Login

Passwort vergessen?

Konto erstellen


Reviews: Nintendo 3DS

< zurück

Sonic Lost World

Jump 'n Run

19.10.2013

Autor: Bastian Bunzeck

 

Es gab mal Zeiten, da war Sonic der ärgste Konkurrent unseres Lieblings-Italoklempners, Super Mario. In der von SEGA und Nintendo hart umkämpften 16bit-Ära konnten die Ausflüge des blauen Igels auf dem Mega Drive durchaus mit Super Mario World und Konsorten auf dem SNES mithalten. Während aber Mario später mit Super Mario 64 auf dem N64 das Genre der 3D-Jump'n'Runs so wie wir es kennen quasi begründete, schaffte Sonic den Sprung in die dritte Dimension erst mit Sonic Adventure auf dem Dreamcast. Und während auch in jüngerer Zeit Mario zum Beispiel in Super Mario Galaxy brillierte, verhunzten die Entwickler von Sonic Team einige Spiele und sind unter anderem verantwortlich für das grottenschlechte Werwolf-Intermezzo Sonic Unleashed. Unterm Strich kann Sonic heute also nicht mehr mit Mario mithalten. Und mit Sonic Lost World versucht SEGA nun, diesen Zustand zu ändern. Die Frage, ob dies gelungen ist, kann man nur mit einem klaren "Jein!" antworten.

 

Aber beginnen wir mit der Geschichte des Spieles, die eigentlich ganz klassisch anfängt.

Sonic und Kumpelfuchs Tails sind (mal wieder) Dr. Eggman auf den Fersen, da dieser (mal wieder) Tiere gekidnappt hat, um sie (mal wieder) in seine Roboter, die Badniks, zu verwandeln. Während der wilden Verfolgungsjagd wird aber Tails Flugzeug von einem Laserstrahl getroffen, der das Luftgefährt in himmlische Weiten befördert. Die Landung erfolgt dann mehr oder weniger unfreiwillig auf der neuen Spielwelt, dem auftauchenden Hexaglobus. Diese energiereiche Welt ist nämlich Teil von Eggmans neuestem Plan. Mit Hilfe der "Schrecklichen Sechs", namentlich dem verrückten Zazz, dem weisen Meister Zik, dem gefräßigen Zomom, der arroganten Zeena, dem wildem Zavok und dem deprimierten Zor von der Rasse der Zeti, versucht er, die komplette Energie das Hexaglobus mit einer selbst entwickelten Maschine zu stehlen. Es kommt, wie es kommen muss und im Eifer des Gefechts schlägt Sonic Eggman sein Zeti-Bändigungsgerät aus der Hand, woraufhin sich diese eigenständig machen und mit der Erfindung des Doktors nun Sonics eigene Welt aussaugen. Somit sind Eggman und Sonic gezwungen, zusammenzuarbeiten, um ihre eigene Welt zu retten. Und das dies den Beiden gar nicht passt, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

 

Die neue Welt Hexaglobus macht ihrem Namen alle Ehre, denn schon die Oberwelt-Karte ist gelegt aus kleinen Sechsecken. Wer das Spielfeld von "Die Siedler von Catan" kennt, wird wissen, was ich meine. Unterteilt ist die Karte dann in sieben Zonen und eine Spezialwelt. Eine Zone ist wiederum unterteilt in drei Level und einen Bosskampf. Die siebte Welt fällt etwas aus dem Rahmen, da sie eine Wiederholung aller Bosskämpfe mit angezogenem Schwierigkeitsgrad darstellt. Jede Zone folgt einem bestimmten Thema, so besteht die zweite Zone zum Beispiel auf Wüstenleveln, während die Vierte eine Winterlandschaft darstellt. Für genug optische Abwechslung ist also gesorgt. Abwechslungsreich sind aber nicht nur die thematisch geordneten Zonen an sich, auch innerhalb jeder Zone gibt es sowohl klassisch zweidimensionale, als auch moderne dreidimensionale Level. Dadurch wird auch für spielerische Vielfalt gesorgt. Den Beginn der Weltkarte bildet Tails' Labor. Dort können aus Rohstoffen, welche man nach Abschluss der Level erhält, kleine Maschinen gebaut werden. Diese können innerhalb der Level eingesetzt werden und machen Sonic zum Beispiel für kurze Zeit unverwundbar oder unsichtbar. Ich habe sie aber kein einziges Mal wirklich benötigt, mehr als eine Spielerei ist dieses Feature also nicht.

