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Reviews: Nintendo 3DS

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Tales of the Abyss

RPG

18.02.2012

Autor: Sascha Zhivkov

 

 

Die in Japan so beliebte Tales of-Serie von Bandai Namco fristet in Europa ein Schattendasein, Fans klassischer, fernöstlicher Rollenspiele bangen bei jeder Neuankündigung darum, dass die Titel überhaupt hierzulande erscheinen. Dass dies dann mitunter 1-2 Jahre nach Japan-Release und in der Regel ohne Lokalisierung geschieht, hat man schon als notwendiges Übel akzeptiert. Bei Tales of the Abyss sah es dennoch lange nicht danach aus, dass wir das Spiel noch bekommen würden: 2005 erschien es für PlayStation 2, aber natürlich nicht in Europa. Und so verdanken wir Nintendos Handheld nun doch noch den späten aber heiß ersehnten Auftritt des Spiels in hiesigen Gefilden.

 

Raus in die Welt - aber komme ich damit überhaupt zurecht?

 

Wir schlüpfen in die Rolle von Luke, einem verzogenen Mitglied des Adels im Staate Kimlasca. Er lebt seit Jahren in seinem Schloss einen gleichen, langweiligen Tagesablauf und hat ein besonders enges Verhältnis zu seinem Schwertlehrer Master Van aufgebaut. Doch dann erscheint plötzlich eine Attentäterin, die Van umbringen will. Obwohl dies misslingt, berührt die magiebegabte Tear Luke und beide teleportieren sich fernab der Heimat in das Feindesterritorium von Malkuth, mit dem Kimlasca kurz vor einem Krieg steht. Die Story wirft direkt viele Fragen auf: Was wollte Tear von Van? Kann Luke ihr glauben, dass sie ihn nach Hause bringen will? Warum sind die beiden Staaten verfeindet? Und welche magische Macht hat die beiden teleportiert?

 

Story und Charaktere sind die größte Stärke von Tales of the Abyss, und das aus mehreren Gründen. Zunächst sieht es so aus, dass Luke nur nach Hause gebracht werden soll, aber das ist lediglich der Auftakt zu einem viel größeren Abenteuer, bei dem es darum geht, einen aufziehenden Krieg zu verhindern. Dunkle Fäden im Hintergrund scheinen diesen Krieg zu wollen und schon bald stellt sich heraus, dass Freund und Feind in dem Spiel anders handeln als vermutet. Gleichzeitig besteht die Party aus sechs vollkommen unterschiedlichen und sehr interessanten Charakteren. Da ist der störrische Luke, den Konventionen nichts scheren und der sich gegenüber einfachem Volk herablassend benimmt. Da ist die geheimnisvolle Tear, der Malkuth-General Jade, Lukes Diener Guy, die Luke versprochene Kimlasca-Prinzessin Natalia und die Beschützerin des sog. Fon-Masters Ion, genannt Anise. Zu Beginn halten sich die einzelnen Party-Mitglieder ob ihrer Ziele noch bedeckt, häufig sagen sie, dass sie nicht sagen können, welchen Plan sie in wessen Auftrag ausführen. Später jedoch verschreiben sich alle auf das gemeinsame Ziel, den Krieg zu verhindern, und verbünden sich zu diesem Zweck.

 

Die Story spricht zudem verschiedene kontroverse Bereiche an, etwa die Religion: Die Bewohner der Welt von Tales of the Abyss glauben an das von Yulia niedergeschriebene Schicksal in der Score – einer uralten Schriftrolle, die die Zukunft voraussagt und deren Wahrheit für die Bewohner unumstößlich ist. Und ratet mal? Natürlich sagt sie den Krieg voraus. Auch die Wissenschaft wird kritisch hinterfragt, da sich herausstellt, dass sie benutzt wurde, um die Konflikte der beiden Staaten zu verschärfen. Ohne spoilern zu wollen, ist es sehr gut, dass die einzelnen Protagonisten häufig Teil dieser verschiedenen Gruppen sind – von beiden Imperien, von der Wissenschaft, von der religiösen Gemeinschaft – und das Abenteuer zudem dramatische Wendungen durchläuft, die Charaktere sich entwickeln etc. Die Geschichte packt einen recht schnell und motiviert so zum weiteren Durchspielen. Cutscenes und einige wenige Animé-Sequenzen runden die stimmige Präsentation ab.

 

 

Große, abwechslungsreiche Welt – kleine Dungeons

 

Die Reise Lukes zurück nach Hause und darüber hinaus führt Luke durch eine abwechslungsreiche Welt, die durch eine serientypische Oberweltkarte die einzelnen Orte miteinander verbindet. Auf dieser erscheinen aus dem Nichts zahlreiche Gegner, die leider oft schneller als die Party flitzen und uns so auch in Kämpfe stürzen, wenn man sie eigentlich eher vermeiden wollte. Dennoch sind die einzelnen Kontinente sehr abwechslungsreich gestaltet – es gibt Felder, Wälder, Wüsten, Eislandschaften und felsige Gegenden. Einzelne Ortschaften oder Dungeon-Gebiete werden per Klick besucht. Die Spielfrequenz ist dabei erfreulich hoch, sodass man selten länger als 20-30 Minuten an einem Punkt verbringt.

