde

 

Eine Seuche ist ausgebrochen. Immer mehr Menschen werden infiziert. Sie mutieren zu hirnlosen und brutalen Gestalten mit einem Mordshunger auf Menschenfleisch. Niemand ist wirklich sicher. Nirgendwo ist man wirklich sicher. London geht unter.

 

So ähnlich kann man den Hintergrund, vor dem ZombiU spielt, zusammenfassen. Es handelt sich hierbei um ein waschechtes Survival-Horrorgame, welches aus der Egoperspektive gespielt wird und dementsprechend auch in die Schublade der Ego-Shooter gehört. Einen wirklichen Helden spielt man hierbei jedoch nicht, sondern schlüpft in die Rollen verschiedener zufallsgenerierter Personen, von welchen man nur den Namen, das Alter, die Nationalität und den Beruf erfährt. Wenn man stirbt, ist der Charakter futsch und die nächste Spielfigur von der Stange wird in den Überlebenskampf geschmissen. Dies verhindert zwar eine tiefgreifende Identifikation, verdeutlich aber gut den Umstand, dass die ganze Bevölkerung von der Seuche betroffen ist.

 

 

Der Kampf ums Überleben

 

Ein weiteres Zombiespiel also. An sich nicht sonderlich kreativ, doch unterm Strich ist das ganz egal. Denn ich muss vornherein schon sagen: Meine Erwartungen an den Titel waren gering, nachdem die ersten Berichte doch oft negativ ausfielen. Sie wurden jedoch haushoch übertroffen. Die Atmosphäre des Titels ist einfach brilliant. Das allein hebt den Titel schon auf ein sehr hohes Niveau und da das Gameplay auch mehr als ordentlich ist, handelt es sich um ein verdammt gutes Survival-Horrorspiel.

 

Gerade der Survival-Aspekt wird bei ZombiU ganz groß geschrieben. Die Ausrüstung fällt meist sehr knapp aus, man freut sich über jede gefundene Patrone wie ein Schneekönig und muss diese auch mit Bedacht einsetzen. Der gewaltige Cricketschläger stellt zwar stets eine solide Notwaffe dar, im Kampf gegen eine Horde von Zombies sieht man damit jedoch kein Land. Schrotgewehre, Maschinengewehre, Armbrüste, Molotov-Cocktails oder Handgranaten bringen da schon mehr „Wumms“ mit.

 

Unterstützung erhält man im Spiel nur sehr selten und meist auch nur in Form von Funksprüchen. Während man anfangs von einem unbekannten, charismatischen Sprecher durch die düsteren Schauplätze dirigiert wird, gesellen sich im weiteren Spielverlauf auch noch andere Überlebende dazu. Die Story des Spiels wird hauptsächlich durch diese Gespräche voran gebracht, aber auch mit Hilfe von Zeitungen, Zeitschriften, Briefen und verschiedenen Berichten kann man sich selbst näher in die Hintergrundgeschichte einlesen. Die Story dreht sich natürlich um die Hintergründe der Seuche und einen mittelalterlichen englischen Wissenschaftler, welcher die Pest damals schon in bester Nostradamus-Manier angekündigt hatte. Während die Geschichte anfangs nur sehr schleppend voran kommt und für ein solches Spiel eigentlich auch eher nebensächlich ist, trägt sie im weiteren Spielverlauf aber durchaus zur Motivation des Spielers bei, wenn immer mehr interessante Aspekte ans Tageslicht kommen.

 

Tageslicht sieht man im Spiel an sich jedoch kaum. Es ist fast immer überall verdammt düster. Zum Glück hat man stets eine kleine Taschenlampe dabei, ohne die man ziemlich aufgeschmissen wäre. Wenn die Batterie dieser Lampe zwischendurch für kurze Momente nachgeladen werden muss, sorgt dies dann stets für besonderes Unbehagen, da man in einem solch schauerlichen Ambiente nun wirklich nicht im Dunkeln tappen möchte.

 

 

Der kalte Schauer.

