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Reviews: Nintendo 3DS

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Tim und Struppi

Jump 'n Run

13.11.2011

Autor: Marc Müller

 

 

 

Tim und Struppi in 3D? Wenn das Hergé noch erlebt hätte...

 

Wer hat sich nicht schon mal gewünscht in bestimmten Situationen die Möglichkeiten eines Comic-Charakters wahrzunehmen? Immerhin kann man die Abenteuer so einiger gezeichneter Helden nachspielen. Frisch in den Regalen steht seit ein paar Wochen Tim und Struppi für den 3DS. Was ihr vom Titel zu erwarten habt erfahrt ihr in unserem ausführlichen Review.

 

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Manche jüngere Leute werde es vielleicht kaum glauben, aber bereits bevor die große Manga und Anime Welle nach Europa schwappte gab es Comics. Besonders ausgeprägt ist die Kunstform seit jeher in Ländern wie Frankreich und Belgien gewesen. Die "Frankobelgische-Linie" machte Künstler international berühmt, wie etwa Franquin mit Spirou & Fantasio. Uderzo und Goscinny kennt jeder durch Asterix und ein weiterer ganz großer des Metiers war Hergé. Hergé schuf bis zu seinem Tod im Jahr 1983 über 24 Bände von Tim und Struppi. Bestseller im Printbereich ziehen ja bekanntlich früher oder später Filmepisoden nach sich. Und so traf es auch Tim und Struppi, von denen es bereits in den sechziger Jahren Zeichentrick-Filme gab, welche allerdings bei Publikum und Kritikern nicht überzeugen konnten. Kein geringerer als Steven Spielberg, sicherte sich vor vielen Jahren die Filmrechte für neue Produktionen der Serie. Zusammen mit Peter Jackson, als nahezu ebenbürtigen Partner, wurde Tim und Struppi dann "endlich" Ende 2011 als Großproduktion in die Kinos gebracht. Da durfte natürlich auch ein Lizensspiel zum Film nicht fehlen.

 

Es ist schon etwas amüsant, wenn man sich den Werdegang von Tim und Struppi einmal anschaut. Vom Comic zur Zeichentrickserie. Von daraus als Videospiel auf PC und Super Nintendo (Infogrames, 1995). Dann eine große Pause bis die Helden neu kreiert ins Kino kommen. Nun zurück ins Videospiel. Konsequenterweise müsste es eigentlich jetzt bald ein Comic des neuen Tims geben, aber ich denke und hoffe dass dies den Comic-Enthusiasten erspart bleiben wird.

 

Hauptsache es steht Multiplayer auf der Hülle

 

Nun aber zum Spiel. "Völlig vorurteilsfrei" im Hinblick auf Lizens-Versoftungen schieben wir das Modul in den 3DS-Schacht. Sofort wird einem bewusst was eh zu erwarten war - der Titel orientiert sich streng am Film. Die Musikstücke passen, das Setting stimmt und natürlich haben die Charaktere ebenfalls diese beinah realistische, hochgerenderte Optik, die meilenweit von der ursprünglichen Comicvorlage entfernt ist. Im Menü habt ihr direkt die Wahl zwischen zwei Modi. Einmal könnt ihr die reguläre Kampagne auswählen und als zweites kann die Rubrik "Tim und Haddock" gespielt werden. Hier handelt es sich um eine Art Zeitrennen in dem ihr einen bestimmten Levelabschnitt im Kampf gegen die Uhr spielen könnt. Alternativ könnt ihr dieses Wettrennen auch gegen einen Freund über die Drahtlosverbindung spielen. Hört sich langweilig an? Ist es auch. Vor allem ist es besonders dürftig, dass mit dieser Minioption der ganze Multiplayer abgehandelt ist. Nun ja, kommen wir also zurück zum eigentlichen Spiel, der Kampagne.

 

Diese beginnt bereits pompös. In Pilotwings-Manier steuert ihr ein Flugzeug durch einen Gewittersturm, bevor ihr in der Wüste eine Bruchlandung hinlegt und der eigentliche Vorspann beginnt. Generell ist das Spiel recht gut und vor allem abwechslungsreich inszeniert. Im wesentlichen steuert ihr Tim durch klassisch zweidimensionale Plattformlevel. Diese wurden aber natürlich systemgerecht in 3D getüncht und hinterlassen auch optische einen guten und tiefen Eindruck. Daneben gibt es aber immer wieder auch Spielabschnitte in denen ihr beispielsweise eine Fährte mit Struppi erschnüffeln müsst oder auch kurze Seegefechte die zum Einbetten der Story genutzt werden. Hier kommt dann die Vogelperspektive zum tragen. Die Gestaltungselemente sind eigentlich immer fein und ansprechend designed, wiederholen sich aber teilweise recht oft.

