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Phoenix Wright: Ace Attorney &#8722; Spirit of Justice

Adventure

30.09.2016

Autor: Mario Kablau

 

Phoenix und seine Kollegen sind wieder da!

 

Es gibt ohne Frage sehr viele verschiedene Videospiele auf dieser Welt. Viele sind sich ähnlich, manche stechen heraus und wieder andere sind nahezu einzigartig. Zu letzterer Kategorie gehört auf jeden Fall die Ace Attorney-Reihe von Capcom, die 2001 auf dem Gameboy ihren Ursprung hat. Nach drei im Heimatland erfolgreichen Spielen haben sich die Macher glücklicherweise dazu entschieden, die Reihe zu uns zu bringen. Diese ersten drei Teile wurden hierzulande auf dem Nintendo DS umgesetzt und haben seitdem eine sehr treue Fanbasis.

 

Neben zwei weiteren Hauptteilen gibt es auch einige Ableger, der populärste davon ist wohl der, in dem Ace Attorney-Protagonist Phoenix Wright auf Professor Layton trifft und die beiden gemeinsam ein Abenteuer bestehen müssen. Doch nun sind Phoenix und viele der anderen Charaktere endlich wieder in einem eigenen Abenteuer zurück, das sich anschickt, seine Vorgänger blass aussehen zu lassen. Aber eins nach dem anderen.

 

Bei Ace Attorney geht es darum, als Anwalt seine üblicherweise des Mordes angeklagten Mandanten rauszuhauen, ihre Unschuld zu beweisen. Dabei hat es der Protagonist Phoenix, der später durch andere Anwähle, wie Apollo Justice oder Athena Cykes unterstützt wird, stets mit sehr durchgeknallten Staatsanwälten zu tun, die alles versuchen, um die Angeklagten tatsächlich auch zu verurteilen. Es ist also eine Anwalts-Simulation. Aber bevor ihr jetzt aufhört zu lesen, weil ihr Barbara Salesch oder Alexander Hold vor eurem geistigen Auge seht, schließt das geistige Auge bitte schnell. Denn Ace Attorney hat ungefähr so viel mit Gerichtsshows zu tun wie die Retro Studios mit Donkey Konga IV.

 

Kern der Spiele ist eine verrückte Geschichte mit verschiedenen Fällen, die jeder für sich alleine stehen aber stets auch ein Teil eines größeren Puzzles sind. So auch bei Spirit of Justice. Da mittlerweile Phoenix und Apollo als Anwälte etabliert sind, treten in Teil 6 auch wieder beide im Gerichtssaal auf. Während Apollo in Amerika für Gerechtigkeit beim Mord bei einer Zaubershow mit Phoenix‘ Tochter Trucy sorgen muss, steht Phoenix im extrem spirituellen Khura'in vor einer nie dagewesenen Herausforderung.

 

Eigentlich wollte er nur seine ehemalige Assistentin Maya Fey, die dort ihre Ausbildung zum Medium durchführt, um ihren Clan anzuführen, besuchen. Doch es kommt, wie es kommen musste: Sein Fremdenführer Ahlbi Ur'gaid (gelesen: I’ll be your guide, um nur ein Beispiel für die vielen verrückten Namen im Spiel zu geben.) wird des Mordes angeklagt und soll verurteilt werden. Doch anders als im Heimatland von Phoenix laufen dort Gerichtsprozesse etwas anders ab: Es gibt keine Verteidiger, die für die Rechte der Angeklagten einstehen und das Urteil wird abgeleitet aus einer Séance, die Einblicke in die letzten Momente des Opfers gibt.

 

Als Phoenix wie selbstverständlich seinem Guide dabei helfen will, seine Umschuld zu beweisen, lernt er das Land so richtig kennen. Anwälte sind seit über 20 Jahren als Wahrheitsverdreher verschriehen und deshalb im Land verpönt wie hierzulande Ratten. Der Staatsanwalt klagt an, die Kronprinzessin führt die Séance durch und deutet, was sie sieht und daraufhin wird das Urteil gesprochen. Es gibt niemanden, der für die Rechte der Angeklagten einsteht und dementsprechen gab es in diesem Land auch seit über 20 Jahren kein „nicht schuldig“ Urteil mehr.

 

Doch es kommt noch schlimmer: Ein Gesetz sorgt dafür, dass Anwälte die gleiche Strafe erwartet, wie ihre Mandanten – wohl der Hauptgrund, warum es keine Anwälte mehr gibt. Doch Phoenix lässt sich davon natürlich nicht unterkriegen und nimmt den Kampf auf, der sich über das ganze Spiel zu einer Geschichte entwickelt, in der Familie, Glaube, Freundschaft und viele andere Dinge zum Tragen kommen. Wer anfangs noch böse aussieht, ist vielleicht gar nicht so schlimm und was zu Beginn wie der Retter der Welt aussieht, ist vielleicht das Gegenteil.

