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Reviews: Nintendo 3DS

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James Noir's Hollywood Crimes 3D

Adventure

01.12.2011

Autor: Mario Kablau

 

 

Endlich mal ein cooles Rätselspiel!?

 

Dass ich die Titel der Reihe Professor Layton mag, dürfte kein Geheimnis sein. Zumindest bis zum vierten Teil, der hat mich nämlich eher negativ überrascht. Vor allem das Konzept wird mir langsam zu uninspiriert, weil sich einfach nichts verändert. Von daher kam es mir recht, dass nur eine Woche nach dem Ruf des Phantoms ein Spiel erschienen ist, auf das ich mich schon seit fast 18 Monaten gefreut habe.

 

Als der 3DS von Nintendo auf der E3 2010 angekündigt wurde, waren natürlich auch Spiele von Drittentwicklern dabei. Eines davon war James Noir’s Hollywood Crimes von Ubisoft. In diesem Spiel schlüpft man in die Haut eines Rätselmeisters, der nicht nur gerade Teilnehmer einer Spielshow ist, sondern auch dem FBI bei einem Fall zu einer Mordserie hilft. Die Demo hat gezeigt, dass sowohl die Grafik überzeugen kann, als auch die Rätsel scheinbar frisch und clever sind. Es gab also Grund zur Vorfreude.

 

Nun habe ich das Spiel durchgespielt und muss meine Meinung ein wenig relativieren, denn ich habe einfach etwas völlig anderes erwartet. Aber eins nach dem anderen, zunächst ein paar genauere Worte zur Geschichte. Wie gesagt ist man selbst ein in Rätsel vernarrter Mensch, der sich bei der großen Spielshow der 60er Jahre bewirbt. Hollywood Crimes spielt übrigens 1961, logischerweise in Hollywood.

 

Bei dieser Show treten zwei Kandidaten wochenweise im Wechsel gegeneinander an, indem sie Rätsel lösen und dafür Punkte kriegen. Nur wer in seiner Woche den aktuellen Mindestpunktestand erreicht, bleibt im Spiel. Wer zuletzt übrig bleibt, der bekommt eine einjährige Weltreise mit Übernahme aller Kosten vom Fernsehsender spendiert. Ich bewerbe mich also und muss dafür zunächst ein Foto von mir machen, meine privaten Daten und meinen Wohnort eingeben und schon kann die Warterei beginnen. Die Produzentin sagt mir, ich solle gehen und auf den Anruf warten, bloß nicht soll ich mich selber melden.

 

Ein paar Wochen später bin ich tatsächlich Teilnehmer und muss im Fernsehen Rätsel lösen. Doch dabei bleibt es im Spiel natürlich nicht, nach der ersten Runde spricht mich in einer Bar mein ehemaliger Mitbewohner an, der mittlerweile beim FBI arbeitet. Er hat meine Rätselfähigkeiten bestaunt und möchte, dass ich ihm bei seinem aktuellen Fall helfe. Ein Mörder treibt sein Unwesen in Hollywood und zu allem Überfluss hinterlässt er Hinweise auf zukünftige Taten in Form von Rätseln. Diese muss ich also lösen, um ihm auf die Schliche zu kommen und zwischendurch in der Spielshow auftreten.

 

 

Bunt vs. Düster!

 

Grundsätzlich finde ich die Idee, diese beiden so verschiedenen Elemente zu verknüpfen, ziemlich genial. Auf der einen Seite die bunte Welt im Fernsehen mit einem aufgedrehten Moderator und einer Punkteanzeigen-Frau im für damalige Zeiten sexy Look und auf der anderen Seite die fiesen und dunklen Morde. Doch leider ist nur die Idee gut, an der Umsetzung krankt es ziemlich. Warum?

