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Reviews: Nintendo 3DS

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Bravely Default: Flying Fairy

RPG

14.01.2014

Autor: Christian Kohls

 

Wer zurzeit ein Japano-Rollenspiel auf dem 3DS sucht, findet nicht viele potenzielle Titel. Tales of the Abyss stellte eine ganze Zeit ein Monopol in diesem Genre dar. Vergleichbar wäre nur noch Pokémon X und Y, obwohl diese im Prinzip ja fast ein eigenes Genre besetzen. Mit Bravely Default bekommen die Spiele aber nun Konkurrenz aus dem Hause Square Enix. Tatsächlich ist Bravely Default sogar ein Spin Off der Final Fantasy-Reihe. Dies wird an mehreren Stellen deutlich, weil das Spiel die Tugenden und Stärken vieler früherer Teile der Reihe wieder aufgreift.

 

 

Eine klassische Heldenreise beginnt

 

Die Story ist im Groben und Ganzen recht klischeehaft. Dies wird schon am Anfang deutlich. Tiz, einer der Helden des Spiels, ist der einzige Überlebende einer Katastrophe die sein gesamtes Heimatdorf Norende betrifft. Unter Norende hat sich nämlich ein riesiger Abgrund aufgetan und die Stadt ins Erdinnere gerissen. Nachdem Tiz die Hilfe des Benachbarten Königreiches versichert bekommt, macht er sich auf, um sich das Ausmaß der Tragödie persönlich anzusehen. Am Abgrund trifft Tiz auf Agnes, die sich selbst die Schuld an der Tragödie gibt. Es stellt sich heraus, dass Agnes die Vestalin des Windes ist. Die Vestalinnen beschützen und beten die vier Kristalle der Elemente an. Leider sind eben diese Kristalle seit einiger Zeit bösen Mächten ausgesetzt und daher in Gefahr. Dies spiegelt sich auch darin wieder, dass die Welt langsam aber sicher vor dem Abgrund steht: Winde haben aufgehört zu wehen, Vulkane brechen aus und die Ozeane sind verdorben.

 

Tiz und Agnes machen sich auf die vier Kristalle zu heilen, dabei treffen sie noch auf Edea, einer Soldatin die vorerst für ein feindliches Reich arbeitet und sogar die Tochter eines mächtigen Generals ist und auf Ringabel, einem Gigolo der sein Gedächtnis verloren hat aber ein mysteriöses Buch besitzt, in dem die Reise der Vestalin nebst zukünftigen Ereignissen niedergeschrieben sind.

 

Nach anfänglichen Problemen raufen sich die vier Helden zu einer Truppe zusammen. Es beginnt eine, besonders für Final Fantasy typische Geschichte: eine Eskorte zieht durch die ganze Welt damit sie die vier Kristalle heilen können. Aber auch wenn die Geschichte klischeehaft ist, ist diese in den einzelnen Kapiteln der Geschichte gut erzählt. Besonders die Charaktere haben mir mit ihren Ecken und Kanten gut gefallen. Generell hatte ich nie den Eindruck, dass es DEN Helden in der Gruppe gibt, sondern das alle vier sehr wichtig für die Geschichte sind. Zu den Kristallen kommt man natürlich auch nicht ohne weiteres und muss auf dem Weg zu diesen zahlreiche Abwechslungsreiche Abenteuer bestehen.

 

 

Altbekannte RPG-Kost

 

Das Gameplay des Spiels ist nicht sehr überraschend. Wenn man schon einmal ein Japano-Rollenspiel gespielt hat, weiß man in etwa, was auf einen zukommt. Man bereist eine recht schicke Weltkarte mit vielen verschiedenen Orten, darunter Städte und Dungeons. In den Städten kann man mit NPCs sprechen und einige zusätzliche Informationen sammeln. Natürlich kann man auch handeln, um seine Party mit frischer Ausrüstung und Gegenständen zu versorgen. Neue Zauber werden auch nicht gelernt, sondern bei Händlern freigekauft, allerdings muss man immer noch bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um diese Zauber auch zu benutzen. Die Städte sind meistens sehr schön designt, was besonders gut zur Geltung kommt wenn man einen Moment unbewegt herum steht und die Kamera dann heraus zoomt.

 

Die Dungeons hingegen sind meistens recht dröge. Rätsel gibt es so gut wie keine und wenn, dann sind diese häufig viel zu leicht zu durchschauen. Cool sind auch Party-Gespräche, welche man ab und zu über einen Tastendruck starten kann. Die Party unterhält sich dann in kleinen Sequenzen.