 

Der englischen Hauptstadt sieht man im Spiel ihre missliche Lage absolut an. Zerstörung, Unordung, Dreck und Chaos, wohin das Auge blickt. Und mittendrin eine wahre Unmenge an Zombies. In einem solchen Umfeld bewegt man sich nicht gerne, weshalb sich bei mir während des Spielens eine Mischung aus blanker Angst, Panik und Beklemmung eingestellt hat. Der kalte Schauer, der den Rücken hinunter lief, war mein stetiger Begleiter. An sich kein schönes Gefühl, es sei denn, man gruselt sich gerne. Und ich behaupte mal, dass ich mich gerne grusel. Das ständige Gefühl der Unsicherheit zeichnet den Titel aus. Man kann sich im Prinzip nirgendswo jemals wirklich sicher fühlen. Selbst dem "Safehouse" habe ich nicht immer ganz vertraut.

 

Selbst wenn an einem Ort vorher kein Zombie war – beim nächsten Mal kann es dort durchaus von Untoten nur so wimmeln. Die Hilflosigkeit, Verzweiflung und Einsamkeit der Spielfigur wird stets hervorragend herübergebracht, sodass man im richtigen Umfeld voll und ganz in das Spiel hineingezogen wird. Und mit „richtigem Umfeld“ meine ich: Licht aus. Möglichst spät spielen. Möglichst alle Störfaktoren beseitigen. Nicht in Gesellschaft spielen. Wer nebenbei am Computer die Fußballergebnisse verfolgt, telefoniert, das Licht eingeschaltet hat oder sich mit seinen Mitbewohnern unterhält, braucht sich wirklich nicht wundern, wenn ihn das Spiel nicht gruselt. Ein Horrorspiel funktioniert nur unter bestimmten Voraussetzungen und wer sich diese nicht schafft, wird mit dem Spiel auch kaum Spaß haben können.

 

 

Der Sound macht den Grusel

 

Auch wenn der Titel rein optisch nicht der schönste und zeitgemäßeste unter der Sonne ist, ist es auch die Technik, welche dafür sorgt, dass ZombiU ein Gruselvergnügen vom Feinsten bietet. So könnten die Texturen natürlich schärfer sein, der gesamte Look des Spiels passt aber einfach und wirkt wie aus einem Guss. Nette Lichteffekte und eine enorme Detailverliebtheit sorgen dafür, dass das Spiel auch etwas für die Augen bietet. Was die Atmosphäre jedoch am meisten transportiert, ist die Akustik des Spiels. Diese ist absolut phänomenal gelungen und kratzt an der Perfektion. Es ist einfach beeindruckend, wie manchmal selbst die kleinsten Geräusche in der richtigen Situation schon für den kalten Schauer auf dem Rücken sorgen können.

 

Und egal ob wüstes Geschrei der Zombies, schrillende Verzweiflungsschreie des eigenen Charakters oder das Krächzen der Raben - die Geräuschkulisse passt praktisch immer perfekt zur jeweiligen Situation und schafft ein bedrohliches Ambiente. Wenn dann im Buckingham Palace klassische Musik läuft, steht jedes Nackenhaar senkrecht. Auch die deutsche Synchro ist größtenteils wirklich gut gelungen. Ich kann mich an kein Spiel erinnern, das mich akustisch so beeindruckt hat wie ZombiU.

 

 

Atmosphärisch gigantisch, spielerisch aber auch mehr als ordentlich

 

Spielerisch ist der Titel ein grundsolider Ego-Shooter, der nichts Wesentliches falsch macht. Die Steuerung geht gut von der Hand, in welcher das GamePad wunderbar liegt und mit sinnvollen Funktionen das Spielerlebnis erweitert. Die Karte auf dem Touchscreen ist praktisch, wie auch das Inventar. Letzteres zieht den Spieler auf eine fiese Weise tiefer ins Spiel hinein, da er den Blick vom Fernseher abwenden muss, wenn er sein Inventar verwaltet. Und wer weiß, wer neben ihm steht, wenn er wieder hoch guckt? Außerdem kann man mit dem Pad die Umgebung scannen, was das Spiel zwar vereinfacht, aber in einem solch schrecklichen Umfeld hat man sich ein bisschen Hilfe auch redlich verdient.