 

Die leichten Schwächen im Look holt der Titel in Sachen Sound dafür locker wieder raus. Die Musik ist fast schon orchestral, zwar bei weitem nicht so melodiös und atmosphärisch wie bei einem Zelda-Titel, aber für eine Lizensversoftung wirklich gelungen. Das trifft auch auf die Soundeffekte zu, Authentizität wird auch hier groß geschrieben und sei es nur beim knarren der Dielen über die Tim läuft.

 

Struppi? Struppi wo bist du?

 

Schauen wir aber noch mal genauer in die Spielmechanik. Zweifelsohne bewegt ihr euch die meiste Zeit im seitenscrollenden Jump & Run Bereich. Ihr müsst von einer Etage zur anderen, über Abgründe springen, durch Luken kriechen und hier und da einen Gegner verhauen. Diesbezüglich werdet ihr übrigens keinen Blutspixel zu sehen bekommen. Egal wie lange ihr auf einen Gegner einprügelt und mit was für Gegenständen ihr ihn drangsaliert, euer Gegenüber hat stets rotierende Sterne um seinen Kopf schweben und liegt zerknautscht auf dem Boden. Die relative Gewaltfreiheit wurde also durchaus aus den über 200 Millionen mal verkauften Comics übernommen.

Später im Spiel dürft ihr auch gelegentlich den kratzbürstigen Kapitän Haddock spielen und in einen wenigen Teilstücken - beispielsweise um aus einem engen Gang einen Schlüssel zu holen - auch Struppi. Aber warum nur in Teilstücken? Normalerweise sind Tim und Struppi unzertrennlich. Es hätte eigentlich kein Problem sein dürfen den kleinen Foxterrier als Tims Sidekick fest im Spiel zu installieren. Ein unnötiger Lapsus also, der bei Fans sicherlich unangenehm aufstoßen wird.

 

Erfreuen kann man sich aber durchaus an den vielen kleineren netten Ideen im Gameplay. Sei es nun der bereits am Anfang stattfindende Flug oder das weiter oben kurz erwähnte Seeduell. Frische Ideen haben nicht zu knapp ins Spiel gefunden und retten so manchen Abschnitt, der kurz davor steht sich in Langweile zu verwandeln. Allein in diesem Punkt hebt sich der Titel von so manchem Software-Einheitsbrei ab!

 

Manche Abenteuer dauern Jahre, manche nur sechs Stunden

 

Man könnte also meinen es handelt sich um ein ziemlich gutes Spiel, fast schon ein Geheimtipp? Ja, fast, wenn wir da nicht leider noch einen großen nicht zu übersehenden Kritikpunkt anbringen müssten. Tim und Struppi hat nämlich unglücklicherweise eine kurze Spielzeit von nur etwa sechs Stunden. Und noch viel Schlimmer: Der Titel ist ein Musterbeispiel für eine völlig verhunzte Spielbalance. In weiten Teilen viel zu leicht, überrascht es dann plötzlich wiederum mit sauschweren und unfairen Momenten. Wirklich: Die erste Hälfte spielt sich wie ein extrem langgezogenes Tutorial. Ein Schalter oder ein Gimmick, welches man normalerweise im Spiel suchen und finden sollte, wird etwa ständig per Kamerafahrt "verraten" oder sogar per Sprechblase erklärt. Nun gut, ein Spiel für die jüngeren und unerfahrenen unter uns könnte man argumentieren. Dann gibt es aber wiederum Situationen, die einem auch als Spieleopa die Schweißtropfen auf die Stirn zaubern, da z. B. ein gewisses Zeitlimit einfach viieeeell zu kurz bemessen wurde und erst nach gefühlten 100 Wiederholungen mit viel Glück gemeistert werden konnte. Schade, wirklich schade und ärgerlich! Ein paar umfassendere Testdurchläufe hätten doch wirklich drin sein müssen, Ubisoft! Immerhin ein kleiner Trost: Das Spiel hat verdammt faire und naheliegende Rücksetzpunkte.

 

Vielen Dank an Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters!


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Fazit

Vorurteile sollte man im Leben ständig hinterfragen. Dies fällt einem sogar bei Tim und Struppi für den 3DS auf, denn im Gegensatz zu vielen anderen Spielen auf Filmbasis haben wir einen recht guten Titel vorliegen. Abwechslungsreiches Gameplay, stimmungsvolle Optik und eine tolle Soundkulisse. Kurzum, ein ziemliches Top-Spiel, wenn, ja wenn da nicht neben kleineren und akzeptabler Mängel, ein völlig schwankender und verkorkster Schwierigkeitsgrad wäre. So wird sich wohl nahezu jeder Spieler beim Titel des öfteren fluchend die Haare raufen. Oder wie Kapitän Haddock sagen würde: Hunderttausend heulende und jaulende Höllenhunde!

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

ok

66%

Singleplayer

37%

Multiplayer

Release

20.10.2011

Developer

Ubisoft Barcelona

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (WLAN)

1-2



Neue Wertungsskala für 3DS-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort bei 3DS-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


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