 

Spätestens innerhalb der Level ist es übrigens mit der Sechseckigkeit des Hexaglobus vorbei und das "-globus" rückt in den Vordergrund. Viele Welten sind nämlich halbrund oder sogar komplett kugelig gestaltet, was eine Premiere in der Sonic-Reihe ist. Dies gilt übrigens nur für dreidimensionale Level. Geneigte Spieler fühlen sich natürlich sofort an Super Mario Galaxy erinnert, und beispielsweise an Zone 5-1, die aus komplett kugelförmigen Plattformen besteht, erkennt man deutlich, wo die Entwickler ihre Inspiration hergeholt haben. Aber naja, lieber gut geklaut, als schlecht selbst gemacht.

Das Gameplay der zweidimensionalen Level unterscheidet sich so gut wie gar nicht von dem der Vorgänger. Es wird immer noch gerannt und gesprungen, es werden immer noch Ringe gesammelt und es ist immer noch ziemlich schnell.

Die dreidimensionalen Level wirken schon bedeutend abwechslungsreicher (und langsamer). Sie sind immer in kleinere, durch Portale oder Sprungfedern verbundene Abschnitte unterteilt. Während ihr euch euren Weg durch die Level bahnt, läuft auf dem Touchscreen eine kleine Fortschrittsanzeige mit, die dem Spieler immer zeigt, wie weit es bis zum Ziel ist. Innerhalb der Level wechseln sich immer wieder "High"speed- und Geschicklichkeitspassagen ab. Während es bei hohen Geschwindigkeiten eigentlich nur darum geht, nirgendwo gegenzustoßen, sind die Geschicklichkeitsabschnitte um einiges schwieriger zu absolvieren. Besonders viel Geschicklichkeit erfordern auch wieder die Wisp-Fähigkeiten, die Sonic-Fans schon aus Sonic Colours für die Wii kennen sollten.

 

Von Zeit zu Zeit erhält der blaue Igel aus in den Leveln verstreuten Kapseln die sogenannten Wisps. Diese speziellen Power-Ups verwandeln Sonic in eine dem Level angemessene Form. Da wäre zum Beispiel der gelbe Bohrer, durch den Sonic sich unter Wasser schneller fortbewegen und Hindernisse aus dem Weg bohren kann. Oder das graue Erdbeben, durch welches sich Sonic in einen per Bewegung des 3DS steuerbaren Steinklumpen verwandelt. Besondere Wisps werden erst in späteren Leveln freigeschalten, aber sind danach auch in den unteren Welten zu finden. Ein zweiter Spielgang lohnt sich also!

 

Auch steuerungstechnisch hebt sich Sonic Lost World von anderen Titeln der Reihe ab. Während mit dem Schiebepad gelaufen und mit A gesprungen wird, sprintet Sonic mit R richtig los. Und mit "Richtig" meine ich, dass der Geschwindigkeitsunterschied deutlich spürbar ist! Nach einem Sprung kann in der Luft per A ein Doppelsprung oder mit Y ein Salto ausgelöst werden, der einen nahen Gegner betäubt.

Besonders in Bezug auf Wände wurde Sonics Bewegungsrepertoire stark erweitert. So kann er nach Aufnahme von genug Speed Wände sowohl in 2D als auch in 3D erklimmen. In 3D können Wände sogar parkourmäßig seitwärts bezwungen werden. So entsteht nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ein echt wahnsinniger Spielfluss!

Außerdem ist wieder die Homing Attack verfügbar, das heißt, dass bei einem Sprung automatisch Ziele ausgewählt werden, die durch A angesprungen und zerstört werden. Die Betonung liegt hierbei übrigens auf "automatisch", denn als Spieler hat man keinen Einfluss auf die Wahl. Und so passiert es schon mal, das man nur eine Sprungfeder anvisieren will, das Spiel aber eine Horde Roboter anvisiert. Eigentlich ist das egal, aber besonders im Zeitangriff bedeutet nun einmal jede überflüssige Aktion verschenkte Sekunden.

Anzumerken ist noch, dass

 

Apropos Zeitangriff. Jedes erfolgreich absolvierte Level ist auch im Zeitangriff-Modus verfügbar, der sich einzig und allein um das Erreichen von Bestzeiten dreht. Diese können online unter anderem mit Freunden, landesweit oder sogar weltweit verglichen werden!

Des Weiteren sind sowohl lokaler als auch Online-Multiplayer vorhanden, die sich aber leider noch nicht austesten ließen, da die Suche nach einem Gegner für die Online-Rennen oder Münzsammelwettstreite erfolglos blieb. Lobend ist hierbei aber zu erwähnen, dass auch an einen Download-Modus für Nichtbesitzer des Spiels gedacht wurde.