 

Fall für Fall offenbart sich die gesamte Geschichte, die nach einem kurzen Zwischenhöhepunkt am Anfang von Fall 5 zum fulminanten Finale am Ende von Fall 5 führt. Dabei spielen Fall Nummer 1 und 3 im fremden Land und etablieren dort die Geschichte. Die Fälle Nummer 2 und 4 stehen etwas außen vor, Nummer 4 sogar noch etwas mehr, da hier erstmals Athena Cykes zusammen mit einem alten Bekannten zum Einsatz kommt und sich um einen Beschuldigten kümmert, der für den weiteren Verlauf des Spiels komplett irrelevant ist. Daher ist dieser Fall in meinen Augen auch der Tiefpunkt im Spiel. Wobei Tiefpunkt in diesem Spiel immer noch ein Höhepunkt verglichen mit vielen anderen Spielen ist.

 

Haupt-Attraktion sind ohne Frage die Fälle in Khura'in, da hier die zusammenhängende Geschichte voran getrieben wird. Ich möchte allerdings hier nichts spoilern, daher gehe ich auf Details nicht ein. Nur ein Punkt dazu: Der Staatsanwalt auf den man in letzter Konsequenz trifft ist der mit Abstand furchterregendste in der ganzen Reihe, da er eine Macht hat, gegen die man sich als Anwalt kaum zur Wehr setzen kann und die unsere geschätzte Gewaltenteilung mit Füßen tritt.

 

Ach so: Und der eben erwähnte Zwischenhöhenpunkt am Anfang vom fünften Fall ist wohl einer der wenigen Momente in der Reihe, der mir auf Jahre im Gedächtnis bleiben wird. Für Fans ist dieser Moment und das, was ihm folgt, wohl ein wahrgewordener Traum. Mehr verrate ich dazu aber nicht.

 

 

Gibt’s auch Gameplay?

 

Auch wenn die Ace Attorney-Spiele sich sicherlich nicht dadurch auszeichnen, dass man auf gute Auge-Hand-Koordination und ein exorbitantes Gefühl für Timing haben muss, muss man als Spieler natürlich auch etwas tun. Man selbst schlüpft in die Rolle des jeweiligen Anwalts und muss vor Gericht mit den zur Verfügung stehenden Beweisen die Wahrheit herausfinden. Dazu lauscht man (bzw. liest man) Zeugenaussagen und führt anschließend ein Kreuzverhör durch, um Widersprüche zu finden und diese aufzudecken. So kommt man Schritt für Schritt der Wahrheit näher. Ein Prozess, der manchmal etwas nervig sein kann, weil man als Spieler dem vorgegeben Pfad der Entwickler 1:1 folgen muss. Hat man irgendwann die Lösung schon gefunden, muss man trotzdem alles nach und nach so etablieren, wie das Spiel es will. Zum Glück gab es das bei Spirit of Justice für mich nur einmal.

 

In manchen Fällen muss man auch selbst Beweise besorgen. Dazu bewegt man sich per Klick auf dem Touchscreen durch verschiedene Umgebungen, durchsucht diese nach Hinweisen und befragt Zeugen. Alles, was relevant ist, kommt in die Gerichtsakte und steht dann vor Gericht zur Verfügung, um die Wahrheit zu enttarnen.

 

Neben vielen schon bekannten Besonderheiten aus den Vorgängern, wie Phoenix‘ Fähigkeit, Personen Geheimnisse zu entlocken oder Apollos Armband gestützte Tick-Enttarn-Masche sowie Athenas Stimmung Matrix, die Gefühle von Zeugen deuten kann, gibt es ein weiteres, zentrales Element im Spiel, das komplett neu ist: Séancen.

 

Die Kronprinzessin von Khura'in ist in der Lage mit den Opfern Kontakt aufzunehmen und deren letzte Momente zu visualisieren. So sieht man als Spieler das, was unmittelbar vor dem Mord passiert ist. Das Problem an der Sache ist nur, dass die Kronprinzessin diese Bilder deutet und ihre Deutung bisher als totale Wahrheit gesehen wurde. Doch Phoenix schafft es mit der Zeit, dem fremden Volk zu zeigen, dass diese Einsicht und die Deutung nur ein Bestandteil dabei ist, die Wahrheit zu finden. So muss man das Gesehen auf dem Bildschirm, dort werden alle fünf Sinne des Opfers visualisiert, mit der Deutung vergleichen und Widersprüche finden. Eine wirklich coole Idee, die auch toll umgesetzt wurde.

 

Alles in allem ist Spirit of Justice gameplay-technisch also eine Art Best of-Album mit einem komplett neuen Song. Dieser ist aber gewichtiger Bestandteil, der richtig Spaß macht. Ebenso, wie die Psyche eines Täters zu knacken, den Tick eines Zeugen zu finden oder die Emotionen des Täters zu deuten.

 

 

Technik, Steuerung und Umfang!

