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Reviews: Nintendo 3DS

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Tekken 3D Prime Edition

Beat 'em Up

22.02.2012

Autor: Lukas Strübig

 

 

Der erste Herausforderer

 

In seiner recht kurzen Laufzeit beginnt der 3DS langsam, nicht nur jedes Genre zu bedienen, sondern innerhalb dieser Genres die ersten Revierkämpfe zu sehen. So war im Bereich des 3D Beat 'em Ups Dead or Alive: Dimensions lange Zeit der unangefochtene Platzhirsch. Ganz einfach deshalb, weil es niemanden gab, der diesen Rang hätte anfechten können. Doch jetzt bequemt sich Tekken, ein alter Brawler Veteran, in die Arena. Kann er dem Kampf um Leben und Tod den Rang ablaufen?

 

 

Gameplay

 

So sehr sich beide Serien zu Anfang auch zu ähneln scheinen, tun DoA und Tekken das gleiche, was zum Beispiel Call of Duty und Battlefield tun: Sie gehen sich einfach aus dem Weg. Wo Dead or Alive ein eher schnelles und dynamisches Gameplay bietet, fährt Tekken lieber auf der Strategie-Schiene. So hat man sehr viel mehr Angriffsoptionen, da man gezielt Attacken von links oder rechts einsetzen kann, um die Deckung des Gegners zu durchdringen. Zwei weitestgehend ebenbürtige Gegner müssen daher Geduld aufbringen, um einander zu schaden, nicht nur schnelle Reaktion ist geboten, sondern auch beherztes Angreifen und Austricksen des Gegners soll gelernt sein. Denn je mehr und härter man angreift, desto stärker gibt man seine Deckung auf, und ist bei einem Fehler umso verletzlicher.

 

Das Kampfsystem ist daher sehr viel schwerer zu lernen und deutlich anspruchsvoller als bei DoA, kann bei einem überlegenen Gegner aber auch umso frustrierender werden, da am Boden liegende Kämpfer weiterhin attackiert werden können, was hin und wieder zu starken Spam Orgien führt, indem ein nicht ganz so schneller und wendiger Charakter kaum noch Chancen auf Erfolg hat. Tekken ist somit ein totales Konkurrenzspiel. Es vergibt nicht; wenn du am Arsch bist, bist du am Arsch. Wer also nicht mit besonders viel Ehrgeiz an sein Spiel heran gehen will, sollte einen großen Bogen um Tekken machen, denn selbst im Singleplayer wird der Schwierigkeitsgrad automatisch dem Rang des Spielers angepasst, und der steigt beständig. Manchmal reicht ein Teilsieg in einem ansonsten verlorenen Multiplayer Match: Schwups ist man einen Rang höher und hat auch im Singleplayer härtere Nüsse zu knacken.

 

Der Singleplayer an sich wirkt allerdings leider recht unfertig, was vor allem daran liegt, dass ein Story Modus fehlt. Und hier werden mir vielleicht Einige Doppelmoral vorwerfen, da ich in meinem Dead or Alive Review bereits behauptete, dass eine Story in einem Kampfspiel unwichtig sei. Und dabei bleibe ich auch, die Story selbst, also die Handlung, kann auch von mir aus so dämlich, unlogisch und bescheuert sein wie sie will, dennoch muss es sie geben, da sie den Charakteren einen Hintergrund gibt und damit einen Bezug zum Spieler aufbaut.

 

Weiß ich zum Beispiel, warum die Japanerin Asuka gegen einen Panda kämpfen sollte? Nein, ich habe nicht die geringste Ahnung, und so habe ich auch gar keinen Anhaltspunkt, mit welchem der 40 Charaktere ich gerne kämpfen würde. Hat man dann doch irgendwann einen Kämpfer ausgesucht, mit dem man gerne kämpft, bleibt sonst nur ein "Schneller Kampf" Modus, in dem man gegen zufällig gewählte Gegner kämpft oder ein "Überleben Spezial" Modus, indem man eine gewisse Anzahl an Gegnern besiegen muss. Dead or Alive bietet hier sehr viel mehr Umfang, denn alles, was sich abseits weiterer Outfits für Charaktere freischalten lässt, sind Bilder in einer Art Gelerie, und das ist nicht gerade das motivierendste Feature.

 

Aber Tekken 3D wurde auch immerhin mit Blick auf den Online-Multiplayer entworfen und hier spielt es schon eher seine Karten aus. Zum einen natürlich wegen dem Rang System, das dem eigentlichen Konkurrenzkampf der Spieler eine Form gibt. Leider schaltet man durch das Erreichen höhere Ränge nichts frei, weshalb die Ranggebung an sich nicht die Allerbeste ist, jedoch macht es im Hinblick auf den Multiplayer schon Sinn, dass mit erhöhtem Rang auch der Schwierigkeitsgrad steigt. Ein richtiger Meister der Kampfkunst würde seinen Schüler ja auch immer wieder neu heraus fordern.