 

Grafisch kann man am Spiel quasi nichts aussetzen. Die Texturen sind klar und scharf, die Gegnermodelle detailliert gestaltet und aufgrund der Vielfalt an Welten ist immer wieder Abwechslung geboten. Der 3D-Effekt wurde nicht ins Gameplay einbezogen, ist aber trotzdem schön anzusehen. Besonders bei höheren Geschwindigkeiten wird man förmlich in das Spiel hineingesogen. Als einziges Manko fällt die katastrophal niedrige Auflösung der (übrigens deutsch synchronisierten) Zwischensequenzen auf. Sie sehen im Vergleich zum Rest des Spiels einfach nur schrecklich aus und schmälern den sonst so guten Gesamteindruck.

Auch der Soundtrack ist Sonic-typisch einfach gehalten. Trotzdem fiel es mir ab und zu auf, dass ich doch glatt einen Ohrwurm vom Titelsong hatte. Und die Hintergrundmusik der Schneelevel könnte glatt als Weihnachtssong durchgehen.

 

 

Meckerecke

 

Während meines ersten Spieldurchganges kannte ich eigentlich nur zwei Zustände. Absolute Unterforderung oder absolute Überforderung. Und diese Überforderung entstand nicht etwa durch den hohen Schwierigkeitsgrad, sondern primär durch zwei Dinge. Da wäre erstens die manchmal wirklich katastrophale Kamera. Es passierte mehr als einmal, dass meine Sicht auf den blauen Igel durch irgendwelche Objekte verdeckt wurde. Naja gut, in einigen Leveln kann man die Kamera per Knopfdruck hinter Sonic positionieren. IN EINIGEN. Wer eine Runde "Such' die Logik" spielen möchte, darf dies jetzt tun. Der zweite Grund für meine zeitweilige Überforderung war eigentlich doch der Schwierigkeitsgrad. Aber das soll nicht bedeuten, das Spiel wäre zu kompliziert. Nein, es ist an einigen wenigen Stellen einfach nur UNFAIR! Zu oft lauert hinter uneinsehbaren Ecken direkt ein Roboter, mit dem man einen unfreiwilligen Zusammenstoß einfach nicht vermeiden kann. Und eigentlich sollte doch in jedem grundlegenden Game Design-Seminar gelehrt werden, dass so etwas einfach nur frustrierend ist. Im Gegensatz dazu gab es auch streckenweise Level, die sich so einfach spielen ließen, dass ich mein Gehirn quasi ausstellen konnte und nur noch im Autopilot zockte. Das gleiche gilt auch für die Bosse. Entweder sie sind einfach nur viel zu leicht oder viel zu schwer. Und das nervt mit der Zeit.

Habe ich eigentlich schon die Speziallevel erwähnt? In ihnen werden in einem bestimmten Zeitlimit farbige Orbs eingesammelt, um jeweils die Chaos Emeralds zu erhalten. Hierzu steuert man Sonic per Bewegungssensor durch eine Art Weltraum. Die Betonung liegt hierbei auf Bewegung, denn um eventuelle Zusammenstöße zu vermeiden, sollte man mindestens einen Radius von zwei Metern um sich herum schaffen. Für Zocker mit schwachem Magen (wie ich es leider bin) sind diese Level wirklich nur äußerst bedingt zu empfehlen!


Wenn euch das Review gefällt, dann unterstützt uns via:

Fazit

Während Nintendo mit Mario in einer innovationstechnischen Sackgasse steckt, hat sich SEGA vom Muff alter Sonic-Spiele befreit. Die Konzentration lag während der Entwicklung endlich wieder auf Innovation und Spielfluss. Leider wurden deshalb so wichtige Punkte wie Kameraführung und Schwierigkeit vernachlässigt. Wer also frustresistent ist und einfach mal wieder Lust auf ein gutes, ideenreiches Sonic hat, kann mit Sonic Lost World wirklich nichts verkehrt machen. Alle anderen sollten sich einen Kauf vielleicht nochmal überlegen...

Grafik

super

Sound

super

Steuerung

ok

Spielspaß

ok

75%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

18.10.2013

Developer

Sonic Team/Dimps

Publisher

Nintendo

Anzahl Spieler (Lokal)

1-4

Anzahl Spieler (Wi-Fi)

1-4



Neue Wertungsskala für 3DS-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort bei 3DS-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


Aktuell auf 10doTV

10do Show

März-Ausgabe: Switch - Erste Eindrücke

RSS-FeedDie 10do Show in iTunes