 

 

Andere Features

 

Bravely Default hat aber abseits dieser Standartkost dann doch ein paar exklusivere Features. Vorbildlich ist auch die Nutzung vieler Möglichkeiten des 3DS. Während eures Abenteuers ist es möglich, die Stadt Norende wieder aufzubauen. Dazu könnt ihr jederzeit über ein Menü, Arbeitern bestimmte Aufgaben zuweisen, zum Beispiel den Bau eines Waffenshops. Die Aktionen dauern eine bestimmte Echtzeit, die man auch überbrücken kann wenn der 3DS zugeklappt ist. Diese Zeiten gehen nämlich schnell auch in die 50+ Stunden Marke. Je mehr Arbeiter man für eine Aufgabe abstellt, desto kürzer fällt die Bearbeitungsdauer aus. Neue Arbeiter rekrutiert ihr über StreetPass-Kontakte. Immer wenn ihr anderen 3DS-Besitzern begegnet, wird ein neuer Arbeiter eurem Dorf hinzugefügt. Durch Bau und Upgrade der Einrichtungen, schaltet ihr zum Beispiel Gegenstände frei, die ein fahrender Händler im Laufe des Spiels anbietet.

 

Auch eure Freunde mit denen ihr euch mit dem 3DS-System verbunden habt, können euch beistehen. Ihr könnt einerseits jeden Helden an einen Freund binden, mit denen dann Fähigkeiten der Freunde verwendet werden können. Außerdem kann jeder Spieler eine Aktion an seine Freunde seiner Helden senden. Diese können die Freunde dann im Kampf einmalig einsetzen. Insgesamt kommt man aber auch ohne diese Features durch das Spiel, sie sind also glücklicherweise optionaler Natur.

Ungewöhnlich ist auch das ihr die Schwierigkeitsstufe des Spiels jederzeit ändern könnt. Doch nicht nur das, es ist sogar möglich jederzeit die Häufigkeit der Zufallskämpfe anzupassen. So kann man den Regler so einstellen das es doppelt so viele Kämpfe gibt oder sogar gar keine.

Übrigens: wer statt dieser Optionen doch mal sterben sollte, braucht nicht zu verzagen, ein Autospeichersystem setzt euch an den Beginn eines jeden Abschnittes zurück.

 

 

Wenn ich groß bin, werde ich Pirat!

 

Die taktische Komponente des Spiels bietet aber wahrscheinlich das wirklich gute Jobsystem. Eure Helden sind nämlich nicht auf bestimmte Klassen festgelegt, sondern jeder Held kann quasi alles machen, allerdings nicht zur gleichen Zeit. Durch das Besiegen von bestimmten Bossgegnern, kann man die sogenannten Asteriske erlangen, die einem ermöglichen, die Klassen der besiegten Gegner einzusetzen. Vielen dieser Bossgegner begegnet man übrigens bei Nebenquests. Die Auswahl der insgesamt 24 Klassen ist dabei ziemlich abwechslungsreich. Ihr könnt eure Helden zu Freiberuflern, Schwarzmagiern, Dieben, Rittern und Piraten machen, nur um mal ein paar zu nennen.

 

Jeder Job hat individuelle Fähigkeiten und Statusboni und -mali. Steigt ein Held im Joblevel auf, schaltet man neue Fähigkeiten der Klasse frei. Je mehr ihr einem Helden in einem Job lasst, desto mächtiger wird dieser also darin. Neben dem Hauptjob kann jeder Held noch ein Job-Geschick wählen, dann kann dieser Held auch die bereits freigeschalteten Fähigkeiten dieser Klasse im Kampf anwenden. Insgesamt steht also jedem Helden die Fähigkeitenpalette von zwei Jobs zur Verfügung. Es ist also ratsam mit jedem Helden mindestens zwei Jobs zu steigern, die sich idialerweise gut ergänzen.

 

Doch damit immer noch nicht genug. Oft bekommt man statt neuer aktiver Kampffähigkeiten auch Hilfsfähigkeiten. Diese sind quasi passive Fähigkeiten, wie verstärkte Statuswerte. Je weiter man im Abenteuer kommt, desto mehr dieser Hilfsfähigkeiten können gleichzeitig aktiviert werden.

 

Die größte Herausforderung in Bravely Default ist es also, eine ausgewogene und gut abgestimmte Heldentruppe zu erschaffen, was aufgrund der großen Auswahl von Möglichkeiten gleichzeitig spaßig, aber auch fordernd ist.

 

 

Let's be Brave

 

In Rollenspielen ist es ja üblich, dass ihr auf eurer Reise zahlreiche Gegner und Monster bezwingen müsst. Auch Bravely Default bildet hier keine Ausnahme und so kommt es auf der Weltkarte und in den Dungeons immer wieder zu Zufallskämpfen. Die Kämpfe laufen Runden basiert ab, meistens sind erst eure Helden an der Reihe und danach die Gegner. Mit jdem Helden könnt ihr pro Runde eine oder mehrere Aktionen auswählen. Moment mal, mehrere Aktionen? Ja, denn eine Besonderheit des Spiels, nach dem es vermutlich auch benannt ist, bildet das Brave/Default-Feature:

 

Die Helden besitzen neben HP und MP auch BP. Die BP geben an wie viele Aktionen ein Held oder Gegner noch zur Verfügung hat. Mit jeder neuen Kampfrunde regeneriert jeder Kämpfer einen BP. Mit Brave kann man bis zu vier Aktionen eines Helden aneinander Reihen und sogar Aktionen im Voraus beziehen. Der Nachteil daran ist, dass dieser Held die nächsten Runden keine Aktionen ausführen kann und zwar so lange, bis sein BP Zähler wieder auf 1 steht.