 

Zunächst ist das Spiel vom Stil her zwar gelungen, aber die Entwickler haben es sich zu einfach gemacht. Alle Charaktere im Spiel sind nämlich von echten Schauspielern gespielt worden, die dann in die virtuelle Umgebung gesetzt worden. So passt es auch, dass die Innenkamera des 3DS häufig eingesetzt wird, zum Beispiel wenn ich im Spiel in einem Spiegel gucke. So ist klar, dass wirklich ich der Protagonist bin. Das Problem ist jedoch, dass für sich wiederholende Aktionen, wie zum Beispiel die typische Handbewegung der Anzeigen-Dame oder die Kommentare des Moderators viel zu wenige Szenen aufgenommen wurden. Bei normalen Dialogen wiederholt sich die Sequenz alle 1,5 Sekunden, so dass es irgendwie schief wirkt.

 

Aber viel schlimmer ist, dass das Spiel noch weniger Freiheiten lässt als das aktuelle Layton-Abenteuer. Man muss nämlich nichts tun außer Rätsel lösen. Alles andere läuft ab wie in einem Film und man darf nur hin und wieder mal Dialoge wegklicken. Es gibt also keinerlei Erkundungen, Suchen oder sonstige Dinge, die ein solches Spiel wirklich nach vorne bringen würden. Stattdessen wählt man entweder in der Spielshow einfach so lange Rätsel für Rätsel aus und löst sie, bis die benötigte Punktzahl erreicht ist, oder man lässt sich von seinem FBI Kumpel an einen Tatort bringen und knackt dort die Aufgaben, die der Mörder hinterlassen hat.

 

Erschwerend kommt hinzu, dass es zwar einige wirklich gelungene Rätsel gibt und 140 auch nicht zu wenige für das gesamte Spiel sind, jedoch haben es sich die Entwickler auch hier zu einfach gemacht. Viele Aufgaben wiederholen sich nämlich in leicht abgeänderter Form. So gibt es zum Beispiel einen Typ Rätsel, bei dem man einen bestimmten Wurm durch ein Labyrinth, dessen Wege von anderen Würmern versperrt werden, ans Ziel führen muss. Davon hatte ich alleine in der Spielshow sechs Versionen. Ebenso gibt es zwei Zahlenrätsel, die man zum Beispiel aus Sudoku - The Puzzle Game Collection für 3DS kennt mit unterschiedlichen Aufgaben. Auch manche 3D-Rätsel, bei denen man das Rätsel eines Würfels entschlüsseln muss, wiederholen sich mehrmals. So belieben von den 140 Rätseln vielleicht noch 25 oder 30 unterschiedliche Typen übrig, was ich dann doch ziemlich schwach finde.

 

Zuletzt ist noch die Geschichte nicht ganz so gelungen, bzw. ziemlich verwirrend. Nach etwa zwei Stunden Spielzeit war ich in der Show schon in Runde 4 (von maximal 6) und fragte mich, ob ich wohl gleich am Ende bin, die Abschnitte dazwischen laufen auch viel zu schnell ab, so dass man kaum folgen kann. Teilweise werden die zwei Wochen, die zwischen zwei Runden bei der Show liegen einfach überblendet, es passiert währenddessen nichts. Und an einem gewissen Punkt überschlagen sich dafür dann die Ereignisse, so dass man gar nicht folgen kann, was da gerade passiert und vor allem warum. Dann werden plötzlich drei Monate übersprungen und die Verwirrung ist komplett. Es wirkt einfach alles so willkürlich, auch die Auflösung am Ende fand ich eher fad und uninspiriert. Ich hatte einfach viel mehr erwartet.

 

 

Technik, Steuerung und Umfang!

 

Grafisch macht das Spiel sicher keinen schlechten Eindruck, vor allem die Idee, komplett mit echten Schauspielern zu arbeiten, finde ich gut und passend. Allerdings wurden wie gesagt einige Sequenzen einfach zu kurz gehalten, so dass die Dialoge teilweise eher lustig aussehen und technisch sauber ist auch nicht alles. Vor allem im Introvideo fand ich erschreckend, wie schlecht das aussah. Das lag aber nicht an der Grafik, die ist wirklich gut und realistisch, aber das Video hatte so viele Artefakte, das man kaum hinsehen konnte. Im Spiel selbst ist dann Kantenflimmern ein ziemlich großes Problem. Alles in allem also eher Durchschnitt. Leider.

