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Reviews: Nintendo DS

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Professor Layton und der Ruf des Phantoms

Adventure

29.11.2011

Autor: Mario Kablau

 

 

Der schlaue Professor ist mal wieder da!

 

Es ist ziemlich genau drei Jahre her, dass mich ein mir bislang unbekanntes Spiel komplett überrascht hat. Ende 2008 ist nämlich der erste Teil der Layton-Reihe bei uns in Europa erschienen. Im Rahmen einer spannenden Geschichte hat man zusammen mit dem Professor und seinem Assistenten Luke ein Abenteuer erlebt, Rätsel gelöst und das Geheimnis eines Dorfes ans Licht gebracht. Das Spiel war kommerziell bei uns ein so großer Erfolg, dass Nintendo beim zweiten Teil dann sogar für eine deutsche Synchronisation gesorgt hat. Doch aus Überraschung ist Routine geworden, Teil 3 konnte dank seiner Zeitreise-Geschichte zwar noch begeistern, aber mit dem vierten Spiel innerhalb von drei Jahren ist die Luft so langsam raus, bei mir zumindest.

 

Bisher hat das die von Teil zu Teil besser werdende Geschichte aufgefangen, aber irgendwann geht auch das nicht mehr gut. Wer meine Tests zu den Vorgängern gelesen hat, der kennt meine generellen Kritikpunkte an der Serie, im Laufe der Zeit sind die Rätsel immer schlechter geworden und die Geschichte hat hier und da logische Lücken. Beim vierten Teil der Reihe haben beide Punkte leider ihre bisherigen Höhepunkt erreicht, so dass ich zum ersten Mal froh war, als das Spiel endlich vorbei war, das hatte ich bisher noch nie. Aber ich greife vor, fangen wir mal ganz von vorne an.

 

Professor Layton und der Ruf des Phantoms ist zwar das vierte Spiel, inhaltlich erzählt es allerdings die älteste Geschichte. Es handelt sich um das erste Abenteuer, das der Professor und sein Assistent Luke gemeinsam erleben. Es fängt mit einem seltsamen Brief von Laytons langjährigem Freund Clark Triton an. In diesem bittet er nicht nur direkt um die Unterstützung von Hershel Layton, sondern auch indirekt, das erste Rätsel enthüllt die Worte „zu Hilfe“ versteckt im Text. Doch Layton ist verwundert, Clark schreibt seine Briefe sonst immer mit der Hand, dieser ist mit einer Schreibmaschine getippt. Kaum in dem wieder mal mysteriösen Dorf angekommen, stellt sich heraus, dass der Brief von seinem Sohn Luke geschrieben wurde. So lernt der Professor seinen zukünftigen Lehrling kennen.

 

Der Hilferuf hatte aber natürlich auch einen Grund. Das Dorf wird von einem Phantom heimgesucht, das nach und nach Häuser zerstört und damit auch Familien in den Ruin treibt, weil sie alles verlieren. Aber da steckt mehr dahinter, bislang hat sich bei Layton ja noch alles scheinbar Übernatürliche am Ende als logisch erklärbar heraus gestellt. Und um das große Mysterium aufzuklären müssen die Protagonisten mal wieder jede Menge Rätsel lösen, 155 sind im Abenteuer zu entdecken, 90 davon müssen gelöst werden.

 

Man klickt sich nach wie vor mit dem Touchpen durch die Umgebung, die eigentlich nur aus Hintergrundbildern besteht. Oben sieht man eine Übersichtskarte und unten den aktuellen Ort. Dort kann man mit dem Touchpen Leute antippen, um sie anzusprechen, versteckte Rätsel und Hinweismünzen finden. Da man immer angezeigt bekommt, wo man als nächstes hin muss, braucht man also im Prinzip auf nichts zu achten. Hin und wieder stößt man dann auf Rätsel, den eigentlichen Kern des Spiels. Durch das Lösen dieser Rätsel kommt man in der Geschichte weiter und löst das große Ganze immer mehr auf. Es ist also klar, dass die Rätsel das Wichtigste im Spiel sind. Leider haben die Entwickler nach drei Spielen und fast 500 Rätseln scheinbar keine Ideen mehr...

 

 

 

Die Rätsel: fies, gemein, unlogisch, nervig!