 

Mit Default nimmt man eine Defensivhaltung ein, in der Angriffe weniger Schaden machen und zudem kein BP verbraucht wird. So kann man sich nach und nach einen BP Vorrat ansammeln und dann in einer einzigen Runde mehrere Aktionen entfesseln. Durch das Spiel mit Brave und Default ergeben sich ganz neue taktische Möglichkeiten: Verbrate ich meinen BP-Vorrat jetzt für eine Serie von starken Angriffen oder spare ich sie lieber auf, um bei Bedarf mehrere Heilungsaktionen durchzuführen. Viele der Standartkämpfe kann man durch exzessives Nutzen des Brave-Befehls, in der ersten Kampfrunde beenden. Die wahre Herausforderung stellen also die teils recht fordernden Bosskämpfe dar.

 

Ansonsten kann man im Kampf sowohl normale Angriffe als auch die Fähigkeiten der aktuell gewählten Jobs ausführen. Monster haben zudem Schwächen, die man mit den richtigen Fähigkeiten ausnutzen und somit mehr Schaden als üblich zufügen kann.

 

Eine Besonderheit und Premiere auf dem 3DS, hat Bravely Default noch zu bieten, diese kommt allerdings mit einem bitteren Beigeschmack. Mit Druck auf Start und Select ist es im Kampf möglich, die Zeit anzuhalten und somit JEDERZEIT eine Aktion eines Helden auszuwählen. So eine Aktion kostet einen SP. Immer, wenn man den 3DS acht Stunden im Standby laufen lässt regeneriert sich so ein SP. Allerdings gibt es noch eine andere Möglichkeit und jetzt kommt's: man kann sich SP-Tränke gegen echtes Geld dazu kaufen. Der erste dieser Tränke kostet 50 Cent, allerdings soll dies wohl ein Sonderpreis sein. Aber keine Sorge: Das Spiel ist auch gut zu schaffen, ohne das man diese Tränke benötigt, alles in allem wohl nur ein Versuch um noch ein wenig extra Geld aus dem Spiel rauszupressen.

 

Am Ende eines jeden Kampfes gibt es natürlich noch Belohnungen in Form von Erfahrungs- und Jobpunkten. Diese werden - typisch - zum Aufleveln der Charaktere und Joblevel genutzt.

 

 

Präsentation

 

Die Präsentation des Spiels ist eine der ganz großen Stärken. Die Umgebungen sehen, bis auf die Dungeons, wirklich beeindruckend und schön aus. Auch der 3D-Effekt ist gut gelungen und trägt zur Atmosphäre bei. Einzig bei dem Design der Charaktere dürften sich die Geister scheiden. Diese sind nämlich in einem Stil gehalten, dass diese aussehen wie kleine Kinder, obwohl die Charaktere wohl eher mindestens im Teenageralter sein sollen. Anfangs hat mich das ganze gestört, später habe ich mich aber damit arrangiert.

 

Kommen wir zur Musik: WOW, was für ein Soundtrack. Ich übertreibe wohl nicht, wenn ich behaupte, dass Bravely Default einen der besten Gesamtsoundtracks von 2013 besitzt. Jedes Lied geht einem ins Ohr, es gibt so gut wie keine Ausfälle und das Oberweltthema ist wahrscheinlich das beste seit Final Fantasy VI. Einzig stören könnte einen die Kampfmusik, die absolut nicht schlecht ist, aber nach gefühlt 200 Kämpfen dann doch etwas eintönig wird, aber dieses Problem hat ja nicht nur Bravely Default.


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Fazit

Bravely Default ist ein fantastisches RPG auf dem 3DS und beweist, dass auch Spiele mit klassischen Grundsystem in einem frischen Gewand begeistern können. Mit seinem umfangreichen Jobsystem, mit dem man sich seine ganz individuelle Heldentruppe zusammenbauen kann, besitzt das Spiel eine taktische Komponente, die es vergleichbar nur in wenigen Spielen gibt. Ebenfalls positiv ist die vorbildliche Nutzung von 3DS Funktionen wie StreetPass, dem Standby-Modus oder dem Freunde-System. Bravely Default knüpft als Spin Off der Final Fantasy Reihe an alte Teile an und beruft sich auf die Stärken der früheren Teile. Mit einer imposanten Optik und einem tollen Soundtrack, bietet das Spiel außerdem eine ganze Menge für Auge und Ohr.

Grafik

super

Sound

super

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

79%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

06.12.2013

Developer

Square Enix / Silicon Studio

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (Lokal)

1



Neue Wertungsskala für 3DS-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort bei 3DS-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


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