 

Allerdings funktioniert ein Online-Multiplayer auch nur, wenn es auch genug Spieler gibt, die ihn nutzen, und da musste ich die letzten Tage doch um Tekken 3D fürchten. Zu beginn traf ich nämlich kaum auf Gegner und die meisten Begegnungen endeten mit einer Fehlermeldung. Dennoch füllt sich langsam die Lobby und man trifft schon immer häufiger auf Gegner. Ich könnte dem Spiel vielleicht vorwerfen, dass es mich als Anfänger sofort mit jemandem mit einem unglaublich hohen Rang in ein Spiel geworfen hat, andererseits muss das System halt auch mit dem Arbeiten, was es bekommt und wenn das nun gerade der beste Spieler der Welt ist, ist das immer noch besser als nichts. Jedenfalls beginnt der Mehrspieler-Modus deutlich, an Form anzunehmen. Wie das in Zukunft aussehen wird, will ich allerdings noch nicht abschätzen.

 

"Ultraschnell und dynamisch" sind die Kämpfe, wie hinten auf der Verpackung beschrieben, allerdings nicht. Selbst mit ausgeschaltetem 3D läuft das Spiel gerade mal mit 30 FPS, und je nach dem wie weit der Gegner entfernt ist, macht sich der Ping bemerkbar. So glichen Kämpfe gegen japanische Gegner allesamt einer Diashow, Matches gegen europäische Kollegen (man kann die Region, in der man nach Gegner suchen will übrigens nicht einstellen) liefen weitestgehend flüssig.

 

Ob der Multiplayer von Tekken 3D also unter einem guten Stern steht oder nicht liegt daher noch in der Hand von Bandai Namco, die noch einmal die Server verbessern und vor allem die Userbase durch eine bessere Werbekampagne erhöhen sollten. Eine Alternative haben Beat 'em Up Fans allerdings nicht wirklich, denn online-technisch ist Dead or Alive eher ersteres.

 

Neben dem Spiel befindet sich auf dem Modul übrigens noch der Film Tekken: Blood Vengance. Warum lasse ich diesen Film nicht als Story für das Spiel gelten? Weil nur ein Bruchteil der Charaktere in ihm auftritt, deshalb. Über den Film selbst möchte ich nicht allzu viel schreiben, der 3D Effekt ist jedenfalls gelungen, die engliche Synchro okay, die Animationen im Film wirklich schön anzusehen, auch wenn alle Frauen das selbe Barbie-Lächeln haben, nur die Handlung hätte weniger Teenie Schmarn und mehr Action haben können. Ich meine, wo Blood Vengance drauf steht sollte auch Blood Vengance drin sein, nicht Japano School Girl Drama. Es ist auf jeden Fall eine schöne Sache, dass Bandai Namco den Film beigelegt hat, denn er zeigt eindrucksvoll, dass der 3DS sehr wohl gutes 3D Kino liefern kann.

 

 

Grafik

 

Grafisch verspricht Tekken viel, hält davon aber weniger. Die Charakter Modelle sind zwar gut gelungen, die Texturen sind aber die meiste Zeit eher matschig. Die Arenen wurden gut in die 3D-Fähigkeit des Handheld eingebunden, weshalb dieser eine wirklich großartige Tiefe bietet. Teilweise scheinen auch einige Dinge aus dem Bildschirm heraus zu ragen und tatsächlich lenkt einen dieser großartige Tiefeneffekt manchmal sogar vom eigentlichen Kampfesgeschehen ab.

 

Leider sind die Objekte im Hintergrund nur billige Bitmaps, wie man sie seit 2006 aus der Entfernung nicht mehr gesehen hat. Das größte Problem hat Tekken aber darin, dass die Kamera vom Geschehen ein bisschen zu weit entfernt ist, und das hier etwas zu starke Aliasing gehörig Atmosphäre frisst. Dead or Alive machte hier einen deutlich stimmigeren Eindruck.

 

Tekken hat dafür deutlich mehr Musikstücke, die von J-Pop über traditionell japanische Musik bis hin zu fröhlichem Gejodel reichen. Zumindest seine Verrücktheit hat Tekken hier bewahrt.

 

Die Sprachausgabe hat dabei einen Englisch-Japanisch Mix, der einem zuerst logisch vorkommen mag, da die verschiedenen Charaktere aus verschiedenen Ländern kommen. Allerdings fällt einem irgendwann auf, dass das doch recht halbherzig in der Umsetzung ist: Warum spricht die Chinesin Xiaoyu Japanisch? Und warum der Spanier Miguel Englisch? Letzten Endes sind allerdings die Sprecher nach wie vor gut, und das ist das Wichtigste.

 

 

Vielen Dank an Nintendo für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Fazit

Tekken 3D ist kein wirklicher Konkurrent von Dead or Alive. Es ist eine Alternative. Wer mehr auf herausforderndes, eliteres und unvergebendes Gameplay steht wird hiermit sehr viel glücklicher als mit dem eher seichteren Werk von Team Ninja. Tekken ist aber auch vor allem etwas für die jenigen, die sich online mit dem Rest der Welt messen wollen, denn in Sachen Multiplayer gibt es zumindest momentan kein Beat 'em Up mit mehr Potenzial. Reine Singleplayer Puristen sollten aber aufgrund des fehlenden Story Modus eher ihre Finger von diesem Spiel lassen.

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

71%

Singleplayer

83%

Multiplayer

Release

17.02.2012

Developer

Namco Bandai

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

16+

Anzahl Spieler (Lokal)

1

Anzahl Spieler (Wi-Fi)

2

Anzahl Spieler (WLAN)

2



Neue Wertungsskala für 3DS-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort bei 3DS-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


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