 

Die Geschichte zieht sich so nicht unnötig in die Länge, wenngleich Cutscenes häufig vorkommen. Die Städte sind sehr unterschiedlich gestaltet, viele dienen einem bestimmten Zweck, z.B. der Religion, dem Bergbau, dem Urlaub oder dem Handel. Ihre einzelnen Bewohner sind sich der politischen Ereignisse bewusst und antworten je nach Fortschritt der Story auch unterschiedlich. Trotzdem ist das städtische Leben insgesamt relativ statisch und Orte bleiben meist eher eine Durchgangsstation. Bereits nach kurzer Zeit erlangt man Kontrolle über das Schiff Tartarus, welches man erfreulicherweise an bestimmten Häfen und Anlegepunkten verlassen kann und so für ein angenehm schnelles Erreichen der diversen Ortschaften und Kontinente sorgt. Später im Spiel gibt es vermehrt kleinere Nebenquests, die beispielsweise Kistenschieben oder kleinere Transportaufträge umfassen. Auch ein Kolloseum und ein Casino dürfen nicht fehlen.

 

Was die Dungeons angeht, so merkt man dem Spiel auch hier seine PS2-Herkunft an. Mit jeweils statischer Kamera durchstreift man diese, besiegt Gegner und löst kleinere Rätsel, die jedoch recht mager und einfach ausgefallen sind. Am Ende steht meist ein Endboss. Erfreulicherweise hat man selten das Gefühl, lange aufleveln zu müssen, bevor man eine Chance gegen diese Bosse hat – Levelgrinding als künstliche Spielzeitverlängerung ist in großem Ausmaß nie nötig. Auch die Dungeons sind abwechslungsreich gestaltet und reichen von Wäldern über Höhlen, Bergpässe, Minen und Schlossruinen – sie bleiben aber alle für mich einen Tick zu klein und linear. Schön ist auch, dass die Speicherpunkte fair gesetzt wurden.

 

 

Echtzeitkämpfe und JRPG? Klappt gut! Sogar sehr gut!

 

Gameplaytechnisch beschreitet Tales of the Abyss wenig Neuland und bleibt Seriengewohnheiten treu, bietet dem Spieler aber genügend Komplexität, um nie langweilig zu werden. Man steuert immer einen Charakter aktiv, den man etwa klassisch zuschlagen oder eine der insgesamt fünf gleichzeitig auswählbaren Spezialfertigkeiten, sogenannte Artes, ausführen lassen kann. Zusammengereiht ergeben sich so schöne Kombos, die dem Gegner Zusatzschaden zufügen. Leider kann es passieren, dass hier ab und zu die falsche Attacke ausgewählt wird. Dabei bewegt sich die Spielfigur üblicherweise nur horizontal zum Gegner über den Bildschirm, man kann aber per Knopfdruck frei umherlaufen und sich so zum Beispiel von hinten an Gegner heranschleichen.

 

Das Verhalten der anderen Gruppenmitglieder ist bestimmbar und die KI macht grundsätzlich einen guten Job, sodass man sich zum Beispiel auf Heiler gut verlassen kann. Wer viel Schaden einsteckt, darf im Wutmodus noch mehr austeilen. Zusätzlich lernen die Charaktere unterschiedliche AD Skills, die teils passive Effekte haben, teils aber auch aktive Kampfmoves beinhalten, die einem per Tastenkombination Vorteile verschaffen können. Darüber hinaus entstehen nach der Benutzung von Zaubersprüchen auf dem Boden Kreise, in denen man mit der richtigen Tastenkombination deutlich stärkere Angriffe vom Stapel lassen kann. Um dem komplexen System noch eins aufzusetzen, beeinflussen neben der Ausrüstung auch bestimmte Steine, die Capacity Cores, welche Fähigkeiten beim Levelaufstieg einen Bonus erhalten.

 

All dies mag schwierig klingen, spielt sich in der Realität aber doch recht flott. Leider reicht in vielen Kämpfen einfaches Buttonmashing aus, und etwas Taktik ist nur bei Bosskämpfen gefragt. Zudem werden viele der oben beschriebenen Features nur sehr kurz eingeführt und verschwinden danach für immer und ewig im Menü. Gerade die zahlreichen AD Skills wendet man in der Praxis so leider zu selten an. Überhaupt ist die Menüführung an manchen Stellen etwas unglücklich gestaltet, da zum Beispiel beim Händlereinkauf Waffen zwar verglichen, die einzelnen Werte jedoch nicht gegenübergestellt werden. Auch gibt es viele Items, deren Wirkung man erst gar nicht bemerkt.

