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Reviews: Nintendo 3DS

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Professor Layton vs. Phoenix Wright Ace Attorney

Adventure

21.03.2014

Hier geht's zum:

Autor: Mario Kablau

 

 

Von London nach Labyrinthia!

 

Wenn man hört, dass Professor Layton und Phoenix Wright zusammen in einem Spiel auftreten sollen, fragt man sich sicherlich zuerst, wie das bitte Sinn ergeben soll. Layton und sein Assistent Luke leben ja in einer eher unrealistischen Welt in der aus Monstern auf einmal Maschinen werden und wo man mal eben so eine ganze Stadt unterirdisch nachbauen kann. Dahingegen ist die Welt von Phoenix Wright doch etwas realistischer. Beide Reihen sind zwar Adventures, aber so richtig zusammen passen sie dann auf den ersten Blick doch nicht.

 

Wenn man jedoch in das neue Spiel eintaucht, dann merkt man schnell, dass dieser Ansatz völlig falsch ist. Warum? Während es mit Professor Layton wie gehabt anfängt, dass er in London vor ein großes Problem gestellt wird, ist Phoenix zusammen mit seiner Assistentin Maya auf dem Weg in eben diese Stadt. Im Rahmen eines Austauschprogramms sollen sie in Europa das tun, was sie sonst wo auch immer tun. Mystisch ist es dabei von Anfang an, denn Sophie, eine junge Erwachsene, ist in großer Not Sie wird von Hexen gejagt und braucht die Hilfe des Professors, der natürlich sofort einspringt. Nachdem die Hexen dann auf einmal in Laytons Wohnung eindringen, beginnt die Flucht. Sophie kann auf ein Schiff entkommen, aber Luke und der Professor verschwinden plötzlich einfach.

 

Und dann kommt es, wie es kommen muss. Das Mädchen tut auf dem Schiff angeblich etwas Böses und wird angeklagt. Wer darf sie dann vor Gericht wohl verteidigen? Natürlich Phoenix und Maya. Ein harter Kampf, denn das Mädchen fühlt sich selbst schuldig - an das ganze Hexen-Thema kann sie sich nicht erinnern. Also beginnt, nachdem man vorher mit Layton schon einige Rätsel gelöst hat, der erste Prozess im Spiel. Natürlich gewinnt man ihn für Phoenix und das junge Mädchen kommt frei; obwohl ihre Lehrerin das eigentlich gar nicht will.

 

So weit, so verwirrend. Kurze Zeit später gehen Phoenix und Maya einem Rätsel nach und verschwinden auch von der Bildfläche. Es wird also immer mysteriöser. Und als ob das nicht genug wäre, findet man sich dann mit dem Professor und seinem Lehrling in einer mittelalterlichen Stadt wieder, in der Magie und Hexenprozesse an der Tagesordnung stehen. Die Geschichte dieser Stadt wird vom Schöpfer geschrieben, alles was er schreibt, wird unweigerlich wahr - und diese Geschichten scheinen sich dem Ende zu nähern. Und das Ende wird kommen, wenn die große Hexe Arcana verurteilt und verbrannt wurde, denn dann hören die anderen Hexen, die von dieser los geschickt werden, auf zu existieren und alle können in Frieden leben.

 

Das Problem ist nur, dass Sophie, die irgendwie auch in diese Welt (zurück) gelangt ist, angeklagt wird, eine Hexe zu sein. Und da kommen Maya und Phoenix wieder ins Spiel - ihren Auftritt in der Stadt will ich aber nicht verraten, das ist nämlich tatsächlich einer der besten Witze überhaupt.

 

 

Die Mischung macht's: Layton-Rätsel und Phoenix-Prozesse!

 

Soviel also zur Geschichte, ich will ja nicht zu viel verraten. Allerdings werde ich hier und da im weiteren Verlauf noch den einen oder anderen Schnipsel einstreuen - natürlich ohne irgendetwas Großes zu verraten. Vom Prinzip her ist das Spiel ein Layton-Titel. Wenn man mit dem Professor unterwegs ist - später begleitet durch Phoenix und andere - dann läuft das genauso ab wie bekannt. Man bewegt sich per Touchscreen von Bild zu Bild, spricht dort mit Leuten, sucht Hinweismünzen und löst Rätsel. So wird nach und nach die Geschichte erzählt und man sammelt Hinweise, die man dann auch vor Gericht brauchen kann.

 

In den Prozessen läuft es dann ab, wie bei Phoenix bekannt, allerdings mit einigen Veränderungen, aber dazu später mehr. Man hört sich Aussagen von Zeugen an und muss diese dann im Kreuzverhör nach Widersprüchen durchsuchen und diese dem Gericht präsentieren. Was im ersten Fall, der ja noch in der heutigen Welt in London spielt, noch recht einfach ist, wird bald deutlich schwerer. In der mittelalterlichen Welt von Labyrinthia gibt es nämlich keine moderne Technik. Fingerabdrücke dienen ebenso wenig zur Überführung von Tätern wie es Fotos tun könnten. Man muss sich lediglich auf Zeichnungen und die Erinnerungen von Zeugen verlassen - und beides ist stark anfällig für Manipulationen.

