Login

Passwort vergessen?

Konto erstellen


Reviews: Nintendo 3DS

< zurück

Tomodachi Life

Sonstiges

06.06.2014

Autor: Martin Küpper

 

Dass Japaner hin und wieder mal Sachen machen, die wir nicht ganz nachvollziehen können und als abstrus und verrückt empfinden, ist kein Geheimnis. Zwischen Deutschland und Japan liegt eben nicht nur Ost-Europa und ganz Asien, sondern auch ein gewaltiger kultureller Unterschied. Tomodachi Life ist ein weiteres Zeugnis dieser Tatsache. Wobei, offen gesagt bin ich mir nicht ganz sicher, ob der 3DS-Titel nicht sogar in Japan selbst für fragende Blicke gesorgt hat. Bei mir hat das Spiel jedenfalls durchaus mal wieder die Frage aufgeworfen, was für Substanzen bei der Entwicklung konsumiert wurden. Beantworten kann ich euch das leider nicht, dafür kann ich euch aber immerhin verraten ob Tomodachi Life trotz – oder gerade wegen – der Abstrusitäten einen Blick wert ist.

 

 

Worum geht es?

 

Das ist eine wirklich verdammt gute Frage und ich muss zugeben, dass ich mir immer noch nicht sicher bin, ob ich überhaupt in der Lage bin, das zu transportieren.

 

Dabei ist das Setting und das Fundament des Spieles eigentlich schnell zusammen gefasst: Ihr seid der Herrscher einer Insel, auf der ihr, neben eurem eigenen Ebenbild, noch zahlreiche weitere Mii-Charaktere ansiedeln könnt. Dafür könnt ihr entweder neue Miis erstellen, bereits vorhandene aus dem Mii Maker importieren oder aber gewünschte Figuren mittels QR-Code einscannen. Doch in Tomodachi Life zählt nicht nur das Aussehen eurer Charaktere; Ihr verpasst ihnen auch eine Computer-Stimme (die klingt dann in etwa so menschlich wie Microsoft Sam) und legt die Persönlichkeit der Figur fest. Dafür stuft ihr den Charakter des Miis in verschiedenen Kategorien wie Handeln, Sprache und Denkweise auf einer Skala zwischen zwei Extremwerten ein. So bestimmt ihr etwa ob seine Denkweise vorsichtig oder sorglos ist.

 

Der Charakter der Miis ist sehr wichtig für das Spiel, da es in Tomodachi Life vor allem darum geht, das Zusammenleben eurer Mii-Bewohner zu beobachten. Wenn sich Miis gut miteinander verstehen, freunden sie sich miteinander an, verlieben sich, können heiraten und später sogar Kinder bekommen. Das waren allerdings dann auch fast schon alle wichtigen Ereignisse, die eure Inselbewohner durchleben können und das ist auch gleich das erste große Problem, das ich mit Tomodachi Life habe.

 

 

Was gibt es eigentlich zu beobachten?

 

In einem Spiel, in dem man viel Zeit damit verbringt, die Bewohner seiner Insel zu bespitzeln, müsste es doch eigentlich eine Vielzahl an Szenarien geben, die diese durchleben? Aber nein, die gibt es nicht. Außer dem Knüpfen und Brechen sozialer Kontakte, gibt es keinerlei Lebensereignisse an denen ihr teilhaben könntet. Die meiste Zeit vegetieren die Miis einfach nur vor sich hin und es passiert rein gar nichts von Bedeutung.

 

Der Fokus liegt eher verrückten Ereignissen und Kuriositäten. Ihr erfahrt in den Mii Nachrichten von allerhand merkwürdiger News, seht zu wie Miis schlecht verkleidete Nachbarn auf dem Dach treffen um kryptische (aber bedeutungslose) Nachrichten zu erhalten oder riskiert einen Blick in die merkwürdigen Träume eurer Bewohner. Dabei kommt es durchaus hin und wieder zu skurrilen Situationen, doch diese sind schlicht zu selten und zu wenig vielfältig, um euch lange bei der Stange zu halten. Viel zu schnell wiederholen sich die Situationen, die dadurch erst langweilig, dann sogar recht nervig werden können.

 

 

Was gibt es zu tun?

 

Zum Glück sitzt ihr ja nicht die ganze Zeit tatenlos herum, ihr könnt mit euren Miis auch interagieren. Das zentrale Spielelement besteht darin, die Probleme eurer Bewohner zu lösen. Eure Miis haben Hunger? Besorgt ihnen etwas zu Essen? Sie wollen etwas neues zum Anziehen? Kauft ihnen neue Kleider! Ihre Nase juckt aber sie können nicht niesen? Kitzelt ihnen mit einer Feder die Nase! Für jedes gelöste Problem bekommt ihr (je nachdem wie zufrieden die Miis mit eurer Lösung sind) Geld, das ihr wiederum für allerhand Kram ausgeben könnt, das eure Miis brauchen um glücklich zu sein. Da hätten wir neben Essen und Kleidern etwa noch Hüte oder Wohnungs-Einrichtungen. Außerdem sammeln die Miis nach jedem gelösten Problem Erfahrungspunkte. Das macht zwar eigentlich keinen Sinn, schließlich kümmert ihr euch um alles, als lebten sie im Pflegeheim – aber sei es drum, so können eure Charaktere jedenfalls Level aufsteigen. Das ermöglicht es euch den Miis z.B. neue Phrasen bei zu bringen (die sie so gut wie nie anwenden), ihnen einen neuen Song beizubringen (dazu komme ich gleich) oder ihnen ein besonderes Objekt zu schenken. Mit diesem kann euer Mii (teils auch mit anderen zusammen) dann interagieren. Schenkt ihr einem Bewohner etwa eine Wii U, könnt ihr in später oft beobachten, wie er mit seinen Freunden eine Runde auf der Konsole spielt.