 

Grafisch ist die Reihe noch nie wirklich überwältigend gewesen. Aber seit dem Vorgänger sind die Umgebungen und Charaktere endlich dreidimensional und sehen für ein 3DS-Spiel wirklich gut aus. Vor allem haben die Entwickler es wieder mal geschafft, sich selbst zu übertreffen. Wie immer verändern sich Personen im Laufe der Zeit. Ein Zeuge, der zunächst wie ein friedliebender, betender Mönch daher kommt, ist eine Sekunde später plötzlich der Heavy-Metal Verrückte, der seine Mähne durch die Luft wirbelt. Einfach herrlich.

 

Auch der 3D-Effekt ist wirklich gelungen und ich kann jedem nur empfehlen, das Spiel damit zu spielen. Es gibt nicht nur vor Gericht sondern auch bei den Untersuchungen viele Momente, die mit 3D einfach besser kommen. Nicht zuletzt gilt das auch für die zahlreichen Anime-Sequenzen.

 

Musikalisch ist Spirit of Justice wieder ein Brett. Auch wenn viele Stücke bereits seit Jahren so oder so ähnlich in Verwendung sind, sind sie immer noch gut. Beim Kreuzverhör, in spannenden oder gefährlichen Momenten ebenso wie bei ruhigen Dialogen oder stimmungsvollen Erkenntnissen. Wirklich toll. Und: Es gibt nun auch teilweise Sprachausgabe. Einige wenige wichtige Sätze der Hauptakteure werden über das schon länger vertonte „Einspruch“ oder „Moment mal“ hinaus nun tatsächlich gesprochen. Vor allem der Fluch des Staatsanwalts ist hier hervorzuheben oder das Gebet der Kronprinzessin vor einer Séance. Diese Vertonung ist zwar die Ausnahme, aber ich hoffe, dass es in Zukunft noch mehr werden wird, denn hiermit könnten die Entwickler das Spiel tatsächlich noch auf eine ganz neue Ebene heben. Nicht nur, was die Immersion angeht sondern natürlich auch auf der Kostenseite, denn letzten Ende ist Ace Attorney ein Bilderbuch mit sehr viel Text.

 

Die Steuerung ist gewohnt gut aber auch gewohnt unspektakulär. Man kann entweder die nötigen Befehle mit den Tasten geben oder den Touchscreen nutzen. Beides hat seine Vor- und Nachteile und da es nicht gerade ein hektisches Spiel ist, ist es auch komplett problemlos, jederzeit zu wechseln. Je nachdem, ob man gerade mit einer oder mit zwei Händen an der Konsole sein will.

 

Der Umfang ist sehr groß, aber nicht zu groß. Ich habe fast genau auf die Minute 35 Stunden gebraucht, um es komplett durchzuspielen. Und keine Minute war langweilig. Am Ende hätte es dann zwar gerne auch etwas schneller gehen können, aber die Reihe zeichnet von Anfang an aus, dass das Finale viele Kurven und Wendungen hat, die dann nun mal etwas länger dauern können. Und wenn man dann auch noch in der Lage ist, das Rätsel früh zu lösen und zu wissen, was passiert ist, dann kann das nerven. Spielte bei mir bei Spirit of Justice aber nahezu keine Rolle.

 

Achso, es gibt auch noch DLC-Fälle, die aber nicht wirklich im Zusammenhang mit der Hauptgeschichte stehen. Wer aber nach dem Ende (oder mittendrin) noch Lust auf mehr hat, der kann für ein paar Euro noch etwas mehr Spielzeit erhalten.

 

 

Vielen Dank an Capcom für das Testmuster


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Fazit

Phoenix Wright Ace Attorney Spirit of Justice ist ein würdiger Teil der Reihe. Ich kann ihn nicht wirklich einsortieren und sagen, ob es der beste der Reihe ist, denn dafür ist es bei mir einfach zu lange her, dass ich die anderen Teile gespielt habe. Viel wichtiger ist ja auch, dass er richtig viel Spaß macht, neben den zahlreichen bekannten Elementen auch neue Dinge etabliert und durch das Setting im fremden Land mit ganz neuen Regeln auch alten Hasen Schweißperlen auf der Stirn verursachen kann. Ich kann nur das wiederholen, was ich bei bisher jedem Test zu dieser Reihe geschrieben habe: Wenn ihr die Reihe nicht kennt, dann schaut sie euch an – sonst verpasst ihr etwas sehr Gutes. Und ja, man kann auch mit Teil 6 einsteigen, auch wenn man dann natürlich den Background der Charaktere nicht kennt, das ist aber nicht schlimm. Aber es lohnt sich auch, alle Spiele nachzuholen – und sich dann auf Teil 7 zu freuen, denn das Ende deutet stark daraufhin, dass Capcom weitermachen will. Ich bin gespannt!

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

super

Spielspaß

super

84%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

08.09.2016

Developer

Capcom

Publisher

Capcom

USK Freigabe

6+

Anzahl Spieler (Lokal)

1



Neue Wertungsskale für 3DS-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort bei 3DS-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


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