 

So kommt es immer wieder vor, dass sich Zeugen auf einmal ganz anders an die Geschehnisse erinnern und ihre Aussage komplett ändern, wenn Phoenix einen Widerspruch entlarvt hat. Und die Inquisition - also die Anklage - sowie das hohe Gericht sehen darin kein Problem. Phoenix muss also über sich hinaus wachsen, um die Unschuld seiner Mandanten zu beweisen - in einer Welt in der eine Angeklagte schuldig ist, bis ihre Unschuld bewiesen wurde. Und dass das Volk Inquisitor Flammberg wie einen Popstar feiert und Hexen brennen sehen will, ist dabei auch keine besonders große Hilfe...

 

Richtig blöd ist aber, dass man es vor Gericht nicht selten mit mehr als einem Zeugen gleichzeitig zu tun hat. In der Spitze stehen sogar 10 Menschen gleichzeitig im Zeugenstand und jeder trägt einen Teil zur Geschichte bei. Dadurch ergeben sich für Phoenix jedoch ganz und gar neue Möglichkeiten, Logikfehler zu finden, wenn die Zeugen sich untereinander widersprechen. Dazu kann man bei jeder Aussage eines Zeugen nach links oder rechts blicken und muss schauen, wie die anderen reagieren. Verhält sich einer seltsam, dann kann man ihn zu dieser Aussage befragen und so seine Meinung einfließen lassen, um die Wahrheit zu finden.

 

Dieses Element ist die wohl größte Neuerung im Zusammenspiel der beiden Reihen. Dass Phoenix und Layton später gemeinsam Rätsel lösen und auch zusammen vor Gericht stehen, bedarf wohl keiner Erwähnung. Das sind aber lange Zeit eigentlich einfach nur neue Charaktere in den jeweils bekannten Rahmenbedingungen. Erst zum Ende hin wird das Ganze stärker verknüpft und es offenbart sich auch das eine oder andere Rätsel, dass nur Phoenix mit seinen Fähigkeiten als Anwalt lösen kann. Sonst hat sich im Layton-Teil der Geschichte fast nichts verändert, es spielt sich wie immer und ist damit eigentlich nicht besonders erwähnenswert. Zum Glück wird es aber durch Phoenix und die Hexenprozesse deutlich aufgewertet und dann doch wieder spannend.

 

Achso, und man kann Hinweismünzen natürlich auch vor Gericht einsetzen, um sich Hilfestellung zu holen, wo man angreifen oder etwas präsentieren muss und die Gerichtsakte wird dann auch etwas reduziert, um den richtigen Beweis einfach zu finden. Apropos Beweise. Neu ist hier auch das Liber Magae, ein Buch in dem alle Zaubersprüche niedergeschrieben sind, die von Hexen gewirkt werden können. Auch dies dient als Beweis, denn manche Zauber werden von den Zeugen anders dargestellt als im Buch - dann muss man auch hier nur selbst herausfinden, wo genau der Unterschied liegt und warum das ein Problem ist.

 

Das Gameplay ist insgesamt eine durchaus gelungene Mischung der beiden Serien. Es gibt genug Abwechslung, alles greift perfekt ineinander über und mit fortschreitender Zeit offenbart sich auch, wie gut alles zusammenpasst. Wirklich gelungen, aber ich hätte mir auch im Layton-Teil ein paar echte Neuerungen gewünscht. Das können die Macher aber scheinbar einfach nicht...

 

 

Technik, Steuerung und Umfang!

 

Grafisch war ich lange Zeit sehr skeptisch, doch als ich das Spiel endlich selbst spielen konnte, waren meine Bedenken wie weggeblasen. Sorgen habe ich mir vor allem deshalb gemacht, weil das Spiel in Japan schon lange draußen ist und somit optisch leicht als Rückschritt zum fünften Teil der Phoenix Wright-Reihe - Dual Destinies - bezeichnet werden könnte. Allerdings schaffen es bei diesem Spiel weder Bilder noch Trailer die Optik richtig rüber zu bringen. Auch hier sind die Charaktere alle komplett dreidimensional, Animationen sind butterweich und die Hintergründe sind toll gestaltet. Zwar sind letztere nicht so offen und teilweise drehbar wie bei Dual Destinies, können aber dennoch mehr als überzeugen.

 

Als Pluspunkt verbuche ich auch, dass das Design der Charaktere nicht von Level-5 sondern vom Capcom kommt, es ist also wesentlich weniger überzeichnet und abgedreht als in den Layton-Spielen, es gibt weder männliche Polizisten mit einem Brustumfang von gefühlt zwei Metern noch Nasen die so groß sind wie anderer Leute Köpfe. Den Stil kann man zwar durchaus als Comic bezeichnen, aber durch die eher realistisch proprotionierten Figuren steht es dem vom letzten Phoenix-Titel in nichts nach.