 

Eure Miis haben aber nicht immer nur Probleme, manchmal fordern sie euch auch zu einem kleinen Minispiel heraus. Hier gibt es verschiedene Varianten, wie etwa das Klopfringen, bei dem ihr einfach nur auf den Touchscreen hämmern musst, sowie zahlreiche Quiz- und Ratespiele oder eine Partie Memorie.

 

Außerdem gibt es auf der Insel (teilweise nur zu bestimmten Uhrzeiten) Events, deren Grad der Interaktivität allerdings variiert. Bei einigen könnt ihr euren Miis einfach nur zusehen, wie sie sich etwa in einem Rapp Duell gegenseitig dissen (Nintendo-typisch natürlich immer schön kinderfreundlich) oder wie sie sich einfach nur in einem Café über Gott und die Welt unterhalten – bei den Frauentreffs ist es zum Beispiel ein sehr beliebtes Thema darüber zu quasseln, welcher der Jungs besonders attraktiv ist. Andere Events lassen sich wenigstens ein bisschen steuern – ihr könnt euren Miis etwa ausfragen, indem ihr vorgefertigte Fragen ausfüllt. Beispiel: „Wer versteckt … in seinem Schlafzimmer. Und wenn Miyamoto dann aufgeregt mit den Armen wedelt um zu bestätigen, dass er tatsächlich Drogen in seinem Schlafzimmer versteckt hat, kann das schon ganz amüsant sein. Ein, zwei mal. Dann ist aber auch gut! Leider ist auch hier die Luft viel zu schnell raus und ihr habt keinerlei Anreiz bei diesen Veranstaltungen noch mit zu machen.

 

Das gilt auch für den Karaoke-Teil des Spiels, indem ihr einzelne Miis oder gar eine ganze Band diverse Songs trällern lassen könnt, die ihr ihnen wie eben beschrieben, bei einem Level-Aufstieg beibringen könnt. Den Text der vorgefertigten Songs könnt ihr dabei ändern, und somit ist es wohl das einzige Nintendo Spiel, indem ihr eure Miis darüber rappen lassen könnt, wie sie „deine Mudda bügeln“ (das F-Wort lässt Nintendo nicht zu). Das ist doch immerhin etwas... oder?

 

 

Präsentation

 

In einem Wort zusammen gefasst: unspektakulär. Die Musik trällert vor sich hin, die Grafik ist in Ordnung. Die Sprachfunktion ist hingegen durchaus beachtlich und die Computer-Stimmen gar nicht so nervig, außer ihr stellt ihre Stimmlage entsprechend krächzend ein, dann fallen euch später die Ohren ab. Selber schuld.


Wenn euch das Review gefällt, dann unterstützt uns via:

Fazit

Auf meiner Insel 10donesien haben sich Samus Aran und BBC Sherlock (Holmes) das Ja-Wort gegeben. Das hat schon was. Darüber kann man schmunzeln. Ist dieses Schmunzeln 40 € wert? Ich weiß nicht. Tomodachi Life hat durchaus seine Momente, die sind aber viel zu rar gesät, als dass sie das Spiel tragen könnten. Wer ein Feuerwerk an verrückten Kuriositäten erwartet, der wird vermutlich enttäuscht.

Spielerisch hat das Spiel auch nur einen Haufen bedeutungsloser Minispiele und die absolut platten Probleme der Miis zu bieten. Gerade hier wäre doch Potential gewesen! Aber die Lösung für das Problem der Miis ist derart offensichtlich, dass es euch überhaupt nicht beschäftigt. „Ich habe Hunger!“ Ja, was kann man denn da jetzt bloß machen? Und während man sich in einem Animal Crossing stets selbst ein Ziel stecken kann, fällt es einem hier dann doch schwer. Es gäbe zwar genügend Gegenstände zum Sammeln... aber wozu? Ich kann sie ja nur in meinem Inventar horten und nichts sinnvolles damit anstellen.

Das Spiel hat absolut keinen Sinn. Wer sich damit abfinden kann und immer wieder über dieselben Witze lachen kann, der wird hier vielleicht richtig glücklich. Und eine gewisse Faszination kann ich Tomodachi Life trotz all meiner Kritikpunkte irgendwie nicht abstreiten. Auf dem Papier müsste es richtig schlecht sein... aber das ist es nicht. Es ist immerhin okay. Und wer weiß, vielleicht könnte eine Fortsetzung mit mehr Inhalt und Verstand(losigkeit?) ja dann so richtig überzeugen.

Grafik

ok

Sound

ok

Steuerung

gut

Spielspaß

schwach

62%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

06.06.2014

Developer

Nintendo

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung



Neue Wertungsskala für 3DS-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort bei 3DS-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


Aktuell auf 10doTV

10do Show

Oktober-Ausgabe: Die Metroid-Reihe

RSS-FeedDie 10do Show in iTunes