 

Der Sound dagegen ist seht gut gelungen. Die Musik bleibt zwar abseits der Show ziemlich im Hintergrund, untermalt die Szenen aber immer gut. Auch die deutsche Sprachausgabe finde ich gelungen, hier war Ubisoft aber schon immer ziemlich vorbildlich. Allerdings gilt teilweise auch hier, dass es zu viele Wiederholungen gibt. Der Spruch „Bitte wähle deine nächste Aufgabe“ wird vom Host der Show gefühlt 100 Mal verwendet, das muss nicht sein.

 

Die Steuerung ist auch gut gelungen, per Touchpen geht alles gut von der Hand und wenn man sich mal umsehen muss, dann nutzt man dazu das Schiebepad. Auch das geht gut, ist aber leider nicht invertierbar, was bei mir wirklich jedes Mal für falsche Drehungen gesorgt hat. Die Idee, per Stift einen Cursor im Raum zu bewegen, finde ich gut und sie wurde gut umgesetzt. An der Bedienung gibt es also quasi nichts zu meckern.

 

Das ändert sich aber, wenn ich über den Umfang schreibe. Wie eben schon erwähnt, hatte ich nach knapp zwei Stunden das Gefühl, fast durch zu sein. Am Ende waren es dann knapp unter sechs, was ich immer noch ziemlich wenig finde. Allerdings hängt die Spielzeit natürlich sehr stark davon ab, wie schnell man die Rätsel durchschaut, die einem gestellt werden. Ich fand sie aber meist nicht sonderlich schwer und bin daher ohne Hinweise bei fast allen Aufgaben flott durch gekommen.

 

Gar nicht geht ein Teil des Spiels, in dem Fragen zur bisherigen Geschichte für ein Rätsel beantwortet werden müssen. Da diese Fragen teilweise winzige Details abfragen, half es mir nur, die entsprechenden Abschnitte noch mal zu spielen. Alleine das hat mich etwa 30 Minuten Spielzeit gekostet, die absolut nichts Neues zu bieten hatte. Ganz schwach!

 

Ergänzt wird der Umfang noch durch die Fanpost, die man bekommt, wenn man sich geschickt anstellt. Für jeweils 20 Punkte in der Show gibt es einen der maximal 100. Dazwischen findet man immer mal wieder Briefe vom Mörder oder Rätsel, die einem Fans zuschicken. Hier kann man sich also auch noch etwas beschäftigen, wirklich Neues habe ich jedoch leider nicht entdeckt. Schade.

 

 

Vielen Dank an Ubisoft für das Testmuster.


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Fazit

Ich habe mich sehr auf James Noir’s Hollywood Crimes gefreut, weit über ein Jahr lang habe ich auf das Spiel gewartet. Dass das keine gute Herangehensweise ist, weiß ich zwar, konnte es aber nicht ändern. Nun bin ich leider enttäuscht, da das Spiel nicht das gehalten hat, was die Demo versprach. Die Geschichte ist zu abstrus und wenig logisch, die Rätsel wiederholen sich zu oft, man hat keine Bewegungsfreiheit und technisch ist es nur Durchschnitt. Mir haben die sechs Stunden zwar teilweise durchaus Spaß bereitet, aber nicht so viel wie gehofft. Es ist eben ein Spiel das kurzweilig unterhält, die grauen Zellen fordert und fördert, aber insgesamt von allem zu wenig liefert und vor allem zu wenig wirklich Neues präsentiert. Unterm Strich also leider nur Durchschnitt für Rätselfreunde aber durchaus eine Überlegung wert.

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

62%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

24.11.2011

Developer

Ubisoft Montreal

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (Lokal)

1



Neue Wertungsskala für 3DS-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort bei 3DS-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


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