 

Vor allem der 3D-Effekt ist sehr gelungen, sowohl vor Gericht als auch draußen. Nicht zuletzt können auch die Videosequenzen mehr als überzeugen. Die waren bei Layton schon immer gut, bei Phoenix sind sie erst seit einem Spiel dabei. Es ist also vor allem ein Gewinn für Fans der Gerichtssimulation. Aber das ist nicht der einzige Gewinn. Das letzte Spiel mit dem Staranwalt wurde ja von Capcom leider nur im eShop und nur auf englisch veröffentlicht. Da die Layton-Reihe hier etwas mehr Aufmerksamkeit genießt, kann man das Spiel auch im Laden kaufen und es ist komplett eingedeutscht; inklusive Sprachausgabe natürlich.

 

Der Professor und sein Lehrling haben dabei die bekannten Stimmen, die ich nach wie vor sehr gelungen finde. Auch die Charaktere aus der Welt von Phoenix sind gut vertont, bei Phoenix hätte ich mir nur etwas mehr Gewicht hinter seinen klassischen Ausrufen gewünscht - dasselbe gilt auch für den Professor, der Sprecher hat den "Einspruch" noch weniger drauf. Aber das ist kein Problem, Hauptsache insgesamt gut und das ist es wirklich. Ach so: Fans von Star Trek: The Next Generation werden sich bei der Stimme des Schöpfers auch ein Schmunzeln vermutlich nicht verkneifen können.

 

Musikalisch bin ich als Freund der Phoenix-Melodien nicht ganz so begeistert, denn hier ist insgesamt der Einfluss der Layton-Spiele deutlich hörbar - obwohl die Musik auch von Capcom kommt. Bisher habe ich immer mit dem Fuß mitgewippt oder hatte die Melodien abends nach einem harten Prozess noch lange im Ohr, bei Layton vs. Phoenix fehlte mir das komplett. Ohne Frage, die Musik ist gut, sie reicht aber leider nicht an die Klasse der Ace Attorney-Reihe heran.

 

Lustig und erwähnenswert finde ich, dass der Soundeffekt der Textboxen aus beiden Welten kommt. Wenn der Professor oder Luke sprechen und wenn man außerhalb der Gerichts unterwegs ist, bekommt man den Sound dieser Serie, während vor Gericht und bei Phoenix und Maya der Sound ihrer Reihe kommt. Ich musste hier immer wieder drüber schmunzeln.

 

Die Steuerung ist sehr gelungen. Per Touchpen lassen sich beide Welten gut kontrollieren, aber das kennt man auf den beiden Ursprüngen ja schon, wundert also nicht. Lediglich die Empfindlichkeit des Schiebepads könnte etwas geringer sein - will man sich mal damit umschauen, hat man kaum Kontrolle, weil schon die kleinste Bewegung große Konsequenzen hat. Das ist mir vor allem vor Gericht aufgefallen, weil man hier ja meist per Tasten besser unterwegs ist als mit dem Touchpen. Wenn man ihn dann doch mal braucht, holt man ihn auch besser jedes Mal raus.

 

Der Umfang ist mehr als in Ordnung - ich habe bei gründlichen Durchspielen über 20 Stunden gebraucht und dabei 69 der insgesamt 70 Rätsel gelöst sowie alle 200 Hinweismünzen gefunden - und keine davon eingesetzt... Und bevor ich noch mehr angebe, versuche ich die Kurve zu kriegen, in dem ich schreibe, dass auch die Mischung gut gewählt ist. So wird es niemals langweilig und ich als Phoenix-Fan hatte nie das Gefühl mich durch einen Layton-Part quälen zu müssen. ;-)

 

 

Vielen Dank an Nintendo für das Testmuster.


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Fazit

Die Mischung der beiden Adventure-Reihen ist auf jeden Fall eine der besten Ideen seit Langem. Das Gameplay der Serien ergänzt sich perfekt, die Mischung ist gelungen und das beste aus beiden Welten sorgt für ein wirklich gutes Spiel. Mir ist zwar nach wie vor Phoenix in Reinkultur lieber, vor allem da die Serie einfach innovativer ist, aber ich hatte natürlich trotzdem richtig viel Spaß. Die Geschichte ist spannend und hat natürlich auch die für beide Reihen typischen Wendungen, so dass es einfach die ganzen 20+ Stunden nicht langweilig wird. Ich hätte mir nur mehr Mut zu Neuem für den Layton-Part gewünscht, bei Phoenix gibt es hingegen einige wirklich gute, neue Kniffe. Da auch die Technik noch stimmt und das Spiel auch komplett auf Deutsch ist, gibt es kaum einen Grund, es nicht zu kaufen. Ich hoffe, dass das die zahlreichen Layton-Fans auch reichlich tun und somit vielleicht auch Phoenix ein bisschen mehr Ruhm bekommt - der steht ihm auf jeden Fall zu. Also: Gebt dem Spiel eine Chance, ihr werdet es vermutlich nicht bereuen.

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

83%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

28.03.2014

Developer

Capcom / Level-5

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

6+

Anzahl Spieler (Lokal)

1



Neue Wertungsskala für 3DS-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort bei 3DS-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


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