 

 

Endlich bei uns - aber leider nicht für den 3DS gemacht

 

Die Technik von Tales of the Abyss ist ein zweischneidiges Schwert. Man merkt dem Spiel deutlich an, dass es für eine andere Plattform entwickelt worden ist. Die Areale sind recht klein, man trifft häufig auf unsichtbar Mauern und Beschränkungen und die Kamera ist außer auf der Oberweltkarte immer statisch. Leider trägt auch der 3D-Effekt nicht wirklich zur Spielerfahrung bei. Er ist zwar nett gemacht und hebt zum Beispiel die serientypischen Dialoge der einzelnen Charaktere schön hervor. Ja, manche Details in den Dungeons werden hervorgehoben, das freie Laufen in den Kämpfen erleichtert die Orientierung und Zwischensequenzen wirken plastischer. Wirklich ins Spielgeschehen eingebaut hat man den 3D-Effekt allerdings nicht, was mit Abstrichen auch für das Touchpad gilt.

 

Grafisch präsentiert sich das Spiel abwechslungsreich, aber man hat nicht das Gefühl, dass noch einmal etwas grundlegend überarbeitet worden ist. Der Soundtrack des Spiels gefällt mir gut, auch die Vertonung der Sprecher in den Zwischensequenzen ist gelungen – nur leider wurden die Dialoge der Charaktere nicht vertont, was im Vergleich zum großen Bruder Tales of Vesperia doch deutlich Atmosphäre kostet, da gerade hier die Beziehung der einzelnen Charaktere untereinander sowie interessante Hintergrundinfos vermittelt werden.

 

Im Gegensatz zur PS2-Version hat es der Multiplayermodus leider nicht auf den 3DS geschafft, es gibt allerdings eine Sache, die die 3DS-Version vom PS2-Original wirklich sinnvoll abhebt: Man kann auf dem Touchscreen vier Fähigkeiten ablegen und diese dann im Kampf jederzeit einsetzen. Der Clou dabei ist, dass das auch die NPC mit einschließt. Man kann also Tear, eine Heilerin, durchaus aggresiv einsetzen, ihr dann aber per Direktzugriff auf dem Touchscreen jederzeit mit einem Klick sagen, dass sie heilen soll. Das erhöht die taktische Komponente in meinen Augen deutlich, da man es auch für Komboangriffe sehr gut nutzen kann.

 

 

Zweitmeinung von Gunnar

 

Wo Tales of drauf steht ist auch Tales of drin. Das gilt natürlich besonders für Tales of the Abyss, hat das Original doch schon einige Jahre auf dem Buckel. Auch wenn man technisch dem Spiel seine PlayStation 2 Herkunft anmerkt und der 3DS zu deutlich mehr in der Lage ist, sollten sich Fans von japanischen Rollenspielen das Abenteuer sofort kaufen. Ich kann Sascha nur zustimmen, dass die Geschichte, auch wenn ich ehrlich gesagt noch mitten im Abenteuer stecke, zu jeder Zeit spannend ist und mit einigen serientypischen Wendungen und emotionalen, fast schon dramatischen Situationen aufwartet. Die Charaktere sind allesamt sehr unterschiedlich und deshalb auch so interessant. Und das Gameplay funzt wie eh und je. Alles weitere hat Sascha bereits herausgestellt, so dass ich jetzt lieber selbst weiter zocke als noch mehr zu schreiben..


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Fazit

Insgesamt ist Tales of the Abyss einer der bislang besten erschienenen Titel für den Nintendo 3DS, den sich keiner entgehen lassen sollte. Das auf dem DS so grandios vertretene Rollenspiel-Genre bekommt nun auch auf Nintendos neustem Handheld endlich Futter. Auch wenn man dem Spiel seine PS2-Herkunft deutlich anmerkt, so stellt sich der Suchtfaktor schnell ein. Während Gameplay und Inszenierung lediglich durchschnittlich bleiben, ist es vor allem die sehr starke und gut erzählte Story voller überraschender Wendungen, die einen zum Weiterspielen motiviert. Auch die Party gehört mit zum Sympathischsten und Abgestimmtesten, was Rollenspiele in den letzten Jahren geboten haben. Da das Spiel zudem nur in sehr geringen Stückzahlen verkauft wird, ist Eile geboten, denn bald wird man Tales of the Abyss nur noch zu absolut überteuerten Preisen bekommen. Ihr solltet es euch, sofern Ihr des Englischen relativ gut mächtig seid, noch vorher sichern – sein Geld sind die 40-60 Stunden Spielzeit auf jeden Fall wert!

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

super

84%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

25.11.2011

Developer

Namco Tales Studio

Publisher

Namco Bandai

USK Freigabe

6+

Anzahl Spieler (Lokal)

1



Neue Wertungsskala für 3DS-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort bei 3DS-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


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