 

 

Human vs Zombies, Shooter vs Strategie im Multiplayer

 

Kreativer wird das GamePad im Multiplayer eingesetzt. Hier können sich zwei Spieler in einem Shooter-Strategie-Mix unterschiedlichen Rollen austoben – derjenige mit dem Wii U-Pad übernimmt den Strategiepart und dirigiert die Zombies herum, während der andere Spieler diese mit einem gewöhnlichen Controller aus der Ego-Perspektive aufs Korn nimmt. Im einzigen unterhaltsamen Multiplayermodus geht es dann darum, verschiedene Flaggen einzunehmen, an sich nichts Besonderes, aber das asymmetrische Gameplay mit den unterschiedlichen verteilten Rollen ist schon eine coole Sache, die schon einmal andeutet, in welche Richtung sich der Offline-Multiplayer auf der Wii U bewegen wird. Die mitunter taktischen Geplänkel können mit den unterschiedlichen Levels durchaus einige Stunden Spielspaß mitbringen und seien wir mal ehrlich: Eigentlich hätte dieser Titel gar keinen Mehrspielermodus gebraucht, es ist ein sehr netter Bonus.

 

Ein ebenso netter Bonus ist der Modus, in welchem man sein Gesicht fotographieren und „zombifizieren“ kann. Nichts, was über Handy-App-Niveau hinaus geht, aber für ein paar Lacher in geselliger Runde stets gut ist. Über den zweiten Mehrspielermodus werfen wir dann aber doch den Mantel des Schweigens, da er unfassbar langweilig ist. Trotzdem kann man sich ZombiU zu zweit auf dem Sofa durchaus mal geben, zwar ohne wirklichen Grusel, wildes Gekreische gabs bei uns aber trotzdem.

 

Einen richtigen Online-Modus vermisst man jedoch. So kann man zwar seine Highscores auf einer Bestenliste einsehen, aber viel mehr wird nicht geboten. Zur Punktejagd lädt vor allem der separate Survival-Modus ein – wer hier stirbt, sitzt sofort vorm „Game Over“-Bildschirm, neue Spielfiguren gibt’s hier dann nicht! Ansonsten trifft man im Singleplayer gerne mal auf Zombies aus den Spielständen der eigenen Freunde, was meist nett ist, da diese oft prall gefüllte Taschen mitbringen. Zudem kann man sich Nachrichten schicken, was aber in meinen Augen überflüssiger Quatsch ist, der in einem Spiel dieser Art wenig verloren hat. Botschaften der Entwickler, die man im Spiel als Graffiti hier und da findet, stören auch eher, da die Illusion der Spielewelt darunter etwas leidet. Wenn man jedoch kein totaler Erbsenzähler ist, ist es auch nicht weiter tragisch.

 

Wirklich meckern muss ich nur bei den absurden Ladezeiten. Ich will eine Tür öffnen und muss manchmal 30-60 Sekunden warten, dass sie sich öffnet?! Passiert natürlich nur beim Übergang in ein neues Gebiet, ist aber dennoch jenseits von Gut und Böse.

 

 

Vielen Dank an Ubisoft für das Testmuster.


Wenn euch das Review gefällt, dann unterstützt uns via:

Fazit

Unterm Strich ist ZombiU ein großartiges Survival-Horrorspiel. Wer Horrorspiele liebt und weiß, wie man diese zu zocken hat, muss zugreifen. Wer mit Horror gar nichts anfangen kann, greift auf keinen Fall zu. Alle anderen können auch gerne einen Blick riskieren, da dieser Titel in meinen Augen bislang absolut unterbewertet wurde und eine umwerfende Atmosphäre sowie grundsolides Gameplay mitbringt. Und die Atmosphäre ist in diesem Genre für den Spaß am Entscheidensten. Dass ich beim Spielen vor lauter Angst nicht weiterspielen wollte, hab ich in der Form zuletzt bei Resident Evil 1 erlebt. Aber eigentlich grusel ich mich ja gerne und deshalb find ich ZombiU geil! Dieser Titel verdient es nicht, mit Red Steel auch nur im selben Satz genannt zu werden!

Grafik

gut

Sound

super

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

87%

Singleplayer

75%

Multiplayer

Release

30.11.2012

Developer

Ubisoft Montpellier

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

18+

Anzahl Spieler (Lokal)

1-2



Neue Wertungsskala nun auch für Wii U-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort nicht mehr nur beim 3DS, sondern auch bei Wii U-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS und die Wii U:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


Aktuell auf 10doTV

10do Show

Oktober-Ausgabe: Die Metroid-Reihe

RSS-FeedDie 10do Show in iTunes