 

Wie immer sind die Rätsel unterschiedlich schwer, das erkennt man an der Anzahl der Pikarat, die man dafür bekommt. Die haben jedoch noch eine andere Aufgabe, man sollte nämlich so viele wie möglich davon sammeln, denn nach dem Ende des Hauptspiels schaltet man damit Bonusaufgaben und -inhalte frei. Erschwerend kommt hinzu, dass man bei einer falschen Antwort bei einem Rätsel Pikarat verliert, man kann dann zum Beispiel nur noch 32 Pikarat statt 40 bei einem bestimmten Rätsel sammeln. Man sollte sich also absolut sicher sein, bevor man die Antwort eingibt. Oder man nutzt die zahlreich vorhanden Hinweismünzen, um Tipps freizuschalten. Wie zuletzt auch gibt es drei Tipps und einen Super-Tipp, der dann fast schon die Antwort verrät. So ist sichergestellt, dass man nicht hängen bleibt, nur weil man eine Aufgabe nicht durchschaut.

 

Bislang habe ich immer so gut wie keine dieser Münzen gebraucht, das war im vierten Spiel anders, ich musste sie laufend einsetzen, weil die Rätsel oft unlogisch oder uneindeutig formuliert sind, so dass man sonst nur raten könnte, um auf die richtige Lösung zu kommen. Einige Beispiele:

 

In einem Rätsel für nur 20 Pikarat sieht man vier verschiedene Fenster und eine Notiz, dass man sich um 13 kümmern soll. Man muss das Fenster anklicken, das damit gemeint ist. Ich hatte keine Ahnung und dann einfach mal B angeklickt, weil es so nach Mittagszeit aussah. Das war richtig, Bergündung: Das B war unklar geschrieben, da stand nie 13. Da diese Zahl, die eigentlich ein Buchstabe sein soll nie handschriftlich gezeigt wurde, kann man da eigentlich nur per Zufall drauf kommen.

 

Ein anderes Rätsel zeigt vier Jungs, von denen einer Schindluder mit einer Ritterrüstung getrieben haben soll. Da es nur 30 Pikarat gibt, gehe ich auch davon aus, dass es eher offensichtlich ist, ich klicke also den an, der eine Beule am Kopf hat. Falsch! Warum? Weil er die Beule auf der falschen Seite hat. Da man aber bei den anderen Dreien keine Beulen sieht, war mir das erst gar nicht aufgefallen. Blöd nur, dass alle anderen entweder einen Hut aufhaben oder sich den Kopf festhalten. Warum es jetzt gerade der ist, der seinen Kopf hält, raffe ich nicht, die beiden mit Mütze könnten darunter doch auch eine Beule verstecken.

 

Mein vorletztes Beispiel dreht sich um antike Symbole, die man in zwei Gruppen einteilen muss. Für 40 Pikarat soll man erkennen, dass die eine Hälfte ohne Absetzen nachgezeichnet werden kann und die andere Hälfte nicht. Da aber dazu teilweise Linien doppelt gezogen werden müssen, finde ich das nicht sonderlich logisch und konnte daher nur dank Supertipp die Lösung finden.

 

Zuletzt will ich noch eins erwähnen, bei dem man eine Tür knacken soll. Dazu ist der Schlüssel abgebildet und man muss das Schloss so einstellen, dass er passt. Blöd nur, dass man den Schlüssel nicht so rum einsteckt, wie man das mit Hilfe der Hinweise vermuten würde, sondern genau anders herum, folglich habe ich das Schloss genau falsch herum gebaut und dadurch 10 der 30 Pikarat verloren.

 

Und wo ich gerade so durch die Puzzleliste scrolle sehe ich doch noch ein weiteres, das ich euch nicht vorenthalten will. In diesem für nur 20 Pikarat muss man einem alten Mann, der in einem Ruderboot sitzt, ein Utensil empfehlen, mit dem er möglichst kraftsparend vorwärts kommt. Die richtige Antwort ist ein Haken, mit dem er sich an ein anderes Boot anhängen kann, um gar keine Kraft mehr zu brauchen. Super, dass in der Aufgabe nichts von anderen Booten steht, wenn nämlich keins da ist, dann kommt er mit dem Haken gar nicht vorwärts...

 

Passend zu diesen nervigen und unlogischen Rätseln, von denen es leider ziemlich viele gibt, ist der Rest aber auch nicht wirklich überzeugend, denn es gibt auch noch zahllose Aufgaben, die man nur durch Ausprobieren lösen kann. So geht es bei Doppellabyrinth darum, eine Kugel ans Ziel zu lotsen und bei Solitaire darum, alle bis auf eine Kugel auf dem Spielbrett aufzulösen. Dazu kommen wieder jede Menge stupide Verschieberätsel, an denen man merkt, dass die Entwickler nicht nur keine wirklich guten Ideen mehr hatten, sondern dass ihnen auch so langsam die Lust an der Reihe vergeht. Und das sind noch lange nicht alle Negativbeispiele, aber ich lasse es an der Stelle mal gut sein.

 

 

Technik und Steuerung!

 

Grafisch sieht Layton aus wie immer. Die gezeichneten Hintergründe sind schön und abwechslungsreich, aber eben auch recht leblos und auf die Dauer langweilig. Was mir früher noch gut gefallen hat, geht mir ähnlich wie viele der Rätsel langsam nur noch auf den Keks. Gleiches gilt für das Charakterdesign. Manche Figuren sind einfach so übertrieben und in meinen Augen unlustig, dass es mir oft sogar peinlich war in der Bahn zu spielen, während mir jemand auf den Bildschirm gucken konnte.

 

Musikalisch ist der Zenit auch überschritten, die französisch anmutenden Melodien hängen mir langsam zum Hals raus, es gibt einfach auch hier zu wenig Neues. Dafür sind die Stimmen nach wie vor gelungen, auch wenn es manche Sprecher hier und da durchaus etwas übertreiben. Darauf komme ich aber in der Meckerecke noch zu sprechen. Deutsche Stimmen sind aber auf jeden Fall ein Pluspunkt, sie könnten aber ruhig öfter und besser zum Einsatz kommen.

 

Bei der Steuerung gibt es nix zu meckern, per Touchpen geht alles super und auch die Handschrifterkennung funktioniert einwandfrei. Es gibt also tatsächlich auch Gebiete im Spiel, bei denen ich nix zu meckern habe... Aber:

 

 

Meckerecke!

 

Auch wenn ich eigentlich schon ziemlich viel gemotzt habe, wird es noch besser. So ist die Geschichte in Teilen ziemlich unlogisch und vor allem die Auflösung am Ende ist arg aufgesetzt. Ich spoilere jetzt mal ein bisschen, also lest bitte erst im nächsten Absatz weiter, wenn ihr nichts zur Geschichte erfahren wollt.

 

SPOILER ANFANG (zum lesen Text markieren)

Am Ende kommt heraus, dass das Phantom gar kein Phantom ist, sondern ein Roboter, der mit einer riesigen Robbe kämpft. Im Nebel sollen die beiden aber dann zum Phantom verschmolzen sein. Blöd nur, dass man das Phantom in allen Videos vorher klar und deutlich sieht und vom einem Roboter ist da keine Spur zu erkennen, von einer Robbe noch weniger. Noch konstruierter geht es nicht.

SPOILER ENDE

 

Dazu kommt noch, dass sich manche Charaktere erst spät zu erkennen geben und zunächst in Verkleidung auftreten. Dann verstellen die Sprecher auch ihre Stimme, was aber spätestens dann schief geht, wenn sich ein Junge als alter Mann verkleidet und man das beim ersten Ton der Stimme erkennt. Wenn dann auch noch die Geschichte dahinter so offensichtlich ist, dass man sie sofort durchschaut, ist es umso peinlicher, wenn der angeblich so kluge Professor es eine halbe Ewigkeit lang nicht rafft. Auf der anderen Seite löst er manchmal Rätsel mit Hinweisen auf, mit denen das kein Mensch könnte. Das gab es zwar schon immer, aber so schlimm war es in der Reihe noch nie.

 

 

Vielen Dank an Nintendo für das Testmuster.


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Fazit

Bislang habe ich die Reihe um den Professor und seinen Lehrling geliebt, dieses vierte Spiel hat den Topf aber zum überlaufen gebracht. Die Geschichte ist mir viel zu konstruiert, die Rätsel sind zu viel zu großen Teilen unlogisch und manche Geheimnisse sind so offensichtlich, dass man dem Professor zeitweise Inaktivität des Gehirns attestieren muss. Dazu wurde der in Japan und USA enthaltene RPG-Teil Professor Layton's London Life, der den 10 bis 15 Stunden Spielzeit des Abenteuers Erfahrungen anderer nach etwa 100 Stunden hinzugefügt hätte, einfach weggelassen. Klar, die Lokalisierung wäre kompliziert und teuer gewesen, aber warum ist dann nicht einfach die englische Version dabei? Stattdessen haben wir nur drei stupide Minispiele bekommen, die mir alle überhaupt keinen Spaß gemacht hatten. Ich kann also leider vom Kauf nur abraten, die andere drei Spiele sind ausnahmslos besser, viel besser!

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

super

Spielspaß

gut

69%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

25.11.2011

Developer

Level 5

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1


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